Bürgermeister von Miami: USA sollten mehr Bitcoins minen

Der Inbegriff der Karibik auf US-Boden: Miami, die inoffizielle Hauptstadt von Floria und Bitcoin. Bild von Mack Male via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Der Bürgermeister von Miami, dem derzeitigen Krypto-Hotspot der USA, findet, die USA sollten mehr Bitcoins schürfen. Seine Gründe sind interessant und gelten ebenso für Europa. Daneben plant er, dass Miami Bitcoins für Steuern akzeptieren und in die Kryptowährung investieren soll.

Francis Suarez, der Bürgermeister von Miami in Florida, USA, wurde in letzter Zeit immer wichtiger für die Bitcoin-Szene. Denn die Stadt an der südlichen Ostküste der USA wird immer mehr zum Krypto-Hotspot der USA. Im Podcast mit Laura Shin gibt er sich als Bitcoin-Fan und erklärt, wie und warum er Miami zur globalen Krypto-Hauptstadt machen will.

Dabei fragt Laura Shin auch, wie er seine Begeisterung für Bitcoin gegenüber Vorwürfen rechtfertigt, die Kryptowährung sei umweltschädlich, weil sie so viel Strom verbrauche. Darauf gibt Suarez eine spannende Antwort:

„Das große Problem des Bitcoin-Minings ist, dass 90 Prozent nicht in den USA stattfinden. 90 Prozent der Miner sind in Ländern mit schmutziger Energie, und das ist der Grund, weshalb Mining als schmutzige Aktivität gilt.“

Der Bürgermeister würde es begrüßen, Miami zum Mining-Hub zu machen. „Wir haben Atomenergie, das ist saubere Energie, und wir können Mining-Center mit sauberer Energie betreiben.“ Daneben meint er, es sei eine Sache der nationalen Sicherheit, dass mehr Mining in den USA stattfindet: „Wir denken nicht, dass 90 Prozent der Miner außerhalb der USA sein sollten.“

Damit bringt Suarez ein doppeltes Argument für das Mining in den USA zur Geltung, das mindestens ebenso sehr auf Europa zutrifft: Wenn ein Staat oder ein Staatenverbund keine eigenen Miner hat, kann das zu einem Problem der nationalen Sicherheit werden. Oder zumindest zu einer Schwäche und einem Verlust an Einfluss. Darüberhinaus können Länder die fürs Mining verwendete Art der Energie nur beeinflussen, wenn sie selbst Miner haben.

Dass der Großteil der EU – beispielsweise Deutschland – sich wegen viel zu hoher Strompreise als Mining-Standort selbst disqualifiziert, bedeutet dementsprechend, dass sich die EU und Deutschland selbst die Möglichkeiten raubt, die Ökobilanz des Minings positiv zu beeinflussen. Solange man nicht willens und in der Lage ist, das Mining global zu verbieten, sollte es ein ökologisches Gebot sein, die Standortbedingungen zu schaffen, die Miner brauchen. An sich stehen dem in Deutschland vor allem die hohen Steuern für Strom im Weg.

Allerdings zeigt das Interview auch deutlich, wie weit Europa – etwa Deutschland – von amerikanischen Verhältnissen entfernt ist. Ein Bürgermeister, der so offensiv seine Stadt zur Krypto-Hauptstadt machen will, ist hier nicht wirklich denkbar. „Miami versucht, zur globalen Krypto-Hauptstadt zu werden. Dafür haben wir etwa untersucht, welcher US-Bundesstaat die krypto-freundlichsten Gesetze hat. Das war Wycoming. Also haben wir die Gesetze kopiert und verbessert. Nun gehen sie durch den Senat und zum Governeur, und wenn sie durchgehen, werden sie Floria zum krypto-freundlichsten Staat der USA machen.“

Unabängiger kann Suarez in Miami agieren. Hier ist er dabei, die Voraussetzungen zu schaffen, um städtische Steuern und Gebühren in Bitcoin einzunehmen und städtische Mitarbeiter in Bitcoin zu bezahlen. Er ergründet auch die Möglichkeiten, dass der Kämmerer der Stadt in Bitcoin investiert, was aber durch eine Reihe von Gesetzen kompliziert wird.

Der Bürgermeister kann sich gut vorstellen, dass Kryptowährungen in Zukunft Fiatgeld ersetzen. „Ich kann mir das absolut vorstellen. Fiat-Währungen sind historisch gesehen eine relativ neue Sache. Es würde mich nicht überraschen, wenn die Demokratisierung der Technologie es den Leuten erlaubt, ein gemeinsames Verständnis zu schaffen, was für sie Werte sind, und ich denke, genau das passiert mit Bitcoin und Kryptowährungen – sie sind ein digitaler Mechanismus, dem Leute Werte zuschreiben.“

Von einer Krypto-Revolution erhofft sich Suarez, dass sie „Defizitfinanzierung eliminiert. Regierungen sollten sich Geld leihen, anstatt es zu schaffen, und aufhören, die Märkte zu manipulieren.“ Auch das eine erstaunliche Aussage in einem Interview mit einem Bürgermeister, das reich an erstaunlichen Aussagen ist.

Über Christoph Bergmann (2005 Beiträge)
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