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CipherTrace und ChainLink wollen US-Blacklists ins DeFi-Ökosystem einführen

"Black Hand" von m.prinke via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Wenn von Dezentralen Finanzen (DeFi) die Rede ist, schwingt oft mit, dass die Apps unzensierbar sind, da dezentral. Der Blockchain-Analyst und das Oracle-Netzwerk ChainLink wollen nun beweisen, dass das zu kurz gegriffen ist.

Bekanntlich pflegt das US-amerikanische Office of Foreign Asset Control (OFAC), zu deutsch: Amt für die Kontrolle auswärtiger Finanzinstrumente, eine Schwarze Liste, die zahlreiche Individuen, Unternehmen, Organisationen und sogar Staaten notiert, mit welchen US-Unternehmen und Bürger keine finanziellen Beziehungen führen dürfen.

Diese OFAC-Liste enthält mittlerweile auch Blockchain-Adressen, auf denen Bitcoins, Ether oder Tether-Dollar gespeichert sind, unter anderem von iranischen Hackern oder chinesischen Drogenschmugglern. Gültigkeit genießt diese Blacklist nicht nur bei regulierten Börsen in den USA, sondern auch in anderen Ländern, die vom Wohlwollen der USA abhängig sind; mittlerweile hat mit DMG sogar der erste Mining-Pool angekündigt, die Blacklist umzusetzen. Dies bringt zwar noch keine vollständige Zensur zu Bitcoin, könnte aber der erste Schritt dorthin sein.

Nun erobert die OFAC-Blacklist ein weiteres Territorium: die Apps der Dezentralen Finanzen (DeFi). Der Blockchain-Analyst CipherTrace kündigt an, das Oracle-Netzwerk Chainlink zu benutzen, „um CipherTrace DeFi Compli zu veröffentlichen: eine Compliance-Lösung, die es dezentralen Börsen (DEX) und anderen DeFi-Projekten ermöglicht, mit den Sanktionen des Office of Foreign Asset Control konform zu gehen.“

Dazu hat CipherTrace einen Oracle-Service im ChainLink-Netzwerk aufgesetzt, der relevante Daten zu Sanktionen und illegalisierten Adressen onchain im Rahmen von DeFi-Frameworks verfügbar macht. Da die meisten DeFis bereits ChainLink verwenden, beispielsweise um verlässliche Kurse von Kryptowährungen onchain zu verrechnen, dürfte die Integration durch willige DeFis kein großes Thema sein.

Es sollte, meint CipherTrace CEO Dave Jevans, „unter den größten Sorgen von den Chefs von DEXes sein, sicherzustellen, dass sanktionierte Adressen DeFi nicht benutzen können, um Massenvernichtungsprogramme zu finanzieren.“ DeFi stehe derzeit im Fokus der Aufmerksamkeit der Regulierer, nachdem etwa die Hälfte der Hacks im vergangenen Jahr DeFi-Protokolle und -apps betraf und auch die Beute von Hacks von zentralisierten Börsen, etwa 281 Millionen Dollar des KuCoin-Hacks, durch DeFi-Börsen gewaschen wurde.

Damit setzt CipherTrace um, was die US-Börsenaufsicht SEC schon seit einiger Zeit fordert: „Strukturen, die es Usern ermöglichen, Geld zu leihen, Zinsen zu verdienen, Geld zu verleihen, zu tauschen, Positionen einzunehmen – das sind alles finanzielle Aktivitäten“, so Valerie Szczepanik von der SEC, „und sie sind bereits gegenüber dem Gesetz verpflichtet, darunter auch den Gesetzen zu Wertpapieren, dem Bankwesen und den Darlehen – und definitiv Gesetzen gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung.“ Die Zeit für DeFi, fügt der CipherTrace CEO Jevans hinzu, um Compliance-Lösungen anzuwenden, sei jetzt. Wer sich dem verwehre, droht er, risikiere Konsequenzen.

Neben der Blacklists der OFAC bringt CipherTrace durch das Chainlink-Oracle auch seine eigenen „hochpräzisen Anti-Geldwäsche-Daten“ onchain.

Ob das helfen wird, den Geist zurück in die Flasche zu zwingen? Sicherlich werden die einen oder anderen großen DeFis das Blacklist-Oracle einführen, insbesondere, wenn ihre Entwickler in den USA beheimatet sind. Aber da das Rezept, eine DeFi-Börse zu bilden, längst bekannt ist, dürfte es schwierig bis unmöglich sein, alle Schlupflöcher zu schließen. Für jedes DeFi, das eine Blacklist einführt, wird ein anderes darauf verzichten und die User vermutlich mit höheren Zinsen dazu motivieren, Liquidität bereitzustellen.

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