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„Ich halte 90 Prozent meines privaten Vermögens in dezentralen Assets“

Der Unternehmer Lars Müller (30) ist Chef von SynBiotic SE, einer Investmentgesellschaft, die der Allgäuer zu „Europas größter Plattform im Bereich Cannabis und Cannabinoide“ ausbauen möchte. Vor kurzem sorgte das börsengelistete Unternehmen für Schlagzeilen, weil es einen Teil der Barreserven in Bitcoins hedgen wird. Wir haben mit Lars über den Zug gesprochen.

Hallo Lars! Würdest du dich selbst als Bitcoiner bezeichnen?

Vermutlich schon. Ich beschäftige mich persönlich seit 6 Jahren mit Blockchain und Kryptowährungen und stehe voll hinter Dezentralisierung. Ich halte 90 Prozent meines privaten Vermögens in dezentralen Assets, zu einem großen Teil Stablecoins. Das fühlt sich für mich sicherer an, als das Geld der Bank anzuvertrauen. Außerdem bekomme ich über DeFi-Plattformen auch viel mehr Zinsen. Aber ich bin Informatiker, ich weiß, was ich tue.

Wie kam es dazu, dass SynBiotic in Bitcoin investiert hat?

Es war für mich natürlich, dass ich nach der Kapitalerhöhung Anfang des Jahres einen Teil der freien Barmittel in Bitcoin wechsle. Wir streben an, 10 Prozent zu tauschen und werden das Stück für Stück machen. Bitcoin ist für uns ein Parkplatz für Kapital, bis wir es einsetzen, um in weitere Unternehmen zu investieren.

Um welche Summe geht es denn?

Wir haben im Dezember 6,5 Millionen Euro eingeholt und wollen 10 Prozent des Barvermögens investieren. Das werden etwa 500.000 Euro sein. Das ist natürlich eher ein kleiner Hedge, wir haben noch keine Millionengewinne rumliegen.

Da du dich nicht nur mit Bitcoin beschäftigst – kamen für euch auch andere Kryptowährungen in Frage?

Wir werden auf jeden Fall noch einiges mehr machen in dieser Welt. Daher kann es schon sein, dass da noch mehr passiert. Aber zunächst wollen wir erst mal die Grundsteine legen.

Wie wäre es, die Bitcoins in WBTC zu wechseln und per DeFi Zinsen dafür zu verdienen?

Darüber habe ich schon nachgedacht, aber erstmal halten wir sie nur, und zwar auf der eigenen Wallet. Es geht uns in erster Linie um die Symbolik, die wir damit setzen.

Welche konkrete Symbolik?

Wir wollen unter Anderem ein Signal für Deutschland setzen: dass es machbar ist, dass man sich das trauen darf. Ich rate nicht jedem, jetzt auch freie Barmittel in Bitcoin zu stecken, aber ich möchte dafür sensibilisieren. Man sollte sich über die Option zumindest informieren.

Wie stark ist die Sensibilisierung deiner Ansicht nach derzeit bei Unternehmen, Geschäftsführern und Investoren?

Ich würde sagen, nahezu Null. Da muss man noch sehr viel tun. Wenn man z.B. mit einem deutschen Steuerberater spricht, fehlt da noch ziemlich viel Hintergrundwissen. Da verstehen die in anderen europäischen Ländern mehr davon. Das war auch mit ein Grund, warum wir es nicht mit synthetischen Assets wie WBTC komplizierter machen wollten: Wir halten Bitcoins, das kann jeder verstehen, und wenn wir sie verkaufen, ist das ein Trade, das versteht auch jeder. Aber wenn ich jetzt die Bitcoin ins WBTC wechsle und die über Compound verleihe – das wird steuerlich wieder komplex.

Wie war der regulatorische Aufwand ansonsten? Gab es Probleme?

Eigentlich war es nicht schwierig. Als Unternehmer hat man es nicht immer leicht, einen Account bei einer Börse zu bekommen, aber das ging schon. Die Bitcoins zu traden würde es komplexer machen, aber es zu halten ist steuerlich recht unproblematisch. Die Bitcoins stehen auch ganz ordentlich in den Bilanzen, so wie andere Güter.

Ihr wollt euch mit den Bitcoins gegen die Abwertung von Fiatgeld schützen. Warum Bitcoin anstatt Aktien? Wo liegt der Unterschied?

Ich bin ein großer Fan davon, Assets zu dezentralisieren. Der Fixed Supply von Bitcoin, der derzeit so gut zum Tragen kommt, ist auch dezentral garantiert und unterscheidet Bitcoin von Aktien, die man ja einfach neu generieren kann.

Ihr schreibt in eurer Pressemitteilung, dass bei den Firmen, in die ihr investiert, Bitcoins oft akzeptiert und weit verbreitet sind. Kannst du das genauer erklären?

Die meisten Shops in der CBD- und Cannabiswelt nehmen Kryptowährungen an. Es wird in dem Bereich relativ oft als Zahlungsmittel verwendet, vielleicht, weil es oft Probleme gibt, Bankkonten zu bekommen. Darüber wurde in den USA viel diskutiert, aber in Deutschland geschieht es auch. Daher sind hier Kryptowährungen und dezentrale Stablecoins sehr interessant, im Zweifel auch, um Investitionen auszuzahlen.

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4 Kommentare zu „Ich halte 90 Prozent meines privaten Vermögens in dezentralen Assets“

  1. Als davon berichtet wurde, dass Synbiotic als erstes Unternehmen Barreserven in Bitcoin absichert, habe ich direkt einige Aktien geordert. Seit dem geht es leider ziemlich steil Berg ab 🙁

  2. Na ja allein die Aussage „ Aber ich bin Informatiker, ich weiß, was ich tue.“
    Bringt mich zum schmunzeln, als ob er dadurch irgendeine Expertise in finanziellen Dingen hätte. Durch seine Aussagen zu Aktien und Stablecoins sehe ich meine Bedenken bestätigt.
    Er mag ein guter IT-ler sein als Finanzfachmann sehe ich ihn aber eher nicht…

  3. Wenn er 2015 5 BTC zu je 200€ gekauft hätte und derzeit außerdem nur einen Amazongutschein im Wert von 100€ besitzt, heißt das, dass er 90 Prozent seines Vermögens in Krypto hält?

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