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Ideologisch nicht seidenweiß, aber superpraktisch: Wie Treuhand-Wallets die Nutzererfahrung bei Lightning gewaltig aufwerten

Blitz. Bild von Carolina Ödman via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

LightningAddresses bringt endlich Adressen ins Lightning-Netzwerk, die für Menschen ebenso einfach zu merken sind wie E-Mail-Adressen. Wir haben das zum Anlass genommen, mit einigen treuhänderischen Wallets zu experimentieren – und sind ziemlich begeistert, wie rasch sich Lightning fortentwickelt.

Bei all dem guten oder semiguten, das man über das Lightning-Netzwerk sagen kann, sticht doch eine Sache mit ausgesuchter Scheußlichkeit ins Auge: Die Invoices oder Payment Requests. Diese ersetzen das, was bei Bitcoin die Adressen sind. Diese kennen wir bereits:

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Schon die gewöhnlichen Bitcoin-Adressen sind nicht eben eine Schönheit und für Nicht-Coiner eher abschreckend. Aber wer denkt, das geht nicht noch schlimmer, hat die Rechnung ohne die Lightning-Entwickler gemacht. Wenn ich etwa möchte, dass Sie mir einen Euro überweisen, sieht das so aus:

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Natürlich kann man dieses Prachtexemplar mangelnder Nutzerfreundlichkeit in einem QR-Code verpacken. Weil der QR-Code so kompliziert ist, ist es für manche Apps und Smartphones auch gar nicht so einfach, ihn zu verarbeiten. Aber es funktioniert – sofern QR-Codes möglich sind, weil man gerade ein Smartphone benutzt.

Für diejenigen, denen das nicht reicht, gibt es nun eine gute Nachricht: Es geht auch ohne QR-Code und „Payment Requests“. Nämlich mit einer Lightning-Adresse. Sie sieht aus wie eine Email-Adresse und ist ebenso gut zu merken: Zum Beispiel christophbergmann57@zbd.gg oder bergmann@bitmia.com.

Sieht schon ganz anders aus, oder?

LNURL und Brückenserver

Das technische Prinzip hinter der Lightning Address dahinter ist relativ einfach, zumindest wenn man es oberflächlich erklärt.

Die zugrundeliegende Technologie ist LNURL. Das ist ein Set von Protokollen, die Lightning auf Anwenderseite einfacher machen. Im Detail ist es sehr kompliziert, zum Teil auch verwirrend. LNURL enthält jedoch zahlreiche Technologien, die Lightning radikal vereinfachen und, darüber hinaus, auch Aktionen ermöglichen, die es bei Bitcoin onchain noch nicht gab.

Die Lightning Address nutzt ein eher langweiliges, aber notwendiges Feature von LNURL: Die Möglichkeit, über eine Internet- bzw. IP-Adresse oder eine vereinfachte Darstellung derselben ein Lightning-Pay-JSON abzuholen. Wie mit einer Bitcoin-Adresse reicht so eine Kette von Zeichen aus, um wiederholt Geld zu empfangen, anstatt, wie bei Lightning vorher notwendig, für jede Zahlung ein neues Invoice zu generieren.

Die Lightning Address macht nun etwas ebenso langweiliges, aber interessantes: Sie verknüpft die LNURL-Payment-JSON mit einer mailartigen Adresse. Wenn man also bergmann@bitmia.com eingibt, wird dies in eine LNURL-Payment-JSON übersetzt, und diese wiederum in eine Lightning-Invoice. Unter der Haube passiert ziemlich viel, doch für euch, als User, ist nur eines wichtig: Ihr braucht euch nur eine einfache E-Mail-Adresse zu merken, wenn ihr mir Geld senden wollt.

Die Verknüpfung freilich geschieht auf einem Server, und das bedeutet für 99,99 Prozent der Menschheit: Ihr müsst jemandem vertrauen. Das kann der Anbieter eurer Lightning-Wallet sein, dem ihr, je nach Modell, schon teilweise oder vollständig vertraut, oder ein Bridge-Server, eine Art Drittanbieter, dem ihr vertraut, die Adresse in eurem Auftrag richtig aufzulösen.

Natürlich könnt ihr auch euren eigenen Server benutzen. Es ist möglich, einen Bridge-Server als eine Art Aufsatz auf euren Lightning-Node aufzustülpen. Alternativ könnt ihr auch einen reinen Bridge-Server betreiben.

Insgesamt ist das Vertrauensmodell ähnlich gelagert wie bei PayMail oder OpenAlias.

Die Vielfalt der Lightning-Wallets

Auf der Webseite Lightningaddress.com findet man Hinweise darauf, welche Wallets das Format bereits unterstützen. Es sind noch wenige, aber diese wenige sind bemerkenswert viele, wenn man bedenkt, wie jung das Format noch ist.

Wie so oft glänzt die Community der Lightning-Entwickler durch Begeisterung, Geschwindigkeit und der Freude daran, gemeinsam am selben Strang zu ziehen. Daher bin ich optimistisch, dass die Lightning-Adress das schafft, woran die vielen vorhergegangenen Versuche für Bitcoin brachial gescheitert: Einen Standard für vereinfachte Adressen bei (fast) allen Wallets zu etablieren.

Wer eine eigene Lightning-Adresse möchte, erhält diese mit zebedee, lntxbot und coinos. Bezahlen an sie kann man mit zebedee, Blixt Wallet, lnbits, der Simple Bitcoin Wallet und lntxbot. Die Zeus-Wallet ist noch dabei, das Konzept zu integrieren, von anderen Wallets ist bisher noch nichts bekannt.

Ich habe mich bei meinen Recherchen mit drei der Wallets beschäftigt: Zebedee, lntxbot und lnbits. Eigentlich wollte ich ausprobieren, wie die Lightning Addresses funktionieren. Das hat, mehr oder weniger, geklappt; gut genug, um zu beeindrucken, aber noch nicht gut genug, um schon jetzt von einem funktionalen Standard zu reden. Mehr als dies haben mich aber die Wallets beeindruckt: Sie glänzen mit Vielfalt und Nutzerfreundlichkeit.

Alle drei Wallets sind allerdings Treuhandwallets, und es dürfte kein Zufall sein, dass gerade diese am schnellsten dabei sind, neue Innovationen einzuführen. Eine Treuhandwallet bedeutet, dass man die privaten Schlüssel und Payment-Channels nicht selbst verwaltet. Stattdessen hat man Accounts bei den Lightning-Knoten von Zebedee, LNTXBOT und LNBITS. Ideologisch gesehen ist das natürlich schlecht, und ich würde auch davon abraten, unbedarfterweise große Guthaben in diesen Wallets zu parken.

Aber von einem praktischen Standpunkt aus ist es phantastisch: Man lädt die Wallet und kann sofort loslegen. Mit Channels, Liquidität und anderem Schnullifax muss man sich nicht beschäftigen, und all die Komplikationen, die zahlreichen praktischen Features unterliegen, versteckt der Server für einen hinter einer gut zugänglichen Nutzeroberfläche.

Zebedee

Zebedee ist eine Wallet für „virtuelle Zahlungen für virtuelle Welten“. Sie richtet sich an Gamer und soll endlich Zocken und Zahlen zusammenbringen. Über eine weitere Software, Infuse, kann man derzeit Counterstrike um Bitcoins spielen. Ob das benutzt wird und ob es unter Zockern ankommt, weiß ich nicht. Aber darum geht es hier auch nicht.

Denn Zebedee ist eine vielversprechende Lightning-Wallet fürs Smartphone. Nach dem Download aktiviert man sie, indem man seine E-Mail-Adresse durch einen Code verifiziert. Ab jetzt kann man die Wallet benutzen. Wer höhere Beträge versenden will, muss allerdings eine Identitäts-Verifizierung durchlaufen. Da es sich um einen Drittanbieter handelt, empfiehlt sich dies ab einer gewissen Summe als gegenseitige vertrauensbildende Maßnahme.

Zebedee ist eher ein Account als eine Wallet: Man hat einen Account im Lightning-Knoten von Zebedee. Das ist, wie schon erwähnt, weder dezentral noch autonom, aber praktisch. So kann die Wallet problemlos Bitcoins empfangen, sobald sie aktiviert ist. Darüber hinaus dient die Smartphone-Wallet als Basis für weitere Apps. Beispielsweise für ein Wallet-Plugin für Chrome, oder einen Wallet-Bot für Discord und Telegram. In beiden Fällen und wohl auch bei Infuse muss man mit der Smartphone-Wallet einen QR-Code scannen, um die Erweiterungen mit der Wallet zu koppeln.

Nachdem man einen Namen eingegeben hat, erhält man von Zebedee einen Nutzernamen. Meiner ist christophbergmann57. Wenn man diesen Nutzernamen an zbd.gg/ anhängt – also zbd.gg/christophbergmann57 – erreicht man sein Online-Profil. Dort findet ihr einen QR-Code, um mich zu bezahlen. Mit der Einrichtung der Wallet bekommt man also gleich ein Online-Profil. Wem das zu privat ist, der kann es in den Einstellungen verbergen.

Mit der Domain und dem Nutzernamen erhält man auch seine Lightning-Adresse: christophbergmann57@zbd.gg. An diese Adresse kann man nun mit jeder Wallet bezahlen, die Lightning-Adressen erkennt. An sich unterstützt Zebedee auch das Senden an Lightning-Adressen. Allerdings habe ich es weder mit der Wallet noch mit dem Browser-Plugin geschafft. Lediglich mit dem Tip-Bot auf Telegram hat es funktioniert, weshalb ich vermute, dass es nicht an der Technik liegt, sondern an der Oberfläche.

Die Wallet ist ambitioniert und voll guter Ideen. So kann man etwa einen Gutschein generieren, um Freunde oder andere Spieler zu bezahlen. Hier zeigt sich wohl die Macht von Protokollen wie LNURL. Allerdings ist sie noch nicht ganz ausgereift. So ist es etwa weder in der Wallet noch der Chrome-App möglich, Payment-Requests einzufügen. Manuell konnte ich lediglich Zahlungen an andere Zebedee-User bilden. Bei der Wallet immerhin ist es möglich, einen QR-Code zu scannen und dennoch Payment-Requests zu bezahlen.

Für Anfänger ist Zebedee eine gute Alternative zu anderen mobilen Treuhand-Wallets wie Wallet of Satoshi oder BlueWallet. Vielleicht sind die anderen etwas Wallets reifer, doch das Account-System, die frühe Integration von Lightning-Adressen sowie die umfangreichen Funktionen sprechen für Zebedee.

Aber ich muss gestehen, dass Zebedee von den hier getesteten Wallets nur meine drittliebste war.

LNTXBOT

Eine originelle Wallet ist der LNTXBOT. Um ihn zu benutzen müsst ihr keine Software herunterladen und keinen neuen Account eröffnen – sofern ihr eine Telegram-App habt. Mit ihr müsst ihr einfach einen Link öffnen, und schon könnt ihr mit dem LNTXBOT Lightning benutzen. Da man Telegram auch als Desktop-Software installieren kann, habt ihr damit gleich eine Wallet, die auf allen euren Geräten synchron läuft.

Der Bot funktioniert über ein Texteingabesystem. Mit dem Befehl „/help“ könnt ihr alle Befehle anzeigen lassen. Geld zu empfangen geht mit „/receive“ gefolgt vom Betrag, mit „/send“ plus Betrag und Empfänger könnt ihr etwas versenden. „/balance“ zeigt euer Guthaben an, „/transactions“ die letzten 25 Transaktionen. Interessant ist auch, dass man Faucets und Gutscheine bilden und in anderen Channels oder Chats posten, oder ein Fundraising veranstalten kann.

Laut der Webseite Lightningaddress kann man sich mit dem LNTXBOT eine der Lightning Addresses generieren. Wie habe ich allerdings nicht herausgefunden. Unter Umständen der Telegram-Username plus @lntxbot.com. Immerhin hat es tadellos geklappt, mit dem Bot an Lightning-Adressen Geld zu senden.

Am LNTXBOT gefällt mir die einfache Schlichtheit sowie die Klarheit, die mit den Sprachbefehlen einhergeht. Während anderswo das graphische Interface die einen Features hervorhebt, die anderen verbirgt und die nächsten verhunzt, ist hier alles gleich zugänglich.

Darüber hinaus könnt ihr, falls ihr Telegram-Nutzer seid, den Bot auch benutzen, um in anderen Gruppen oder euren Kontakten Bitcoins zu senden. Ihr könnt sogar API-Schlüssel generieren, wodurch der Bot nicht nur als Wallet, sondern auch als Server fungiert.

Kurzum: Der LNTXBOT ist eine einfache, rudimentär gehaltene Wallet mit einer verblüffend vielfältigen und unkomplizierten Benutzererfahrung.

Aber mein Favorit ist dennoch die nächste Wallet:

LNBITS

In der einfache Variante ist LNBITS eine Online-Wallet. Ihr braucht nicht einmal einen echten Account, sondern müsst lediglich einen Namen für die Wallet angeben und sie dann generieren.

Danach wird der Link der Wallet zu eurem Login. Am besten ihr setzt ein Lesezeichen oder speichert ihn in einem Dokument. Je nachdem, wie viel Geld ihr in der Wallet speichern wollt, solltet ihr das Dokument sichern oder verschlüsseln.

In jedem Fall habt ihr mit LNBITS innerhalb von Sekunden eine funktionsfähige Wallet. Da auch sie auf einem Server läuft, könnt ihr sofort problemlos Geld empfangen und versenden.

Und wie schon der LNTXBOT ist LNBITS extrem funktionsreich. Zunächst kann sie, wie eine Standardwallet, Invoices bezahlen, entweder eingefügt oder per QR-Code gescannt, und Payment-Requests bilden. Doch das ist erst der Anfang. Wer sich ein wenig mit LNBITS beschäftigt stößt auf eine gewaltige Fülle an Funktionen.

LNBITS hat eine API, durch die ihr automatisiert Invoices generieren und prüfen könnt, ob dieses bezahlt wurde. Falls ihr für kleine Anwendungen Geld empfangen wollt, ist das eine extrem einfache Variante, die euch die Mühe erspart, einen Full Node aufzusetzen oder einen Zahlungsdienstleister zu engagieren.

Sehr praktisch sind auch einige weitere Funktionen von LNBITS: Mit einem QR-Code kann man die Wallet komplett leeren und auf eine andere überspielen. Wenn danach Zahlungen eintrudeln, werden sie automatisch an die neue Wallet weitergeleitet. Wer auf dem Smartphone etwa die Wallet BlueWallet hat, kann sie durch das Scannen eines QR-Codes mit LNBITS synchronisieren. So habt ihr die Wallet gleichzeitig im Browser und auf dem Smartphone. Schon alleine das finde ich unglaublich praktisch.

Aber wir haben noch gar nicht wirklich angefangen. Es gibt eine Vielzahl von Erweiterungen für die Wallet. Einige setzen das LNURL-Protokoll unmittelbar um, etwa wenn man mit LNURLw Gutscheine generiert, durch die andere etwas von der Wallet abbuchen können, oder wenn man mit LNURLp dauerhafte Payment-Links bildet, durch die man Geld empfangen kann. Darüber hinaus gibt es zahlreiche mehr oder weniger sinnvolle Anwendungen: Man kann Paywalls mit Lightning bilden, eingehende Zahlungen splitten, Subdomains verkaufen und vieles mehr.

Wie man an Lightning-Adressen bezahlt habe ich allerdings nicht herausgefunden. Auch eine Erweiterung dafür gibt es noch nicht. Daher vermute ich, dass das Feature vielleicht unter der Haube umgesetzt ist, es aber noch nicht in die Benutzeroberfläche geschafft hat.

Sehr interessant ist aber, dass man LNBITS mit Bridge-Servern verbinden kann. Eigentlich braucht man dafür einen Full Node. Dies übernimmt aber der LNBITS-Server für einen. So gibt man auf den bei Lightning-Address ausgeschriebenen Brückenservern die Domain sowie einen API-Key ein, und schon kann man die LNBITS-Wallet mit einer Lightning-Address verknüpfen, z. B. bergmann@bitmia.com.

Da ich LNBITS auch mit der BlueWallet verbunden habe, kann ich nun also auch mit dieser Geld über diese Adresse empfangen.

Ideologisch nicht ganz sauber – aber praktisch

Die drei vorgestellten Wallets sind allesamt treuhänderisch. LNBITS immerhin kann man auch auf dem eigenen Server installieren und betreiben, womit man einen machtvollen Aufsatz für den Lightning-Node gewinnt.

Doch der Vorteil der Treuhand ist bei diesen Wallets kaum zu verleugnen: Die Installation war in allen Fällen unkompliziert und einfach, bei LNTXBOT und LNBITS sogar phänomenal einfach, im Grunde mit zwei Klicks.

Noch vorteilhafter als die einfache Installation ist es, dass man sich nicht um Payment-Channels und Liquidität kümmern muss. Das macht der Server für einen. Man kann die Wallet öffnen und Geld empfangen.

Das entspricht natürlich nicht der ideologischen Reinheit, die viele von Bitcoin verlangen. Man könnte sogar sagen, durch die Lightning-Treuhandwallets wanzen sich jene Mittelsmänner und Banken, die wir eben erst losgeworden sind, wieder hinein. Aber dieser Vorwurf verkennt, worum es geht: nicht um Wallets, in denen man ein Vermögen verwahrt – sondern um leichte Wallets für leichte Guthaben, mit denen man kleine, alltägliche Zahlungen leistet und entgegennimmt.

Und hierfür warten die drei vorgestellten Wallets mit einer phänomenalen Nutzerfreundlichkeit auf. Wenn schließlich die Lightning-Adressen weiter verbreitet sein werden, wird dies noch besser werden.

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9 Kommentare zu Ideologisch nicht seidenweiß, aber superpraktisch: Wie Treuhand-Wallets die Nutzererfahrung bei Lightning gewaltig aufwerten

  1. Was soll ich sagen? Bin doch eher ideologisch geprägt und kann nur https://openalias.org/ uneingeschränkt empfehlen. Bei Namecheap gibts Domains gegen Bitcoin, einige Endungen sogar für unter 2$ im Jahr, bei Njalla sogar gegen Monero. Man kann deren Nameserver kostenlos nutzen, oder man nimmt die von z.B. Cloudflare. Gibts bei beiden mit DNSSEC und damit allemal sicherer als irgendwelche Custodial Lösungen, die in der Regel nicht nur sicherheitstechnisch sondern auch rechtlich nicht einwandfrei sind.

    Die verschiedenen Protokolle der Anbieter sind in der Regel zudem proprietär und nicht kompatibel miteinander. Genauso ein Murks wie 20 verschiedene Messenger Apps und ich muss leider behaupten, dass das mit Miranda, Trillian, Adium oder Pidgin schon mal besser funktioniert hat…

    Aber ich würde persönlich behaupten, dass ein QR Code oder eine unleserliche Adresse heutzutage in den wenigsten Fällen ein Problem in der Adoption darstellen. Selbst iPhones erkennen QR Codes heutzutage direkt in der Photo App, eine IBAN ist unwesentlich kürzer / einfacher und wir müssen sie in der Regel abtippen, weil kein QR Code verfügbar ist. Das Problem der Adoption sind eher die fehlenden Händler, die es nicht anbieten. Und ich muss zugeben, dass es extrem schwierig ist, diese dafür zu begeistern, Lightning macht das mit eingehender Liquidität nicht gerade einfacher.

  2. Da muss ich Paul Recht geben. Wenn man DNS neu erfindet, dann doch bitte *mehr* secure und *mindestens gleich* interoperabel wie DNS.
    Die meisten https (TLS) gesicherten Anfragen an Webseiten werden über voherige nicht TLS gesicherte DNS Abfragen übers Netz – mindestens an den eigenen Provider – ausgeplaudert.

    Was ist eigentlich aus Namecoin geworden. Kann man dort nicht Adress/Key Mappings auf ner Blockchain registrieren? Es muss doch gar nicht zwangsweise custodial passieren.

  3. Ihr seht den Anwendungsfall nicht. Ich will mit Nina und Freddi aus meiner Nachbarschaft eine Party machen und ich will dafür einkaufen und sie wollen mir das Geld per paypal senden. Mit viel Mühe habe ich sie dazu überredet Bitcoin zu nutzen.

    Wie sollte es sein? Es muss so einfach sein, dass sie nur eine App installieren, dort direkt Bitcoin kaufen können (per Kreditkarte vielleicht – wie bei bluewallet – dort funktioniert es schon recht gut). Und wie kommt der Betrag zu mir? Ich könnte den QR Code per Signal schicken … damit können sie aber nichts anfangen. Ich könnte meine Email-Adresse mitteilen und sage, bitte sendet es dorthin. Idealerweise sende ich nur einen Link, wo sie nur draufklicken müssen und die entsprechende APP öffnet sich.

    Alles andere ist zu kompliziert. Auch deswegen bin ich eigentlich ein Fan von Kreditkarten mit hinterlegtem Bitcoin-Wallet. Es ist zwar ein Bruch im Konzept aber da es maximal einfach ist und jeder Kreditkarten kennt, ist die Wahrscheinlichkeit einer Nutzung deutlich höher.

    • Lieber Jens, wozu überhaupt Bitcoin, wenn das per PayPal, Stripe & Co. doch funktioniert? Eine nächste Custodial Wallet, die mir nach belieben blockiert werden kann, brauche ich nicht. Du?

      Wo genau ist der Abbruch, wenn Du jemandem eine Wallet Adresse schickst statt einer E-Mail Adresse? Dieses komische Affenschaukel Sonderzeichen muss man auch erstmal auf der Tastatur finden, wenn man kein Copy&Paste nutzt…

      • Andi Maar // 2. September 2021 um 19:58 //

        Hm, das sich Custodial Lösungen immer wieder durchsetzen liegt nicht nur an den Anbietern, sondern auch an den Nutzern, die sich gern die perfekte Sicherheit, für don’t let me think about it wieder abkaufen lassen. Ist halt nicht jeder gern seine eigene Bank.
        Und die Hersteller von Custodial Lösungen können dafür sicherer mit dem eingenommenen Geld planen, da sie ihre Kunden durch customized Lösungen fester an sich gebunden haben. Nicht toll, aber scheinbar leider das durchsetzungsfähigere Modell.

        Solange es ausreichend Konkurrenz durch standarisierte non-custodial Lösungen gibt und Anbieter einen Ruf zu verlieren haben, funktioniert das ja auch irgendwie und hält sich die Waage.

        Allerdings liesse sich das obige ja auch – recht einfach – mit Namecoin oder Openalias Non-custodial implementieren. Müsst halt nur jemand machen.

      • Paul Janowitz // 3. September 2021 um 9:04 //

        Ja, leider wahr. Aber dafür braucht man kein Bitcoin und die letzten zehn Jahre wären für die Katz. Das hier angepriesene Bluewallet ist irgendwo in der Dominikana registriert und damit im Zweifel noch beschissener rechtlich zu belangen als ein PayPal oder Stripe.

        Bei Custodial Lösungen sehe ich auch immer die Gefahr der Monopolisierung, dass ein Wallet Anbieter „interne“ Transfers begünstigt, während „externe“ höher bepreist werden. Ganz zu schweigen vom Scam Risiko, welches z.B. ein Freewallet seit Jahren erfolgreich umsetzt. Die setzen auf selektives Scamming, es reicht ja unter Umständen den reichsten unter 1.000 Kunden zu scammen, dann gibt es nicht so viel schlechte PR und die App Stores listen die App weiterhin…

  4. Paymail lässt grüßen

  5. Wenn demnächst die Integration von LN in Twitter kommt, würde ich mich über einen Kommentar von dir dazu freuen.

    Ansonsten eine schöne Übersicht und danke für die Empfehlungen.

  6. PayPal ist auch superpraktisch, noch viel praktischer als alle genannten custodial LN-wallets. LN wird damit zum einen weiteren Bankensystem. Es führt die Bitcoin Idee ad absurdum.

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