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Wie die Mobility-Plattform bloXmove durch ein Initial Dex Offering (IDO) Kapital einholt

Bild von bloXmove. Alle Bildrechte bleiben bei bloXmove.

Das Stuttgarter Startup bloXmove möchte Mobilität mithilfe einer Blockchain neu entdecken. Durch das „BLXM Initial Dex Offering“ (IDO) führt es vor, wie Startups heutzutage eine Art „Börsengang“ nehmen können. Wir haben mit der Gründerin über das Projekt, über IDOs und über Daimler gesprochen. Denn dort nahm alles seinen Anfang …

Manchmal entstehen wundervolle Dinge, weil sie nowendig sind. Das weiß die Berlinerin Sophia Rödiger aus eigener Erfahrung. Eigentlich hat sie Wirtschafts-Psychologie studiert, und eigentlich hat sie danach bei Daimler Mobility angefangen, wo sie einen Innovations- und Startup-Inkubator mit aufgebaut hat.

Heute arbeitet sie nicht mehr bei Daimler. Heute ist sie stolz, mit ihren zwei Mitgründern Harry Behrens (CTO) und Bernd Hanisch (CFO) das Startup bloXmove zu führen und ihre Vision dezentraler Mobilität zu realisieren. Erst kürzlich ist ihnen hier ein Meilenstein gelungen: ein erfolgreicher Initial Dex Offering (IDO) des BLXM Token, für den bloXmove das Engineering und Markting geleistet hat. Die Token werden offiziell von der in Singapur angemeldeten BLXM Token Foundry (Stiftung) herausgegeben und verwaltet.

Kursverlauf des BLXM-Tokens nach Coinmarketcap.com

Am 22. Oktober eröffnete das IDO auf den beiden dezentralen Tausch-Plattformen Uniswap und PancakeSwap mit einem Preis von zunächst 69 Cent. Der Kurs stieg rasch und rapide und erreichte am 25. Oktober eine Spitze von 11 Euro. Danach fiel er zwar wieder auf etwas unter 6 Euro, steht nun aber bei etwas mehr als 8 Euro. BLXM Token hat eine Marktkapitalisierung von knapp 8 Millionen US-Dollar erreicht und wird bei Coinmarketcap und Coingecko gelistet.

Die IDO war offensichtlich ein satter Erfolg. Ebenso die Geschichte, wie es dazu kam.

Traditionell konservativ, aber innovativ

Die Wurzeln des Startups bloXmove liegen bei einem Traditionsunternehmen: dem Stuttgarter Autobauer Daimler. Dort haben sich die drei Gründer kennengelernt, Expertise und Netzwerk aufbauen können, und dort ist die bloXmove Mobility Blockchain Platform entstanden, damals im Kontext der Daimler Mobility Blockchain Factory.

Sophia Rödiger. Alle Bildrechte bei Sophia Rödiger.

Sophia ist klar, dass Daimler und Startups im ersten Moment nicht wie ein Memory-Paar klingen. Hier ein behäbiger, traditioneller Konzern, dessen Geschichte vor 135 Jahren begann, und der sich solide und ausdauernd wie eine Diesel-Limousine im Rahmen seiner Strukturen bewegt. Dort dagegen die Welt der Startups – in der lange Durststrecken bereits das Ende der Reise bedeuten können, weil stehenbleiben oft bedeutet, dass sich jemand anderes den neuen Markt schnappt. Wie kann das zusammengehen?

„Bei Daimler hat in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden,“ erzählt Sophia, „und der Konzern hat begriffen, wie wichtig Service und Software sind, und dass er nicht alles alleine machen, nicht jede Kompetenz in seine Strukturen integrieren kann. Vielmehr sollten Synergien genutzt werden: Startups sind innovativ, schnell und hoch spezialisiert, und Daimler hat Kunden, Geld und Business-Knowhow. Wenn man beides zusammenbringt, und jede Partei bei ihren Stärken belässt, kann etwas Großes und Neues entstehen.“

„Eine dezentrale Plattform für Mobility-Dienstleistungen“

In ihrer leitenden Rolle bei Daimler Mobility‘s Startup-Scouting hat Sophia dann auch Harry Behrens getroffen, „mein IT-Counterpart und Visionär bei KI und Dezentralität“, wie sie es ausdrückt. Zusammen mit den passenden Startups haben sie über drei Jahre lang die Blockchain Mobility Plattform entwickelt.

Das Ziel ist groß: „eine Software-Infrastruktur für ein offenes dezentrales Netzwerk von Mobilität“. Sie sollte alle Mobilitätsanbieter verbinden, von Scootern, die man sich in Städten ausleihen kann, über Carsharing, Leihfahrräder, Zugtickets, Busfahrten und so weiter. Eben jede Art von Mobilität, die abseits des eigenen Transportmittels geschieht. Ganz nach dem Motto der Innovation: „Mache dich selbst überflüssig – sonst macht es jemand anderes.“

Die Entscheidung, es dezentral auf Blockchain-Basis aufzuziehen, ergab sich aus der Beobachtung des Marktes und der Umsetzungsschwierigkeiten der anderen: „Wenn man es zentral macht, wie die typischen Aggregationsapps, wird man zur Hauptschnittstelle zum Kunden. Das schwächt die Anbieter, die die Flotte haben. Sie verlieren die Kundenschnittstelle, die nun der Aggregator besitzt, der sich das Versprechen von mehr Fahrten teuer bezahlen lässt. Für viele Mobilitätsanbieter rechnet sich diese Abhängigkeit nicht.“

Aber was, wenn man den Anbietern nicht die Autonomie nimmt? Wenn sie unabhängig bleiben und ihre Kundenschnittstelle behalten, aber dennoch kooperieren können? Genau das war die Idee. „Wir bauen keine End-User-Plattform,“ erklärt Sophia, „unsere direkten Kunden sind Unternehmen: Scooter-Firmen, Bus und Bahn, Verkehrsverbände und Stadtwerke. Wir vertreiben keine neue App im App Store, sondern bauen gemeinsam eine geteilte Software-Infrastruktur für diese Firmen. Wir sind für den End-User unsichtbar und machen dennoch sein gesamtes Erleben von Mobilität einfacher, schneller und reibungsloser.“

Der Zugang, und das ist der springende Punkt der Vision der drei bloXmove-Gründer, soll wie bisher über die bereits existierenden Apps der Firmen geschehen. Die Flixbus-App könnte somit Car Sharing- oder Scooter-Services mit anbieten und umgekehrt. „Die Unternehmen können selbst entscheiden, ob und mit welchen Partnern des Netzwerks sie zusammen Geschäft machen und kooperieren wollen. Bei einer beidseitigen Zustimmung wird das über einen digitalen Kontrakt abgesichert, und die notwendigen Transaktionen verschlüsselt über die Mobility Blockchain Plattform abgewickelt.“

Eine dezentrale Vision braucht Unabhängigkeit

Doch dann änderte sich vieles. Vor etwa 1,5 Jahren trat der ehemalige Daimler-Boss Dieter Zetsche zurück und als CEO folgte Ola Källenius. Damit stand dem Unternehmen ein weiterer Kulturwandel bevor. Der Fokus sollte wieder stärker auf Autobau und Manufactoring liegen.

Anfang dieses Jahres fiel eine für Sophias Projekt wichtige Entscheidung: die existierende Technologie sollte foran außerhalb des Daimler-Konzern weiter vorangetrieben werden. Die Gründe für diese Entscheidung ergänzten sich: Auf der einen Seite fokusierte sich Daimler in der Unternehmensstrategie neu. Auf der anderen Seite war von Beginn an klar gewesen, dass eine offene dezentrale Mobilitäts-Infrastruktur nur funktionieren kann, wenn sie von einem unabhängigen, neutralen Partner aufgesetzt und betrieben wird. Positives Feedback von externen Experten und Investoren belegten diese Annahme. So kam es im Mai 2021 zur erfolgreichen Lizenzübergabe an das neu gegründete Startup bloXmove.

Von App zu App

Die Plattform wurde über drei Jahre zur Reife gebracht, und die ersten Partnerschaften stehen schon. Etwa mit einer Scooter-Firma in Europa. „Wenn dein Verkehrsanbieter in Ulm,“ erklärt Sophia, „beispielweise mit denen kooperiert, kannst du durch ihn einen Scooter im Ausland buchen, ohne dich dort vorab als Neukunde registriert zu haben. Ein Service Roaming wird möglich.“

Man verstehe sich, erklärt die Gründerin, als „Meta-Transaktionsnetz. Wir ersetzen nicht die Datenbanken und die Accounting-Systeme von den Partnerunternehmen. Stell‘ dir unseren Technologie-Layer wie einen Saturnring vor, der um die Unternehmen kreist und sie verbindet, indem wir auf unserem Blockchain-Layer die mobilitätsrelevanten Transaktionen routen.“

Nicht jede Buchung wird eine Transaktion auf der bloXmove-Blockchain. Wenn der Ulmer Verkehrsanbieter ein Ticket in seinem Bereich verkauft, passiert nichts bei bloXmove, ebenso, wenn jemand mit der Felyx-App einen Scooter bucht. Eine Blockchain-Transaktion wird erst abgefeuert, wenn die eine App eine Mobilitätsdienstleistung bei einem anderen Anbieter bucht.

Diese Transaktionen sind in digitalen Verträgen geschrieben und speichern, in verschlüsselter Form, Details zur Buchung, so dass nur die beteiligten Parteien sie nutzen können. Zum Verrechnen der Aufwände, die zwischen den Mobilitätsanbietern entstehen, werden interne Verrechnungseinheiten und das BLXM Token genutzt. So sollen auch sogenannte Micro Payments möglich werden, die im Kontext urbaner Mobilität üblich sind und den Accounting-Abteilungen großer Firmen bisher oft Kopfzerbrechen bereiten.

Das Initial Dex Offering (IDO)

Wie es sich für ein Blockchain-Startup gehört, beschreitet bloXmove auch beim Fundraising neue Wege. Das Startup entschied sich, die BLXM Token Foundry bei ihrem Token Launch zu begleiten. Natürlich hängen Stiftung und Startup zusammen, und die Arbeit der Stiftung soll dem Blockchain-Projekt helfen. Doch die formale Unabhängigkeit ist wichtig – schließlich ist die Blockchain kein Unternehmen – und hat sich in der Branche bewährt.

Es sollte kein ICO (Initial Coin Offering) werden, kein Security-Token-Offering (STO), kein IEO (Initial Exchange Offering) – sondern ein IDO: „Initial DEX Offering“. DEX meint eine dezentrale Börse, wobei das englische Wort „exchange“ nicht 1:1 ins Deutsche übersetzbar ist. In jedem Fall kann man auf einer DEX Token dezentral tauschen. Dadurch blieb das Token Offering unabhängig von spezifischen dritten Parteien.

Die BLXM-Token werden auf zwei dezentralen Börsen auf zwei Blockchains angeboten: Uniswap auf Ethereum (ETH) und PancakeSwap auf der Binance Smart Chain (BSC). Ein paar Tage nach dem Launch stand auch schon die Brücke, um BLXM zwischen ETH und BSC zu verschieben. Wenn schon Smart Contract, dann richtig.

„Es ist faszinierend. Wir erreichen so viel mehr potenzielle Partner – durch eine globale Community. Jeder kennt jemanden, der jemand anderes kennt, der bei einem Mobilitäts-Unternehmen arbeitet.“ Dabei zeigt sich auch, wie wertvoll Unabhängigkeit sein kann. „Natürlich wäre das bei Daimler ein Stückchen komplizierter geworden,“ lacht Sophia, „aber so ist es für beide gewinnbringend: Wir können die Potenziale der Blockchain-Technologie ausschöpfen und Daimler kann unsere reife Technologie in ihren Projekten anwenden.

BLXM ist ein „Utility Token”, Regulatorisch war es hilfreich, dass die bloXmove-Token kein Security Token ist, das eher wie ein Aktieninvestment in ein Unternehmen zu verstehen ist und somit auch ganz anderen regulatorischen Standards unterliegt. Im BLXM-Fall hat der Token eine spezifische „Nutzung“.

Aber welchen präzisen Nutzen haben die BLXM-Token?

Der BLXM Token dient dazu, Mobilitätsservices zu bezahlen und Transaktionskosten zu begleichen, die über die bloXmove Mobiliy Blockchain Platform entstehen. „Zu Beginn wird ein Burning-Mechanismus angewandt“, erklärt Sophia, „die Anzahl an BLXM Token sinkt also.“

„Ab einer bestimmten reduzierten Anzahl werden dann auch andere Stable Coins erlaubt,“ fährt die Geschäftsführerin fort, „und wir übernehmen in BLXM die Gebühren. Wer einen BLXM Token besitzt, wird zum Community Mitglied und investiert mit seinem oder ihrem Glauben in unsere Vision einer multi-modalen, dezentralen Mobilität.“

Weitere Ideen für die Token sind in der Pipeline: so können sie in Zukunft auch als eine Art „Rewarding“ genutzt werden, um die Nutzung grüner Energien und Alternativer Mobilität zu belohnen. Spannend ist, dass schon einige politische Einheiten über genau solche Innovationen nachdenken.

Anfang Oktober 2022 soll bloXmove mit den ersten Partnern live gehen. „Dann kann man mit BLMX finanzielle Transaktionen in Echtzeit abwickeln, auch wenn viele Parteien daran beteiligt sind.“

Auf die Technik kommt es gar nicht so sehr an

Aber kann die Blockchain das leisten? Und überhaupt – was für eine Art Blockchain ist bloXmove oder soll es werden?

„Wir sind eine Layer-2-Blockchain basierend auf dem ‚Main Net‘ Ethereum, sind aber wegen der hohen Gebühren auch in Gesprächen mit anderen Chains,“ erklärt Sophia, „denn gerade im sehr sensiblen Mikro-Preisbereich von urbaner Mobilität kommt es auf jede Kostenposition an.“

Leider bleiben einige technische Details sowohl im Interview als auch im Whitepaper vage. Ist es ein Rollup oder eine Sidechain oder eine ganz andere L2-Lösung? Nutzt das Startup bestehende Plattformen, wie Optimism, Arbitum oder Polygon?

Sophia erklärt: „Wir sind eine eigene layer 2 ledger – keine die wir von wem anders nutzen, aber wir nutzen die layer one mechanism von ETH und für die sichere Finanzwelt die corda r3 chain, wir sind keine Side Chain“. Man könne sich as „wie ein Overlay zu verstehen, geschrieben in Smart Contracts, die als Protokoll-Endpunkte definiert sind und sich an die ETH-Logik halten.“

Das beantwortet die Fragen natürlich eher unbefriedigend. Aber vielleicht geht es gar nicht so sehr darum. Denn solange die Technologie gut genug ist, um zu funktionieren, wird etwas anderes viel entscheidender sein: ob es dem Startup bloXmove gelingt, die zahlreichen Mobilitätsanbieter mit ihrem Konzept zu beeindrucken, an einen Tisch zu bringen und gemeinsam den Mehrwert einer großen Mobilitäts-Allianz aufzuzeigen. Wir können gespannt sein.

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3 Kommentare zu Wie die Mobility-Plattform bloXmove durch ein Initial Dex Offering (IDO) Kapital einholt

  1. Selten hab ich einen Artikel hier so schlecht verstanden wie diesen. Mir bleibt schleierhaft, weshalb man für diese durchaus gute Idee eine Blockchain und eigene Währung braucht.

    • Es geht um Interoperabilität. Weg von Datensilos, wie sie von Facebook unterhalten werden, hin zu Daten, die dir selbst gehören und die du mit jedem teilen kannst. Wenn Daten nicht zentral wie etwa bei Facebook gesichert werden, braucht es eine Blockchain, durch die die Daten nach ihrer Erschaffung nachträglich nicht mehr verändert werden können.

      „kannst du […] einen Scooter im Ausland buchen, ohne dich dort vorab als Neukunde registriert zu haben.“
      Du selbst bist der Herr deiner Daten und entscheidest, wem du sie gibst. Du musst dich nicht mehr bei einer zentralen Stelle registrieren, d.h. ihnen deine Daten geben, sondern kannst auch so die Services eines Dienstes nutzen.

      Das ist zumindest die Richtung, in die es gehen soll. Bin gespannt, ob das auch praktisch umsetzbar ist.

  2. BlockChainSokrates // 12. November 2021 um 1:02 // Antworten

    ..“Wirtschafts Psychologie“

    Human Kapital..

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