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Die Volksbanken können sich „perspektivisch“ vorstellen, Kryptowährungen zum Handel anzubieten

Er würde bestimmt nicht so lange fackeln: Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der Gründer der Genossenschaftsbanken.

Die Volks- und Raiffeisenbanken haben einen Prototypen einer Krypto-Wallet entwickelt. Ob er aber tatsächlich auch zum Einsatz kommt, muss erst noch entschieden werden.

Werden sie? Oder werden sie eher nicht? Wagen die Volksbanken den Sprung, oder kneifen sie, wie die Kollegen von der Sparkasse, nochmal den Schwanz ein? Die Signale sind derzeit leicht widersprüchlich.

Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, denkt man bei den genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) darüber nach, den Kunden eine Wallet anzubieten. Die DZ Bank, so etwas wie das Zentrum des Genossenschaftsverbandes, habe bereits einen Wallet-Prototypen entwickelt, wobei die Deutsche Wertpapierservice Bank (DWP Bank) geholfen habe. Allerdings habe man sich noch nicht entschieden, ob man sie auch einsetze, so BVR-Präsidentin Marija Kolak am Dienstag in Frankfurt.

Die Präsidentin erkennt einen Bedarf, von dem sie sich „perspektivisch“ „vorstellen“ kann, ihn durch die Banken zu decken. Allerdings trägt sie auch zugleich die üblichen Bedenken mit sich herum: Kryptowährungen sind hochspekulativ, der Energieverbrauch des Minings sei so hoch. Man wolle nichts übereilt entscheiden. In etwa einem Jahr werde man eine Grundsatzentscheidung fällen können, woraufhin es, bei einem positiven Bescheid, den einzelnen Banken frei stehen würde, Kryptowährungen anzubieten oder eben auch nicht.

Kolak äußert sich vorsichtig, um zu verhindern, in dasselbe Fettnäpfchen zu treten wie die Sparkassen. Von diesen wurde vor einigen Monaten berichtet, dass eine Einführung des Krypto-Handels schon quasi vor der Tür stehe und noch im ersten oder zweiten Quaral 2022 live gehen sollte. Etwas später entpuppte sich die Meldung wie erwartet als Rohrkrepierer – „Krypto-Assets“ seien zu spekulativ, ähnelten zu sehr einem Pyramidenspiel, und man müsse die Kunden vor potenziellen Verlusten schützen.

Man darf guter Dinge sein, dass sich die Sache mit den Kryptowährungen bei den Volksbanken ähnlich entwickeln wird wie bei den Sparkassen: Es gibt junge, talentierte, motivierte Mitarbeiter, die Innovationen vorantreiben wollen, die erkennen, was der Markt möchte, die bereit sind, etwas Neues zu wagen – und es gibt die Bedenkenträger, die sich gegen die Innovatoren nicht zuletzt deswegen durchsetzen, weil die „Nachbarschaftsbanken“ in der Geldanlage eher konservativ aufgestellt sind. Erst wenn alle anderen Banken Krypto anbieten, wird man sich dem Thema wirklich öffnen.

Hinweise auf diese Variante findet man in einigen Details der Nachricht. Warum etwa entwickelt die DZ-Bank einen Prototypen einer eigenen Wallet? Der Markt hat gute Wallets, er hat zahlreiche professionelle Lösungen auch für Banken, es gibt Whitelabel-Angebote, und es herrscht kein Mangel an anderen Entwicklern. Sieht die DZ Bank ihre Kompetenz wirklich darin, Wallets zu entwickeln? Oder finden wir hier Spuren einer Beschäftigungstherapie für nervige Innovatoren?

Das zweite Stichwort ist „übereilt“. Diese Formulierung im Jahre 2022, gut 13 Jahre nach dem Genesis-Block, zu verwenden, ist absurd. Es wäre so, als hätte man 2017 gesagt, man wolle nicht übereilt entscheiden, einen Facebook-Account zu eröffnen. Zu diesem Zeitpunkt ist bei Bitcoin nichts übereilt – die Volksbanken haben effektiv bereits den Anschluss verpasst. Andere Banken, teils in Europa, vor allem aber in den USA, sowie Kreditkartenanbieter und PayPal, sind schon viel weiter.

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1 Kommentar zu Die Volksbanken können sich „perspektivisch“ vorstellen, Kryptowährungen zum Handel anzubieten

  1. Sehr interessant! Habe vor ein paar Monaten auch etwas über mögliche Krypto Adaption bei Sparkassen gelesen, wird spannend.

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