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Mit zweierlei Token für CO2-Neutralität

Ein solcher WIndpark dürfte einig CO2-Zertifikate einspielen. Bild von Sheila Sund via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Eine Kryptobörse aus Singapur kooperiert mit einer der größten Banken Asiens, um tokenisierte CO2-Zertifikate zu handeln. Lösen Token die Probleme, die CO2-Zertifikate noch dabei beschränken, einen globalen Markt für CO2-Neutralität zu schaffen?

Die Kryptobörse MetaVerse Green Exchange (MVGX) aus Singapur geht eine Partnerschaft mit der Oversea-Chinese Banking Corporation (OCBC Bank) ein, der zweitgrößten Bank Südostasiens. Ziel dieser Partnerschaft ist es „neue grüne Finanzlösungen zu entwickeln, die großen Unternehmen helfen, rascher CO2-Neutralität zu erreichen.“

MVGX nutzt zwei Arten von Token, sowohl fungible (CNT) als auch nicht-fungible (NFDT), um den Handel mit CO2-Zertifikaten zu unterstützen. Die Börse verspricht, mithilfe der Token die hinlänglich bekannten Probleme des Marktes mit CO2-Zertifikaten zu lösen.

Ein Markt für CO2-Neutralität

CO2-Zertifikate sollen nach dem Kyoto-Protokoll einen Marktmechanismus einführen, um den Abbau von CO2-Emissionen dort zu beschleunigen, wo er wirtschaftlich einfacher zu erreichen ist, und gleichzeitig klimafreundliche Unternehmungen als Kompensation fördern, etwa die Aufforstung von Wäldern oder den Aufbau grüner Energien.

Wer CO2 einspart – oder gar aufnimmt – erhält Zertifikate, die er an die Parteien verkaufen kann, welche einen Überschuss an CO2 ausstoßen. Dabei wird die Anzahl an ausgegebenen Zertifikaten sukzessive reduziert, um bis zum Jahr 2050 Klimaneutralität zu erreichen.

Die Idee ist gut, doch die Umsetzung leide, erklärt MVGX, derzeit unter der Schwierigkeit, „mit existierenden Systemen anständig CO2-Zertifikate auszugeben und zu verfolgen“. Es ist chaotisch und schwer zu überblicken. Dies habe deren „Aufnahme und Einfluss in großem Maßstab verhindert“, etwa wegen der Schwierigkeit, die Zertifikate grenzübergreifend zu handeln.

Ein fundamentales Problem dabei ist das „Double Counting“, das doppelte Zählen.

Das Problem des Double Countings …

Double Counting komme wieder und wieder vor, schreibt Compensate.com, so absurd dies auch sei. Dabei beanspruchen zwei Parteien ein Zertifikat für dieselbe klimafreundliche Operation.

Ein Beispiel: „Wenn ein Unternehmen beansprucht, CO2-Neutralität durch eine Kompensation erreicht zu haben, die auch zu den Zielen des Landes zählt, in welchem das Projekt stattfindet, hat das Unternehmen, soweit es das Klima betrifft, nichts weiter erreicht.“

Ein weiteres Beispiel nennt MVGX: „Ein Land hat seine CO2-Ziele übererfüllt und verkauft nun Zertifikate an ein anderes Land, welches diese Ziele noch zu erreichen hat. Dabei kann es zu Double Counting kommen, wenn beide Länder behaupten, ihre Ziele erreicht zu haben …“

Double Counting, so MVGX, führe dazu, dass sich die Finanzierung grüner Projekt verzögere und damit die Klimakrise beschleunige. Das Problem ist bisher nicht wirklich gelöst, auch wenn es verschiedene Ideen gibt. Diese drehen sich meist um nationale Register und Anpassungen der Ausschüttung der Zertifikate, wobei aber noch keine Einigkeit besteht. Möglicherweise erkennt man hier ein grundsätzliches Problem, wenn zentralplanerische Organe danach streben, marktwirtschaftliche Lösungen zu befördern …

Das Problem ist nicht identisch, aber verwandt mit dem Double-Spending. Da dessen Lösung DIE maßgebliche Errungenschaften der Blockchain ist, liegt die Frage nahe: Kann sie auch das Problem des Double-Countings beseitigen?

Eine Lösung mit zwei Token

Genau das behauptet MVGX. Die von der Börse entwickelten Token sollen „Unternehmen eine zuverlässige und akurate Sicht auf ihre Emissionen und Kompensationen“ bieten.

Das zentrale Instrument sind die CO2-Neutralitätstoken (CNT). Dies sind tokenisiertes CO2-Zertifikate, die man auf der Börse handeln kann. Sie sind im ERC20-Format, wobei aber nicht klar ist, ob sie auf der öffentlichen Ethereum-Blockchain oder einer privaten Fork derselben laufen.

Derzeit ist MVGX der einzige Treuhänder für die CNT-Token. Doch in Zukunft soll es eine Whitelist weiterer treuhänderischer Plattformen geben, etwa nationale Börsen für CO2-Zertifikate oder kommerzielle Banken. Dies spricht dafür, dass die Token nicht ganz so unmittelbar auf der Blockchain laufen wie man es wünschen mag. In jedem Fall hält MVGX seine Hand darauf.

Das zweite Instrument sind die „Nicht fungiblen Digitalen Zwillinge“ (NFDT), ebenfalls von MVGX entwickelt. Die Börse hat die NFDT-Technologie erst Ende Februar vorgestellt. Sie erlaubt es „handelbare digitale Zwillinge von nachhaltigen Smart Buildings, EV-Batterien und Photovoltaik-Panelen zu schaffen, wie auch ein CO2-Register der nächsten Generation.“

NFDTs sind eine Art von Non-Fungible-Token (NFT), wie sie in der Kunstwelt seit etwa einem Jahr einen mächtigen Hype entfachen. Das Besondere an den NFDTs ist, dass sie es erlauben, auch nach der Erschaffung „in Echtzeit neue Informationen hinzuzufügen“. Dadurch werden die Token „lebendig“, indem sie sich ständig ändern.

MVGX nutzt diese Art von Token, um Transparenz zu schaffen, worauf die gehandelten CNTs basieren. „Jedes CNT wird durch die NFDTs auf Informationen spezifischer Projekte zurückzuführen sein, so, wie ein Bitcoin darauf zurückverfolgt werden kann, wo und wie er geschürft wurde.“ Bei den ersten CNTs, die auf der Börse gehandelt wurde, weist das NFDT auf einen Windpark im chiunesischen Zhangjiakou, dessen CO2-Einsparung von den chinesischen Ministerien für Umweltschutz und internationale Wirtschaftskooperation validiert wurde.

Die für den Windpark ausgeschütteten 5.000 CO2-Zertifikate wurden über MVGX an den Hongkonger Vermögensverwalter Caladon Partner verkauft, der dadurch CO2-Neutralität erreicht hat.

Durch das Etablieren von Standards sollen die CNTs jedoch fungibel werden, so, wie Rohstoffe wie Öl oder Gas. „Auch wenn man nachverfolgen kann, woher ein CNT kommt, hoffen wir, dass […] alle unsere CNTs fungibel sind, so dass sie auf verschiedene Weisen genutzt werden können, um CO2-Neutralität zu erreichen.“

Kompensation für CO2-Ausstoß durch Mining

MGVX erlaubt auch den Handel mit Bitcoin und Ethereum. Durch den Kauf von CNT-Token hat die Börse CO2-Neutralität erreicht, was ihr auch durch ein PA-S2060-Zertifikat der British Standards Institution (BSI) bestätigt wurde. „Das erste Mal, dass die Institution tokenisierte CO2-Zertifikate akzeptiert.“

Investoren in Bitcoin, Ethereum und anderen Kryptowährungen empfiehlt MGVX, dasselbe zu tun – sich mit CNT-Token von den CO2-Emissionen freizukaufen, die mit dem Bitcoin-Mining verbunden sind.


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2 Kommentare zu Mit zweierlei Token für CO2-Neutralität

  1. Ich verstehe dass die verschiedenen lokalen Systeme wie z.B. die DEHSt (Deutsche Emmisionshandelsstelle) den internationalen Handel erschweren und ein ERC20 Token da helfen kann.

    Was ich nicht verstehe ist wie die Handelsform das doppelte Beanspruchen von CO2 Einsparungen verhindern soll?

    Ein Beispiel: „Wenn ein Unternehmen beansprucht, CO2-Neutralität durch eine Kompensation erreicht zu haben, die auch zu den Zielen des Landes zählt, in welchem das Projekt stattfindet, hat das Unternehmen, soweit es das Klima betrifft, nichts weiter erreicht.“

    Wenn sowohl Firma als auch Nation die Einsparungen beanspruchen ist es doch egal ob das ihnen als Token oder Börsenzertifikat gutgeschrieben wird.

    • Soweit ich es verstehe, kann man die CNT-Token auf das per NFT angegebene ursprüngliche Kompensationsprojekt zurückführen und das hilft, doppelte Beanspruchungen zu verhindern (?) oder zumindest transparent zu machen. So ist meine Interpretation …

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