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Größte Digitalbank Brasiliens legt Teil des Vermögens in Bitcoin an

Corcovada, Statue des Herrn in Rio de Janeiro. Bild von W. Seto via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Nubank konvertiert einen Teil ihres Vermögens in Bitcoin und wird Kunden anbieten, Bitcoin und Ether zu kaufen. Die brasilianische Bank reagiert damit darauf, dass Kryptowährungen in Lateinamerika weiter im Trend liegen – und sieht ein „transformatorisches Potenzial“.

Mit mehr als 70 Millionen Kunden weltweit und einer Unternehmensbewertung von rund 45 Milliarden Dollar ist die Nubank die größte Digitalbank Brasiliens. Wenn sie sich nun also auf Bitcoin, Ethereum und andere Kryptowährungen einlässt, ist das keine kleine Nachricht.

Am 11. Mai, also just an dem Tag, an dem der große Krypto-Crash der vergangenen Woche seinen Höhepunkt ansteuerte, gab die Bank das Folgende bekannt: Sie wird erstens beginnen, Bitcoin und Ether an ihre Kunden zu verkaufen, und sie wird zweitens ein Prozent ihres Vermögens in Bitcoin investieren. „Kryptowährungen sind ein wachsender Trend in Lateinamerika. Wir beobachten den Markt genau und glauben, er hat ein transformatorisches Potenzial für die Region,“ kommentiert CEO David Velez.

Der Kauf von Bitcoin und Ether soll direkt über das Kundenkonto möglich werden. Die Bank bietet dies bereits ausgewählten Kunden an und plant, die Option graduell bis Ende Juni in alle Konten zu bringen. Als Partner unterstützt sie dabei Paxos, eine Art P2P-Börse mit einem Schwerpunkt auf Entwicklungs- und Schwellenländer. Paxos arbeitet bereits mit Mercado Libre zusammen, der größten E-Kommerz-Plattform Lateinamerikas. Für die Nubank wird Paxos die Bitcoins als Broker beschaffen und die Wallet bereitstellen. Die Kunden werden die Coins von der Wallet aber zunächst nicht abheben können, aber dies wird sich voraussichtlich ändern.

Um zu demonstrieren, wie ernst man es mit Kryptowährungen meint, investiert die Mutterfirma von Nubank, die Nu Holdings, ein Prozent ihres Vermögens in Bitcoin. Ob dies bereits geschehen oder erst geplant ist, geht aus den Formulierungen der Pressemitteilung nicht glasklar hervor.

Mit mehr als 50 Millionen Kunden in Brasilien, Mexiko und Kolumbien verbindet die Nubank viele Menschen der Region. Generell scheint das Interesse an Bitcoin in Brasilien ungebrochen stark zu sein. Laut der Brasilianischen Steuerverwaltung haben Brasilianer von Januar bis November 2021 mehr als 11 Milliarden Dollar in Stablecoins gehandelt, womit sich der Betrag im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht hat.

Dieser Trend, ob nun zu Stablecoins oder Bitcoin, entgeht auch der Politik nicht, etwa dem Bürgermeister von Rio de Janeiro. Er plant, ebenfalls ein Prozent der städtischen Reserven in Bitcoin zu konvertieren. Ab 2023 möchte die Stadt zudem erlauben, Steuern in Kryptowährungen zu bezahlen.

Laut einer Umfrage der Börse Gemini mit 30.000 Personen weltweit besitzen 41 Prozent der befragten Brasilianer Bitcoins oder andere Kryptowährungen. Damit ist Brasilien zusammen mit Indonesien auf dem Spitzenplatz der Krypto-Adaption. In den USA und Großbritannien besitzen wohl „nur“ 18-20 Prozent Bitcoin oder andere Kryptowährungen. Auch bei der Tokenisierung von Rohstoffen ist Brasilien ein Trendsetter, wenn auf der Aktienbörse Matba Roex tokenisierte landwirtschaftliche Güter wie Weizen, Mais und Soja gehandelt werden.

Die Zentralbank in Brasilien scheint die Begeisterung der Einwohner nur bedingt zu teilen. Sie arbeitet derzeit mit der Großbank Santander und dem Kreditkartenanbieter Visa an einer eigenen digitalen Währung. Zugleich aber traf sich der Präsident der Zentralbank, Roberto Campos Neto, am vergangenen Freitag auf einen Videochat mit Chengpeng Zhao von Binance. Dabei ging es aber eher um die Zulassung der Börse in dem Land.

Zugleich jedoch diskutierten der Börsenboss und der Zentralbankspräsident das geplante Bitcoin-Gesetz Brasilien. Dieses soll Bitcoin und andere Kryptowährungen als Investment-Vehikel definieren und Krypto-Unternehmen dementsprechend dieselben Regeln auferlegen wie Investment Fonds. Eine davon ist, dass die Anbieter physische Büros in Brasilien haben müssen.

Über Christoph Bergmann (2292 Artikel)
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