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„Es gibt Bitcoin und es gibt Shitcoins. So ist meine Position.“

Peter Taschler. Bildrechte bei Peter.

Die BTC2022 wird die größte Bitcoin-Konferenz, die es jemals in deutscher Sprache gegeben hat. Wir haben uns mit einem der Organisatoren unterhalten.

Klar, nach gut zwei Jahren Corona hungert jeder danach, auszugehen. Die Bitcoin-Szene giert danach, eine prall gefüllte Konferenz zu besuchen, und viele Sprecher können es kaum erwarten, wieder vor vollem Publikum anstatt ihrer Webcam aufzutreten.

Dennoch ist das, was die Organisatoren der BTC2022 aufgestellt haben, bemerkenswert. Die Konferenz, die vom 15. bis zum 17. September in Innsbruck stattfindet, wartet mit einigen international prominenten Sprechern auf: Etwa der „Bitcoin-CEO“ Michael Saylor, Maria Luisa Hayem, die Wirtschaftministerin von El Salvador, und Saifedean Ammous, der Autor von „Der Bitcoin Standard“.

Daneben stehen viele, die in der deutschen Szene Rang und Namen haben, auf der Bühne. Darunter „interne“ wie der Blocktrainer Roman Reher oder die Bitcoin-Nomadin Anita Posch, aber auch „externe“ Fachmänner wie der Ökonom Günther Schnabl, der Zeit-Feuilletonist Ijoma Mangold und der Persönlichkeits- und Mentaltrainer Christian Bischoff.

Die Veranstalter der Konferenz haben zwei mutige Entscheidungen getroffen: Erstens geht es ausschließlich um Bitcoin, nicht um andere Kryptowährungen. Zweitens sollen die Vorträge, wenn möglich, auf Deutsch gehalten werden.

Wir haben uns mit Peter Taschler, dem Hauptorganisator der Konferenz, darüber unterhalten, wie es zu all dem kam und was dies für ihn bedeutet. Als Dank für die Aufmerksamkeit haben wir einen Gutscheincode bekommen, mit dem ihr 5 Prozent Rabatt auf Tickets erhaltet. Einfach bei der Buchung BITCOINBLOG eingeben. Nun aber zum Interview:

Hallo Peter! Beginnen wir doch damit, dass du erzählst: über dich, über dich und Bitcoin, und natürlich, warum du eine Bitcoin-Konferenz organisierst.

(Lacht) Da muss ich etwas ausholen. Also … ich habe mich am 11. September 2001 mit einer Event-Agentur selbständig gemacht. An DEM 11. September. Nine eleven.

Ich erzähle das deshalb, weil ich mit Krisen groß geworden bin. 2008 war ich dann gerade so weit, dass ich alles abgezahlt hatte und mir dachte, ok, jetzt arbeitest du endlich nicht mehr für die Banken. Aber dann kam die nächste Krise – die Finanzkrise.

Dabei hatte ich ein Schlüsselerlebnis: Eine Lehrerin sagte am Elternabend, wir sollten sammeln, damit die Schule Vorhänge kaufen kann, da der Bund nicht mehr bezahle. Zuhause hörte ich in den Nachrichten, wie der Kanzler den Banken viele Milliarden Euro versprach. Da dachte ich mir, da ist was faul. Ich bin zur Bank, habe mein Konto leergeräumt und Gold und Silber gekauft.

Das war mein Erweckungserlebnis. Mir war schlagartig klargeworden, dass mit dem Fiatgeld etwas nicht stimmt. Ich war zum Goldbug geworden und beschäftigte mich mit den Ökonomen der Österreichischen Schule. 2013 stieß ich auf Bitcoin, aber investiert habe ich, leider, erst 2015, und da auch nur kleine Beträge. Ich wollte vor allem lernen.

Was für Erwartungen hattest du an Bitcoin – und wurden sie erfüllt?

Mich hat überzeugt, dass es begrenzt ist, dezentral und unabhängig von der Politik. Dennoch habe ich das Thema 2015 aus den Augen verloren. Das Geschäft lief gut, es gab viel zu tun. 2017, als es einen großen Hype gab, sind viele Leute in meinem Umfeld eingestiegen.

Ich erinnere mich an eine Szene: Ein Freund von mir, ganz im Krypto-Fieber, hat mir einige Coins empfohlen. Ich hatte da meinen Schuhputzer-Moment und dachte mir, wenn ich größere Bestände hätte, würde ich sie verkaufen. Hatte ich aber nicht.

Was meinst du mit „Schuhputzer-Moment“?

Es gibt diese Anekdote über Joe Kennedy, der sich an der Wall Street 1929 die Schuhe putzen ließ. Als der Schuhputzer dem Milliardär dann einen Aktien-Tipp gegeben hat, ist er an die Börse, hat alles verkauft und begonnen, die US-Märkte zu shorten. Kurz darauf war der Börsencrash.

Schon recht schön: Innsbruck. Bild von Neil Williamson via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Für mich war das ein wichtiger Moment. Ich erkannte, dass wir auf der Spitze eines Hypes sind, und ich hatte damit recht. Aber ich lernte, den Kursbewegungen keine Aufmerksamkeit zu schenken. Ich denke mittlerweile, dass Bitcoin eine spekulative Phase hatte, aber mittlerweile zum Wertspeicher wurde, zum besseren Gold. Das kurzfristige Auf und Ab ist da nicht so wichtig. Bitcoin hat viel mehr zu bieten …

Was ist für dich das wichtigste?

Bitcoin ist die totale Gegenpositition zur Fiatwelt. Geld beeinflusst unser Leben extrem: Wie wir Häuser bauen, wie wir uns kleiden, uns ernähren, in Urlaub fahren. Es hat Einfluss auf alle Lebensbereich, und ein stark inflationäres Geld, wie unser Fiatgeld, hat verheerende Wirkungen auf all diese Bereiche.

In wieweit?

Am offensichtlichsten ist für mich, dass immer hässlicher gebaut wird und sich die Leute immer schlechter kleiden. Beziehungen werden instabiler, Ehen gehen schneller in die Brüche, die Beziehungen zwischen Kunden und Lieferanten sind kurzlebiger. Ich denke, dass das Fiatgeld einen großen Einfluss auf diese Bereiche hat. Ein solides Geld, wie Bitcoin, denke ich, würde diese genannten Bereiche beeinflussen. Nicht würde: wird.

Wie kam du dazu, eine Konferenz zu veranstalten?

Ich habe voriges Jahr eine Konferenz im Rahmen der Österreichischen Schule organisiert. Auf der Konferenz waren viele Bitcoiner, unter anderem der Präsident von Bitcoin Austria. Er hat mich gefragt, ob ich ein Tiroler Meetup veranstalten möchte. Ich sagte, ja, gerne, aber in einer gewisser Breite, also nicht in einer Location, wo sich nur Nerds hin trauen. Am besten in einem klassischen Kongresshaus, das kennen die Leute, da ist die Hemmschwelle niedrig.

Also habe ich den kleinsten Kongressaal in Innsbruck angefragt und ein Zoom-Meeting angesetzt, zu dem ich alle Podcaster und YouTuber eingeladen habe, die ich seit Jahren verfolge. Ich hatte wenig Erwartungen und war überrascht, dass alle anwesend waren.

Nachdem ich mein Konzept vorgestellt hatte – „Bitcoin Only in Innsbruck“ – sagten alle, ok, super, aber du brauchst einen größeren Raum. Ich hab den nächst größeren Raum reserviert, wir hatten das nächste Meeting, und die Podcaster sagten, der Raum sei immer noch zu klein. Also habe ich nicht den kleinsten, sondern den größten Saal in Innsbruck gemietet, und aus dem kleinen Meetup wurde die größte Konferenz im deutschsprachigen Raum mit einer Maximalkapazität von 1400 Plätzen.

Unser Ticketverkauf ist am 21.12.21 um 21:21 Uhr gestartet. Das Kontingent an Early-Bird-Tickets war in 3 Minuten ausverkauft. In dem Moment wurde mir klar, dass wir kein Luftschloss bauen – die BTC22 ist real.

Du sagtest Bitcoin Only. Weshalb?

Weil ich von Bitcoin überzeugt bin, aber nicht vom Rest. Es gibt Bitcoin und es gibt Shitcoins. So ist meine Position.

Natürlich kann ich nicht überblicken, was im Detail diese vielen anderen Coins können. Aber keiner kann diese besondere Entstehungsgeschichte von Bitcoin kopieren. Es gibt keinen Eigentümer, kein Pre-Mining. Und an sich liefert Bitcoin alles, was ich von einem soliden Geld erwarte. Wozu braucht es da noch andere Coins?

Ich habe viele Jahre befürchtet, dass es mal einen anderen Coin geben wird, der mehr kann als Bitcoin und diesen ablösen wird. Inzwischen bin ich überzeugt, dass Bitcoin einzigartig ist, und dass diese besondere Entstehungsgeschichte nicht wiederholbar ist.

Das etwa ist meine Position. Da die anderen, mit denen ich geplant habe, ähnlich ticken, habe wir beschlossen, eine Bitcoin-Only-Konferenz zu machen.

Habt ihr dafür viele Referenten gefunden?

Klar. Wir haben ein Konzept: Auf der Bühne geht‘s nur um Bitcoin, auch wenn uns klar ist, dass viele Teilnehmer Shitcoins und Altcoins reintragen werden.

Das war eine eindeutige Entscheidung, auch wenn uns klar ist, dass sie ihren Preis hat. So wäre es etwa mit den Sponsoren einfacher gewesen, weil Altcoin-Firmen oft finanziell potent sind …

(CB: Spitzt die Ohren)

Wir haben beschlossen, dass wir maximal 21 Sponsoren promoten werden, die auch unseren Bitcoin-Only-Ansatz vertreten. Anders hätten wir höhere Beträge einholen können. In Miami, auf der Bitcoin 2022, gab es etwa viele Sponsoren, die auch Shitcoiner waren, obwohl es auf der Bühne um Bitcoin ging.

Nicht nur Berge und eine Altstadt: Innsbruck hat auch auch einen Fluss. Bild von Michela Simoncini via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Wir wollen keine Kompromisse eingehen. Weder auf der Bühne, noch bei Sponsoren. Daher haben wir Angebote ausgeschlagen, auch sehr gute Angebote. Finanziell sind wir dennoch solide aufgestellt.

Auf welche Vorträge freust du dich besonders?

Ich mag Roman Reher, den Blocktrainer. Er hat im deutschen Sprachraum eine extrem große Reichweite. Oder Alex von Frankenberg, der ist seit Jahrzehnten in der Startup-Szene und versteht es, gute Leute zusammenzubringen. Anita Posch ist spannend, weil sie viel in Afrika und Südamerika unterwegs ist. Wenn man ihr zuhört, hat man das Gefühl, Bitcoin löst bei uns nur Luxusprobleme, während es für die Länder, die sie bereist, eine echte Chance und Notwendigkeit ist.

Sehr freue ich mich auch auf den Vortrag von Ijoma Mangold, dem Literaturkritiker der Zeit. Er hat im letzten Jahr einen sensationellen Artikel über Bitcoin geschrieben, und ich bin beeindruckt, wie er in so kurzer Zeit so tief in das Thema reinkam.

Rahim Taghizadegan schätze ich besonders. Ihn halte ich für einen der klügsten Köpfe unserer Zeit. Er wird über Bitcoin und die Österreichische Schule sprechen. Er war es auch, der mich 2013 auf Bitcoin aufmerksam gemacht hat.

Neben den beiden Stars Michael Saylor und Saifedean Ammous bin ich ganz besonders gespannt auf den Abschlussvortrag der BTC22, den Christian Bischoff halten wird. Bischoff hat sich nach seiner Profi-Basketballkarriere zu einem der gefragtesten Persönlichkeits- und Mentaltrainer im deutschen Sprachraum entwickelt. Mit seinem Podcast und YouTube-Kanal erreicht er eine riesige Community, die er in Richtung Bitcoin führen will.

Gibt es auch ein spezielles Rahmenprogramm?

Ja. Im Ablauf orientieren wir uns stark an der Konferenz in Miami. Wir starten am Donnerstag den 15. September mit einem Industry Day, der sich an Unternehmen richtet. Die Hauptkonferenz findet am Freitag und Samstag, den 16. und 17. September, von 9 bis 18 Uhr statt. Sie wird aus einer Mischung aus Vorträgen, Panels und Kamingesprächen bestehen.

Abends, nach der Konferenz, geht es weiter. Freitags haben wir eine chillige Networking-Party und am Samstag eine richtig fette Sound Money Party, die geht bis 3 Uhr in der Früh, bis zur Sperrstunde. Es spielen coole DJs, eine Live-Band und sogar ein BestOf von Bitcoin-Raps wird’s auf der Bühne geben.

Warum Innsbruck? Das ist für Leute aus Berlin oder Hamburg nicht eben um die Ecke …

Wir wollen eine Konferenz für den deutschen Sprachraum machen, nicht nur für Deutschland. Und da liegt Innsbruck relativ zentral, zwischen Zürich, Wien und München. Es gibt sehr gute Flugverbindungen über Frankfurt oder Wien und eine super gute Zuganbindung.

Außerdem ist Innsbruck eine Stadt mit Flair. Das hat mir in Miami gefehlt. Alles war teuer, aber auch heruntergekommen, und die harten Gegensätze zwischen Arm und Reich waren überall zu spüren. Innsbruck dagegen ist sauber, hat eine schöne Altstadt und eine wundervolle Bergkulisse. Das macht es für unsere Gäste auch ein wenig wie Urlaub.

Gibt’s noch Plätze?

Die Anmeldungen laufen gut und es kommen täglich neue herein. Es gibt noch Plätze aber so langsam sollte man sich um sein Ticket kümmern. Buchung unter bconf.de/tickets
Mit dem Gutscheincode „BitcoinBlog“ gibt’s 5% Rabatt. Weitere 25% Rabatt, wenn man das Ticket mit Bitcoin bezahlt.

Über Christoph Bergmann (2413 Artikel)
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3 Kommentare zu „Es gibt Bitcoin und es gibt Shitcoins. So ist meine Position.“

  1. Eigentlich erübrigt sich das Weiterlesen nach der Überschrift, dann Michael Saylor als Speaker, der ja Experte sein muss, weil er seit ca. 1 Jahr massiv investiert hat… NgU!!! Hätte man auch Goldman Sachs als Speaker eingeladen, wenn sie das selbe getan hätten? Immerhin ist Elon Musk nicht da… Ach ja, ein Shitcoiner, der auch noch mit Doge fremdelt!

    Unser Ticketverkauf ist am 21.12.21 um 21:21 Uhr gestartet. Das Kontingent an Early-Bird-Tickets war in 3 Minuten ausverkauft. In dem Moment wurde mir klar, dass wir kein Luftschloss bauen – die BTC22 ist real.

    Interessant, gab es 0 oder 1 davon? Ich hab von der Veranstaltung die letzten Monate nichts gehört und ich bin durchaus in deutschsprachigen Bitcoin Kreisen unterwegs…

    Natürlich kann ich nicht überblicken, was im Detail diese vielen anderen Coins können. Aber keiner kann diese besondere Entstehungsgeschichte von Bitcoin kopieren. Es gibt keinen Eigentümer, kein Pre-Mining. Und an sich liefert Bitcoin alles, was ich von einem soliden Geld erwarte. Wozu braucht es da noch andere Coins?

    Von einem soliden Geld erwarte ich Skalierbarkeit und Privatsphäre. Beides bietet Bitcoin nicht. Prove me wrong!

    Fazit: Innsbruck ist eigentlich immer eine Reise wert, aber ich muss da sicher nicht Mitte September hin, müsste ja auch meinen Shit irgendwie abbekommen…

    • Autsch, da tut jemanden Der Bärenmarkt weh… Bisschen an die frische Luft, andere Dinge als Bitcoin/Crypto tun hilft !

      • Nicht wirklich. Du wirst die letzten knapp 10 Jahre Kommentare von mir finden, die in etwa gleich lauten, unabhängig von der Marktsituation. Anfangs natürlich noch eher unwissend und erst lernend, mittlerweile verstehe ich die Technologie hinter relevanten Projekten ganz gut.

        In all den Jahren habe ich aber auch gelernt, dass man den Markt nicht timen kann und Daytrading entweder ein Full-Time Job ist, den ich nicht machen will, oder „nebenher“ ist es Gambling.

        Es geht mir einzig und allein der Aussage „alles außer Bitcoin sind Shitcoins“. Damit hat es sich eigentlich, denn von einem offenen Wertesystem wird Bitcoin mit einem Satz zur Religion. Und zwar zur einzig richtigen.

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