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Der Optimism-Airdrop: Freitoken für User des Ethereum-Rollups

Airdrop von Gütern für US-Soldaten in Afghanistan. Bild von ResoluteSupportMedia via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Optimism ist ein sogenanntes „Optimistic Rollup“, durch das Ethereum auf einer „L2“ skalieren soll. Nun gibt es ein Optimistic-Token (OP), das unter anderem per Airdrop an User verteilt wird. Wir erklären, was hinter dem Wortsalat steht.

Mit Optimism bringt die erste große L2 von Ethereum ein eigenes Token heraus: OP. Das OP-Token wird per Airdrop nach dem Vorbild von Uniswap und ENS verteilt: Wer das Rollup in der Vergangenheit benutzt hat, profitiert, und kann sich die Token hier abholen. Es lohnt sich (noch).

Da das Thema wichtig, aber vermutlich kompliziert ist, bröseln wir es hier in seine Bestandteile auf und arbeiten diese Stück für Stück ab.

Der Ethereaner liebste L2

Optimism ist ein sogenanntes „Optimistic Rollup“ von Ethereum, das eine Art von „Layer-2“ (L2) bildet, ähnlich wie das Lightning-Netzwerk für Bitcoin. Ein Rollup wurzelt in einem Smart Contract auf der Ethereum-Blockchain, verarbeitet Transaktionen aber „lokal“ durch den Aggregator. Dieser legt aber immer wieder Beweise für die Transaktionen in dem Smart Contract ab; wenn er dabei betrügt, haben die User die Möglichkeit, die betreffende Transaktion rückgängig zu machen.

Ethereum-Entwickler Christoph Jentzsch beschrieb Rollups so: „Im Wesentlichen geht das ganz einfach: Man komprimiert viele Transaktionen in eine, indem man die Daten zusammenwirft, und jeder kann das Ergebnis prüfen.“

Der Aggregator bei einem Rollup kann nicht betrügen. Das schlimmste, was er tun kann, ist eine Transaktion zu blockieren. Dennoch ist diese Art von Layer-2 hochgradig auf den Aggregator zentralisiert. Und bei Optimism ist dies derzeit die Firma Optimism PBC.

In der Ethereum-Szene haben sich Rollups in ihren verschiedenen Formen als beliebteste Skalierungs-Option etabliert. Rollups können tendenziell alle Smart Contracts ausführen, die auf Ethereum laufen, und sie sind relativ nahe an der Ethereum-Blockchain, anstatt wie etwa Polygon die Coins und Token auf eine Sidechain zu verfrachten, die sich dank des eigenen Coins faktisch wie eine vollständig andere Blockchain verhält.

Profitabel durch Token

Wie so viele Dapp- und DeFi-Projekte steht auch Optimism vor zwei Problemen: Erstens wirkt ein zentrales Unternehmen in diesem Bereich wie ein Fremdkörper; zweitens ist die Finanzierung der Entwicklung selbst bei großem Erfolg oft schwierig.

Mit einem eigenen Token haben beispielsweise Compound, Uniswap oder ENS versucht, diese Probleme zu lösen. Auch Optimism PBC orientiert sich an diesen Vorbildern, wenn die Firma das OP-Token herausgibt.

Anders als die Token von Sidechains wie Polygon (MATIS) ist das OP-Token nicht notwendig, um Optimism zu benutzen. Das Unternehmen tut gut daran, drauf zu verzichten, einen kurzfristigen Gewinn damit zu erkaufen, den Usern diese massive Hürde in den Weg zu legen. Stattdessen hat das OP-Token wie schon die Token von Uniswap und ENS vor allem zwei Ziele.

Erstens spült es Geld in die Taschen der Gründer. Denn 19 Prozent der Token werden an die „Core Contributers“ verteilt, also an die Entwickler von Optimism. Dies entspricht (zum heutigen Kurs) rund 100 Millionen Dollar. Weitere 17 Prozent gehen an die „Sugar xaddies“, die Investoren, die die Entwickler finanziert haben. Vermutlich stand das Token seit langem in der Roadmap und war Voraussetzung, um Kapital einzuholen.

Auch die User von Optimism profitieren. 19 Prozent der Token werden an diejenigen ausgeschüttet, die Optimism benutzt oder anderweitig unterstützt haben. Weitere 25 Prozent gehen an einen „Ökosystem Fonds“, der diverse Aufgaben erfüllt und Optimism helfen soll, weiter zu wachsen.

Ein Teil dieses Ökosystem Fonds ist der „Governance Fonds“: Ein Budget für die Verwaltung oder Regierung von Optimism. Und damit wären wir beim zweiten Ziel.

Das Optimism Kollektiv

Das OP-Token wird zur Grundlage der Dezentralisierung von Optimism selbst. „Das Optimism-Kollektiv ist ein großes Experiment nicht-plutokratischer Regierung („Governance“) und der Finanzierung öffentlicher Güter …“ schreibt Optimism PBC. Die Token sollen „die Kontrolle über das Netzwerk für das Wohl des Protokolls verteilen.“

Die Leitung von Optimism soll auf zwei Säulen beruhen: Das „Token House“, in welchem die Besitzer der Token in einem explizit plutokratischen Verfahren abstimmen. Wer mehr Token hat, hat mehr Stimmen. Die zweite Säule ist das „Citizen House“, in welchem Besitzer von Citizenship NFTs abstimmen. Diese NFTs sollen „Soulbound Token“ sein, die man nicht weiter überweisen kann. Es ist nicht plutokratisch, sondern demokratisch.

Beide Häuser zusammen werden „helfen, die Einnahmen durch Optimism L2 zu verwenden, um öffentliche Güter zu unterstützen und das Kollektiv zu befördern.“

Geleitet wird das Optimism Kollektiv zunächst noch von der Optimism Foundation. Diese besteht aus Personal der bisherigen Firma, Optimism PBC, aber auch anderen Vertretern des Web3-Ökosystems, etwa von der Maker-DAO. Optimism PBC selbst wird zu „OP Labs PBC“ umbenannt und fokussiert sich auf die Entwicklung und Technologie.

Allerdings ist der Umfang der „Regierung“ (Governance) eher beschränkt. Denn der Kern der Operation des Rollups – die Aggregierung von Transaktionen auf einem zentralen Server und das Generieren von Beweisen für diese – bleibt weiterhin zwingendermaßen zentralisiert. Vielleicht wird es einmal dezentrale Varianten geben, vielleicht wird es ein interoperables Netzwerk von mehreren Optimism-Aggregatoren geben. Aber bisher entzieht sich diese Kernfunktion jeder Dezentralisierung.

Die Befugnisse des Optimism-Kollektivs beschränken sich darauf, zu entscheiden, wie und wofür Einnahmen verwaltet werden. Ob es dabei eine über Versprechen hinausgehende Macht hat, solche Entscheidungen auch gegen den Widerstand der Firma Optimism durchzusetzen, ist derzeit noch ungewiss.

Ein Stresstest für Optimism

Nichtsdestoweniger wurde der Airdrop ein ansehnlicher Erfolg. Jede Adresse, die einmal Optimism verwendet hat, beispielsweise auf Uniswap oder einer anderen DeFi-App, kann sich 776,86 OP-Token abholen; Adressen, die häufig Optimism verwendet haben, sogar 1.692,49 OP.

Zum Ausgabezeitpunkt waren die OP-Token 4,50 Dollar wert. Sie fielen aber rasch auf etwa einen Dollar und stehen derzeit bei etwa 1,34 Dollar. Damit erhält jede Adresse, die einmal auf Optimism aktiv war, knapp 1000 Euro geschenkt. Keine schlechte Überraschung, oder?

1-Tages-Kursverlauf des OP-Tokens nach coinmarketcap.com

Ein Airdrop schafft es nicht nur, Token auf eine einigermaßen faire Methode transparent an User zu verteilen. Er wird auch zu einem guten Marketing-Instrument. Er gibt Medien eine Vorlage, um zu berichten, er erfreut die User, die nun (hoffentlich) umso treuer werden, und er verspricht, in Zukunft eine neue Art von Organisation zu gründen.

Für Optimism wurde der Airdrop auch zum Stresstest: User haben die Token auf dem Optimism-Rollup abgeholt, und sie auf einer Optimism-fähigen DeFi-App, etwa Uniswap, getauscht oder in einen Liquiditätspool gesteckt. Während das Rollup bisher laut Etherscan etwa 50.000 bis 80.000 Transaktionen am Tag machte, waren es gestern beinahe 500.000 – halb so viele wie auf der Ethereum-Mainchain.

Mit dieser Demonstration stellt sich Optimism als patente L2 auf, um Ethereum zu skalieren. Der Erfolg des Airdrops dürfte User aber eher dazu motivieren, fortan andere L2 zu verwenden, die noch keine Token haben, etwa Arbitrum. Denn es sollte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis auch diese ebenfalls Token an ihrer User verteilen. Airdrops machen das Benutzen einer App zum potenziellen Investment.

Über Christoph Bergmann (2413 Artikel)
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