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Immer weiter im Seitwärtskanal

Grizzly Bear. Bild von chascar via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Charts der Woche: Der Bitcoin-Preis bewegt sich weiter seitlich, mal auf, mal ab, womit sich der Bärenmarkt fort. Immerhin rückt der Boden und damit vielleicht auch die Trendwende in Sichtweite. Ethereum dagegen setzt den Abwärtstrend aggressiver fort, während  andere Smart-Contract-Plattformen massiv einbrechen.

Das Kursgeschehen in den letzten Wochen war nicht besonders aufregend. Mal geht es ein wenig aufwärts, aber noch bevor man Mut schöpft, dass da gerade eine Trendwende passiert, bricht der Preis wieder ein und gibt alles Gewonnene ab. Zugleich aber sinkt er nicht so tief, dass es DIE Kaufgelegenheit wäre.

Der Bitcoin-Preis in Euro im 30-Tage-Verlauf nach Bitcoin.de

So bleibt der Kurs im etwas zittrigen Seitwärtskanal mit leichten, aber rasch wieder verlöschenden Ausbrüchen nach oben. Der Bärenmarkt setzt sich fort, und diejenigen, die in den Jahren 2021 und 2022 zu durchschnittlichen Preisen investiert haben, sind massiv im Minus.

„Dollar-Cost-Averaging“ nach dem Blockchaincenter

Die Analysten von Glassnode konstatieren, dass die „Net Unrealized Profit/Loss (NUPL)“, also die nicht-realisierten Gewinne oder Verluste, seit Anfang Mai zwischen 18 und 25 Prozent fluktuieren. Dies bedeutet, „dass weniger als 25 Prozent der Marktkapitalisierung mit Gewinn gehalten werden.“

Dies entspreche „einer Marktstruktur ähnlich der Phase vor der Kapitulation in vergangenen Bärenmärkten.“ Als es in diesen zu einer Kapitulation kam, brach das NUPL von etwa gut 18 Prozent aus auf einen Tiefpunkt um und unter 25 Prozent ein. Eine solche „vollständige Kapitulation“ entspräche derzeit einem Tiefpunkt von 20.560 bis 23.600 Dollar. Vom derzeitigen Preis von knapp 30.000 Dollar könnte es also noch ordentlich tiefer gehen.

Der Regenbogenchart nach dem blockchaincenter.net

Der Regenbogenchart bestätigt diese Einschätzung: Hier ist der Preis derzeit in das zweittiefste Farbspektrum eingetreten; unter 21.000 Dollar wird er in das tiefste abstürzen. Wenn sich die Vergangenheit wiederholt, wäre ein Eintreten in diese Schicht kaum zu vermeiden.

Auch ein Blick auf Google-Trends zeigt eine sich abbauende Aufmerksamkeitsblase:

Etwas deutlicher veranschaulicht dies eine zeitlich weitere Skalierung:

Die Aufmerksamkeit sinkt seit Herbst 2021. Wie schon beim Preis scheint auch hier noch ein wenig Spielraum nach unten zu bestehen. Im Vergleich zum letzten Bärenmarkt fällt aber auf, wie konstant hoch die Aufmerksamkeit bleibt.

Der Rest der Krypto-Welt

Abgesehen von diesen Bemerkungen zu Bitcoin können wir noch einige interessante Details zum weiteren Markt vermelden.

So sieht der Kurs von Bitcoin grundsätzlich derzeit günstiger aus als der von anderen Coins, etwa Bitcoin Cash oder Ethereum. Wo Bitcoin nach dem Absturz am Freitag, den 13. Mai (ausgerechnet!) sich seitwärts mit milde aufsteigenden Tendenzen bewegt, zeigt sich der Ethereum-Kurs mit einer sehr klaren Abwärtstendenz aus sinkenden Hochs und sinkenden Tiefs.

Der Ethereum-Preis in Euro nach Bitcoin.de

Die meisten Kryptowährungen verhalten sich derzeit wie Ethereum, wodurch sich Bitcoin und wenige Ausnahmen, etwa Cardano, Tron und Monero, vom Rest des Marktes absetzen.

Der Dollar-Preis von Monero (XMR) im 1-Monats-Chart nach Coinmarketcap.com

Auch im Markt der Smart-Contract-Plattformen, also von Ethereum und den „Ethereum-Killern“, geht es nicht jedem Coin gleich schlecht. Die einen verlieren, aber die anderen verlieren mehr.

Bei Google-Trends erkennen wir, dass die Aufmerksamkeit für Ethereum aggressiver abbaut als bei Bitcoin. Noch extremer sackt die Aufmerksamkeit für NFTs, während es DeFi offensichtlich niemals auf den Radar des Mainstreams geschafft hat.

Erneut schärft eine zeitlich weitere Skalierung den Blick:

Bei Ethereum sinken, sehr zur Freude der User, die Gebühren. Der Chart von Etherscan zeigt die sinkenden Miner-Einnahmen in Ether; in Dollar wären die Einbußen noch viel stärker. Für User bedeutet dies, dass Ethereum wieder benutzbar wird.

Gebühreneinnahmen der Ethereum-Miner nach Etherscan.io

Die Folge davon ist, dass die Anreize, auf andere Smart-Contract-Blockchains auszuweichen, sinken. Die „Ethereum-Killer“ leiden noch mehr als Ethereum selbst.

Die Qualen der Smart-Contract-Plattformen

Neben dem Kurs ist das TVL ein guter Indikator hierfür. Dieses meint das „Total Value Locked“, also das in DeFi-Smart-Contracts eingelegte Kapital. Es ist eine der fundamentalen Kennziffern von DeFi.

TVL verschiedener Blockchains nach DeFiLlama.com

Das TVL ist im Verlauf des vergangenen Monats bei allen Kryptowährungen massiv eingebrochen. Die große Ausnahme ist hier Tron, bei der es sogar um mehr als 30 Prozent gewachsen ist. Dies geht vor allem auf zwei Apps zurück, JustLend und SUN und steht vermutlich im Zusammenhang mit dem Anfang Mai gestarteten algorithmischen Stablecoin USDD, der durch eine massive Überkollateralisierung die Fehler der Terra-Dollar UST vermeiden möchte.

Die Marktkapitalisierung der USDD ist seit Anfang Mai auf gut 700 Millionen Dollar explodiert. Quelle: coinmarketcap.com.

Ansonsten sehen wir auf allen Blockchains einen Einsturz des TVLs. Allerdings sind nicht alle Blockchains gleich. So sinkt es bei Ethereum, BNB und auch Cardano um „moderate“ starke 30 Prozent, bei Avalanche, Polygon, Fantom und anderen Coins um 40, 50 oder gar 60 Prozent.

Viele Blockchains waren eben nur relevant, solange DeFi und NFTs gehypt haben, und die Gebühren auf Ethereum explodierten. Nun sind die Hypes um DeFi und NFTs abgeflaut, und mit ihnen der Stau auf der Ethereum-Blockchain. Zur gleichen Zeit etablieren sich auf Ethereum die „Layer-2-Skalierungen“ wie die Rollups durch Optimism.

Kaum etwas drückt dies so deutlich aus wie die monatlich auf der Blockchain transportierte Werte. Dies sind bei Solana (SOL) seit März extrem eingebrochen, um 80-90 Prozent. Dies könnte ein weiterer Hinweis darauf sein, dass sich der Bärenmarkt dem Boden nähert.

Die Schwelle der 1-Milliarden-Dollar-Marktkapitalisierung nach coinmarketcap.com.

Allerdings gibt es weiterhin 54 „Einhörner“, also Kryptowährungen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als einer Milliarde Dollar. Dies sollte das vielleicht deutlichste Signal sein, dass es für die Bären noch immer gut etwas zu holen gibt.

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1 Kommentar zu Immer weiter im Seitwärtskanal

  1. Dies geht vor allem auf zwei Apps zurück, JustLend und SUN und steht vermutlich im Zusammenhang mit dem Anfang Mai gestarteten algorithmischen Stablecoin USDD, der durch eine massive Überkollateralisierung die Fehler der Terra-Dollar UST vermeiden möchte.

    Ich würde mich da nicht in Sicherheit wägen, 30% Staking Rewards klingt sehr stark nach Problemen, wenn der Bärenmarkt anhalten sollte. Die Deckung ist in Bitcoin, Tether und Tron, die aktuellen 202% können locker an einem Tag unter 100% gehen, wenn es dumm läuft.
    Ansonsten ist ein Bärenmarkt der beste Zeitpunkt, sich um Adoption zu kümmern 😉

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