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Cardano verschiebt Vasil Hardfork (erneut)

Matsuo Bashō, der Namensgeber der Basho-Phase der Cardano-Roadmap, war der Erfinder des Haikos. Bild: öffentliche Domain.

Mit dem Vasil-Upgrade soll Cardano besser skalieren und das Smart-Contract-System verbessern. Allerdings kommt es einmal mehr zu Verzögerungen. Trotz eines moderat hohen Transaktionsvolumens hinkt das DeFi-Ökosystem von Cardano weiter hinter dem vergleichbarer Blockchains hinterher.

Alles dauert so lange, wie es dauert – und dann nochmal länger. In der Krypto-Branche sind Termine für Upgrades meistens vage Absichtserklärungen, die sich am Ende dann fast immer deutlich verschieben.

Natürlich ist es besser, ein Upgrade zu spät zu liefern, als dabei Einbußen der Sicherheit in Kauf zu nehmen. Wenn die Verspätung aber zum Prinzip wird, könnte das manche Anleger enttäuschen.

Eine dieser Blockchains, bei der alles kategorisch zu spät passiert, ist Cardano (ADA). Dieser „Ethereum-Killer“, der sich als die bessere Smart-Contract-Plattform aufgestellt hat, war mehrere Jahre lang nicht dezentral, sondern auf wenige Server konzentriert, und noch länger gar nicht in der Lage, Smart Contracts auszuführen. Nachdem das Alonzo-Upgrade dies mit reichlich Verspätung einführte, begleitete Enttäuschung den Jubel, da die Smart Contracts nicht so gut laufen wie bei anderen Blockchains, die weiter mit Ethereum kompatibel sind.

Das Vasil-Upgade sollte dies unter anderem ändern. Es war eigentlich für Ende Juni geplant, wird nun aber laut einem Video von Cardano-Chefentwickler Charles Huskinson um einige weitere Wochen verschoben.

Vasil ist Teil der Basho-Phase der Cardano-Roadmap. Diese schließt an die Freischaltung der Kernfunktionen nach der Goguen-Phase an und widmet sich vor allem der Skalierung und Optimierung des Netzwerkes.

So soll etwa das „Diffusion pipelining“ den Durchsatz erhöhen, indem es die Blockpropagierung verschlankt. Es soll sicherstellen, dass neue Blöcke fünf Sekunden nach ihrer Erzeugung die anderen Knoten erreichen, indem sich Verbreitung und Verifizierung überlappen.

Ein sehr großer Teil des Upgrades machen aber die „Plutus Script Enhancements“ aus. Diesem Teil dürften alle entgegenfiebern, die auf Cardano Smart Contracts, Dapps, DeFis und DAOs bauen bzw. bauen wollen. Denn bisher blieb die Funktionalität der Smart Contracts weit unter den Erwartungen; beispielsweise erschwert Cardanos eUTXO-System den Betrieb von dezentralen Börsen deutlich. Die Verbesserungen sollen mehrere Schwächen der Smart Contracts ausgleichen.

Plutus V2 wertet den Compiler der Smart Contracts auf. Er wird schneller sein, mehr Informationen verarbeiten können und den Umgang mit kryptographischen Werkzeugen verbessern.

Die Verspätung des Upgrades dürfte für manche Entwickler zwar ärgerlich sein, aber längst kein Grund mehr, Cardano den Rücken zu kehren. Zwar hat sich der Kurs von Cardano im Vergleich zu den anderen Top-Kryptowährungen im Lauf der letzten Woche erheblich weniger erholt. Doch die Anzahl der täglichen Transaktionen ist mit gut 90.000 auf einem weiterhin relativ hohen Niveau.

Die Mcap/TVL-Ratio von Cardano ist weiterhin um ein Vielfaches höher als die von vergleichbaren Blockchains. Diese Ratio teilt die Marktkapitalisierung durch die eingefrorenen Werte in DeFi-Anwendungen. Wenn man diese zum Maßstab macht, wäre Cardano erheblich überbewertet.

Diese Überbewertung meint aber nur den gegenwärtigen Zustand von Cardano. Es gibt zwar einige dezentrale Börsen, etwa WingRiders, Minswap oder SundaeSwap, die mit einem TVL im zweistelligen Millionenwert immerhin eine brauchbare Liquidität aufweisen. Doch insgesamt ist dies selbst im Vergleich mit einigen Smart-Contract-fähigen Nischencoins wenig.

Die meisten Cardano-Apps führen keine Statistiken über das Handelsvolumen. Von Minswap, nach TVL die zweitgrößte DEX auf Cardano, wissen wir es immerhin: es sind in den letzten 24 Stunden laut Conmarketcap knapp 700.000 Dollar. Die drittgrößte DEX, SundaeSwap, kommt noch nicht einmal auf 100.000 Dollar. Im Vergleich zu einer Milliarde bei Uniswap ist das kaum sichtbar.

Nimmt man solche Werte als Maßstab, ist Cardano weiter erheblich überbewertet. Doch dies kann sich in Zukunft ändern. Sei es, weil sich das Ökosystem  erst noch entfaltet, sei es, weil Upgrades wie Vasil lang erwartete Funktionalitäten und Verbesserungen einführt.

Über Christoph Bergmann (2408 Artikel)
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