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Kanada beschränkt Krypto-Investments auf 30.000 Kanadische Dollar im Jahr

Flagge Kanadas mit zugeschneiter Statue. Bild von Matt Boman via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

In Kanada sind offenbar neue Regulierungsvorschriften in Kraft getreten. Dies zeigen neue Regeln alter sowie die Anmeldungen neuer Börsen. Besonders haarig ist eine Vorschrift, die das Volumen von Krypto-Investments für Bürger massiv begrenzt – und willkürlich erscheinende Ausnahmen setzt.

Die Ontario Securities Commission (OSC), die in Kanada die Rolle der nationalen Börsenaufsicht einnimmt, hat am 15. August angekündigt, dass alle Krypto-Plattformen in Kanada eine Voranmeldung einreichen müssen, um weiterhin legal zu operieren.

Elf Unternehmen hatten sich zu diesen Zeitpunkt bereits angemeldet, Kryptowährungen zu handeln. Darunter sind die Börsen Bitbuy und Newton. Sie haben bereits ihre Geschäftsbedingungen aktualisiert, um den neuen Regeln der OSC gerecht zu werden. Einige weitere Unternehmen haben eine Voranmeldung eingereicht, etwa Crypto.com und Coinsquare. Auch diese enthalten das Bekenntnis zu den neuen Regeln.

Damit wurden neue Regeln also nicht per Beschluss, Diskussion und Ankündigung eingeführt – sondern über die Praxis. Die Börsen müssen ihre Kunden vor vollendete Tatsachen stellen.

Besonders kontrovers ist dabei eine Vorschrift „zum Schutz der Anleger“: Normale Investoren dürfen jährlich nur 30.000 Kanadische Dollar (CAD) in „Krypto-Asses“ anlegen.

Ja, richtig gehört: 30.000 Kanadische Dollar im Jahr, also gut 23.000 Euro, nicht JE Kryptowährung, sondern für ALLE Kryptowährungen zusammen.

Ausnahmen und Willkür

Immerhin gibt es einige Ausnahmen von der Regel. So ist es Anlegern erlaubt, in ungegrenztem Volumen in vier „spezifizierte Krypto-Assets“ zu investieren: Bitcoin, Ethereum, Bitcoin Cash und Litecoin.

Warum genau diese, verrät die OSC nicht. Man könnte es ja bei Bitcoin und Ethereum nachvollziehen, weil diese die mit Abstand größten Kryptowährungen sind. Aber Litecoin und Bitcoin Cash, im Ranking nach Marktkapitalisierung auf den Plätzen 21 bzw. 29? Warum genau diese? Die Regel wirkt wie ein massiver, willkürlicher Markteingriff, der merkwürdige Signale setzt,.

Die 30.000 CAD sind dabei die Summe des Netto-Investments nach Abzug von Verkäufen. Wenn man also für 30.000 CAD Dogecoin kauft, hat man sein Jahreslimit ausgeschöpft. Verkauft man diese Dogecoin aber einen Monat später für 20.000 CAD, kann man diesen Betrag wieder investieren. So wird es zwar schwierig, eine starke Position aufzubauen, doch das kurzfristige Spekulieren auf den Kursverlauf bleibt möglich.

Für „qualifizierte“ Investoren steigt das Limit auf 100.000 CAD, für akkreditierte Investoren wird es komplett aufgehoben. Damit genießen Banken und andere Finanzdienstleister erhebliche Vorteile dabei, tief in einen neu aufgelegten, hoffnungsvollen Coin zu investieren.

Nicht betroffen sind zudem Einwohner der Provinzen Alberta, British Columbia, Quebec und, eingeschränkt, Manituba. In Ontario, der mit Abstand bevölkerungsreichsten Provinz Kanadas, gilt das Limits jedoch.

Anzumerken ist auch, dass das Limit nicht je Bürger greift, sondern je Plattform. Einwohner Ontarios können also auf jeder der derzeit mindestens neun angemeldeten Börsen für je 30.000 CAD investieren. Das macht es schon ein Stück erträglicher.

Dennoch bleibt eine willkürlich erscheinende Einteilung des Marktes durch den Gesetzgeber. Dies stößt sogar der Ethereum-Szene übel auf, obwohl diese ja an sich durch die Regeln vor Konkurrenten wie Solana, BSC, Cardano oder Polkadot geschützt wird.

Weitere kanadische Einteilungen

Die Fragmentierung des Marktes endet in Kanada aber nicht mit der Regulierung durch die OSC. Denn etwa zur selben Zeit, am 18. August, hat das „Office of the Superintendent of Financial Institutions“ (die kanadische Bankaufsicht), neue Regeln zum Investment in Krypto-Assets veröffentlicht.

Diese Regeln verpflichten föderal regulierte Finanzinstitutionen dazu, ihr Investment in Kryptowährungen und -token zum Teil zu begrenzen. Dazu teilt die Aufsicht die möglichen Assets in zwei Gruppen:

(1) Krypto-Assets, welche traditionelle Assets digital repräsentieren, und durch regulierte Entitäten gehandelt und transferiert werden. Das sind etwa „Security Token“, zu deutsch „Kryptowertpapiere„. Sie spielen allerdings weder in Europa noch Nordamerika eine relevante Rolle.

(2) Alle sonstigen Assets. Dies meint alles, was auf dem freien Kryptomarkt gehandelt wird: Bitcoin, Ethereum, Shitcoins, Stablecoins, Utility Token, Governance Token und so weiter. Wir nennen die Gruppe der Einfachkeit halber „Kryptowährungen“.

Assets der beiden Gruppen sind unterschiedlich zu behandeln, in der Regel zum Nachteil von Assets der Gruppe 2. Die Aufsicht möchte damit vermutlich verhindern, dass sich Kryptowährungen weiter in das traditionelle Finanzwesen hineinbohren.

So ist es etwa verboten, eine „Short-Position“ zu Kryptowährungen aufzunehmen, also auf ein Sinken des Preises zu wetten. Die Assets dürfen auch nicht kollateralisiert werden, und Vermögenswerte, die durch Kryptowährungen kollateralisiert sind, beispielsweise die DAI-Stablecoins, sollen als ungesicherte Forderung gelten. Vor allem müssen die Finanzdienstleister die Aufsicht informieren, wenn ihre Krypto-Positionen mehr als ein Prozent ihres Kapital überschreitet.

Gerade die letzte Regel könnte zu interessanten Folgen führen. Wenn der Kurs von Kryptowährungen explodiert, könnten Banken reihenweise Meldungen erstatten und gezwungen werden, ihre Positionen zu reduzieren. Das könnte sie zu stabilisierenden Faktoren für Kryptowährungen machen.

Digitale Währungen, die von einer Zentralbank herausgegeben werden, die sogennanten CBDCs, sind von diesen Regeln natürlich ausgenommen.

Über Christoph Bergmann (2348 Artikel)
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5 Kommentare zu Kanada beschränkt Krypto-Investments auf 30.000 Kanadische Dollar im Jahr

  1. „Kanada beschränkt Krypto-Investments auf 30.000 Kanadische Dollar im Jahr“

    Was für ein erneuter, dreister Eingriff in die Selbstbestimmtheit des Individuums! Und das dann noch unter dem Vorwand, Investoren zu schützen. Ich frage mich, wer eigentlich Politiker vor kurzsichtigen Entscheidungen wie dieser schützt?

    Glaubte ich an Gott, betete ich, es übernähme endlich eine Generation jüngerer, innovativer, Neuem gegenüber aufgeschlossener Politiker Verantwortung für diese noch im eisernen Kontroll-Griff des alten, verstaubten Establishments ächzende Welt. 🙂

  2. Ach ich weiss nicht. Im Gegensatz zu der völlig willkürlichen 1000 EUR Regel von MiCA, kann ich hier schon eher den politischen Willen erkennen, die Menschen im Goldgräberrausch vor allzu törichten Finanzentscheidungen zu bewahren, ohne diese gleichzeitig ganz unmöglich zu machen.

    • Natürlich respektiere ich deine diesbezügliche Meinung, aber aus meiner Sicht (die niemand teilen muss) ist so eine Bevormundung völlig inakzeptabel:

      – Für viele Kanadier sind 30000 Dollar schlicht Peanuts – mehr in Krypto zu investieren stellt für sie überhaupt kein Risiko dar.

      – Abgesehen davon bin ich ganz prinzipiell der Meinung, dass jeder mit seinem Geld machen können sollte, was er will. Ich WILL im Rahmen meiner persönlichen Freiheit Fehler machen dürfen! Ich brauche keine Politiker, die sich als meine fürsorglichen Eltern gerieren.

      – Wenn ich eine finanziell nachteilige Entscheidung treffe, lerne ich mehr daraus als wenn es mir jemand verbietet, Erfahrungen zu sammeln und daraus zu lernen.

      – Ich persönlich halte es für langfristig gesehen riskanter, einen zu hohen Prozentanteil meines Vermögens in inflationärem Fiatgeld zu halten als in diversen Krypto-Assets.

      Ich sehe die Behauptung, den Anleger schützen zu wollen, als Vorwand, die eigentlich dahinter stehende Absicht, die Vormachtstellung des alten Geld- und Bankensystems zu sichern, kaschieren zu wollen.

    • Ich brauche keine Politiker, die sich als meine fürsorglichen Eltern gerieren.

      Prinzipiell gebe ich Dir fast Recht. Aber die zunehmend totalitärer werdende Überwachung u.A. durch MiCAs viel zu niedrige 1000 EUR Grenze, finde ich einen weit dramatischeren Eingriff als eine 30.000 $ Grenze für experimentellere Coins (in etwa vergleichbar mit experimentellen Finanzderivaten, vor denen die Bevölkerung nach dem Crash 2008 auch zunehmend durch Regulierung geschützt wurde). Für die überwiegende Mehrheit der Kanadier dürften 30.000 $ im übrigen keine Peanuts sein.

      Zugegeben, mit der Liste, der nicht begrenzten Coins, hat man sich wenig Mühe gegeben, aber ich nehme mal, an dass das in Folge durch Gerichtsbeschlüsse gerade gebogen wird. Bei der täglich länger werdenen Liste an neuen Coins, kann die Politik eine genauere Vorabanalyse jedes einzelnen Coins nicht mehr wirklich leisten.

      • Aber die zunehmend totalitärer werdende Überwachung u.A. durch MiCAs viel zu niedrige 1000 EUR Grenze, finde ich einen weit dramatischeren Eingriff

        Ja, da stimme ich durchaus zu!

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