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Bitcoin-Preis fällt in einer Woche um etwa 14 Prozent – Ethereum noch tiefer

Freier Fall ins Ungewisse! Bild von DVIDSHUB via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Manchmal kommt es anders. Die Krypto-Szene hatte große Erwartungen an die vergangene Woche. Doch anstatt in Jubel badete der Markt in roten Zahlen. Je nach Metrik haben wir damit den tiefsten Punkt nach der großen Blase erreicht.

Vermutlich konnte sich der eine oder andere Bitcoiner einer gewissen Schadenfreude nicht erwehren. Nachdem der „Merge“ von Ethereum landauf und landab gepriesen wurde – rasselte der Kurs pünktlich zum Event in den Keller.

Die alte Börsenweisheit, man solle zum Gerücht kaufen und zum Ereignis verkaufen – Buy the Rumor, Sell the News – bestätigte sich wie bestellt. Ethereum brach ein:

Dieser Chart von Bitcoin.de zeigt den Ethereum-Preis in Euro im Verlauf einer Woche. Der Einsturz ist bemerkenswert brutal: Wurde ein Ether am vergangenen Dienstag noch für rund 1.700 Euro gehandelt, wechselte er heute für etwa 1.300 Euro den Besitzer. Das ergibt einen Verlust von ungefähr 25 Prozent.

Auch gegenüber Bitcoin verlor Ethereum massiv:

Dieser Chart von Coinmarketcap.com bildet den Preis von Ether (ETH) in Bitcoin (BTC) ab. Mit etwas mehr als 0,08 BTC hatte ETH kurz vor dem Merge einen relativ hohen Wert erreicht. Danach ging es rapide abwärts, und ETH gab gegenüber BTC um rund 20 Prozent nach, als es etwas unter 0,07 einen ersten Boden fand.

Im Gesamtbild sieht die Situation aber nicht so düster aus.

ETH ist weit von den Tiefständen bei 0,02-0,03 BTC entfernt und weiterhin auf einem solide wirkenden Aufwärtsweg seit mehr als zwei Jahren, der vor allem durch höhere Tiefpunkte getragen wird.

Weniger schön sieht der langfristige Chart in Dollar aus:

Die große Blase, die den ETH-Preis im Herbst 2021 auf mehr als 4.700 Dollar hob, scheint weitgehend abgebaut zu sein. Als ETH kurz auf weniger als 1.000 Dollar fiel, markiert dies den bisherigen Tiefpunkt nach der Blase. Von dieser Marke ist Ethereum noch einigermaßen weit entfernt. Sollte dieser Grund halten, könnte er zur Rampe werden, um erneut aufzusteigen. Man darf vorsichtig optimistisch sein.

Die Schadenfreude der Bitcoiner, sofern sie welche hatten, dürfte hingegen eher von kurzer Dauer gewesen sein. Denn Bitcoin selbst folgte Ethereum nur kurze Zeit später auf dem Pfad nach unten:

Der Bitcoin-Kurs blieb zwar die relativ stabil bei etwa 20.000 Euro, während Ethereum nach dem Merge einbrach. Doch am Wochenende konnte sich auch Bitcoin dem Sog nach unten nicht länger entziehen. Der Kurs fiel auf derzeit rund 18.600 Euro, was einem Verlust von 5-6 Prozent entspricht. Geht man von den etwa 22.000 Euro aus, die Bitcoin noch am Anfang der vergangenen Woche hielt, summiert sich der 7-Tages-Verlust auf schmerzhafte 14 Prozent.

Während die Verluste in dieser Woche bei Bitcoin deutlich geringer ausfallen als bei Ethereum, präsentiert sich die Lage aus der Vogelperspektive etwas anders.

Dieser Chart zeigt den Bitcoin-Kursverlauf in Dollar seit dem Frühjahr 2020. Auch hier ist eine weitgehend abgebaute Blase zu sehen, die bei gut 67.000 Dollar gipfelte. Wie Ethereum hat der Bitcoin-Kurs vom Allzeithoch aus knapp 70 Prozent nachgegeben.

Anders als Ethereum hat Bitcoin heute jedoch ein Allzeittief nach der Blase erreicht, als der Preis erstmalig für diese Marktphase auf unter 19.000 Euro bzw. Dollar abrutschte. Damit ist Bitcoin zum zweiten Mal in dieser Marktphase unter das vorherige Allzeithoch von 19.500 Dollar gefallen. Soweit ich weiß, kam dies bisher noch niemals vor.

Es könnte psychologisch entscheidend sein, dass Bitcoin von hier aus nicht noch weiter fällt.

Zugleich aber gilt es als Faustregel, dass eine Kontraktion des gesamten Marktes nur zum Preis fallender Bitcoin-Kurse zu bekommen ist. Mit einer gesamten Marktkapitalisierung von gut 900 Milliarden Dollar hat der Krypto-Markt bereits deutlich nachgegeben. Doch zugleich gibt es weiterhin mehr als 50 Kryptowährungen, die mehr als eine Milliarde Dollar wert sind, darunter auch welche, die mehr oder weniger gar nicht verwendet werden.

Es ist damit gar keine Frage, ob der Markt noch Luft nach unten hat. Die Frage ist vielmehr, ob es auch dazu kommt, dass die Blase weiter abgebaut wird – und was dies für Bitcoin selbst bedeuten wird.


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