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Telekom staked Ether und wird Mitglied der StakeWise DAO

Bildrechte bei Deutsche Telekom, aus dem Mediencenter heruntergeladen.

T-Systems MMS, eine Tochterfirma der Deutschen Telekom, wird Ethereum-Validatoren betreiben und tritt einer DAO bei. Das fügt sich gut in die bisherige Blockchain-Strategie der Telekom, die man auf die Formel bringen könnte, „alles nur nicht Bitcoin“ – ist aber dennoch ein überraschend mutiger, innovativer Schritt.

Manche Meldungen verblüffen. Etwa die, dass die Deutsche Telekom ins Staking-Geschäft einsteigt und Teil einer DAO wird.

Europas größter Telekommunikationsanbieter erklärte vor kurzem in einer Pressemitteilung, dass die Tochterfirma T-Systems MMS „dem Ethereum-Netzwerk künftig Infrastruktur in Form von Validierungsknoten“ bereitstellt.

Die Telekom wird also zum Staker. Sie friert Ether ein, um Transaktionen und Blöcke zu validieren und damit neue Ether zu erzeugen. Und damit ihre Kunden – oder die von T-Systems MMS – dabei auch mitmachen können, kooperiert die Firma mit StakeWise, einem „Liquid Staking Pool“. StakeWise bündelt die Ether von Usern, die so zu Validatoren werden können, ohne die dafür notwendigen 32 Ether und die technische Infrastruktur betreiben müssen. Wie bereits Gnosis oder Uniswap integriert die Telekom den Service oder die Software von StakeWise.

Ein eher traditionelles deutsches IT-Unternehmen spielt auf demselben Feld wie einige der innovativsten DeFi-Apps. Das ist schon mal beeindruckend. Aber es geht noch weiter:

„Dabei bleiben Staked-Ether-Token in diesem Konstrukt für den Besitzer verfügbar, also liquide, und können in anderen dezentralen Finanzanwendungen verwendet werden“, erklärt Dirk Röder, der Leiter der Blockchain Solutions Center von T-Systems MMS. Das wirft vor allem eine Frage auf: Wie soll es funktionieren? Denn derzeit ist es noch nicht möglich, Ether von der Beacon-Chain, auf der das Staking geschieht, abzuziehen.

Tatsächlich erhalten die User keine echten ETH, sondern Token, die von StakeWise herausgegeben werden: sETH und rETH, die die gestakten oder die als Belohnung verdienten Ether repräsentieren. Diese kann man dann über DeFi-Börsen wie Uniswap gegen echte Ether tauschen. In Zukunft soll es auch möglich werden, sie zu verbrennen und dafür echte ETH zu beziehen.

Doch auch damit hört die Nachricht noch nicht auf. Das größte „Novum für die Deutsche Telekom“, wie es Dirk Röder nennt, kommt erst noch: „Weiterhin beteiligt sich die Telekom-Tochter,“ erklärt die Pressemitteilung, „an der Governance von StakeWise und ist dafür der sogenannten Dezentralen Autonomen Organisation (DAO) beigetreten.“ Die Deutsche Telekom – tritt einer DAO bei.

Die StakeWise DAO stimmt über diverse Themen ab, etwa die Gebühren des Pools, das Onboarding neuer Node-Betreiber, Änderungen am Smart Contract und vieles mehr. Dabei stimmen die Mitglieder ganz klassisch mit den SWISE-Token ab. Mit anderen Worten: Die Telekom hat sich in WISE eingekauft, und man kann ihr wünschen, dass sich die Verluste in Grenzen halten.

Um ehrlich zu sein fasziniert mich diese Nachricht. Dass die Telekom einen Validator betreibt, ist mutig; dass sie Staking anbietet, schon beinah surreal; und der Beitritt zur DAO setzt all dem eine oppulente Krone auf. Die Telekom lässt sich, endlich, auf Krypto ein. Sie sieht darin keine Gefahr, sondern eine Chance; sie meint nicht, das Rad neu erfinden zu müssen, sondern ist bereit, bestehende Lösungen anzunehmen.

Interessanterweise ist die Telekom zu 16,6 Prozent im Besitz der staatlichen Förderbank KfW und zu 13,8 Prozent im Besitz des Bundes. Unser Staat hält also starke 30 Prozent der Telekom-Aktien. Würde es zu weit gehen, zu sagen, der deutsche Staat steige in einen Shitcoin ein, der möglicherweise ein nicht-registriertes Wertpapier ist (SWISE), und biete Ethereum-Staking an? Würde es zu weit gehen, zu sagen, der deutsche Staat schließe sich erstmals einer internationalen, dezentralen Organisation an?

Und wie verhält sich dies mit der EU-Regulierung? Das nun finalisierte MiCA-Regulierungspaket hält sich bei Staking-Pools derzeit noch zurück. Aber Christina Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, denkt bereits über MiCA II nach. Dieses solle auch Staking umfassen, auch wenn dabei nicht so richtig klar ist, ob Frau Lagarde den Unterschied zwischen Lending und Staking wirklich kennt.

Dies wird aber voraussichtlich – wenn überhaupt – nicht vor 2025 so weit sein. Bis dahin kann die Telekom unbekümmert an einem unregulierten Staking-Markt teilnehmen. Für den Telekommunikationskonzern ist der Ethereum-Validator übrigens nicht der erste Ausflug in die Blockchain-Welt. Die Tochterfirma T-Systems MMS kooperiert bereits mit den Kryptowährungen Flow, Celo und Polkadot. Auch bei diesen Partnerschaften geht es um Smart-Contract-Kryptowährungen, und auch bei ihnen stellt die Telekom Cloud-Computing und Validatoren zur Verfügung.

Wegen dieser Exkurse in eher nischenhafte Kryptowährungen könnte man die Telekom-Strategie auf die Formel bringen „alles außer Bitcoin“. Mit einem Bündel an Validatoren und Dienstleistungen für vier Smart-Contract-Plattformen ist die Telekom jedoch gut aufgestellt, um sich als „Bundes-Staker“ zu positionieren und, vor allem, zum Tor zu werden, durch das deutsche Großunternehmen den Weg zu DeFi, Smart Contracts und Staking finden.

Und vielleicht wird die Telekom ja irgendwann beginnen, auch  Bitcoin- bzw. Lightning-Nodes aufzusetzen, um auch eine Art Bitcoin-„Staking“ anzubieten.

Über Christoph Bergmann (2410 Artikel)
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