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Ethereum: Dauerhaft mehr Transaktionen offchain als onchain

Die Webseite L2Beat.com hat eine neue Grafik, die das Verhältnis von onchain- zu offchain-Transaktionen auf Ethereum zeigt. Die Skalierung von Ethereum durch „Layer 2“ ist demnach schon voll im Gange. Und bei Bitcoin?

Manche Sätze hört man in der Krypto-Szene so oft, dass sie nur noch wie leere Floskeln wirken, wie Sätze, die kein Programm beinhalten, sondern lediglich über das Fehlen eines solchen hinwegtäuschen.

Einer davon ist, dass Kryptowährungen nicht onchain skalierten, sondern nur offchain, oder, anders ausgedrückt: Krypto skaliert nicht auf „Layer 1“ (L1), sondern auf „Layer 2“ (L2). Die grundlegende Blockchain sei nicht für echte Transaktionen gedacht, sondern nur dafür, um die akkumulierten Transaktionen höherer Schichten zu verankern.

Wie es nun aussieht, verwirklicht sich dieses Versprechen auf Ethereum. Seit Mitte 2020 verlagert sich das Transaktionswesen zunehmend auf ein Bündel von L2s, was vor allem „Rollups“ der verschiedenen Ausprägungen meint. Bei einem Rollup sammelt ein zentraler Server die Transaktionen und presst am Ende nur ihr Ergebnis in die Blockchain. Damit spart ein Rollup mindestens 99 Prozent des Platzes, den eine Transaktion benötigt; dank einer kryptographisch raffinierten Konstruktionen können die Betreiber des Rollups keine Gelder veruntreuen, sondern maximal eine Zahlung blockieren.

Rollups wurden zu DER Skalierungsmethode in der Ethereum-Community. Sie sind schnell, transparent, Smart-Contract-fähig und userfreundlich.

Der Erfolg bestätigt die Rollups. Ein Chart der Webseite L2Beat zeigt das Verhältnis von L1- zu L2-Transaktionen. Ab Mitte 2021 nimmt L2 langsam Fahrt auf, was kein Zufall ist, sondern sich der Gebührenexplosion auf Ethereum durch den NFT-Hype verdankt. Ethereum wurde so dermaßen teuer, dass jeder User regelrecht dazu gezwungen wurde, sich mit L2 zu beschäftigen. Und das geschah offenbar auch.

Seit dem Frühjahr 2022 kommt es nun immer wieder vor, dass auf den verschiedenen Rollups mehr Transaktionen aufkommen als auf der Mainchain. Doch bis vor kurzem war dies eine seltene Ausnahme. Ab September jedoch schloss sich die Lücke zwischen L1 und L2 immer weiter; seit dem 12. Oktober verzeichnen die L2 dauerhaft mehr Transaktionen als L1.

Der höchste Verkehr in diesem Zeitabschnitt wurde am 13. Oktober mit 31,36 TPS festgestellt. Dies meint Transaktionen je Sekunde und entspricht damit etwa 2,8 Millionen Transaktionen. In den letzten Tagen sank diese Metrik auf gut 13 TPS, was aber immer noch gut 1,1 Millionen Transkationen entspricht.

Die beiden wichtigsten Rollups sind Arbitrum und Optimism. Diese haben in den letzten Tagen 4,3 bzw. 3,3 Transaktionen je Sekunden abgewickelt, was jeweils etwa der Kapazität von Bitcoin entspricht. Arbitrum und Optimism sind offene Rollups ohne funktionale Begrenzung; sie werden von den meisten Plattformen im DeFi-Ökosystem seit langem unterstützt.

Mit Immutable X und dYdX folgen darauf zwei eher geschlossene Rollups, die keine frei zugängliche API haben, und nur für spezielle Funktionen gebildet sind. Immutable fürs Blockchain-Gamining, dYdX für den Handel mit Derivaten auf Kryptowährungen. Danach kommt zkSync, eine etwas neuere Rollup-Technologie für alle Funktionen und mit offener API, die für sich in Anspruch nimmt, schneller und sicherer zu sein als Optimism und Arbitrum.

Zusammen konnten die Rollups bereits Ether, Stablecoins und andere Token im Wert von knapp 3,5 Millionen Ether oder gut 5 Milliarden Dollar binden. Diese Token sind in Smart Contracts auf der Mainchain eingefroren und können dann auf den Rollups bewegt werden.

Mit Optimistic, zkSync und StarkEx hat Ethereum drei technologische Modelle, um Rollups zu bilden, offene oder geschlossene Rollups, Multifunktions- und Spezialrollups. Diese drei Technologien werden gierig in Stellung gebracht, und mehrere Dienstleister konkurrieren darum, die beste Usererfahrung zu bieten und möglichst viel Kapital auf das eigene Rollup zu vereinnahmen. Ein Token-Launch, wie ihn Optimism vorgeführt hat, verspricht, dass der Erfolg des eigenen Rollups nachträglich vergoldet wird.

Anders sieht es bei Bitcoin aus. Hier hat sich das Lightning-Netzwerk seit Anfang 2018 als einzig relevante L2 etabliert und zieht sämtliche User und Entwickler an sich. Doch die Transaktionsgebühren onchain sind seit 2021 dauerhaft so gering, dass es nur wenig Anreize gibt, sich auf das Lightning-Netzwerk einzulassen, vor allem, da dieses für die meisten User in erheblichen Abstrichen bei der Usererfahrung, Sicherheit und Autonomie resultiert.

Transaktionsgebühren bei Bitcoin nach blockchain.com.

Dementsprechend kam Lightning in seiner Geschichte niemals auf Erfolge, die auch nur im Ansatz mit denen von Rollups vergleichbar sind. Die Kapazität des Netzwerks steigt zwar beständig, und hat mit gut 5.000 Bitcoins mittlerweile beinah 100 Millionen Dollar erreicht. Doch was ist dies im Vergleich mit fünf Milliarden?

Kapazität von Lightning nach bitcoinvisuals.com

Über das Transaktionsvolumen bei Lightning lassen sich nur schwer valide Angaben machen. Die letzten seriösen Schätzungen, die mir bekannt sind, sind vom April dieses Jahres. Arcane Research ging in einer Studie davon aus, dass rund 500.n00 Transaktionen durch das Netzwerk gehen – im Monat. Das ist nicht einmal die Hälfte von dem, was die Rollups auf Ethereum an den schlechtesten Tagen seit dem 13. Oktober abwickelt.

Fairerweise muss man sagen, dass die Kapazität von Lightning seit Erscheinen der Studie um etwa 50 Prozent gestiegen ist, und dass die Arcane Research lediglich eine qualifizierte Schätzung abgibt. Doch es düfte kaum möglich sein, so großzügig zu schätzen, dass Lightning im Vergleich zu Rollups nicht wie eine vollendete Wüstenei aussieht.

L2 passiert. Aber viel mehr auf Ethereum als auf Bitcoin. Dieser Wahrheit muss man ins Gesicht sehen.

Über Christoph Bergmann (2410 Artikel)
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1 Kommentar zu Ethereum: Dauerhaft mehr Transaktionen offchain als onchain

  1. Ethrium Beste.

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