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Größter börsennotierter Bitcoin-Miner der Welt steht vor Pleite

Miningfarm von Core Scientific in Marble, North Carolina. Bild von Corescientific.com

Core Scientific, der größter Miner der USA, stellt die Zahlungen an Gläubiger ein. Das Unternehmen hat seine Bitcoin-Reserven abgestoßen, der Aktienkurs ist um rund 90 Prozent gefallen, und das Mining selbst bleibt hochgradig unprofitabel. Ist Core Scientific nur der Vorbote einer umfassenden Pleitewelle im Bitcoin-Minings?

Hoffentlich hatte die britische Großbank Barclays nicht recht. Noch Anfang Oktober gab die Bank bekannt, sei bleibe optimistisch hinsichtlich der langfristigen Wertentwicklung von Bitcoin, und sie betrachte den weltweit größten Bitcoin-Miner Core Scientific „als den klassenbesten, gehebelten Einsatz auf das Krypto-Ökosystem.“

Als Zielpreis für die Aktie des texanischen Unternehmens, das in den USA zahlreiche Mining-Farmen betreibt, gab Barclays drei Dollar an. Heute steht die Aktie bei 19 Cent je Stück, und Barclays senkt sein Kursziel um 92 Prozent auf 25 Cent.

Vergangene Woche hatte Core Scientific bei der US-amerikanischen Börsenaufsicht vor einem möglichen Bankrott gewarnt. Die Liquidität des Unternehmens sei durch den Preis von Bitcoin, die steigenden Stromkosten, die steigende Hashrate und die Pleite von Celsius schwerwiegend betroffen.

Diese ungünstigen Umstände plagen das Unternehmen schon das ganze Jahr. So hat es im August vermeldet, im zweiten Quartal 2022 bei Einnahmen von 164 Millionen Dollar einen Verlust von 861,7 Millionen Dollar gemacht zu haben. Seit dem Spätsommer zehrt die ungünstige Kombination günstiger Bitcoins und teurer Kilowattstunden ernsthaft an den Kapitalreserven. Noch Ende September besaß Core Scientific 1.051 Bitcoins und 29,5 Millionen Dollar in Cash. Heute sind es 24 Bitcoins und 26,6 Millionen Dollar.

Das Management versucht, Kosten zu senken, kann aber nicht umhin, für Ende Oktober und Anfang November Zahlungenen auszusetzen. Der Miner ist also vorübergehend zahlungsunfähig, und wenn es ihm nicht gelingt, rasch Kapital einzuholen, wird er vollständig bankrott gehen. Ende 2022 „oder früher“ werden die verfügbaren Cash-Reserven geleert sein, schätzt Core Scientific. Es sei schwierig, zu prognostizieren, wann wieder „normalisierte Betriebserlöse“ zu erwarten sind, da dies von der unwägbaren Entwicklung der Strom- und Bitcoin-Preise abhänge.

Schon im September meldete ein kleinerer Miner, Compute North, die Zahlungsunfähigkeit an. Ihm fehlte rund eine halbe Milliarde Dollar, die er mindestens 200 Gläubigern schulde. Allerdings ist Compute North klein im Verhältnis zu Core Scientific. Mit mehr als sechseinhalb Tausend erzeugter Bitcoins im ersten Halbjahr 2022 war Core Scientific der mit Abstand größte börsennotierte Miner; mit einer Hashrate von 17,9 Exahash je Sekunde stellte Core Scientific zu dieser Zeit zwischen 5 und 10 Prozent der globalen Hashpower.

Diese Krise der großen Mining-Unternehmen ist eine direkte Folge davon, dass der Bitcoin-Preis über einen längeren Zeitraum unter die Produktionskosten gefallen ist. Charles Edwards, der bereits Ende 2019 eine Methode vorgestellt hat, um die Produktionskosten von Bitcoin zu berechnen, meint nun, dass der Preis von Bitcoin schon seit Mai dieses Jahres permanent und massiv unter den Mining-Kosten liege.

Solange sich dieser Trend nicht aggressiv umkehrt, wird sich die Pleitewelle unter Minern fortsetzen. Damit die Hashpower von Bitcoin durch Profit gedeckt wird, muss der Preis von Bitcoin fortlaufend steigen, um mögliche steigende Stromkosten auf der einen und auf der anderen Seite die Halbierung des Ertrags durch die Halvings zu ersetzen. Das nächste Halving wird für Mitte 2024 erwartet. Sollte sich das Verhältnis von Preis und Stromkosten bis dahin nicht einpendeln und auch die Gebühreneinnahmen nicht explodieren, wird sich die Profitabilität des Minings noch einmal auf die Hälfte reduzieren.

In einem solchen Fall wären wir in spieltheoretischem Neuland angekommen. „Ehrliches“ Mining lohnt sich nicht länger. An seiner Stelle könnten Nationalstaaten auf Verlust minen, um geopolitisch Einfluss zu nehmen. Oder kriminelle Miner könnten ihre Einnahmen durch Double Spending aufhübschen, was etwa mithilfe des Lightning Netzwerk relativ prognostizierbar und risikofrei möglich sein könnte. Schließlich könnten die stärksten Akteure über Selfish-Mining-Angriffe weiterhin grenzprofitabel bleiben, wodurch sich ihr Anteil an der Hashrate immer weiter erhöht – Bitcoin würde sich zentralisieren.

Noch ist aber von solchen Tendenzen wenig zu spüren. Noch stöpseln die Miner immer mehr Geräte ans Netzwerk an. Die globale Hashrate hat erst am 12. Oktober ein Allzeithoch erreicht, und ist von diesem im Lauf des Oktobers kaum gefallen. Die genauen Ursachen dafür sind unklar. Manche vermuten, dass Russland hinter dem massiven Zubau an Hashpower steckt, da das Land einen massiven Energieüberschuss hat, diesen aber wegen der Sanktionen nicht exportieren kann. Mit Bitcoin-Mining könnte Russland seine fossilen Energieträger direkt in Geld transformieren, anstatt den Umweg über den Export von Gas und Öl oder die Produktion von Waren zu gehen.

Allerdings ist auch dies eher eine Theorie, die nicht durch belastbare Fakten gedeckt ist. Denn wie der Chart von Charles Edwards zeigt, ist das Mining weiterhin profitabel, wenn man die reinen Stromkosten berechnet. Diese werden durch das untere Ende des Kanals dargestellt. So lohnt sich zwar die Anschaffung neuer Mining-Geräte nicht, doch der Fortbetrieb bestehender Maschinen durchaus. Er wird angesichts der klammen finanziellen Situation der Miner umso drängender. Dementsprechend wäre nun zu erwarten, dass die Hashate zuerst anfängt, langsamer zu wachsen, um dann, wenn alte Geräte den Geist aufgeben und nicht ersetzt werden, zu sinken.

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4 Kommentare zu Größter börsennotierter Bitcoin-Miner der Welt steht vor Pleite

  1. Gib mal deine Adresse, möchte dir meine Leichen überweisen.

  2. Ich würde behaupten, da hat sich jemand verzockt und unzählige ASICs zu Null-/Niedrigzinszeiten auf Pump finanziert und jetzt muss man nicht nur die monatliche Stundung, sondern auch noch die Zinsen finanzieren, während die Block Rewards gemessen in Fiat einen Bruchteil des Höhenflugs vor einem Jahr ausmachen.

    Hätte man sie aus Eigenkapital finanziert, könnte man sie selbst dann abschalten, wenn die Strompreise nicht mehr durch die Rewards gedeckt werden könnten, der Betrieb der Hallen an sich ohne aufwändige Kühlung dürfte sich mehr oder weniger auf Sicherheitspersonal beschränken…

  3. Korrigiert da nicht die Difficulty?

    • Die würde korrigieren wenn die hashrate sinkt, doch die hashrate ist am steigen wie ne Mondrakete. (einfach bitcoin hashrate googeln)
      Ich denke Paul hat hier die beste erklärung, komplette Operation auf Pump enstanden, und wenn die Zinsen plötzlich steigen und der Ertrag sinkt biste weg. SSKM !

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