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US-Behörden ermitteln gegen Digital Currency Group

Legal Gavel & Open Law Book. Bild von Blogtrepreneur via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Folgen der FTX-Pleite begleiten uns auch im neuen Jahr. Die Börsenaufsicht nimmt sich die Digital Currency Group vor, die mit dem Grayscale-Bitcoin-Trust mehr als 640.000 Bitcoins hält. Sie wird bereits von Investoren angeklagt – und rutscht in einen Rechtsstreit mit der US-Börse Gemini.

Laut Bloomberg ermitteln US-Behörden gegen die Digital Currency Group (DCG) von Barry Silbert. Die DCG ist einer der wichtigsten Investoren in Krypto-Unternehmen und als Herausgeberin der Grayscale-Fonds auch der größte Horter von Bitcoins.

Die US-Börsenaufsicht SEC untersucht derzeit Transaktionen zwischen der DCG und ihrer Tochterfirma Genesis, einer großen Lending-Plattform, die nach dem Kollaps von FTX am Rande der Insolvenz schlittert.

Die Ermittlungen sind noch in einer sehr frühen Phase, und sie begannen schon vor der FTX-Pleite. Bei ihnen geht es vermutlich um ein Darlehen über 575 Millionen Dollar, das die DCG im Mai 2022 von Genesis erhalten hatte. Darüber hinaus steht noch eine Schuld von 1,1 Milliarden Dollar im Raum, die im Juni dieses Jahres fällig wird. Es geht darum, ob die Digital Currency Group den gebotenen Abstand zu ihrer eigenen Tochterfirma gehalten hat, oder ob sie Gelder gesetzeswidrig zusammenlegte.

Gerüchten zufolge hat Genesis schon im Mai gewusst, dass es um FTX nicht eben gut aussieht, und Alameda aggressiv darauf gedrängt, ein 2,5-Milliarden-Dollar-Darlehen zurückzuzahlen.

Im Lauf des Dezembers wurde bekannt, dass Genesis sowohl durch die Insolvenz von Three Arrows Capital als auch FTX mehrere Milliarden Dollar verloren hat und vor der Zahlungsunfähigkeit steht. Der Darlehensgeber stockte Auszahlungen über das Earn-Programm, durch das etwa Kunden der Börse Gemini ihre Kryptowährungen und Dollar verzinsen konnten.

Um weitere Ansteckungseffekte zu vermeiden, betont die Digital Currency Group die juristische Eigenständigkeit von Genesis. Wenn diese pleite geht, müsse die DCG keine Haftung übernehmen. Das liegt im Kern der Geschichte: Wie sauber ist die DCG und ihre Tochterfirmen wie Genesis getrennt – und wieweit is diese für die Schulden von jener verantwortlich?

Barry Silberts Einstellung, dass die DCG keine Schulden von Genesis bedienen muss, dürfte für den Kryptomarkt an sich nützlich sein. Weitere Ansteckungseffekte der Pleiten sind immer gefährlich, vor allem, wenn sie mit der DCG eine langjährige Kernorganisation des Marktes erreichen.

Cameron Winklevoss, der Mitgründer von Gemini, zeigt dafür aber wenig Verständnis. Er veröffentlichte am 2. Januar einen offenen Brief an Barry Silbert. Er spricht im Namen von 340.000 Earn, die Genesis mehr als 900 Millionen Dollar anvertraut haben, und nun auf ihr Geld warten – und auf Antworten.

Cameron wirft Barry in scharfen Worten vor, eine Aufklärung und einvernehmliche Lösung absichtlich zu verschleppen. „Nach sechs Wochen ist dein Verhalten nicht nur vollkommen inakzeptabel. Es ist gewissenlos.“ Silbert versuche, sich in seinem Elfenbeinturm zu verkriechen, in der Hoffnung, „dass all das auf magische Weise vorbei gehen wird.“ Barry trage die volle Schuld an den Verlusten. „Die Digital Currency Group (DCG) – deren Gründer und Geschäftsführer du bist – schuldet Genesis etwa 1,675 Milliarden Dollar. Dieses Geld steht den Earn-USer und anderen Gläubigern zu … Es ist an der Zeit, Verantwortung zu übernehmen und das Richtige zu tun.“

Cameron endet den Brief mit einem Ultimatum: Barry soll bis zum 8. Januar öffentlich erklären, dass er willens ist, die Probleme gemeinsam zu lösen. Der hat bisher lediglich den Ball zurückgespielt und Cameron vorgeworfen, einen Vorschlag ignoriert zu haben. Daher wird das Problem vermutlich vor Gericht ausgetragen. Vor diesem Kontext sind die Ermittlungen der SEC enorm bedeutend: Wenn diese herausfinden, dass die DCG nicht jederzeit ausreichend Abstand zu Genesis gehalten hatte, könnte dies ein Grund sein, die DCG in die Haftung zu ziehen.

Dies wäre übrigens nicht der erste Gerichtsstreit, in den die Digital Currency Group geschlittert ist. Im Dezember reichte der Investmentfonds Fir eine Klage gegen Grayscale ein, die Herausgeberin des GBTC-Fonds. In der Klage wirft Fir Grayscale vor, Fragen über Missmanagement nicht zu beantworten und die Auslösung der GBTC-Anteile zu verzögern.

Ein GBTC-Anteil repräsentiert einen Teil eines Bitcoins. Der Fonds ist laut Grayscale durch mehr als 643.000 Bitcoins gedeckt. Allerdings gibt es keinen Mechanismus, über den die Investoren diese Anteile gegen echte Bitcoins oder Dollar zum vollen Wert einlösen können. Man kann sie lediglich an andere Investoren verkaufen. Daher werden die GBTC-Anteoöe mittlerweile mit einem erheblichen Rabatt gehandelt, zum Teil mehr als 40 Prozent. Diese Verluste der Investoren könnte Grayscale beheben, wenn es ermöglicht, diese Anteile auszulösen, so, wie es einmal versprochen wurde.

Genau dies möchte Valkyrie Investments durchsetzen. Valkyrie betriebt einen eigenen Bitcoin-ETF und bewarb sich Ende Dezember als Sponsor und Manager des Grayscale Bitcoin Trusts. Valkyrie schlägt unter anderem vor, die Auszahlungen zum vollen Wert zu ermöglichen, und wird dabei von einer Kampagne von GBTC-Anlegern unterstützt.

Über Christoph Bergmann (2450 Artikel)
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