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Auch St. Gallen gibt digitale Anleihe aus, die mit digitalem Franken (CBDC) ausgeglichen wird

St. Gallen, das wirtschaftlichen Zentrum der Ostschweiz, liegt zwischen Bodensee und Alpen. Bild von Hansueli Krapf via wikipedia.de, Lizenz: Creative Commons

Nach dem Kanton Zürich und den Städten Basel und Lugano hat nun auch St. Gallen eine digitale Anleihe um 100 Millionen Franken herausgegeben die mit der „Großhandels-CBDC“ der Schweizer Nationalbank beglichen wird.

Die Schweizer Stadt St. Gallen hat eine 100 Millionen Franken schwere digitale Anleihe ausgegeben. Besonders macht sie, dass sie zum Pilotprojektes einer „Großhandels-CBDC“ der Schweizer Nationalbank gehört: einem digitalen Franken auf Blockchain-Basis – aber nicht fürs Volks, sondern exklusiv für die Finanzwirtschaft.

Wie im Kanton Zürich und in der Stadt Lugano beträgt die Summe der St. Gallener Anleihe 100 Millionen Schweizer Franken. Die Stadt Basel lag mit 105 Millionen geringfügig darüber.

Abgewickelt wird die Anleihe über die Plattform SDX, die „SIX Digital Exchange“. Die laut eigener Angabe „weltweit führende Finanzmarkt-Infrastruktur für Digital Assets“ ist ein Kind der Schweizer Bankenindustrie. Sie dient ihr als Infrastruktur-Plattform, um mit digitalen Assets, Smart Contracts und Token zu experimentieren.

Dabei hat sich im November etwas verändert, das technisch eher trivial, aber ökonomisch und rechtlich ein Sprung ist. Bis November hat SIX die digitalen Anleihen durch tokenisierte Schweizer Franken ausgeglichen, die sie selbst geschaffen hat. Sie hat, ähnlich wie die Anbieter von Stablecoins, die tokenisierten Franken durch Einlagen bei einer Bank gedeckt, in ihre Fall bei der Schweizer Zentralbank.

Seit November dagegen laufen die Geschäfte dagegen über die sogenannte Großhandels-CBDC. Diese ist zwar auch ein Token auf SDX, das durch Einlagen bei der Zentralbank gedeckt wird. Anstelle von SDX gibt aber nun die Zentralbank selbst das Token heraus. Damit wird es zur „Central Bank Digital Currency“, zur CBDC.

Anders als allgemeine CBDCs, wie sie derzeit in China ausgerollt und in der EU diskutiert werden, ist eine Großhandels-CBDC lediglich für den Zahlungsausgleich zwischen Finanzinstitutionen bestimmt. Sie erhebt nicht den Anspruch, zum öffentlichen Zahlungsmittel zu werden, noch nicht einmal für Investoren oder den Außenhandel, sondern soll allein die Prozesse im Finanzwesen verschlanken.

Die technische Plattform, die SDX – und damit auch der digitale Franken – nutzt, ist die Corda Enterprise Blockchain von R3. Genauer haben wir Corda in diesem Artikel über eine digitale Anleihe der Weltbank beschrieben. Es ist eine plausibel konstruierte blockchain-artige Datenbank, die technisch für das Finanzwesen zugeschnitten ist, aber auf privaten, abgeschlossenen Nodes läuft. R3 ist seit 2015 die Antwort der Banken auf Bitcoin, und Corda ist seine bisher erfolgreichste Frucht.

Auch die Französische Nationalbank lässt sich auf Corda ein. Zusammen mit R3, der Schweizer Nationalbank, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und mehrerer privatwirtschaftlicher Akteure, darunter SDX, testet sie einen „Atomic Swap“ zwischen einem digitalen Euro und einem digitalen Franken, also einen Wechsel, der in Echtzeit und ohne Mittelsmann abläuft.

Die „Großhandels-CBDC“ ist also kein rein helvetisches Projekt, sondern scheint europa- und möglicherweise weltweit attraktiv zu sein. Während die EZB sich weiterhin nicht recht entscheiden will, ob und wie sie einen CBDC auflegt, schaffen die Privatwirtschaft und Nationalbanken bereits Fakten.

Eine solche digitale Währung hat nicht das Geringste mit den Idealen von Bitcoin gemein; selbst die zentralisiertesten Coins und Token im Ökosystem sind im Vergleich mit ihr Paradiese an Transparenz, Autonomie und Freiheit. Corda ist eine durch und durch zentralisierte, für die Öffentlichkeit abgeschlossene Blockchain oder blockchainartige verteilte Technologie, die einige technische Vorteile abgreifen mag, aber sie von allen demokratisierenden und emanzipatorischen Potenzialen entkernt.

Für die Finanzwirtschaft hat sie dennoch ihren Reiz. Die DLT-Infrastruktur von SDX erlaubt es, Prozesse und Zahlungsabwicklungen zu beschleunigen und Mittelsmänner auszuschalten. Sie verspricht geringere Kosten, kürzere Abwicklungsdauern und eine erhöhte Liquidität – nicht nur für digitale Anleihen, mit denen Städte und Kantone Geld einhoken, sondern prinzipiell für alle Arten von Anlagen und Wertpapieren, einschließlich Aktien und Kryptowährungen.

Kurzum: Es handelt sich um eine Evolution der bestehenden Finanztechnologie, nicht mehr und nicht weniger. Profitieren werden von ihr zunächst die Finanzinstitute, und in zweiter Instanz auch Anleger, Investoren und Bürger.


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4 Kommentare zu Auch St. Gallen gibt digitale Anleihe aus, die mit digitalem Franken (CBDC) ausgeglichen wird

  1. Triptramper // 28. Februar 2024 um 18:29 //

    Von der CBDC wird letztlich niemand profidieren. Ein Diditales Gefängniss. Ich hoffe dieses Projekt scheitert kläglich. Wenn nicht, dann gute Nacht!!

  2. Nicolas // 29. Februar 2024 um 9:52 //

    Das klingt ja alles sehr interessant. Ich verstehe es so, dass sie technisch gesehen die üblichen Server-zu-Server-Verbindungen („REST-Calls“) einfach mit einer (privaten) Blockchain (geschlossenes Peer-To-Peer-Netzwerk) ersetzt haben. Oder sehe ich das falsch?

    Was noch interessant wäre: an wen haben die Städte die Anleihen ausgegeben? Gedeckt sind sie wohl, aber wer hat das Geld initial bereit gestellt? Konnten lediglich Banken diese Anleihen kaufen? Haben diese Banken die Anleihen jetzt in ihrer Bilanz und verkaufen sie ggf. an andere Banken weiter? Können irgendwann auch private Investoren diese Anleihen erwerben? Wie funktioniert das mit den Zinsen? Sind die per Smart Contract in „Corda“ für jede einzelne Anleihe fest einprogrammiert? Wieviele Zinsen gibt es überhaupt auf die verschiedenen Anleihen der genannten Städte (Zürich, Basel, Lugano, St. Gallen)? Was passiert bei Zahlungsunfähigkeit einer dieser Städte?

  3. steffenkd // 29. Februar 2024 um 13:33 //

    Wie schon in deinem verlinkten Artikel erwaehnt, ist Mike Hearn einer der fruehen Bitcoin Entwickler anschliessend bei R3 gelandet und hat Corda mit entwickelt.

    Abgesehen von seinem Corda Whitepaper hat Mike Hearn auch einen Patentantrag gestellt.
    https://patents.google.com/patent/US11449959B2/en

    Laut Datum im April 2016.
    Was, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, cirka einen Monat nach seinem Treffen mit Craig Wright in London gewesen sein muesste.
    Er war beim Prozess zwischen CSW und COPA bei seiner Aussage auch peinlichst darauf bedacht, dass das Treffen nicht von ihm gewollt war, und dass es mit Patenten oder aehnlichem nichts zu tun hatte.
    Diese Aussagen haben sich im Laufe seiner Befragung als durchaus fraglich herausgestellt.
    Finde ich auch nicht zwingend schlimm, er war halt in dem Space unterwegs.
    Aber gut zu wissen.

    In dem Space scheint es am Ende mehr um Patente zu gehen, als die meisten glauben moegen.
    Auch bei COPA waere ich vorsichtig, da m.M. „open patent“ ein Wiederspruch in sich ist und eher nach Orwellschem Neusprech klingt als nach irgendetwas mit Hand und Fuss.
    Wie BigTech in der Vergangenheit mit Wettbewerbern umgegangen ist kann jeder selbst recherchieren.
    Die werden jetzt nicht ploetzlich zu selbstlosen Rettern. Reine Augenwischerei.
    Die wollen ihr Geschaeftsmodel absichern, nicht mehr und nicht weniger.
    Und es besteht natuerlich ein Interesse daran, dass man sich selbst (COPA) moeglichst gut darstellt.
    „Open Patent“ klingt halt besser als „Kartell“.

    Der Unterschied zwischen BigBlockBitcoin/BitcoinSV und Corda waere m.M. nach auf den ersten Blick, dass bei Corda wieder alle moeglichen „Sachen“ unter Ausschluss der Oeffentlichkeit ablaufen koennen.
    Wie du ja auch schreibst. Wobei ich mir das Corda Whitepaper nicht durchgelesen habe.
    Bei BigBlockBitcoin/BitcoinSV hingegen, koennte sich jeder den Ledger anschauen.
    Klar, dass da Corda bevorzugt wird und BigBlockBitcoin/BitcoinSV eher Gegenwind bekommt.
    Wobei abgeschlossene Systeme/Protokolle/Datenbanken durchaus ihre Vorteile und Anwendungsgebiete haben.

    Auf dieser Welt haben die allerallerwenigstens der reichen und maechtigen Institutionen und Personen dieser Welt ein Interesse an einem transparenten und verteilten/dezentralisierten Blockchain Buchhaltungssystem welches skaliert.

    Ein Produkt, welches zwar nicht direkt im Wettbewerb dazu steht, aber zumindest einen digitalen Franken erschaffen hat waere Centi, die sich die BitcoinSV Blockchain zu nutze machen.
    Hattest du vor laengerem auch mal ein Interview im Sortiment, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.

    Eine solche digitale Währung hat nicht das Geringste mit den Idealen von Bitcoin gemein;

    An der Stelle noch eine kurze Vervollstaendigung von meiner Seite: BTC hat auch nur noch bedingt mit den einstigen Idealen von Bitcoin gemein.
    Ein beachtlicher Teil der Ideale musste der Goettin namens „Dezentralitaet“ geopfert werden.
    Eine nimemrsatte Gottheit, fuer die auch 100k Raspberrynodes noch lange nicht genug sind.
    Aber dafuer schnurrt sie bei gerade mal sechs Transaktionen pro Sekunde wie ein Kaetzchen.

    PS: bin mal gespannt ob wir noch eine Tokenisierung von BTC auf Corda sehen, das waere durchaus amuesant^^.
    Falls das technisch moeglich ist. Wie gesagt, hab mir das Whitepaper noch nicht durchgelesen.

  4. Nein danke! Keine Lust auf Schritt und Tritt überwacht zu werden.

Kommentare sind deaktiviert.

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