Island: Mais oder Mining?
Die Landschaft in Island ist traumhaft schön, doch die Böden sind eine Katastrophe. Bild von Jim Hedd via flickr.com. Lizenz: Creative Commons
Islands Premierministerin kündigt an, die Lebensmittelsicherheit der Insel zu verbessern. Ein Opfer könnten die Miner sein, die es sich auf Island gemütlich gemacht haben.
In einem Interview mit der Financial Times hat Islands links-grüne Premierministerin Katrín Jakobsdóttir kürzlich angekündigt, die Lebensmittelsicherheit über finanzielle Gewinne zu priorisieren.
Die Welt sei feindseliger geworden. Lieferketten brechen auseinander, Kriege blockieren den Handel, Bauern protestieren in ganz Europa. All das ist für eine Insel, die bei Getreide und Gemüse in extremem Ausmaß auf Importe angewiesen ist, ziemlich beunruhigend. Daher möchte Jakobsdóttir die Versorgungssicherheit verbessern und unabhängiger werden. Insbesondere soll Mais angebaut werden, was aufgrund der Qualität von Boden und Wetter keine geringe Herausforderung ist und vermutlich einen erheblichen Einsatz von Energie verlangt.

Islands Premierministerin Katrín Jakobsdóttir. Bild von NordForsk/Kim Wendt via wikimedia. Lizenz: Creative Commons
Dies könnte mit Einschränkungen für Miner einhergehen. Wegen der günstigen, sicheren und grünen Energieversorgung dank Geothermie sowie Wasser- und Windkraft wurde Island zu einem weltweit beliebten Anlaufpunkt für Datencenter und Mining-Farmen. Laut einer Analyse verbrauchen die Miner 120 Megawatt Strom, was mehr ist, als die Haushalte des 375.000-Einwohner-Landes.
„Bitcoin ist ein globales Thema. Aber die Datencenter verbrauchen einen signifikanten Anteil unserer grünen Energien,“ so die Premierministerin. Sie plant, die auf Island quasi unbegrenzt verfügbare Windkraft stärker zu fördern, um das Land CO2-neutral zu machen. „Bitcoin und Kryptowährungen, die eine Menge Energie verbrauchen, sind kein Teil dieser Mission.“
Damit reagiert Jakobsdóttir auch darauf, dass die Miner sich im vergangenen Winter etwas unbeliebt gemacht haben. Es war zu einem Mangel an Strom gekommen, der den Fischfabriken des Landes keine andere Wahl ließ, als Öl- und Dieselgeneratoren anzuwerfen. Dies sei, sagte Umweltminister Guðlaugur Þór Þórðarsonm, „inakzeptabel“, wobei er klar auf die Miner anspielte.
Schon im vergangenen Sommer gab es eine Debatte über die Rolle der Miner. Der Umweltschützer Snæbjörn Guðmundsson nannte Bitcoin-Mining eine „Energieverschwendung, die es in der Gesellschaft, in der wir heute leben, nicht geben sollte.“
Wie genau die Regierung jedoch plant, die Miner einzuschränken, ist nicht bekannt. Der englische Terminus im Interview „rein in“ spricht dafür, dass es kein Verbot geben soll, sondern lediglich eine Kontrolle der Auswüchse. Man könnte nun über Auflagen denken, etwa, dass die Wärme, die beim Mining entsteht, genutzt werden muss, um etwa Gewächshäuser zu beheizen. Vergleichbare Projekte sind in anderen skandinavischen Ländern offenbar relativ erfolgreich.
Denkbar wäre es auch, dass die Miner nur ein begrenztes Kontingent an Energie erhalten, oder dass ihr Strom zuerst gedrosselt wird, wenn es zu Knappheit kommt. Aber man weiß es nicht genau. Was man weiß, ist, dass Island Regierungschefin, trotz nahezu optimaler Voraussetzungen, nicht mehr ganz glücklich mit den Minern ist.
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Hübsch ist sie trotzdem! 😉
Hm, wenn man die Miner mal anstossen könnte, das verdiente Geld auch mal in den Aufbau neuer Energieinfrastruktur zu stecken, statt sie nur zu nutzen.
Das geht vermutlich nur, wenn man ihnen z.B. zugesteht, diese selbst aufgebaute Infrastruktur (eigene Windparks z.B.) für einen Zeitraum X ausschliesslich autark fürs Minen verwenden zu dürfen. Anschliessend hat dann die Gesellschaft was davon. Gleichzeitig verteuert man für das Mining den Strom aus dem öffentlichen Netz.
Das würde den Ausbau neuer Energieinfrastruktur enorm voranbringen.