Warum hat Satoshi das Halving wirklich eingeführt?
Satoshi-Statue in Budapest. Bild von der Webseite Statue of Satoshi
Bald ist wieder Halving! Wir würdigen das mit einem Themenschwerpunkt. In der ersten Folge: Was ist das Halving? Warum gibt es es überhaupt? Und, um eine verwegene Vermutung zu äußern: Hat Satoshi mit dem Halving aus Versehen Bitcoins wichtigste Eigenschaft eingeführt?
In elf Tagen, am 19. April 2024, wird das vierte Halving stattfinden: Die Anzahl Bitcoins, die ein Miner je Block findet, wird sich halbieren.
Wir würdigen das demnächst anstehende Halving durch eine Themenwoche. Falls es Fragen zum Halving gibt, die euch unter den Nägeln brennen, rückt sie raus, vielleicht finden wir eine Antwort. Bis dahin starten wir mit einem grundlegenden Artikel dazu, was das Halving ist, warum Satoshi es eingeführt hat, und welche Rolle es für Bitcoin spielt.
Das Halving – die Basics
Bitcoins werden, wie ihr vermutlich wisst, durch das sogenannte „Mining“ geschöpft: Ungefähr alle zehn Minuten findet ein Miner einen Block, in den er die Transaktionen der User hineinsteckt sowie eine sogenannte „Coinbase“-Transaktion, mit der er sich selbst eine bestimmte Anzahl Bitcoins gutschreiben darf.
Da die Bitcoins, die in einer Coinbase-Transaktion stecken, zuvor noch nicht existiert haben, schöpft der Miner mit diesem Akt neue Bitcoins. Dies ist die einzige Art und Weise, wie neue Bitcoins entstehen.
Nun halbiert sich die Anzahl der Bitcoins, die die Miner sich mit der Coinbase-Transaktion selbst senden dürfen, alle 210.000 Blöcke, was etwa 35.000 Stunden, 1458 Tagen oder vier Jahren entspricht. Dieses Ereignis nennt man das Halving.
Das Halving unterteilt die Geschichte von Bitcoin in mehrere „Reward-Äras“ von jeweils etwa vier Jahren. In der ersten Ära schufen die Miner noch 50 Bitcoins, in der zweiten 25, in der dritten 12,5, in der vierten 6,25, und wenn am 19. April Block Nummer 840.000 die fünfte Ära einläutet, werden es nur noch 3,125 sein.
Man kann es sich so ähnlich vorstellen, wie wenn man einen Meter vor einer Mauer steht und die Distanz zum Ziel mit jedem Schritt halbiert: Erst legt man einen halben Meter zurück, dann einen Viertel und so weiter. Man kommt immer näher, aber niemals ganz an.
Die Menge neu geschaffener Bitcoins wird im Lauf der Zeit immer geringer. Sie wird bereits in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts auf weniger als einen Bitcoin je Block sinken, und irgendwann, um das Jahr 2140 herum, wird die Bitcoin-Mine vollständig austrocknen.
Aus libertärer Ideologie – oder nur aus Pragmatismus?
Warum der Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto das Halving eingeführt hat, ist weniger klar, als die meisten denken. Man ist heute gewohnt, in Satoshi einen libertären Kritiker des Fiat-Geldsystems zu sehen, der Bitcoin als Anti-Zentralbank geplant und mit dem Halving sein geldpolitisches Vermächtnis hinterlassen hat.
Doch die Hinweise darauf sind eher dünn. Genau genommen hat Satoshi nur einmal einen Fingerzeig in diese Richtung gegeben, als er am 18. Februar 2009 im Forum der P2P-Foundation eine Frage zur Schöpfung von Bitcoins beantwortete, und auch dieser Hinweise ist vage:
„Ja, da ist niemand, der wie eine Zentralbank agieren kann, um die Geldmenge anzupassen, wenn die Anzahl der User steigt. Das hätte eine Partei benötigt, der man vertrauen kann, um den Wert zu bestimmen. Aber ich kenne keine Methode, wie eine Software den echten Wert von Dingen wissen kann. Wenn es eine clevere Methode geben würde, oder wenn wir jemandem vertrauen wollen, der die Geldmenge aktiv bestimmt, hätten die Regeln so programmiert werden können.
Auf diese Weise ist es eher wie bei einem Edelmetall. Anstatt dass die Geldschöpfung den Wert gleich hält, ist sie vorherbestimmt und der Wert ändert sich. Wenn die Anzahl der User wächst, wird auch der Wert eines Coins wachsen.“
Ihr seht, dieses einzige Zitat von Satoshi zum Halving erlaubt auch eine andere Deutung. Es wäre denkbar, dass Geldpolitik dem Erfinder von Bitcoin gänzlich egal gewesen ist; alles, was er wollte, war eine dezentrale Lösung, um ein Geld zu schaffen, in dem es keine Partei gibt, der man vertrauen muss. Und dies konnte er eben nur mit einer algorithmischen Geldschöpfung erreichen.
Drei Varianten, warum es das Halving gibt
Satoshi hätte jedoch eine andere Kurve der Geldschöpfung wählen können. Anstatt die Quelle im Lauf der Zeit versickern zu lassen, hätte er die Ausschüttung auch erhöhen oder konstant weiter laufen lassen. Daher darf man ein gewisses Kalkül voraussetzen.
1.) Dieses Kalkül wird in der Regel geldpolitisch oder ideologisch erklärt: Satoshi wollte ein digitales Bargeld, das an Gold erinnert. Er wollte, dass Geld knapp ist, er war gegen die Orgien der Verschuldung im Fiatsystem. Der Halving-Algorithmus bildet die Erschöpfung einer Goldmine ab und gewährleistet damit, dass Bitcoin ein hartes Geld ist.
2.) Aber es gibt auch eine andere, eher ökologisch motivierte Version, die in der Regel viel weniger Beachtung findet. Um sie zu würdigen, müssen wir zu Wei Dais „b-money“ in den späten 90ern zurückgehen.
B-Money war vermutlich das erste Konzept für ein dezentrales Geld, das aus dem Verbrennen von Rechenleistung geschöpft wird. Niemand geringeres als Adam Back kritisierte das Konzept damals aus ökologischer Perspektive: „Wenn ein solches System ein Erfolg wird, verursacht das Gemeinkosten, denn es wird Energie im Wert des zirkulierenden b-moneys verbrauchen.“ Darauf wusste Wei Dai eine Antwort: „Die Ressourcenverschwendung von b-money kann reduziert werden, wenn man annimmt, dass die Einheiten graduell erzeugt werden, während sich die b-money-Ökonomie ausweitet, anstatt dass man alle auf einmal am Anfang erschafft. Wenn wir nun einen deflatorischen Faktor in b-money einbauen, wird b-money mehr wert sein im Lauf der Zeit …“
Noch bevor Satoshi Bitcoin veröffentlichte, tauschte er Mails mit Adam Back aus, und der wies ihn auf Wei Dais b-money hin. Liegt es so fern, dass Satoshi diese Problem und die Antwort darauf kannte? Dass er das Halving erst danach einprogrammierte?
In jedem Fall sorgte bei Bitcoin ein „deflatorischer Faktor“ dafür, dass der absolute Großteil der Coins geschöpft wurde, als Bitcoin noch nicht viel wert war, weshalb der aktuelle Marktwert von gut 1,4 Billionen Dollar zu einem Bruchteil seiner Energiekosten entstand.
3.) Aber wir haben auch noch eine dritte, erneut pragmatischere Variante. In der oben zitierten Antwort von Satoshi im Forum der P2P-Foundation fügt er noch hinzu: „Es hat das Potenzial für eine positive Feedback-Schleife: Wenn die Anzahl der User steigt, steigt der Wert, was wieder mehr User anziehen könnte, die vom steigenden Wert profitieren wollen.“
Satoshi wollte vor allem, dass sein dezentrales Bargeld benutzt wird. Er hat die Erfolge und Misserfolge aller Versuche vor ihm beobachtet und wusste, wie schwer es ist, Menschen zu überzeugen, ein neues, ungewohntes Zahlungsmittel zu verwenden. In dem Sinn könnte man ein anderes Zitat von ihm verstehen, nämlich dass Bitcoin „sehr attraktiv aus libertärer Perspektive ist, wenn wir es richtig erklären können.“
Satoshi hätte also schlicht geglaubt, dass ein hartes Geld für User attraktiver ist als ein weiches. Dass Halving wäre demnach vor allem ein Marketing-Instrument gewesen.
So oder so: Das Halving wurde zur wichtigsten Eigenschaft von Bitcoin
Aus welchem dieser drei Motive – oder einem unbekannten vierten – Satoshi das Halving einprogrammiert hat, wissen wir nicht. Wir wissen aber, dass jedes von ihnen Früchte trug.
Das Halving wurde zur wichtigsten Stellschraube für den Wert von Bitcoin. Bisher hat sich der Kurs noch vor jedem Halving – vermutlich mit Ausblick auf dieses – stabilisiert und ist etwas nach dem Halving gestiegen. Das Halving sorgt dafür, dass Bitcoin knapp ist, was den Coins einen Wert gibt und die Miner motiviert, sie zu schürfen. Als Werkzeug erfüllt es seinen Zweck, Bitcoin dezentral zu halten.
Ökologisch gesehen hat das Halving dafür gesorgt, dass die effektive Wertschöpfung durch Bitcoin heute – die gesamte Marktkapitalisierung – mit einem Brauchteil der Energie geschah, die heute nötig wäre. Wenn man den ökologischen Fußabdruck je Dollar Marktkapitalisierung betrachtet, ist Bitcoin eines der saubersten Finanzprodukte überhaupt – und dies liegt ausschließlich am Halving.
Vor allem aber wurde das Halving zur Ursache der in der Öffentlichkeit wichtigsten Eigenschaft von Bitcoin: dem Wertspeicher. Ohne das Halving wäre Bitcoin kein Investment, gäbe es keine Spekulation, gäbe es keine ETFs, keine Michael Saylors. Während Bitcoin als Zahlungsmittel bisher eher mäßige Erfolge feiert, schlug es als Wertspeicher voll durch. Die „positive Feedbackschleife“, über die Satoshi nachdachte, wirkt.
Das Halving wurde damit, ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt, zur maßgeblichen Ursache für den grandiosen, überwältigenden Erfolg von Bitcoin; jeder einzelne Dollar, den ein Bitcoin wert ist, ist ihm zu verdanken.
Satoshi hat sich nach eigenen Angaben mehr als zwei Jahre damit beschäftigt, Bitcoin zu schaffen, nachdem ihm klar geworden war, dass man ein dezentrales Bargeld bilden kann. Das Halving war vielleicht nur eine Notlösung, die er in sechs Zeilen Code einprogrammiert hat, weil er irgendetwas brauchte. Vielleicht hat er über das Halving nur wenige Minuten nachgedacht – und damit, schon beinahe aus Versehen, das erschaffen, was Bitcoin erst erfolgreich machen würde.
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Fuer mich macht die Theorie am meisten Sinn, dass der Blockreward als Anreiz zum minen gedacht war, bzw. dazu, einen „proof of work“ zu erbringen.
Der „proof of work“ ist das prozessieren von Transaktionen.
Und das Halving dient dazu, dass die Miner im Laufe der Zeit einen steigenden Anreiz haben, sich ueber Transaktionsgebuehren zu finanzieren, statt ueber den Blockreward.
Toll geschrieben, freue mich auf alle weiteren Artikel die da so kommen mögen !
Hm, also mich würde ja interessieren, warum
1) bei Bitcoin bisher immer der Preis erst eine gewisse Zeit nach dem Halving gestiegen ist. Am Aktienmarkt werden bekannte Marktveränderungen in der Regel schon vorher eingepreist. Und
2) Warum sich das gerade zu ändern scheint.
Ich verstehe das auch nicht. Wenn angeblich alle wissen, dass der Preis auf lange Sicht immer nur steigen wird, müsste jeder Investitionsbereite kaufen. Millionäre gäbe es genug.
Ich glaub ja nicht dran.
Wenn jeder Millionär einen Bitcoin haben will, werde ich auch einer 🙂
Für einen Artikel/Blog ist das ok, ansonsten finde ich den Hype um das Halving nervig und kommt bei mir wie ein Kult an.
Eine beschränkte Menge führt z.B. auch dazu, dass die Knoten irgendwann so gut werden müssen, dass sie durch ihren Service (= viele Transkationen) leben können. Ja. Das ist Bigblocker-Denke ;-). Irgendwie müssen die Coins aber trotzdem noch verteilt werden, und das ginge eben seiner Aussage nach am besten konstant.
Ich denke, dass Satoshi das Halving bewusst gewählt hat. Er hatte in einer Vorversion auch mit unterschiedlicher maximaler Coinzahl experimentiert. Die immense Wertsteigerung durch den Glauben in die Beschränkung und den Wertspeicher war in diesem Umfang mglw. auch nicht erwartet worden, wenn man seine Posts liest. Gerade für Mikrotransaktionen wäre eine geringe Inflation kein Problem.
Der Wandel in der Sichtweise zum Store-Of-Value Coin hat zwar zu einem riesen Erfolg für diejenigen geführt, die rechtzeitig investiert haben, aber es hat den eigentlichen Zweck von Bitcoin praktisch zerstört, spätestens ab 2017, als es nicht mehr wirklich als Cash nutzbar war.
Hier noch ein paar relevante Zitate (nicht vollständig)
„This adds an incentive for nodes to support the network, and provides
a way to initially distribute coins into circulation, since there is no central authority to issue them.
The steady addition of a constant of amount of new coins is analogous to gold miners expending
resources to add gold to circulation.[..] Once a predetermined number of coins have entered
circulation, the incentive can transition entirely to transaction fees and be completely inflation
free.“ [1]
„Thus, it is known in advance how many new bitcoins will be created every year in the future.
The fact that new coins are produced means the money supply increases by a planned amount, but this does not necessarily result in inflation. If the supply of money increases at the same rate that the number of people using it increases, prices remain stable. If it does not increase as fast as demand, there will be deflation and early holders of money will see its value increase.
Coins have to get initially distributed somehow, and a constant rate seems like the best formula.“ [2]
„Total circulation will be 21,000,000 coins. It’ll be distributed
to network nodes when they make blocks, with the amount cut in half
every 4 years.“ [3]
„Nodes will eventually be compensated by transaction fees alone when the total coins created hits the pre-determined ceiling.“ [4]
“ Escape the arbitrary inflation
risk of centrally managed currencies! Bitcoin’s total circulation is
limited to 21 million coins. The coins are gradually released to the
network’s nodes based on the CPU power they contribute, so you can get a
share of them by contributing your idle CPU time.“[5]
Weitere Bemerkung: Die Coinbase Transaction bringt Bitcoin in den Umlauf. Es gibt die Interpretation, dass sie nur verteilt werden, da sie per Deklaration im System schon existieren. Genaugenommen wird nur der Betrag verwaltet, denn erzeugt werden UTXO mit einem zugewiesenen Wert an Bitcoin. Dieser setzt sich nicht nur aus dem neu in die den Umlauf gebrachten Wert zusammen, sondern enthält ggf auch die Menge der Transaktionsgebühren, die der Miner eingenommen hat.
1 Bitcoin whitepaper
2 https://satoshi.nakamotoinstitute.org/emails/cryptography/5
3 https://satoshi.nakamotoinstitute.org/emails/cryptography/16
5 https://satoshi.nakamotoinstitute.org/emails/bitcoin-list/30
Ich halte das Halving langfristig für das größte Problem Bitcoins und bin nicht alleine damit, wahrscheinlich ist Peter Todd der bekannteste Verfechter einer Änderung der Emission…
Klar, solange sich der Fiat-Preis mindestens alle vier Jahre verdoppelt, ändert sich zunächst nicht viel, obwohl das auch nicht ganz korrekt ist, denn die Kaufkraft verliert in derselben Zeit und 1.000€ hatten vor 10 Jahren noch deutlich mehr Kaufkraft, auch bei Energiekosten.
Allerdings ist die Rechnung nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass Fees die Coinbase Rewards übernehmen sollen. Vor einigen Wochen haben Gebühren teilweise mehr als 2 BTC pro Block ausgemacht und Transaktionen wurden für die meisten Anwendungen unbezahlbar, vor ein paar Tagen waren sie bei im Schnitt nicht einmal 0,1 BTC, heute sind sie wieder bei knapp 1 BTC. Jeder rationale Miner wird bei solchen Schwankungen seine Miner erst anschmeißen, sobald ein gewisser Mempool besteht, der das Mining unter Berücksichtigung des potenziellen Rewards rentabel macht und die Hashrate dürfte extremen Schwankungen unterliegen, mit jedem Halving wird das wahrscheinlicher. Kritisch dürfte es vielleicht nicht bei diesem und nächsten Halving werden, aber sobald der Base Reward unter die magische Zahl von 1 BTC sinkt, könnte es signifikant werden.
Große Miner könnten ihre Hashrate auch an den Höchstbietenden vermieten, was Angriffe auf das Netzwerk wahrscheinlicher macht.
Klar, das betrifft alle PoW Chains, vor allem aber Sha-256 Chains wie BCH und BSV, die auch vom Halving betroffen sind und die gesamten Rewards im Vergleich zu BTC bisher kaum ins Gewicht fallen und somit jeder größere BTC Miner die Chains angreifen könnte. Auch Monero ist betroffen, wenn auch komplett anders, denn durch CPU Mining hat man eine gewisse Dezentralität und groß angelegte Mining Operationen, die noch die Hardware beschaffen müssen, lohnen sich schlichtweg nicht, denn sie konkurrieren mit der bestehenden Hardware der User, die z.B. ihre überschüssige PV-Kapazität spontan fürs Mining verballern können statt sie bei der Netzeinspeisung praktisch zu verschenken oder auf Arbeit ihren Rechner „kostenlos“ über Nacht laufen lassen. Bei einem ähnlichen Market Cap wie Bitcoin ihn hat, wäre Monero deutlich dezentraler und sicherer aufgestellt, denn die Tail Emission ist für immer auf 0,3 XMR / Minute bzw. 0,6 XMR pro Block alle zwei Minuten festgelegt und potenziell können Milliarden bestehender CPUs auf der ganzen Welt mitmachen, dank p2pool sogar ganz dezentral und zensurresistent.
Falls Monero irgendwann mal die derzeitige Marktkapitalisierung von Bitcoin erreicht, sollte man sich fragen, in welchen Sphären sich die Marktkapitalisierung von Bitcoin in einer solchen Zukunft dann bewegt.
Bitcoin wird langfristig auf Null fallen. Wenn die Miner nichts bekommen (nach jedem Halving wird der Blockreward halbiert), dann arbeiten sie auch nichts mehr. Also gibt es dann keinen Bitcoin mehr.
@Hans Frosch
Auf Null halte ich nicht für realistisch, dazu ist es bereits zu religiös und es wird HODLer geben, die auch >90% Einbruch mitmachen und auch Reorgs und unregelmäßige Blöcke werden sie nicht davon abhalten.
@Puty
Dass Bitcoin im Preis steigt ist kein Naturgesetz, es gab schon so einige Coins, die im Marketcap durchaus immens waren und mittlerweile irgendwo unter „ferner liefen“ stehen. Das kann auch Bitcoin passieren, insbesondere mit den Herausforderungen, die einfach nicht gelöst werden wollen und die Fronten sind da extrem festgefahren.
Das das Wachstum des Bitcoinpreises irgendwann auf Null fallen würde würde ich so unterschreiben. Die Kurve wächste ja schon mit jedem Peak immer langsamer.
Dass damit auch der Preis auf Null fallen wird, halte ich aber mindestens für eine Frage des Glaubens.
Die Frage, ob Transaktionsgebühren – oder aber ein zukünfitg noch zu entwickelnder Mechanismus – den Blockreward ersetzen und die Hashrate stabilisieren kann, bleibt sicher abzuwarten.
Da aber – in dieser ominösen noch im Nebel liegenden Zukunft – eine sehr große Menge Menschen eine Menge zu verlieren haben, wenn Bitcoin abstürzt, halte ich das Szenario für nicht sonderlich realistisch.
Zumindest Etwas wird den Blockreward ziemlich sicher ersetzen.
Idealerweise etwas stabilisierendes nahe der Nullwachstumskurve.
Naja, einen Konsens sehe ich da bislang nicht wirklich und wenn ich Adam Back & Co. lese, dann komme ich mir immer vor, dass sie den „Bigger Fool“ pushen wollen, der den Preis höher treibt. Ähnlich wie Charlie Lee, der damals um das ATH seine Litecoin alle verkauft und seine Follower damit mehr oder weniger verarscht hat. Würde ein Adam Back halt nie offen kommunizieren…
Naja, dafür gibt es ja aktuell auch keinen Grund. Den gibt es erst, wenn sich massive negative abzeichnen und der Mehrheit der Arsch auf Grundeis fährt.
Gutes Beispiel aus der Verganheit dafür ist übrigens der DAO Hack bei Ethereum.
Ich sehe bei Bitcoin keinen ähnlichen Konsens wie bei Ethereum damals beim DAO Hack, dazu sind die Vorstellungen zu weit auseinander. Ein Saylor als wahrscheinlich größter Preistreiber (gezockt) vor den ETFs will mehr Regulierung, ich bin mir noch nichtmal sicher ob er Bitcoin selbst schon genutzt hat, „seine“ hält er jedenfalls in Custody (afaik Coinbase wie >90% der ETFs).
Ein Luke Dash Jr. will kleinere Blöcke, will keinen „Spam“, den er mit seinem Ocean Pool herausfiltert. Aber heult auch beim FBI rum, wenn seine eigenen Coins geklaut werden. Muss. Man. Sich. Geben. Der dienstälteste Bitcoin Dev kann seine Coins nicht zusammenhalten.
Ein Adam Back will keine größeren und verlässlichen Blöcke, er will seine Liquid Chain voranbringen.
Usw. usf.
Mag ja alles sein. Deswegen sind hier im Forum auch einige sehr empört. Das sind aber alles eher politische Gründe die Du da vorträgst, keine ökonomischen.
Weil man seinen Willen nicht bekommt, hat man noch lange keine Angst davor sein Erspartes zu verlieren und wechselt woanders hin.
Ich würde sagen Bitcoin hat seinen DAO Hack Moment noch nicht erlebt. Und wenn alles gut geht wird es das auch nicht, wer weiss.
DAO Hack Reverse war auch politisch. Es hat ja effektiv nicht nur dem Hacker geschadet.
Die Whales / große Zocker wissen größtenteils was sie tun und sie werden rechtzeitig dumpen, eben wie Charlie Lee damals beim ATH von LTC während der Bitcoin Rally. Falls sich nochmal eine Rally anbahnen sollte, kaufen sie eben günstiger nach… Ich sehe bei Bitcoin keine anderen Prinzipien mehr als nur den reinen Markt.
Ja, politisch ist vielleicht der falsche Begriff. Moralische Gründe passt als Begriff vielleicht besser.
Frei nach Berthold Brechts „erst kommt das Fressen dann die Moral“, stimmt der Markt leider mit den Füssen regelmäßig anders ab, als vorangegangene Umfragen vermuten lassen.
Eher für den Erhalt von Wert, als nach moralischen Prinzipien irgendwelcher Freiheitskämpfer. Zumal die Prinzipien offensichtlich ganz unterschiedlich interpretiert werden.
Satoshi kann man dazu nicht mehr befragen. Und das Whitepaper kann – eigentlich wie alle hervoragenden Exemplare der Weltliteratur – auch sehr frei in die eine wie die andere Richtung interpretiert werden, je nach persönlichem Gusto des Lesers.
Und selbst wenn man Satoshi befragen könnte, würde man sicher feststellen, dass er vermutlich 😉 auch nur ein Mensch ist. D.h. wie wir alle mit sehr begrenzten Fähigkeiten in die mittlere Zukunft zu sehen.
Ich vertraue darauf, dass sich – wenn die Not am größten ist (nicht vorher) – schon ein neuer Satoshi finden läßt, der den Karren aus dem Dreck zieht und dann auch erst ziehen kann. Bis dahin bleibe ich sehr entspannt.
Und ja Bitcoin folgt dem Markt, dass macht halt jedes frei verfügbare Asset.
Ah mist, das sollte jetzt auch nicht alles Fett werden. :-))