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Dezentrale Börse Uniswap bereitet sich auf „ultimativen Showdown“ gegen die SEC vor

Die Börsenaufsicht SEC hat es getan: Sie hat Uniswap Labs, das Team hinter der dezentralen Börse Uniswap, informiert, dass sie beabsichtigt, es zu verklagen. Dies könnte den wichtigsten Gerichtsprozesses für die Zukunft des Finanzwesens einläuten.

Selten hat sich die Finanzmarktaufsicht so entlarvt und selten hat sich der Widerspruch zwischen Regel und Mandat so offen gezeigt.

Stellt euch vor, ihr seid eine Finanzmarktaufsicht, etwa die US-amerikanische SEC, und eure Aufgabe ist es, den Wertpapierhandel vor Betrug und Manipulation zu schützen. Stellt euch dann vor, es gäbe eine Börse, die vollkommen transparent operiert, die jeden einzelnen Trade und jede Aktion aller Beteiligten verifizierbar offenlegt, bis hin zu Abstimmungen im Verwaltungsstab. Eine Börse bei der niemand aus dem Backend heraus manipulieren und tricksen kann, und die nicht allein einer kapitalstarken Elite, sondern jedem erlaubt, als direkter Liquiditätsgeber seine Wertpapiere zu verzinsen

Was würde ihr tun, als Aufsichtsorgan?

Genau! Ihr klagt die Börse an. Was denn sonst?

„Es muss jemanden geben, der die Dinge ins Rollen bringt.“

So absurd sich das anhört – genau das bahnt sich derzeit in den USA an. „Ich bin nicht überrascht, nur verärgert, enttäuscht und bereit, zu kämpfen,“ schreibt Hayden Adams, Gründer von Uniswap, eben jener Börse, die wir eben beschrieben haben – der größten und wichtigsten dezentralen Börse.

Sein Team von Uniswap Labs entwickelt die Börse, ohne in den Handel selbst eingreifen zu können, da dieser vollständig durch Smart Contracts regiert wird. Uniswap Labs hat nun eine sogenannte „Wells Notice“ durch die SEC erhalten. Mit einem solchen Schreiben informiert die Kommission Unternehmen darüber, dass sie beabsichtigt, wegen bestimmter Vorwürfe Klage zu erheben.

„Das Uniswap-Protokoll“, schwärmt Adams, „hat mittlerweile mehr als zwei Billionen Dollar prozessiert. Tausende Teams und Entwickler haben unseren Code geforkt und auf ihm aufgebaut. Wir haben eine vollständig neue Finanz-Infrastruktur geschaffen, die sicher, fair, transparent und zugänglich ist. Unser Team hat dies alles in den USA in unseren Büros in New York getan.“

Er werde, fährt er fort, „oft gefragt, warum wir in den USA bleiben. Meine Antwort ist einfach.“ Denn Adams ist zum Kampf bereit: „Ich glaube, dass die Blockchain-Technologie eine unglaublich mächtige Technologie ist, wie das Internet. Sie ist hier, und sie wird bleiben. Also muss es jemanden geben, der die Dinge ins Rollen bringt, und das könnten eben auch wir sein. Außerdem glaube ich, dass man sich nicht verstecken sollte, wenn man eine Technologie schafft, die das Leben von Menschen verbessert.“

Also bereiten sich Adams und sein Team auf einen langen Gerichtsprozess vor. „Dieser Kampf wird Jahre dauern. Er wird vielleicht zum Supreme Court, dem Obersten Gerichtshof, gehen, und die Zukunft der Finanztechnologie und unserer Branche hängt daran. Wenn wir zusammenhalten, können wir gewinnen.“

Uniswap wirft SEC Machtmissbrauch vor

Worum es aber konkret geht, was die SEC der Firma Uniswap Labs als genau vorwirft – und ob dies etwa mehr mit den UNI-Token und ihrer Distribution zu tun hat als mit Uniswap selbst – erklärt Adams nicht. Auch sein Chief Legal Officer, Marvin Ammori, bleibt vage.

Auch er nennt die Wells Notice enttäuschend, aber nicht unerwartet. Er versteht sie als „Missbrauch von Macht“, quasi Amtsmissbrauch, was ebenfalls nicht überrasche, da schon mehrere Gerichte dies der SEC in letztere Zeit bescheinigt hatten. Und bei Uniswap seien die Argumente der SEC, meint Ammori, besonders schwach.

Die Börsenaufsicht SEC hat lediglich die Autoritöt, Wertpapiere zu regulieren, und nicht jedes beliebige Asset nach bestimmten technischen Standards. Die meisten Token, wie Bitcoin, Ethereum, Stablecoins oder Meme-Coins, seien keine Wertpapiere, daher habe die SEC in deren Handel nichts hineinzureden.

Weder das Uniswap-Protokoll noch Web-Apps und Wallets entsprechen den gerichtlichen Definitionen einer Börse. Erst vor wenigen Wochen, erklärt Ammori, habe die Börse Coinbase ein Urteil gegen die SEC gewonnen, demzufolge Krypto-Wallets keine Broker sind, selbst dann, wenn die Token in ihnen als Securities gelten.

Die SEC habe nicht das Mandat, Uniswap zu regulieren; man sei bereit, gegen diese Amtsanmaßung zu kämpfen – und zuversichtlich, zu gewinnen!

„Der ultimative Showdown“

Formal gesehen hat die SEC nicht unrecht. Es gibt Gesetze für den Handel mit Wertpapieren, und auf Uniswap werden wertpapierartige Token gehandelt, ohne dass diese Gesetze in vollem Umfang eingehalten werden, etwa was die Abfrage von KYC-Daten, die standardisierte Information der Anleger oder Auflagen der Listung angeht.

Da die SEC die Aufgabe hat, für die Einhaltung der Regeln zu sorgen, ist es nachvollziehbar, dass sie sich auch bei Uniswap berufen fühlt, einzugreifen.

Allerdings verstößt die SEC durch und durch gegen ihr Mandat, Investoren zu schützen und faire Märkte zu gewährleisten, wenn sie gegen die transparenteste und fairste Aktienbörse, die es jemals gegeben hat, vorgeht. Sie sorgt nicht dafür, dass Verbraucher geschützt werden, und sie verhindert weder Manipulationen noch Insiderabsprachen – sie macht alles nur schlimmer. Genauer gesagt: Sie verhindert, dass es besser wird.

Und dies könnte den Prozess um Uniswap zum größten und entscheidendsten Krypto-Prozess überhaupt machen. Den „ultimativen Showdon“ nennt ihn der Defi-Experte lito.eth auf Twitter. Es gebe nur zwei Resultate: Erstens, die vollkommene Niederlage der SEC in ihrem Krieg gegen Krypto, oder zweitens, alle Krypto-Entwickler verlassen die USA für immer. Das erste sei wahrscheinlicher.


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Über Christoph Bergmann (3247 Artikel)
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7 Kommentare zu Dezentrale Börse Uniswap bereitet sich auf „ultimativen Showdown“ gegen die SEC vor

  1. Christoph, ich sehe das nicht sooo dramatisch wie Du es insbesondere auf Twitter dargestellt hast. Es geht der SEC (wohl zurecht, auch ETH wäre davon betroffen aber wahrscheinlich mittlerweile verjährt) um das Token, welches mehr oder weniger willkürlich verteilt wurde und einen Stake an der Unternehmensentwicklung verspricht oder zumindest suggeriert. Die Trades an sich dürften nicht betroffen sein, imho.

    Oft geht es nicht ohne eigenes Token, auch wenn es meist nur als Vorwand genutzt wird. Bisq 1.0 kam ohne aus, Bisq 2.0 brauchte es angeblich und macht es angreifbar. Manfred hat mich vor Jahren geblockt als ich ihn darauf hingewiesen habe. Haveno DEX kommt ohne eigenen Token aus, Fork von Bisq und Base Currency Monero (Bisq selbst hat teilweise >90% Volumen im einzigen Monero Paar zu Bitcoin).

    Serai kommt aufgrund der Liquidity Pools nicht ohne eigenen Token aus, aber ohne Premine und sie werden transparent an Liquidity Provider ausgeschüttet… https://www.youtube.com/watch?v=xCEIcUWdUM0&t=3020s

    Klar ist das noch keine Blaupause für Konformität, aber man konnte schon vor Jahren wissen, dass Premines als Securities gelten werden und deswegen haben fast alle Premines seit Jahren die USA zumindest offiziell gemieden.

    • Woher weißt du denn, dass es wohl um das Token geht? Es gab in der Beziehung ja noch viel weitreichendere Definitionen, etwa vom IRS etc.

      • Wie geschrieben, ich vermute es, daher auch der Zusatz „imho“ und ich kann mich natürlich irren. Uniswap hätte das eindeutig klarer formulieren können, aber dass sie es nicht tun und eher in Richtung Dramatisierung neigen, zeugt für mich persönlich eher davon, dass ihr eigener Token-(womöglich)-Scam angeprangert wird.

        Es ist einfach der plausibelste Angriffspunkt für die SEC. Für einen möglicherweise illegalen Handel an sich wäre wahrscheinlich eher die IRS zuständig…

        Parallel dazu geht die SEC ja aktuell gegen einige Projekte / Tokens vor, darunter Richard Hearts offensichtlichen HEX Scam. Wofür will man ihn zum Beispiel verurteilen, wenn man andere willkürliche Token-Distributionen zulässt?

        • Mh, es wäre aber ebenso gut denkbar, dass die SEC Uniswap auf dieselbe Weise angeht wie Kraken etc., eben als Börse, auf der Securitys gehandelt werden.

      • Das wäre ein ziemlich aufwendiger Prozess und ich bin mir ziemlich sicher, dass den bei der SEC kaum jemand angehen will, zumal er auf eine Grundsatzentscheidung hinauslaufen würde, die zukünftige Projekte ggf. gezielt umschiffen könnten. Ich glaube, der SEC ist eine Unsicherheit in der Branche ganz gelegen…

        Kann man mit einer Klage gegen Uniswap das Protokoll selbst ausschalten? Wenn ich die Governance richtig verstehe, dann kann das Team eigenständig doch nichts entscheiden. Für den eigenen Token kann man sie aber ziemlich „leicht“ drankriegen und beweisen, dass es eine Security ist/war, die eben auch die Governance des Projekts beinhaltet. Aber zugegeben, ich kenne die technischen Details der Governance und des Listings neuer Token bei Uniswap zu wenig, da mich dezentrale Börsen mit vollständiger Transparenz nie gereizt haben.

        • Ich glaube, uniswap labs betreibt unter anderem die Webseiten, über die die meisten User Uniswap benutzen, und sie haben genügend Einfluss in der DAO, um ggfs Änderungen auf Wunsch der SEC durchzusetzen. Gab mal eine Diskussion, ob dies ausreicht, um zum Broker zu werden, das ging von der IRS aus, könnte aber auf die SEC überschwappen.

      • Okay, die Websites an sich wären wohl kein Problem, denn die sind soweit ich sehe auf Github hinterlegt.
        Wenn man aber entweder durch die Anzahl der Token in eigener Obhut oder gar durch eine Admin-„Backdoor“ Einfluß aufs Protokoll nehmen kann, dann wird man im Zweifel auch dazu gezwungen werden können. Beides Designfehler und alleine deswegen glaube ich kaum, dass die SEC es auf eine Grundsatzentscheidung ankommen lassen wollte, denn diese Fehler könnten bei anderen Projekten leicht umgangen werden. Ich würde an Stelle der SEC eher Unsicherheit schüren…

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