Verhaltenskontrolle über das Zahlungsmittel
Wenn China etwas weiß, dann wie Ordnung geht. Eingang zum verbotenen Palast in Beijing. Foto von: Yiannis Theologos Michellis via flickr.com. Lizenz: Creative Commons
China fährt seine CBDC hoch, den digitalen Yuan, und verbindet Zahlungen mit Blacklists aus dem Social Credit Score. Die Informationen dazu sind ein wenig verschwommen, geben aber aus der Vogelperspektive ein erschreckend klares Bild.
China, die vermutlich bestorganisierte Diktatur der Erde, führt derzeit eine digitale Währung ein, den e-CNY, und kontrolliert die Bevölkerung zunehmend durch einen Social Credit Score, der erwünschtes und unerwünschtes Verhalten belohnt oder bestraft.
Es scheint, als würden die beiden Systeme nun eine dystopische Vereinigung begehen. Songpinganq schreibt auf Twitter, „es geschieht.“ Sobald man einmal durch das Social Credit System auf einer Blacklist sei, „kann man nicht länger Chinas CBDC-Wallet Alipay oder Wechat Pay benutzen. Das bedeutet, du kannst kein Essen kaufen, keine Hotelzimmer bezahlen, keine Flug- oder Zugtickets buchen … und nicht online shoppen.“
It's happening in China now.
Once you are blacklisted by social credit system, you can no longer use China's CBDC digital wallet-Alipay or Wechat pay.
Which means you can't order food, book hotel room, buy train/plane tickets…etc online. https://t.co/kxf5O2vKpI pic.twitter.com/n8HGR9YkUm
— Songpinganq (@songpinganq) May 30, 2023
Es sei unheimlich bequem, zu bezahlen, indem man mit seiner Hand winkt – WeChat Pay erlaubt dies durch das Auslesen des Handflächenabdrucks – aber „sobald du auf einer Blacklist stehst, wird das System augenblicklich deine digitale Wallet einfrieren – du kannst keine ‚Uber Eat or Ride‘ mehr ordern.“
It's creepy convenient to pay with a wave of your hand in China now, untill you are 𝘽𝙡𝙖𝙘𝙠𝙡𝙞𝙨𝙩𝙚𝙙 by Social Credit System.
Once you are 𝘽𝙡𝙖𝙘𝙠𝙡𝙞𝙨𝙩𝙚𝙙, the system will immediately freeze your Digital Wallet (bank account) —— you can't order 'Uber Eat or Ride'. https://t.co/6tTcKplSfX pic.twitter.com/eFV5DYCdcT
— Songpinganq (@songpinganq) May 30, 2023
China, warnt Songpinqanq schon im Oktober 2023, „integriert digitales Zentralbanksgeld in sein Social Credit System.“ Um Eis aus öffentlichen Gefrierschränken zu kaufen, braucht man einen Score von mindestens 550, was durch die digitalen Wallets von Alipay und WeChat bereits umgesetzt werde. Für Luxushotels brauche es 600 Punkte, 500, um sein E-Auto zu laden, 550, um in Selbstbedienungs-Supermärkten einzukaufen.
China is integrating Central Bank Digital Currency into its Social Credit System.
To buy ice cream from China's freezers, you'll now need a minimum Social Credit Score of 550. Thanks to Alipay and WeChat, two Chinese digital wallets, for making it happen! pic.twitter.com/GiAQxy3tCm
— Songpinganq (@songpinganq) October 18, 2023
Bargeld ist weiterhin erlaubt, doch „es ist schmerzhaft, in einer bargeldlosen Gesellschaft Bargeld zu verwenden.“
Es klingt dystopisch: Chinas Social Credit Score, getrieben von einer Infrastruktur von Überwachungskameras, KI-Algorithmen und Data-Mining (etwa in sozialen Netzwerken), fließt mit dem Zahlungsmittel zusammen, der CBDC CNY-e, dem digitalen Yuan, und so setzt das Zahlungswesen fortlaufend eine Diskriminierung durch, die einem etwa das Recht entzieht, Zug zu fahren oder online zu shoppen, wenn man einen falschen Link geteilt hat.
Gruselig? Ziemlich! Aber wahr? Das ist schwer zu ermitteln.
Fake News
Erst vor einigen Tagen berichteten mehrere Magazine, dass Misinformationen zu Chinas Social Credit System zirkulierten. Ein Screenshot eines Videos zeige, wie eine Frau nicht mehr in der Lage ist, ihr E-Auto mit einer CBDC zu bezahlen, weil ihr Social Credit Score unter 550 liege.
Die Australian Associated Press (AAP) erklärt, dass Experten zufolge es in China überhaupt kein Social Credit System für Bürger gebe. Die Frau bezahle nicht mit einer CBDC, sondern mit der App WeChat vom Techkonzern Tencent. Das Bild betreffe also nur die Praxis eines Zahlungsdienstleisters und habe nichts mit Social Credits oder CBDC zu tun. Die Zahl 550 auf dem Display repäsentiere hingegen den „WeChat Pay Score“, ein System, „welches als eine Belohnung die ‚Pay Later‘ Option freischaltet.“ Wessen Score zu tief liegt, der muss sofort anstatt auf Pump bezahlen.
Auch andere Medien erklären diesen Irrtum zu ähnlichen Gerüchten, etwa, dass der Kauf an Eisautomaten mit Social Credits verbunden sind. Es gehe, in allen Fällen, lediglich um einen internen Score bei einer Zahlungs-App. Es gibt offenbar nicht wenige TikTok-Videos, die Schikanen durch Social Credits behaupten, wo es sie nicht gibt.
Alles also nur Fake News?
Begriffe entwirren
Tatsächlich sollte man zunächst nach begrifflicher Klarheit suchen. Der e-CNY ist Chinas Programm für einen digitalen, von der Zentralbank herausgegebene Yuan. Das Projekt läuft schon einige Jahre, es gibt hin und wieder Meldungen dazu, auch da und dort Pilot-Tests, aber insgesamt durchdringt es die Wirtschaft viel langsamer als erwartet. Kaum etwas zeigt dies besser als ein Bericht der South China Morning Post vom März 2024.
Die Zeitung berichtet über eine Kundenberaterin einer Bank, die ihr Einkommen als e-CNY in einer besonderen App bekommt. Sie gehört „zu einer der ersten Gruppe von Angestellten, die vollständig in digitalen Yuan bezahlt werden“. Da sie in der App keine Zinsen bekommt und damit auch kaum wo bezahlen kann, überweist sie die CNY aber fast augenblicklich auf ihr Bankkonto. Klingt nicht eben so, als beherrsche der e-CNY den Zahlungsverkehr.
Das hat eine beruhigende Ähnlichkeit zur DE-Mail und anderen Regierungsprojekten. Auch die KP in China hat Schwierigkeiten, ihre App unters Volk zu bringen.
Erwünschtes und unerwünschtes Verhalten
Komplizierter ist es beim Social Credit Score. Den gibt es und gibt es irgendwie nicht, die Meldungen dazu gehen weit auseinander. Das dystopische System der „totalen Kontrolle der Bevölkerung“, als die es im Westen, auch bei Wikipedia, gerne dargestellt wird? Oder doch nur ein Papiertiger, kaum übergriffiger als unser Schufa-Score?
Das System geht auf Pläne aus dem späten 20. Jahrhundert zurück, wird seit 2014 entwickelt und seit 2017 sukzessive eingeführt. Mitlerweile ist es in etwa zwei Drittel aller Städte aktiv.
Sowohl Individuen als auch Unternehmen bekommen einen Score, der zwischen 1 und 1000 liegt. Was genau den Score beeinflusst, hängt von Region zu Region ab. Es kann reichen, wenn man seine Eltern zu selten besucht, in Computerspielen cheatet, den Kot seines Hundes liegen lässt und so weiter. Ein einheitliches Social Credit System gibt es nicht, was erwünschtes und was unerwünschtes Verhalten ist, hängt vom Ort ab.
Individuen, bei denen der Score zu weit absackt, müssen mit Sanktionen rechnen. Schon 2019 wurde offenbar 23 Millionen Menschen wegen eines zu geringen Scores das Recht entzogen, mit dem Zug oder Flugzeug zu verreisen. Auch Verbote von bestimmten Universitäten, Beschäftigungsverbote im öffentlichen Dienst und mehr stehen zur Debatte. Durchgesetzt werden solche Verbote durch Blacklists, von denen parallel einige bestehen, und die von Unternehmen und Zahlungsdienstleister abgerufen werden.
Wer wissen möchte, wie hoch sein Score ist, muss pikanterweise bei der Zentralbank nachfragen, der People’s Bank of China. Diese führt den Score, was vermutlich seine Integration ins Zahlungswesen vereinfacht.
Auseinanderlaufende Berichte
Anders klingt es, wenn man sich auf der Diskussionsplattform Reddit umhört. In einem Thread vor fünf Monaten fragt jemand nach dem Stand des Social Credit Scores. Die häufigste Antwort ist, dass es kaum existiert.
Das System sei vorgeschlagen worden, sagt einer, „aber es wurde ziemlich schnell abgeschossen, daher redet niemand mehr darüber.“ Jemand anderes widerspricht, „es ist zu 100 Prozent in Betrieb, und zwar so weit, dass du dein Gesicht scannen musst, um öffentliches Klopapier zu bekommen.“
Ein nächster nennt es dagegen „eine Comic-Version der westlichen Vorstellung eines bösen, dystopischen, autoritären Systems. In Wahrheit braucht die Kommunistische Partei so etwas gar nicht, um die Leute zu kontrollieren.“
Die Partei habe schon längst alle Mittel, um die Menschen zu kontrollieren. Eine so sublime Methode wie den Social Credit Score habe sie gar nicht nötig.
Blacklists für Schuldner
Die Meinungen gehen offenbar auseinander. Nicht übersichtlicher wird es dadurch, dass die Social Credits zuweilen mit Blacklists über säumige Gläubiger verwechselt werden.
Ein Artikel des Wall Street Journals aus dem April berichtet eindrücklich darüber, wie es einem in China ergehen kann, wenn man nicht in der Lage ist, seine Schulden zurückzuzahlen: Man kann beispielsweise keine Tickets für die Hochgeschwindigkeitszüge, für Flüge oder gute Hotelzimmer buchen, teilweise wird man auch von Jobs bei der Regierung ausgeschlossen.
Es verschärft die Schikane noch, dass China kaum Prozeduren der Privatinsolvenz hat. Wer in der Schuldenfalle steckt, kommt so leicht nicht mehr heraus, und wird nun über Blacklists und Zahlungs-Apps wie WeChat und AliPay drangsaliert.
Aus der Vogelperspektive
Es ist also, insgesamt, verwirrend. Es gibt eine CBDC, die kaum benutzt wird, ein Social Credit System, über das widersprüchliche Informationen kursieren, und Blacklists für Schuldner, die nicht mit dem Social Credit System identisch sind, diesem aber stark ähneln.
Erhebt man seine Perspektive jedoch über diese konkreten Verwirrungen, klärt sich das Bild: Die omnipräsenten Zahlungsdienstleister wurden in China zu Organen der sozialen Kontrolle. Sie bestrafen Menschen, die sich unerwünscht verhalten – sei es im Sinne der Social Credits, sei es als unzuverlässiger Schuldner – indem sie gewisse Zahlungsmethoden oder Ausgaben blocken.
Eine CBDC, also eine digitale Währung einer Zentralbank, ist dabei maximal am Rande mit im Spiel. Aber sie ist auch nicht notwendig. Denn die Zentralisierung des Zahlungswesens auf einige wenige digitale Apps ermöglicht bereits alles, was eine CBDC kann.
Am besten wäre es vermutlich, wenn sich alle darauf einigen würden, dass CBDC nicht ein Begriff für eine spezielle Art von digitalem Geld ist – sondern eine Bezeichnung für die Risiken für die Freiheit, die die Digitalisierung des Geldes mit sich bringen kann. Und gegen die, so hofft man es, Kryptowährungen schützen können.
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Es gibt einen deutsche Youtuber der in China lebt.Der sagt,dass Social Credit Experiment wird in einer Stadt getestet
Abgesehen davon.Wenn du ohne Impfung nicht mehr ins Restaurant durftest,dich aber brennend für China interessierst,wie sie die Leute zu Unterwürfigkeit erziehen wollen,dann ist das sehr interessant.Oder fürs (nicht)- fernsehgucken jeden Monat Geld bezahlen darfst,gleichzeitig aber ausländische ( böse) Kanäle IP mäßig geblockt werden.
Wie seltsam. Man darf jetzt nicht mehr kritisieren, was in China passiert, weil Impfung und Corona?
Deine Interpretation ist beachtenswert aber falsch.
Richtig wäre gewesen,erstmal vor der eigenen Haustür kehren und dann gucken ob’s Haus schon verglast ist, bevor man Steine wirft.
Aber man möchte vielleicht nicht zuviel Staub aufwirbeln.
Wir haben tausendfach darüber geredet, es diskutiert und kritisiert, was bei Corona geschah – auch hier – und woanders. Ab wann ist „genug vor der eigenen Türe gekehrt“?
Es geht nicht um Corona sondern um Dinge, die der Staat zb mit Hilfe der Banken macht, um Leute gefügig zu machen.Keine Ahnung mit wem du wie oft worüber diskutiert hast.Ich sehe hier halt,wie gern in die Ferne geschweift wird.Sich über China und andere mokieren ist vermutlich etwas besser fürs Konto als den Querulanten zu spielen.
Mir soll’s doch egal sein, dachte nur, hast ein Recht zu wissen, dass nicht nur Jubelperser mitlesen.
@Kokolores
Lieber Querulant oder lieber Weltverbesserer,
ich lebe gerne hier in Deutschland, und ich glaube, ich genieße aktuell mehr Lebensqualität und persönliche Freiheiten als die meisten Generationen vor mir. Auch mehr Freiheiten als in den meisten anderen Ländern dieser Erde. Schaue doch mal auf den Globus und nenne mir die Länder wo alles besser läuft! Ich wundere mich, weshalb du dann nicht dahin auswanderst.
China macht uns vor was hier auch sehr leicht passieren kann.
Die Schufa wurde in dem Artikel ja nur kurz in einem Nebensatz angesprochen.
Ein Problem besteht meiner Ansicht darin dass nicht-öffentliche
Stellen wie z.B. Zahlungsdienstleister (oder Banken) angehalten werden gegen unliebsames Verhalten (hier vielleicht Geldwäscheverdacht) vorzugehen, wobei ihnen eigentlich die Mittel dazu fehlen das tatsächlich zu beurteilen. Mir jedenfalls sind im letzten halben Jahr 2 Konten gesperrt worden. (Nein, das stimmt nicht, keine Bank hat mir mitgeteilt dass mein Konto gesperrt ist, nur aufgrund irgendwelcher technischen Probleme funktionieren die Banking-Apps bei mir seit Monaten leider nicht mehr). Dabei habe ich nur das getan was wahrscheinlich fast jeder Leser dieses Blogs bisweilen tut – und ich habe die Banken darüber wahrheitsgemäß informiert.
Ich will hier nicht über meinen persönlichen Ärger klagen, das wäre
klagen auf hohem Niveau. Und es geht mir hier auch um etwas anderes:
Durch die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte (Internet, …, Kryptowährungen, …, KI, …) hat sich die Art und Weise wie (oder ob
überhaupt) sich ein Konsens innerhalb einer Gesellschaft bildet
grundsätzlich verändert. Was sich auch verändert hat ist die Art und
Weise wie unliebsames Verhalten (Verbrechen ?) von staatlichen Stellen überhaupt kontrolliert (oder gesteuert) werden kann. Wenn man jetzt Kontrollfunktionen an nicht-staatliche Stellen (Banken,
Zahlungsdienstleister, Social Media Provider, …) delegiert, führt
das vielleicht in manchen Fällen zum gewünschten Erfolg. Es führt aber auch noch zu etwas anderem, einem Umdenken in den Köpfen. Ich jedenfalls weiß dass ich mich mit keinem Bankberater mehr vertraulich austauschen kann da er per Gesetz verpflichtet ist mir nicht die Wahrheit zu sagen. Und bei jeder Überweisung überlege ich mir ob das vielleicht einen „Verdacht“ auslöst.
Aber keine Angst, wir werden uns daran gewöhnen. Sehr bemerkenswert fand ich die Aussage eines ehemaligen russischen Arbeitskollegen (der mich schon vor über 10 Jahren vor Putin gewarnt hat). Er sagte mir dass ihm der Austausch mit Menschen, die wie er selbst in einem totalitär regierten Land leben, sehr viel leichter fällt als z.B. mit mir.
Fazit: Ich glaube wir befinden uns in einer Zeit eines gewaltigen
Umbruchs. Wir müssen versuchen das zu steuern. Aber ich weiß nicht wo wir enden werden.
@Andreas
Ja, das sehe ich ähnlich wie du. Vieles, an das wir uns gewöhnt haben, wird sich verändern. Das war aber bestimmt auch schon früher so. Hoffen wir, dass sich die Menschheit in einer friedlichen und einvernehmlichen Weise darauf einstellt. Ich habe lediglich meine starken Zweifel, dass das gemeinsam mit den egoistischen und autoritär geführten Staaten gelingen wird. Vielleicht wird wieder ein neuer Eiserner Vorhang notwendig werden. Traurig, aber hoffen wir mal das Beste.
@kranich,
hat dein Friseur geschlossen heute?
Ich bin komplett bei Dir…
Ich hoffe, dass es Dir nicht so ergeht wie mir vor einigen Jahren! Fidor hat mir damals den Zugang gesperrt, ohne jegliche Mitteilung. Der Support konnte mir auch nicht weiterhelfen und erst auf Briefe mit Frist hat man mir nach zwei Wochen mitgeteilt, dass das Konto mit sofortiger Wirkung gekündigt ist, ohne Angabe von Gründen.
Dagegen habe ich Widerspruch eingelegt, da eine sofortige Kündigung ohne Angabe von Gründen nicht rechtens ist, den Brief habe ich gleichzeitig an Fidor und die BaFin addressiert und ich hatte wieder Zugang, mit einer fristgerechten Kündigung binnen 3 Monaten. Allerdings folgte dann nach ca. einem Jahr eine Hausdurchsuchung wegen Betrugs, dass ich mir von einem fremden Konto 300€ überweisen wollte.
Hat mich dann Anwaltskosten gekostet, um Akteneinsicht zu bekommen, die erst nach 1,5 Jahren ankam, vom Anwalt etliche Male angemahnt, aber einmal war sie „im Versand“ (zwischen Behörden), mal waren Untersuchungen nötig (Spektraluntersuchungen meiner beschlagnahmten Kugelschreiber) usw. – Als ich sie bekommen habe, immerhin über 100 Seiten lang, wurde sie nach einem Schreiben meines Anwalts fallengelassen und ich habe die Kugelschreiber wiederbekommen LoL – natürlich unbrauchbar, sogar den Überweisungsträger den ich angeblich gefälscht habe und wahrscheinlich von einem Kind ausgefüllt wurde.
Lieber Paul,
hallo mal wieder 🙂
Deine Geschichte ist schon krass, und bestimmt auch kein Einzelfall. Leider irrlichtern mittlerweile so viele dunkle Gestalten durch Social Media (wie z.B. @Kokolores), die solche und ähnliche Geschehnisse in den völlig falschen Kontext bringen (als ob die Freiheitsrechte in Deutschland auch nicht besser wären als in China). Ich weiß, dass du mit „Wehret den Anfängen“ prinzipiell vollkommen Recht hast, aber ich denke durch die nicht überprüfbare und massenhafte Verbreitung von Fake-News (ggf. auch noch KI-unterstützt), hat eine Veränderung stattgefunden, auf die eine freiheitlich libertäre Gesellschaft bisher noch keine abschließende Antwort gefunden hat. Es fällt mir nicht leicht, aber ich denke mittlerweile wird es tatsächlich wieder notwendig, einen gewissen Kontroll- oder Bewertungsmechanismus einzuführen. Ansonsten scheint eine demokratische Gesellschaft, in der das Bildungssystem nicht mehr seine primären Ziele zu erreichen scheint, einer gewissen Willkür ausgeliefert zu sein.
Schade, aber außer einer besseren Bildung fällt mir gerade keine andere Lösung ein.
@Sarah
Ja, auch bei den übermächtigen Tech-Konzernen sehe ich die Notwendigkeit für mehr Regulierung. Was nutzen z.B. die ganzen Coockie-Benachrichtigungen, wenn sie früher oder später ohnehin von fast jedem (aufgrund von Bequemlichkeit) akzeptiert werden. 🙁
Lieber Kranich, auf Deppen muss man nicht eingehen. Dass wir noch lange nicht so überwacht werden wie in China, Russland oder sogar Großbritannien ist mir ganz klar bewusst.
Aber jedes Quäntchen Freiheit, das wir einfach so abgeben bringt uns ein Stück in die falsche Richtung. Leider geben unsere Regierenden (egal ob lokal, Bund oder Europa) Rattenfängern viel zu oft Steilvorlagen…
Lieber Paul, meine Meinung ist, dass genau so wie wir Unternehmen regulieren müssen (z.B. Schonung von Ressourcen durch ein Recht auf Reparatur), wir auch funktionierende Demokratien schützen müssen. Dazu kann auch die Einschränkung von Propaganda mittels Fake-News gehören, oder eben auch die Einschränkung von Möglichkeiten zur Geldwäsche. Wie das am Ende technisch umgesetzt werden sollte, bleibt eine schwierige Abwägung. Pauschal zu argumentieren, dass alles was auch nur einer minimalsten Einschränkung der Freiheitsrechte entspricht ein Schritt in die falsche Richtung sei, kann ich deshalb nicht uneingeschränkt teilen.
Nur vom Weghören, und hoffen dass sich die Vernunft schon durchsetzen wird, wird die Welt nicht besser. Deshalb ist es auch gut, dass jemand wie Björn Höcke mit Rechtsmitteln in seine Schranken gewiesen werden kann. Auch wenn es dadurch, wie im aktuellen Fall, eventuell zu einer Einschränkung der Meinungs- und Redefreiheit kommen könnte.
Sehe ich aehnlich.
Identitaet bzw. Pseudonymitaet im Internet wird m.M. auf Dauer unerlaesslich werden.
Ein komplett anonymes System hat durchaus seine Anwendungsgebiete und Vorteile, aber in etlichen Bereichen waeren Bewertungen, Rezensionen und auch Haendler einfach nichts mehr Wert, wenn man da jederzeit betruegen, faken oder einen rugpull machen kann.
Als Kunde/User haette ich da im Grunde keinerlei vertrauen mehr.
Bei Darkmarkets weis man worauf man sich einlaesst und dass man evtl. grade dann einkauft, wenn mal wieder ein market offline geht.
Das Risiko kann man in EInzelfaellen durchaus eingehen und den damit einhergehenden potentiellen Verlust.
Aber wenn das bei ebay, amazon oder anderen Versandhaendlern aehnlich waere, dann haette das durchaus einige Nachteile.
Aber klar, wie Paul schon schreibt: „wehret den Anfaengen“. Ein durchaus schmaler Grat.
Am Ende ist jede Technik mehr oder weniger neutral und die Gesellschaft entscheidet am Ende wie sie angewendet wird.
Kann dann entweder ne halbwegs feine Sache werden oder halt Massenueberwachung a la 1984.
Ich hoffe mal, dass die aktuelle Gesellschaft speziel aus den letzten Jahren bisschen was gelernt hat.
Hm, spannend. Ich glaube die Umbrüche die wir erleben haben nichts mit irgendwelchen Ideologien zu tun, sondern schlicht mit der Tatsache, dass es technisch möglich ist. Dabei müssen wir im Westen weniger Angst vor einem übermächtigen Staat haben wie in China.
Aber übermächtige Konzerne können diese neuen technischen Möglichkeiten in ihrem Sinne auch verwendet (z.B. gegen anstrengende Kunden mit wenig Gewinnpotential), und manchmal kommt unter einer anderen Ideologie etwas ganz ähnliches dabei heraus.
Z.B. eine zunehmende Normierung der Gesellschaft.
Respekt !
100 Seiten Akten, Hausdurchsuchung und Spektraluntersuchung der Kugelschreiber.
Da haben die sich aber viel Mühe mit dir gegeben.
Als guter Staatsbürger hoffe ich nur dass die bei mir nicht soviel Steuergelder verschwenden.
Vielleicht noch eine weitere abschließende Anekdote:
Nach dem mir die 2 Banken die Konten gesperrt und gekündigt haben bin ich zu einer dritten Bank, die selbst Bitcoinhandel über ihre eigene Plattform anbietet und entsprechende Kompetenzen hat.
Um meine vorhandenen btc dort einzulösen habe ich deren Herkunft nachgewiesen: Zweifelsfrei von bitcoin.de erhalten.
Allerdings hat die Bank diese Prüfung an ein weiteres Unternehmen delegiert das festgestellt hat dass diese btc schon vorher mit welchen von Silkroad kontaminiert waren.
Schade, so war das dann erstmal auch wieder nichts.
Ja, Hausdurchsuchung war tatsächlich krass, weil ich mit dem Thema abgeschlossen hab und mir eine der Neo-Banken ein Konto eröffnet hat. Ohne ist man aufgeschmissen und ich bin überzeugt davon, dass viele Banken intern eine gemeinsame Datenbank führen, denn ein Konto bei einer anderen Bank bis auf einen kleinen Deposit noch nie genutzt wurde ein paar Tage später gekündigt und lokale Banken wollten mir auch kein Guthabenkonto eröffnen (wozu sie verpflichtet sind).
Die Polizei hat die Hausdurchsuchung auch nicht wirklich Ernst genommen, lächerlich: https://www.reddit.com/r/Monero/comments/bcb6oy/warning_to_all_otc_bank_transfer_traders_on/
Deswegen haben sie auch den Rahmen komplett ausgenutzt, ein Durchsuchungsbeschluss ist nämlich „nur“ 6 Monate gültig und wäre ein paar Tage später ausgelaufen. War ein Freitag um ca. 8 Uhr und die Beamten haben zwar gleich gefragt „Sie wissen bestimmt warum wir hier sind?“, aber dann haben sie nicht alles auf den Kopf gestellt, sondern in Schubladen geschaut usw. und das einzige Problem, was sie hatten war, dass „Ihre Frau scheint ja viel handschriftlich zu verfassen, aber Sie nicht…“ – hab ihnen dann irgendeine Notiz gegeben oder einen Einkaufszettel.
Es ist auch eine Frechheit, dass man Akteneinsicht nur über einen Anwalt bekommt und dann auch nur nach entsprechendem Druck.
Christoph ist die Akte übrigens bekannt, nicht dass jemand denkt, dass ich hier schwadroniere…
Ich wünsche Dir mehr Glück!
Hey Paul,
habe mir jetzt, nachdem ich immer wieder in Deinen Kommentaren gelesen habe wie Du Deine schlechten Erfahrungen erwähnt hast, Deinen verlinkten Reddit-Thread durchgelesen. Wahnsinn. Bzw. mein Hauptproblem mit der Vorgehensweise der Polizei / Staatsanwaltschaft ist die Art und Weise wie mit betroffenen Personen (wie Dir) umgegangen wird. Dass die ihren Hinweisen nachgehen ist ja richtig. Wie sollen sie sonst irgendwelche Fälle aufklären. Aber das könnten sie sicherlich anders tun als im Hintergrund Banken aufzuschrecken und dann eine Hausdurchsuchung, und das ganze über eineinhalb Jahre. Ich kenne ähnliche Fälle und auch dort hatte ich das Gefühl, dass der Verdacht schon begründet war und ihm nachgegangen werden sollte, dies aber mit der Brechstange bei anschließend unschuldig bestätigten Personen – aber auch bei allen anderen Verdächtigten – getan wurde.
Ich glaube übrigens auch nicht, dass das irgendwo im Hintergrund eine gezielte Kampagne gegen Krypto-Nutzer ist, sondern dass es sich einfach um riesige unsteuerbare emergente Systeme handelt, die von irgendeiner Seite eine Aufgabe bekommen (gefälschte Banküberweisung + Anfangsverdacht bei Dir) und so jemand wie Du dann in die Mühlen sozusagen reingezogen wird. Ich bin deshalb der Meinung, dass das nichts mit Krypto zu tun hat, weil ich auch Fälle kenne, die eben gar nichts mit Krypto zu tun haben aber ähnlich ablaufen.
Was mich schlussendlich dabei aber interessiert ist, ob die betroffenen (als unschuldig bestätigte) Personen anschließend ihr Verhalten ändern oder nicht. Denn wenn ja, sind das natürlich extreme Nebenwirkungen dieser Systeme, ob gewollt oder nicht. Wie sieht das bei Dir aus? Du bist ja weiterhin, wie ich hier seit Jahren mitlese, sehr aktiv im Monero-Space. Hast Du Deine Aktivitäten aufgrund Deiner Erfahrung geändert? Hast Du Local Monero verlassen und so wie Du viele andere auch und ist es jetzt (unter anderem) deswegen gestorben? Oder hat Dich das eher bestätigt, was ich hoffen würde. Denn wenn Du die letzten fünf Jahre weiterhin Monero-aktiv warst und keinerlei Probleme mehr bekommen hast, spricht das ja eher dafür, dass Du auf keiner Krypto-Zielscheibe der Polizei / Staatsanwaltschaft stehst.
Wäre echt interessiert an Deinen Gedanken hierzu.
Herrlich wie die Untertanen es sich schön reden,dass es noch nicht so wie in China ist.
Jede Woche ne neue Meldung,welchen Coin sie nicht mehr nutzen dürfen,welche Platform nicht mehr geht,Kontenschließungen und Hausdurchsuchungen,müssen bezahlen fürs TV Programm ect ect.
Aber nicht müde werdend,unter zunehmenden Schwierigkeiten,immer noch ein Land zu finden,wo es noch schlimmer ist.
Nach dem Motto,solange ich tief genug krieche,kann ich nicht fallen.
Unterhaltsam auf jeden Fall.Trotzdem vorausschauend denken und sicherheitshalber auch noch ein Russisch-Deutsch Wörterbuch unters Kissen legen…man weiss ja nie welchem Herrn man noch dienen muss.
Dass es hier nicht besser, sondern schlechter wird, ist kein Grund, zu zeigen, was in China passiert.
Sehe ich ähnlich wie Christoph, ich bin auch nicht zufrieden mit Beschränkungen unserer Freiheit, seien es irgendwelche Netzdurchsuchungsgesetze, Vorratsdatenspeicherung, Einschränkungen des Bargelds oder eben Crypto, insbesondere „Privacy Enhanced Currencies“ womit meist Monero gemeint ist.
Trotzdem sind wir noch weit weg von China, wo ein Umtausch von Yuan in jegliche Währungen für Locals untersagt ist, Unternehmen benötigen eine Erlaubnis dafür.
Ganz frisch: https://protos.com/china-busts-2-billion-usdt-money-laundering-operation/
Anders gefragt: Welche Freiheiten hat man in China, die man in Deutschland nicht hat?
Hast du einen Loesungsvorschlag?
Hopfen und Malz verloren.Die haben sich schon die DDR und die Mauer schöngeredet.
China führt derzeit eine digitale Währung ein, den e-CNY? Fürs Volk, ja.
Für Ex-/Importe in nichtwestliche Regionen hingegen UNIT-Token
UNT – empfohlener ISO 4217-Währungscode ( http://www.unitfoundation.org ).