Tether-Dollar immer wichtiger für russisch-chinesischen Handel
Das Wetter in Russland ist zwar eher bescheiden, kann im Juni aber auch angenehm sein. Bild: View of the Solovetski monastery, Solovki, Russia, June 2019. Von Sergej Gussev via flickr.com. Lizenz: Creative Commons CC BY 2.0 Deed
Sekundäre Finanzsanktionen hemmen den Rohstoffhandel zwischen Russland und China. Immer mehr Händler nutzen daher den Stablecoin Tether – und modernisieren nebenbei ihr Zahlungssystem.
Da russische Rohstoffunternehmen und ihre chinesischen Handelspartner zunehmend Probleme haben, Banküberweisungen auszuführen, wickeln sie Zahlungen immer häufiger mit dem Stablecoin USDT (Tether) ab.
Der kanadische Nachrichtendienst BNN Bloomberg berichtet auf Basis von anonymen, hochrangigen Mitarbeitern, von zwei russische Metallproduzenten. Diese unterliegen zwar keinen Sanktionen, haben aber dennoch begonnen, Tether zu benutzen, wenn sie Metalle nach China liefern oder von dort Maschinen importieren.
Die Grenzen der Finanzsanktionen
In dieser Meldung offenbaren sich sowohl Effektivität als auch Begrenztheit der Finanzsanktionen. Zahlreiche russische Unternehmen, die Rohstoffe handeln, wie Stahl, Nickel oder Holz, haben Probleme, Geld für ihre Lieferungen zu empfangen oder Rohmaterialien und Geräte zu kaufen – selbst dann, wenn sie selbst keinen Sanktionen unterliegen, und selbst dann, wenn ihre Handelspartner in einem Land wie China operieren, wo westliche Finanzsanktionen nicht gelten.
Der Grund liegt in den sekundären Sanktionen durch die USA. Diese drohen, chinesische Banken vom Dollarsystem abzukoppeln, wenn sie Zahlungen für sanktionierte Unternehmen abwickeln. Vermutlich ist es für chinesische Banken einfacher und unverfänglicher, pauschal russische Kunden abzulehnen, anstatt im Einzelfall zu prüfen, welche Transaktionen erlaubt sind und welche nicht.
Stablecoins kommen da wie gerufen. Nicht nur kommen sie ohne Banken aus – und damit ohne direkte oder indirekte Sanktionen –, die Überweisungen dauern nur wenige Sekunden und kosten kaum Gebühren. Stablecoins sind nicht nur ein Instrument, um Sanktionen zu umgehen – chinesische und russische Unternehmen modernisieren mit ihnen quasi aus Versehen ihre Zahlungssysteme.
Nicht nur sanktionsfest – sondern auch effizienter
Darum erklärt Ivan Kotzov, ein in Dubai lebender russischer Mathematiker, der mit Resolv Labs mit Stablecoins arbeitet, dass es mittlerweile gebräuchlich sei, in Ländern, die Probleme mit der Dollar-Liquidität oder Kapitalkontrollen haben, Stablecoins zu verwenden, nicht nur im Rohstoffhandel.
Die russische Zentralbank unterstützt die Praxis, wenn auch mit Vorbehalt. Im November hat Gouverneurin Elvira Nabiullina der Duma erklärt, dass sie Experimente mit Kryptozahlungen im internationalen Zahlungsverkehr unterstützt. Sie beschränkt die Akzeptanz aber auf den grenzübergreifenden Handel und erlaubt keine Werbung dafür.
Diese Meldung bestärkt, was das Wall Street Journal bereits am 1. April berichtete, nämlich dass russische Schmuggler zunehmend Tether benutzen, um Sanktionen auf Waffen und Drohnenteile zu umgehen. Stablecoins seien „unverzichtbar für die russische Kriegsmaschine“ geworden.
Die Sanktionen greifen also stärker, als von manchen erwartet, insbesondere sekundäre Sanktionen werden für russische Unternehmen global zum Wettbewerbsnachteil. Doch je größer der Schmerz, den sie bereiten, desto eher wenden sich Unternehmen Stablecoins zu, vor allem den Tether-Dollar, die mittlerweile das Mittel der Wahl wurden, um Sanktionen und Kapitalkontrollen zu umgehen.
Der Preis, den BRICS-Staaten wie China und Russland dafür bezahlen, ist, dass sie nicht wie gewünscht vom Dollar loskommen, sondern sich noch stärker in dessen Abhängigkeit verstricken. Krypto schwächt den Dollar nicht – es stärkt ihn. Gleichzeitig zwingen die Sanktionen Russland und China, effizientere Zahlungssysteme zu verwenden, die denen, die man in Europa und den USA benutzt, um Jahre voraus sind. Die Illusion, dass Sanktionen im Zeitalter von Kryptowährungen noch greifen, könnte sich bitter für den Westen rächen.
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„Die Illusion, dass Sanktionen im Zeitalter von Kryptowährungen noch greifen, könnte sich bitter für den Westen rächen.“
Sie glauben das aber nach wie vor,am 30.12.2024 kommt die travel rule und „sie“ denken,damit bekommen sie Krypto an die Leine.
Ob Brics nun Krypto bzw Blockchain oder andere Zahlungssysteme aufbaut,und wie schnell und wer da angeschlossen ist ect,ist ja durchaus fraglich.
Aber die Bestrebungen gehen notgedrungen dahin und „der Westen“ hat durch die Sanktionen einen Impuls gegeben.
Türkei und Thailand sind die nächsten die gerne Brics beitreten möchten….niemand möchte allen Ernstes in die Situation kommen,es sich mit Onkel Sam zu verscherzen,ohne einen Plan B zu haben.
Aber noch steigt der Boomerang nach oben und der Westen denkt,er wird ewig weitersteigen,so zumindest meine persönliche Einschätzung.
Warum nicht in Chinas oder Russlands Währung zahlen?
Wirkt naheliegender als Stable Coins
Weil das sehr sehr viel Vertrauen vorraussetzt. Die BRICS Staaten sind kulturell viel diverser aufgestellt als der kulturull recht einheitliche sogenannte Westen. D.h. auch, dass es weniger Vertrauen in die jeweils anderen Zentralbanken gibt. Eine Währung, die keiner Zentralbank unterliegt, wie ein Stablecoin, löst das Problem effektiv. Sogar dann, wenn dieser weiterhin an den Dollar gebunden ist.
Sobald die BRICS Staaten das wirksam kapiert haben, können wir mit unseren Sanktionen einpacken.
Es gab immer schon Möglichkeiten direkt untereinander Waren und Geld zu schicken.
Eine Sanktion heisst ja auch „bei uns wirst du deine Waren/Dienstleistungen nicht los und von uns bekommst du keine“
Es ist ja nicht nur ein Ausschluss vom Zahlungssystem.
Du brauchst auch Lieferanten und Käufer die mit dir weiterhin Handel betreiben. Das muss man sich überlegen ob es einem das im Blick auf die Beziehungen international wert ist.
Wie man ja an China sehen kann, kriegen sie enorm günstige Preise dadurch dass sie nahezu ein Einkaufsmonopol haben.
Schwächt natürlich die Sanktionen durch den Westen, aber es ist dennoch kein adäquater Ersatz der früheren Einnahmen durch Russland. Sanktionen wirken, wenn aber auch nicht so gut wie erhofft.
Es ist ein „Longgame“ wo die Nato und der Westen noch ne Schippe drauf legen müssen um der Ukraine den Rücken zu stärken als Beispiel.
Hm, scheinbar sind sie da schon einen (kleinen) Schritt weiter. Die BRICS Staaten diskutieren gerade ein blockchain-basiertes Payment Settlesystem äquivalent zu SWIFT.
https://www.rt.com/business/598933-siluanov-brics-members-payment-system/
(Feindproganda, aber trotzdem informativ 😉 )
Es wird nicht mehr lange dauern bis sie kapieren, dass unabhängige bereits existierende blockchain-basierte System ihre Belange schon zu 100% abdecken. Da muss eigentlich gar nichts mehr neu entwickelt werden.