Der höchstverschuldete 32-Jährige der Welt?
Blick auf einen Teil Podgoricas, der Hauptstadt von Montenegro. Bild von Raymond Zoller via flickr.com, aufs Format fürs Blog zugeschnitten, Lizenz: Creative Commons BY-SA 2.0
Ein trauriger Rekord: Do Kwons Terraform Labs, Urheber der kollabierten Kryptowährung Terra (LUNA), wird zu einer gewaltigen Strafe verurteilt – vermutlich zur höchsten Strafzahlung wegen Wertpapierbetrug aller Zeiten.
Es gab einmal eine Zeit, da konnte man mit 4,4 Milliarden Dollar noch ein ganzes Land kaufen. Heute können Herr und Frau Kwo aus Südkorea damit nicht einmal die Schulden der Firma ihres Sohnes Do bezahlen, der nach einer abenteuerlichen Achterbahnfahrt durch die Kryptowelt in Montenegro gestrandet ist.
Ende letzter Woche hat sich Do Kwons Firma Terraform Labs mit der US-amerikanischen Börsenaufsicht SEC auf einen Vergleich geeinigt: Terraform Labs und Do Kwon stimmen einer Zahlung von 4,5 Milliarden Dollar zu – und wie es aussieht, kam Do Kwon mit einem blauen Augen davon, oder, um es weniger euphemistisch auszudrücken: er hat seine Augen noch und ist in Freiheit.
Do Kwon hat mit seiner Firma Terraform Labs die Kryptowährung Terra (LUNA) gegründet. Zu dieser gehörte der algorithmisch generierte Stablecoin UST, der im Herbst 2022 kollabierte. Der Zusammenbruch von Stablecoin und Kryptowährung zerstörte rund 40 Milliarden Dollar an Werten und stieß eine Kaskade an, die in der Implosion der Börse FTX gipfelte. Aus all dem tollkühnen Wahnsinn, der den langen DeFi-Sommer 2021/22 auszeichnete, stieß Terra als besonders kühn hervor. Die SEC warf Do Kwon und seiner Firma, so Direktor Gary Gensler persönlich, „einen der größten Wertpapierbetrüge in der US-Geschichte“ vor und reichte Klage ein.
Nachdem in Südkorea ein Haftbefehl gegen Do Kwon ausgestellt wurde, flüchtete er auf den Balkan, um von dort aus mit einem gefälschten Pass nach Dubai zu gelangen. Am Flughafen Podgorica wurde er jedoch festgenommen. Ein Gericht verurteilte ihn zu einer Strafe von vier Monaten wegen des Fälschens eines Ausweises. Seitdem ist er nach Zahlung einer Kaution zwar auf freiem Fuß, wartet aber noch mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit auf das finale Urteil zu seiner Auslieferung. Das höchste Gericht des Landes hat diese sowohl nach Südkorea oder in die USA genehmigt, wohin und wann hängt aber noch vom Jusztizministerium an.
In den USA wurde er derweil des massiven Wertpapierbetrugs schuldig gesprochen. Die nun vereinbarte Strafzahlung setzt sich aus 3,5 Milliarden Dollar an Rückerstattung, über 460 Millionen Dollar an Zinsen und 420 Millionen Dollar als zivilrechtliche Strafe zusammen. Von ihnen muss Do Kwon aber nur einen Teil selbst bezahlen, etwa 200 Millionen Dollar. Den Rest trägt Terraform Labs, das aber, einer Insolvenzanmeldung zufolge, nur noch 150 Millionen Dollar an Vermögenswerten besitzt.
Ein weiterer Teil der Strafe ist, dass Do Kwon und Terraform Labs nicht mehr berechtigt sind, Kryptowährungen und -token zu kaufen oder zu verkaufen, darunter auch die, die zum Terra-Ökosystem bzw. dessen Trümmern gehören. Die SEC agiert damit ein wenig wie ein Leichenfledderer: Sie verhängt eine absurd unrealistische Buße, die das, was es zu verteilen gibt, um ein Vielfaches übersteigt, um sicher zu gehen, dass die Gläubiger, die sie vertritt – also vermutlich US-amerikanische Investoren – immerhin noch das erhalten, was es zu holen gibt. Das Gebot, keine Assets zu kaufen oder zu verkaufen, deutet darauf hin – es verbietet es Do Kwon und seiner Firma faktisch, andere Gläubiger auszuzahlen.
Spannend wäre es freilich, ob Do Kwon in der Lage ist, seine Schulden zu bedienen. Möglich wäre es. Der junge Mann könnte auf Memory-Sticks, Laptops, in verschlüsselten Online-Wallets oder Brainwallets tatsächlich viele hundert Millionen Dollar in Kryptowährungen besitzen; er könnte sogar, wenn er die Strafe bezahlt hat und wenn kein weiteres Ungemacht aus Südkorea kommt, als freier Mann mit seinem eigenen Pass ein Flugzeig richtung Dubai besteigen – und, wenn er aus dem Terra-Desaster reichlich Gewinn gezogen hat, mehrere hundert Millionen Dollar im Handgepäck mit sich führen.
Entdecke mehr von BitcoinBlog.de - das Blog für Bitcoin und andere virtuelle Währungen
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
Hatte er denn einen „Schulabschluss“?
Oder kann hier jetzt jeder und alles?
Das wäre interessant zu erfahren.
Viel interessanter müsste es für dich sein, wo sich gerade deine Frau aufhält. Frage mal bei deinem Nachbarn nach, der weiß es bestimmt.
@Exil-Hexikaner
top comment!!
ich.kann.alles.sonst.nichts!!