Newsticker

Saudi-Arabien drohte damit, europäische Positionen aus den Reserven zu nehmen – aber was wäre die Alternative?

Die saudische Hauptstadt Riad mit dem Kingdom-Tower. Bild von Robin Chrystie via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Wenn Finanzinstrumente missbraucht werden, um geopolitischen Einfluss auszuüben, verlieren sie ihren Wert in nationalen Reserven. Aber womit könnte man die klassischen Instrumente ersetzen? Wir hätten eine Idee.

Der Ernstfall konnte gerade noch vermieden werden. Anfang Juli drohte dem Weltfinanzsystem ein weiterer Riss.

Die G7-Staaten diskutierten, eingefrorene russische „Assets“ im Wert von etwa 300 Milliarden Dollar zu konfiszieren und der Ukraine zu überschreiben. Der Vorschlag scheint von den USA ausgegangen zu sein, stieß auf Zustimmung in Großbritannien, aber auf Skepsis bei anderen Ländern.

Am wenigsten begeistert war aber vor allem ein Land – Saudi-Arabien. Laut einem Bloomberg-Bericht haben die Ölscheichs unverhüllt gedroht, europäische Positionen abzustoßen, wenn die G7-Gruppe tatsächlich 300 Milliarden Dollar russischer Assets beschlagnahmt.

Man konnte die saudische Reaktion als Machtprobe verstehen. Saudi-Arabien hält europäische Staatsanleihen im Wert einiger zehn Milliarden Dollar. Das wäre zu wenig, um den Euro zu destabilisieren. Aber es könnte der Anfang eines Ketteneffekts werden, und man möchte auch ein finanztechnisches Schwergewicht wie Saudi-Arabien nicht abstoßen, dessen Staatsfonds beinahe eine Billion Dollar hält.

Doch es kam nicht zum Showdown. Die G7-Staaten einigten sich darauf, nicht die russischen Assets zu konfiszieren, aber deren Zinsen in einen Fonds einfließen zu lassen, der die Ukraine mit 50 Milliarden Dollar unterstützen soll.

Saudi-Arabien hat nun keinen Grund mehr, seine Drohung wahrzumachen, ja, noch nicht mal, an ihr festzuhalten. Stattdessen dementiert Riad nun, jemals überhaupt irgendetwas gedroht zu haben.

Welche Alternativen gäbe es?

Aber, nehmen wir mal an, es wäre so weit gekommen. Was wäre die Alternative für Saudi-Arabien gewesen?

Wenn der Westen Finanzinstrumente missbraucht, um andere Länder geopolitisch zu erpressen, und diese Länder sich von europäischen und amerikanischen Staatsanleihen und Währungspositionen befreien möchte – was kann die Lücke füllen?

Die naheliegendste Antwort wären russische oder chinesische Staatsanleihen. Aber damit würde man nur ein stabileres gegen ein weniger stabileres Instrument tauschen. Sowohl Rubel als auch Yuan verlieren gegen den Dollar mittel- und langfristig an Wert. Darüber hinaus dürfte man in Riad kaum daran glauben, dass Russland oder China auch nur eine Sekunde zögern, um mit ihren Papieren andere Länder zu erpressen.

Eine weitere Alternative wären Aktien oder ETFs. Aber auch das führt beinahe zwingend zurück in die USA und die G7. Die meisten ETFs werden von Finanzdienstleistern des Westens geführt, und die stabilsten unter ihnen, etwa der MSCI World, bestehen fast ausschließlich aus westlichen Aktien. Daher dürften Aktien als Option auch ausscheiden.

Was bleibt also? Gold. Saudi-Arabien hält derzeit rund 323 Tonnen Gold, was nicht wenig ist, aber doch nur ein Zehntel von dem, was Deutschland hält, und etwa ein 25stel der Bestände der Vereinigten Staaten. Es gäbe also hier einiges aufzuholen, ohne ein Überinvestment zu befürchten. Wenn Saudi-Arabien physisch Gold halten würde, wäre dies ein tatsächlich nicht zu konfiszierendes Asset.

Mit jeweils etwa 2.300 Tonnen halten China und Russland bereits große Mengen Gold, vermutlich aus ähnlichen Motiven. Die größten Bestände liegen jedoch weiterhin klar in westlichen Ländern. Sollte Saudi-Arabien also entschlossen Gold kaufen, würde dies im ersten Schritt die Reserven der G7 wertvoller machen. Im zweiten wäre Saudi-Arabien weiterhin erpressbar, da die großen Industrienationen mit dem Verkauf von Gold die Reserven des Landes entwerten könnten.

Ohnehin könnte man fragen, ob Gold tatsächlich noch ein zeitgemäßes Asset ist: Ist der Transport und die Speicherung nicht zu schwerfällig? Sind die Märkte ausreichend liquide? Hat Gold das Potenzial, im Wert ausreichend zu steigen, um andere Einbußen wettzumachen? Und was, wenn es gelingt, Gold günstig herzustellen? Oder schlicht neue große Lager auftauchen, etwa wenn Arktis und Antarktis auftauen?

Die Antwort, die auf der Hand liegt

Anders als Aktien, Anleihen oder ETFs könnte Gold immerhin ein Teil der Antwort sein. Sollte sich die geopolitische Instrumentalisierung von Finanzinstrumenten jedoch weiter ausweiten und den Riss im Gefüge des Weltfinanzsystems vertiefen, dürfte Gold jedoch keine ausreichende Antwort sein.

Es bräuchte mehr, und dieses „mehr“ ist – das dürfte jedem klar sein, den meisten sogar von der ersten Zeile dieses Artikels an – Bitcoin.

Die Idee ist im Jahr 2024 nicht mehr so absurd, wie sie einmal klang. El Salvador baut bereits eine strategische Reserve in Bitcoin auf. Immer mehr Unternehmen ziehen nach, immer mehr Regionen, Städte und auch Länder beginnen, darüber nachzudenken. Selbst in den USA wirbt Donald Trump dafür, zumindest die von Kriminellen konfiszierten Bitoins einer Reserve zuzuführen, anstatt sie zu verschachern.

Die Idee ist also längst legitim geworden. Je mehr sie sich verbreitet, je mehr Menschen glauben, dass Bitcoin eine attraktive Reservewährung abgeben würde – desto attraktiver ist Bitcoin als Reservewährung. Denn Wert ist und war noch niemals objektiv messbar, sondern eine Sache der kollektiven subjektiven Wertschätzung.


Entdecke mehr von BitcoinBlog.de - das Blog für Bitcoin und andere virtuelle Währungen

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Über Christoph Bergmann (3247 Artikel)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder ---

3 Kommentare zu Saudi-Arabien drohte damit, europäische Positionen aus den Reserven zu nehmen – aber was wäre die Alternative?

  1. Bitcoin als Alternative und El Salvador als Beispiel dafür?
    Ist der Bitcoin in El Salvador nicht mehr oder weniger gescheitert?

Kommentare sind deaktiviert.

Entdecke mehr von BitcoinBlog.de - das Blog für Bitcoin und andere virtuelle Währungen

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen