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Tether friert 29,62 Millionen USDT eines regierungsnahen kambodschanischen Konzerns ein

King Ang Duong Stupa in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh. Bild von Radek Kucharski via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Viele denken, Tether-Dollar seien ebenso zensurresistent wie Bitcoins. Die kambodschanische Huione Gruppe musste auf die harte Tour lernen, dass dem nicht so ist. Und das ist gut so. Denn es geht nicht nur um Betrug – sondern auch um Sklaverei.

Die meisten dürften es schon mitbekommen haben: Der Stablecoin Tether hat Bitcoin in vielen Sparten des Cybercrimes längst den Rang abgelaufen. Insbesondere in den vielen Spielarten des Betrugs ist Tether oft die Währung der Wahl.

Der große Unterschied zwischen Tether und Bitcoin ist, dass der Stablecoin von einem zentralen Herausgeber verwaltet wird, der Firma Tether. Diese hat die Möglichkeit, die digitalen Dollar einzufrieren – und macht davon Gebrauch. So etwa eine Wallet, auf der die kambodschanische Huione Gruppe 29,62 Millionen USDT lagerte.

Dieser Schritt folgte einem Bericht des britischen Analysten Elliptic, der Huione Guarantee, einen Online-Marktplatz der Gruppe, einen „Multi-Milliarden-Dollar-Marktplatz für Online-Scammer“ nannte. Manche Details des Berichtes lassen einem das Blut in den Adern erstarren.

Eine Säule des südostasiatischen Online-Betrugs

Der 2021 gegründete Marktplatz besteht aus einem Netzwerk aus tausenden von Kanälen in Messanger-Apps, die jeweils von den Händlern geführt werden. Huione operiert die Plattform und agiert als Treuhänder, um Betrug zu verhindern. Bezahlt wird üblicherweise in USDT, aber auch Banküberweisungen und Payment-Apps werden benutzt. Die Sprache ist in der Regel chinesisch.

Huione Guarantee war eigentlich für legale Güter gedacht, darunter Immobilien und Autos. „Heute jedoch richtet sich der größte Teil der Güter und Angebote an die Betreiber von Cyberbetrug.“ Der Marktplatz scheint zu einer Säule des lebhaften Ökosystems der Scammer in Südostasien geworden zu sein, die oft von China ausgehen und in Myanmar, Laos und Kambodscha agieren. Dieses „Ökosystem“ ist in den letzten fünf Jahren rasant gewachsen und macht heute einen Jahresumsatz von Dutzenden Milliarden Dollar auf dem Rücken von Millionen naiver Opfer.

Warum Betrüger elektrische Fußfesseln brauchen

Auf Huione Guarantee finden die Betrüger vor allem zwei Angebote: Erstens, die Geldwäsche. Die laut Elliptic größte Kategorie an Händlern des Marktplatzes bietet an, Geld zu wechseln und zu bewegen. Viele bieten an, Geld zu empfangen – auch das  von Opfern des Betrugs – es über Grenzen zu überweisen und in andere Mittel zu wechseln, etwa Bargeld, Stablecoins oder Einzahlungen auf chinesischen Payment-Apps.

Das zweite Angebot sind Produkte sind aus dem Sicherheits- bzw. Gefängnisbereich. Etwa Tänengas, elektrische Schlagstöcke oder elektrische Fußfesseln. Der Zusammenhang zu den Betrügern ist bitter. Denn die Betrogenen sind nicht die einzigen Opfer des Scams:

„Viele Berichte legen nahe, dass zu den Scams auch Gefängnisse gehört, die sowohl als Arbeitsplatz als auch als Wohnort dienen, von Stacheldraht umzäunt und aktiv durch Sicherheitskräfte bewacht werden. In ihnen leben hunderttausende von Arbeitern, viele effektiv versklavt. Es sind junge Männer und Frauen aus China, Vietnam, den Philippinen und vielen anderen Ländern, die mit dem Versprechen von gutbezahlter Arbeit in die Region verschleppt wurden und gezwungen werden, den Betrug umzusetzen.“ Der Betrug basiert also auf Menschenhandel und Sklaverei.

Ein Cousin des Premierministers

Nicht viel weniger bitter ist ein weiterer Hintergrund von Huione. Der Marktplatz hat, meint Elliptic, viele Eigenschaften eines Darknet-Marktplatzes, wird aber durch einen großen kambodschanischen Konzern geführt: Die Huione Group. Diese ist vor allem im Finanz- und Zahlungswesen aktiv, wickelt Zahlungen ab, wechselt Geld, ist in Versicherungen, Fluggesellschaften und Immobilien involviert.

Einer der Direktoren von Huione Pay, jener Sparte des Konzerns, die den Marktplatz betreibt, ist Hun To, ein Cousin des gegenwärtigen Premierministers von Kambodscha, Hun Manet. Hun To hat Verbindungen zum organisierten Verbrechen in China und steht unter Verdacht, Heron geschmuggelt und Geld gewaschen zu haben.

Seit 2021 wurden über Huione 11 Milliarden Dollar umgesetzt. Nicht alles davon ist in Betrug verwickelt, aber, so Elliptic, ein signifikanter Anteil. Enthüllt wurden die kriminellen Verbindungen von Huione erst durch Kryptozahlungen selbst. „Im Gegensatz zu nicht-krypto-Zahlungen, die auch auf der Plattform benutzt werden, aber nicht von der Transparenz der Blockchain profitieren, sind Ermittler in der Lage, proaktiv Zahlungen in USDT zu identifizieren und zu unterbrechen.“

Tether kooperiert, indem das Unternehmen mit Huione verbundene Wallets einfriert. Aber angesichts der menschenverachtenden Praxis und Reichweite der Scams dürfte dies nur die Spitze des Eisbergs sein.


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Über Christoph Bergmann (3247 Artikel)
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2 Kommentare zu Tether friert 29,62 Millionen USDT eines regierungsnahen kambodschanischen Konzerns ein

  1. Paul Janowitz // 2. August 2024 um 17:28 //

    Klar, Menschenhandel und Sklaverei wird niemand gutheißen, ABER ich halte es für problematisch, dass der Vorgang auf einer Behauptung eines Privatunternehmens beruht und den Marktplatz betrifft, nicht aber die Verbrecher selbst. Ein „beachtlicher“ Teil ist ein ziemlich breites Spektrum…

    Es waren soweit ich das überblicke keinerlei lokale oder internationale Gerichte involviert und Tether agiert hier praktisch willkürlich. Was ist laut Tether noch illegal? „Weiche“ Drogen? „Harte“ Drogen? Piraterie? Wohl gemerkt alleine auf Verdacht, geäußert von einem Privatunternehmen…

  2. ja Hebel &
    Triggerwords
    was bringt es, wenn der Trust weg ist,
    dann wird ebend umgesattelt auf ne anderen coin.
    viel besser waere es doch
    zu beobachten und damit erkenntnisse zu festigen
    um dann zu agieren
    wenn die schon so daemlich sind sich beobachten zu lassen
    29Millionen, was ein Witz ist, bei diesem Network
    hat mal jemand reingeworfen in den hut
    um deren infrastruktur zu optimieren.
    die werden sich jetz loesen von thether
    und das ist aus ihrer perspektive ‚gut so‘

    ist das jetzt immernoch gut ???
    fragt mal die sklaven !!

Kommentare sind deaktiviert.

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