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Warum es für die Bürger teuer wurde, als die Bitcoin-Mine schließen musste

Blick auf die Holdøya-Insel nahe Hadel. Bild von Karl Olsen via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Eine norwegische Gemeinde hat eine lokale Bitcoin-Mine geschlossen. Doch auf den Jubel folgte bald Ernüchterung: Die Stromrechnung für die Einwohner stieg.

Natürlich reagiert die Szene nicht ohne Genugtuung. Ein Bürgermeister einer Stadt in Norwegen wollte unbedingt die hiesige Bitcoin-Mine schließen lassen, weil sie ja keine „echten Werte“ schaffte, und nun, ha! — müssen die Bürger die Zechen mit der Stromrechnung bezahlen.

Aber warum?

Es geht um Hadsel, eine Gemeinde weit im Norden des Landes, 300 Kilometer überm Polarkreis, Teil einer Inselgruppe wüster Forde mit überraschend mildem Klima. Bürgermeister Kjell-Børge Freiberg hatte einem lokalen Datencenter, das Bitcoins schürfte, die Verlängerung der Betriebserlaubnis verweigert. Als sie schloss, sagte er, er sei „sehr, sehr erfreut.“

Da nun die Bitcoin-Mine nicht länger den Strom wegkauft, müsste der Preis für die anderen sinken. Simple Ökonomie, oder? Angebot und Nachfrage!

Doch es geschah das Gegenteil: Die Stromrechnung der Bewohner von Hadsel steigt um 20 Prozent, um ungefähr 230 Euro im Jahr.

Der Grund ist einfach: Der Energiemarkt im Norden Norwegens ist kein Markt der Knappheit, sondern des Überschusses. Norwegen hat mit Wasser- und Windkraft mehr als genug Energie zur Verfügung. Für den lokalen Versorger, Noranett, fällt nun der Bedarf der Mining-Farm weg, ohne dass die Kosten sinken. Die Farm hat 80 Gigawattstunden im Jahr abgenommen und etwa 20 Prozent der Einnahmen von Noranett gestellt. Die muss der Versorger nun auf die anderen Verbraucher umschlagen.

Für die Bürger könnte es dennoch ein guter Deal sein. Denn die Miningfarm kühlte die Maschinen mit Rotationslüfter, die rund um die Uhr lärmten. „Es hat die Leute in den Wahnsinn und die Verzweiflung getrieben“, so ein Anwohner.

Dennoch war Bürgermeister Freiberg etwas ernüchtert, als die Stromkosten stiegen. Man müsse damit umgehen, sagte er. Man werde nun nach Projekten suchen müssen, die die Lücke füllen. Das mache die Region auch attraktiv: Man habe überschüssigen Strom anzubieten (wie in ganz Norwegen aus erneuerbaren Quellen) und wolle eine Industrie, die Werte schafft. Nun denke immerhin keiner mehr daran, dass Datencenter willkommen seien.

Was natürlich etwas schade ist, da andere, leisere Lüfter vermutlich ein noch besserer Deal gewesen wären.


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Über Christoph Bergmann (3247 Artikel)
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2 Kommentare zu Warum es für die Bürger teuer wurde, als die Bitcoin-Mine schließen musste

  1. man sollte alles bis zum Ende denken!

    Gilt nicht nur in Norwegen, auch bei uns!!!

  2. Ich bin ja ein Fan von regionalen und stündlich weitergegebenen Strompreisen, die sich nach Infrastruktur- und Herstellungskosten richten. Es leuchtet auch mir ein, dass jemand in Kiel, wo es Überschuss an elektrischer Energie gibt, weniger zahlt als ich, weil der Strom von dort zu mir entsprechende Stromtrassen mit Aufbau, Wartung usw. benötigt. Ich kann mich mit meiner Wäsche u.Ä. anpassen und brauche sie nicht um 12 Uhr zur Prime Time, wenn sie mich ein paar Stunden später nur halb so viel kostet. Hier sind Elektroautos ein großer Hebel, der eben zur Prime Time auch wieder einspeisen könnte, wenn es einen entsprechenden Markt gäbe.

    Wenn man in Teilen Norwegens überschüssigen Strom hat, wird man sich wirtschaftlich auch überlegen, ob man Stromtrassen baut oder potenzielle Wasserkraft im Leerlauf ablässt. Ein großes Rechenzentrum in Siedlungsnähe ist nicht optimal, zumal Bitcoin Miner anders als „normale“ Rechenzentren stets am Anschlag agieren und entsprechend gekühlt werden müssen. Flüssige Kühler hätten hier wahrscheinlich Abhilfe geschaffen, aber entweder man versenkt die Miner direkt in der (nicht leitenden) Kühlflüssigkeit oder man muss sie aufwendig umbauen, was sich wahrscheinlich nicht rentiert hat.

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