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Japans großer Stromversorger TEPCO steigt ins Mining ein

Tokio. Bild von Marc Veraart via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Auch Japan kämpft mit der Energiewende. Das Land hat reichlich Potenzial für erneuerbare Energien – und nun auch eine lukrative Strategie, um überschüssige Energien zu verwerten.

TEPCO, kurz „Tokyo Electric Power Company Holdings„, ist einer der führenden japanischen Energiekonzerne. Tepco versorgt eine weite Region um Tokio herum mit Strom und ist das 13.-umsatzstärkste Unternehmen Japans. Es betreibt zahlreiche Wasser-, Kohle-, und Gaskraftwerke, sowie drei Atomkraftwerke und je ein Geothermie – und Windkraftwerk. Die Firmentochter TEPCO Power Grid verwaltet die Stromnetze in der Region Kantō.

Agile Energy X ist nun ein Tochterunternehmen der TEPCO Power Grid. Es verspricht, TEPCO zu helfen, seine Ziele zu erreichen, die Stromversorgung auf erneuerbare Quellen umzustellen – indem es Bitcoins mined. Es „schafft eine flexible Nachfrage, die sich an das fluktuierende Stromangebot anpasst“, so die Webseite. Agile Energy X bietet Stadtverwaltungen und Energieversorgern an, überschüssige erneuerbare Energien abzunehmen. Dies „verbessert die Profitabilität der Erzeuger erneuerbarer Energien, indem diese einen sicheren Käufer für überschüssigen Strom haben.“ Netzbetreibern verspricht Agile Energy X, „eine Nachfrage für Regionen zu schaffen, in denen das Netz verstopft ist.“

Agile Energy X wurde schon 2022 von Kenji Tateiwa gegründet. Er arbeitete in der Kernkraft-Sparte von TEPCO. Seine Erfahrungen mit dem Atomunfall von Fukushima bestärkte in ihn seiner Vision, eine „perfekte Energiewelt zu schaffen.“ Agile Energy X soll dabei helfen. Laut seinen Schätzungen wird Japan 240.000 Gigawattstunden überschüssigen Strom erzeugen, wenn das Netz zur Hälfte aus erneuerbaren Quellen gespeist wird, was vermutlich Atomkraft ausschließt.

TEPCO wurde international vor allem durch die Atomkatastrophe von Fukushima bekannt. Bild von IAEA Imagebank via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Der CTO von TEPCO Power Grid kommentierte das Konzept von Agile Energy X im Dezember 2023: Überschüssiger Strom sei eine enorme Herausforderung für Netzbetreiber, und er sei überzeugt, man müsse neben Batterien und Wasserstoff „jeden existierenden Speicher im cyber-physikalischen Raum benutzen, der existiert, seien es Pumpspeicher mit heißem Wasser, Batterien in Elektroautos, Bitcoin-Wallets oder die Weisheit künstlicher Intelligenz.“ Die Tochterfirma Agile Energy X habe bereits begonnen, „erneuerbare Energien als Bitcoin zu speichern“. Man habe vor, rasch eine Lösung zu entwickeln, um mit der rasch wachsenden Anzahl an Einspeisern im Netz umzugehen.

Derzeit betreibt Agile Energy X Miner in zwei Präfekturen Japans mit besonders starkem Strom-Überschuss. Ein Bitcoin-/Krypto-Podcaster hat zusammen mit dem Mining-Pool Ocean eine Farm in Gunma besucht, wo Agile Energy X eine 50-Kilowatt-Mine aufgestellt hat. Sie wird direkt von TEPCO Renewables & Power betrieben – ein weiterer Ast des TEPCO-Konzerns – womit TEPCO vielleicht der erste große Stromerzeuger der Welt ist, der ins Bitcoin-Mining einsteigt – und hoffentlich nicht der letzte.


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Über Christoph Bergmann (3247 Artikel)
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4 Kommentare zu Japans großer Stromversorger TEPCO steigt ins Mining ein

  1. „erneuerbare Energien als Bitcoin zu speichern“ tönt gut, ist jedoch physikalisch falsch. Bitcoin ist keine Batterie in die man Energie jederzeit einspeisen oder herauslassen kann. Man kann überschüssige Energie verwenden um Bitcoins zu minen – man könnte diese jedoch auch nutzen um (zum Beispiel) Wasserstoff herzustellen. Auf Holz, Öl und Gas kann daher noch nicht verzichtet werden.

    • Physikalisch gesehen hast Du Recht und es ist auch ein Lapsus das so zu schreiben (war in diesem Fall wohl aber Tepco und nicht Christoph).

      Was aber gemeint ist, ist dass eine solche Anlage durch eine konstante Stromabnahme eine Liquidität erhält und es damit wirtschaftlicher wird eine solche Anlage hinzustellen, sie rentiert sich recht schnell.
      Ähnlich würde das auch ein Stromspeicher hinbekommen wenn der Wirkungsgrad mal stimmt. Daher die Veinfachung als Bild mit dem Speicher.

      Genauso wie die physikalische Speicherlösung krankt die Herstellung von Wasserstoff hingegen noch stark an mangelndem Wirkungsgrad. Genau wie die Transportfrage auch nicht ganz klar ist, da die Enrgiedichte von Wasserstoff nicht wirklich berauschend ist. Bei Methan ist sie etwa 3-mal so hoch. Wasserstoff lohnt sich vor allem dann, wenn das Stahlwerk, dass ihn braucht, direkt daneben steht.

      Auf Holz, Öl und Gas kann daher noch nicht verzichtet werden.

      Ah, daher weht der Wind (verzeih mir das Wortspiel)
      … Es wäre aber doch gut, wenn doch, oder?

      Japan (und TepCo im besonderen) würden im übrigen viel lieber mal von der Kernkraft (als von Öl und Gas) wegkommen, die haben da leider nämlich noch ein nicht ganz unwesentliches Problem an ihrer Küste sitzen.

    • Es ist leichter, schnell einen Mining-Park an einem Windkraftstandort aufzubauen, als eine Wasserstoffproduktion, bei der auch das Endprodukt erstmal wieder verteilt und abgenommen werden müßte (Henne/Ei). Bitcoins hingegen sind sehr fungibel und daher einfach in Profit umzusetzen, der dann wieder zum Aufbau neuer erneuerbarer Energieerzeuger verwendet werden kann, oder eben, den bisherigen Betrieb durch Querfinanzierung noch wesentlich günstiger zu gestalten.

      Dadurch könnten auch endlich jegliche Subventionen wegfallen, die das Ganze so teuer machen – was die Akzeptanz der Energiewende maßgeblich erhöhen könnte.

      Also: Scheuklappen abglegen und durchstarten. Wie wäre es z.B., wenn das Wirtschaftsministerium Windparkbetreiber dazu verpflichten würde, auch direkt eine kleine Miningfarm zu betreiben, um in Zeiten der Stromüberproduktion die bestehenden Netze zu schonen und durch die zusätzlichen Einnahmen den Geldbeutel der Stromabnehmer zu schonen, indem die Preise gesenkt und Subventionen abgebaut werden?

    • Also: Scheuklappen abglegen und durchstarten.

      Klingt gut, gefällt mir.

      Die Hilfe des Wirtschaftministeriums bräuchte es als Vorbedingung dafür auch nicht. Wenn’s für den Windpark attraktiv genug ist, ist das ein Selbstläufer. Und Windparks lukrativer zu machen ist vom Staat ganz sicher gewünscht und nicht verboten. 🙂

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