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Polnischer Präsidentschaftskandidat schlägt Strategische Bitcoin-Reserve vor

Slawomir Mentzen auf seiner Kampagnen-Webseite für 2025.

Endlich kommt das Thema auch in Europa an. Slawomir Mentzen, ein Bewerber auf das Amt des Polnischen Präsidenten, verspricht, dass der polnische Staat künftig auch in Bitcoin sparen wird. Wer ist Mentzen – und hat er Chancen auf das Amt?

Der polnische Präsidentschaftskandidat Slawomir Mentzen will, dass sein Land als erstes in Europa eine strategische Bitcoin-Reserve aufbaut.

Mentzen ist der Vorsitzende des Parteienbündnisses Konfederacja. Also solcher tritt er zur Präsidentschaftswahl der Dritten Polnischen Republik an.

Er schreibt, auf twitter und auf Englisch:

„Polen sollte eine Strategische Bitcoin-Reserve schaffen. Wenn ich der Präsident Polens werde, wird unser Land eine Oase für Kryptowährungen, mit einer sehr freundlichen Regulierung, geringen Steuern und einer förderlichen Haltung von Banken und Regulierern. BTC to the Moon!“

Auf Polnisch twittet er etwas ausführlicher: Er habe schon 2018, als er als Bürgermeister von Torun kandidierte, vorgeschlagen, in Ämtern und Schulen Bitcoins zu minen und mit der Abwärme zu heizen. Rückblickend hätte es sich sehr gelohnt. „Jetzt kandidiere ich für das Amt des Präsidenten von Polen und schlage vor, dass Polen einen Teil seiner Währungsreserven ebenfalls in Bitcoin hält.“ Das klinge jetzt abstrakt, werde aber in ein paar Jahren „eine völlig offensichtliche Entscheidung“ gewesen sein.

Es sei, schreibt Mentzen, „höchste Zeit, dass polnische Politiker auch in die Zukunft blicken, anstatt sich nur mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Wir dürfen nicht immer nur die anderen nachahmen. Wir können endlich selbst neue Wege gehen und ein Vorbild für andere sein. Die Polen verdienen einen modernen Staat!“

Ja nun, — möchte man das nicht auch den Deutschen zurufen, wenn sie bald wählen? An Slawomir Mentzen scheiden sich nun aber die Geister. Die Bitcoiner freuen sich über den jungen Politiker, der am Mittwoch 38 wird und der Partei „Neue Hoffnung“ vorsteht. Er gilt als beliebtester polnischer Politiker auf Youtube, es heißt, er besitze 33,7 B TC, also etwas mehr als drei Millionen in Bitcoin.

Mentzen und seine Partei haben jedoch den Ruf, ihr ahnt es, rechts, rechtsextrem, rechtspopulistisch oder ultrarechts zu sein. Und das kaum grundlos. Bekannt von ihm ist der Satz von 2019 „Wir wollen keine Juden, keine Homosexuellen, keine Abtreibungen, keine Steuern und keine Europäische Union.“ Er wurde zwar laut ihm aus dem Zusammenhang gerissen, wird dadurch aber nicht viel besser.

Im Parteienbündnis „Konfederacja Wolność i Niepodległość„, zu Deutsch: Bündnis für Freiheit und Unabhängigkeit, ist Mentzens „Neue Hoffnung“ noch am wenigsten rechtsextrem. Gesellschaftlich konservativ, wirtschaftspolitisch liberal bis libertär, aber auch offen ins rechtsextreme. Unter den anderen Parteien sind etwa die nationalistische, tendenziell sogar faschistische Ruch Narodowy und unter anderem eine monarchistische und eine christliche Partei. Es ist schwer vorstellbar, wie dieses Bündnis in der Lage ist, sich auf eine konstruktive Politik zu einigen.

Bei der letzten Parlamentswahl wurde die Konfederacja fünfstärkste Kraft und schaffte es mit 7,2 Prozent gerade so in den Sejm. Dennoch befürchtete etwa die Tagesschau, dass Mentzen nach der Wahl zum Königsmacher werden könne. Aktuellen Umfragen zufolge kommt sein Bündnis mittlerweile mit 11,9 Prozent auf den dritten Platz.

Damit besteht also durchaus eine Möglichkeit, dass Mentzen Einfluss auf die neue Regierung ausüben kann, wenn Polen im Mai 2025 einen neuen Präsidenten wählt. Doch viel wichtiger ist, dass die Idee damit in der Welt ist. Sie wurde auch in Europa ausgesprochen, und wenn Mentzen damit nur ein paar Schlagzeilen macht und ein paar Wähler gewinnt, werden andere Politiker anderer Länder nachziehen.


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5 Kommentare zu Polnischer Präsidentschaftskandidat schlägt Strategische Bitcoin-Reserve vor

  1. Sharavanabhava // 18. November 2024 um 16:41 //

    Die EZB müsste sich schon aus Eigeninteresse ASAP BTC öffnen. Hier der Gedankengang:
    1. Der Euro steht ggü. dem Dollar historisch niedrig.
    2. Wenn die Trump-Regierung den Dollar mit BTC unterfüttert kann dieser nur noch steigen.
    3. Wenn die EU nicht mit den USA gleichziehen und (a) den Euro mit BTC stärken und (b) die Wachstumsprobleme in der Eurozone in den Griff bekommen, die wiederum (c) durch teure Energie begünstigt werden fällt der Euro weiter.
    4. Was wenn der Euro unter 1$ fällt? Dann ist das erst einmal gut für den Export.. Aber wie tief darf er fallen? 90 USC? 80 USC? 70 USC?
    5. Anders gefragt, wie tief darf er fallen bis wir die Notbremse ziehen und den Dollar im EU-Raum einführen.
    6. Dann zahlen 500 Millionen EU-Bürger mit an der Staatsverschuldung der USA.

    Das scheint mir der Plan zu sein.

    Und das zu Recht. Denn aus wir diskutieren von Ideologien und Meinungen einzelner Politiker getrieben über Schuldbremsen und Vergemeinschaftung der Schulden, während sich die Schuldenlast von Deutschland solche Entwicklungen über Nacht ver-x-fachen kann.

    Zugegeben, ich kenne mich mit VWL und Finanzwesen nicht aus. Ich sehe das einfach nur technisch. Aber ich verstehe nicht wie man ein solches Szenario nicht ernst nehmen kann.

  2. Paul Janowitz // 18. November 2024 um 18:14 //

    Ich halte weder etwas von Mentzen noch von einer Währungsreserve in Bitcoin bei anhaltender Staatsverschuldung, die voraussetzt, dass diese mindestens die Zinseinnahmen deckt.

    Bitcoin ist ein durch die Wall-Street beliebig manipulierbares Asset geworden, dadurch wird es aber nicht wertvoll und wird aufgrund der negliblen Haltungskosten zum besten Pump&Dump Asset. Staaten sollten nicht darauf aufspringen nur der Investition wegen. Etwas anderes ist die Zulassung als Zahlungsmittel und hier sehe ich tatsächlich extremen Nachholbedarf…

    Wir sehen ATH, dennoch ist der Mempool leer. Niemand nutzt Bitcoin als P2P Electronic Cash, es wird lediglich als IOU (beliebig erweiterbar) abseits seines eigenen Ledgers gehandelt.

  3. Ist doch eine prima Gelegenheit Daten zu veringern. Quasi aus „Kleingeld“ Münzen zu machen. Wenn das nächste Mal die Blockchain verstopft ist, sind große „Scheine“ Gold wert.

    • Paul Janowitz // 19. November 2024 um 11:34 //

      Meine Befürchtung ist eher, dass alles abseits der IOUs zu einem niedrigeren Wert gehandelt werden wird, weil die zentralisierten Börsen neben KYC auch zunehmend Nachweise usw. verlangen werden, denn mit self-Custody ist man zunehmend ein Exot.

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