Schrödingers Geld

Newsrückblick

Pete / flickr.com - Creative Common License 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Ist der Bitcoin nun ein Zahlungsmittel oder nicht? Die Bitcoin-Akzeptanz geht mir großen Schritten voran, doch der Preis gibt weiter nach – und möglicherweise hängt das eine mit dem anderen zusammen. Warum, erfahren Sie im neuen Newsrückblick. Hier werden auch mal kleinere Brötchen gebacken.

Tja. Der liebe Kurs war in der vergangen Woche kaum ein Anlass für Freudensprünge. Los ging es am 31. März bei etwa 345 Euro, es folgte ein kurzer Aufwind, der den Preis auf stolze 370 Euro anhob, aber bevor man überhaupt „DerBullenmarktistwiederda“ murmeln konnte, ging es schon wieder hinunter. Erst bei 330 Euro fing sich der Preis wieder ein.

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Aber, immerhin, im Monatsdurchschnitt sieht es fast so aus, als seien wir, trotz des ganzen China-Dramas, auf einem neuen Boden gelandet.

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Land in Sicht? Ich zumindest hoffe es. Aber als Bitcoinblogger bin ich ja meistens ziemlich optimistisch. Das Glas ist bei mir, um ehrlich zu sein, nicht nur halb-, sondern  gerne auch mal zweidrittelvoll. Womit ich irgendwie dem Klischee des Bitcoin-Enthusiasten entspreche.

Alte und junge Kontinente

Klar: Ein Klischee ist kein Gedanke, sondern eine schlechte Gewohnheit. Etwas für Faulpelze, die lieber Schablonen verwenden, als selbst zu denken. Trotzdem sind Klischees zuweilen lustig, vor allem dann, wenn sie sich bewahrheiten. Wenn man nach Frankreich geht, und jeder ein Baguette unterm Arm trägt. Oder wenn man nach Reutlingen zieht, und der Nachbar einen über die Feinheiten der kleinen und großen „Kehrwoche“ aufklärt. Und so weiter.

Eines der Klischees, die sich in der Bitcoin-Welt bestätigen, ist das vom alten Kontinent Europa und vom jungen Kontinent Amerika. Während Europa skeptisch bleibt, galoppiert die USA voran. Während der Bitcoin hierzulande nach wie vor meist ein Privatvergnügen bleibt und man zwar mined und handelt, aber sich dabei selbst nicht ganz ernst nehmen will, und die Shops, bei denen man mit Bitcoins zahlen kann, überwiegend noch zum „Club Alpacca“ gehören, ist in den USA das Big Business mittlerweile mit Volldampf eingestiegen. Woche für Woche akzeptieren neue, gar nicht mal so unbedeutende Unternehmen den Bitcoin. Kürzlich waren darunter sogar zwei Zahlungsanbieter. Die Einschläge kommen näher.

Square und Stripe

Square ist groß genug, um einen eigenen Wikipedia-Eintrag zu bekommen. Die Firma mit Sitz in Kalifornien wurde im selben Jahr gegründet wie der Bitcoin, nämlich 2009, und hat eigentlich auch dieselbe Mission – es den Leuten einfach zu machen, Zahlungen abzuwickeln. Ob als Händler oder Konsument. Square bietet sowohl Kartenleser als auch zahlreiche Programme für PCs, I-Phones und Android-Smartphones. Das Unternehmen wurde Anfang dieses Jahres mit einem Marktwert von 5 Milliarden Dollar eingeschätzt. Berühmte Kunden sind etwa der Whole Food Markt und Starbucks.

Square hat nun bekanntgegeben, Bitcoins auf dem Square-Market zu akzeptieren. Der Square-Market ist eine Art Ebay für Square-Kunden, wo diese Waren anbieten können. Für die reibungslosen Zahlungen sorgt Square. Ab jetzt können Käufer auch mit Bitcoins bezahlen – ohne dass die Verkäufer die virtuelle Währung annehmen müssen oder auch nur etwas davon mitbekommen: Square wechselt nämlich in Zusammenarbeit mit Coinbase die Bitcoins direkt in Dollar um.

Auch Stripe hat einen Eintrag in der Wikipedia. Der junge Zahlungsdienstleister aus dem Silicon Valley wirbt mit einer einfachen Implementierung von Zahlungssystemen in die Homepage. Vor allem bei kleineren Gewerbe konkurriert Stripe mit dem Platzhirsch PayPal. Die Firma hat nun angekündigt, den Bitcoin in die Software zu implementieren, möchte es aber langsam und bedacht angehen: Zunächst können sich Unternehmen für einen Beta-Test bewerben. Der erste Tester ist Tarsnap, ein Anbieter verschlüsselter Backups. Stripes Plan ist es, so ein Sprecher, künftig jede vom Kunden gewünschte Währung zu akzeptieren.

Über 30 unabhängige Lebensmittelhändler in Großbritannien

Auch in Großbritannien tut sich was: Wedeliverlocal ist eine E-Kommerz-Plattform, auf der derzeit 30 unabhängige lokale Lebensmittelhändler ihre Produkte anbieten. Wedeliverlocal bezeichnet sich selbst als „local shopping revolution“. Und welcher Revolutionär verweigert sich schon der Währungsrevolution namens Bitcoin? Die Kunden können ab jetzt auf wedeliverlocal mit Bitcoins bezahlen – und zwar bei jedem beteiligten Shop. Der Trick ist, mal wieder, ganz einfach: die Shops erhalten keine Bitcoins, sondern britische Pfund. Die virtuelle Währung wird also auch hier sofort gewechselt.

Und das bedeutet jetzt, dass der Preis endlich wieder steigt, oder?

Eher nicht. Es ist zwar klasse, dass man mit dem Bitcoin immer mehr kaufen kann, da es Bedingung einer echten Währung ist, dass man sie gegen Produkte tauschen kann. Allerdings akzeptieren Square, Stripe und Wedeliverfood letztendlich keine Bitcoins, sondern Dollar oder Euro. Plattformen wie BitPay oder Coinbase wechseln die virtuelle Währung umgehend in Fiat-Währungen. Wie sie das genau machen, ist eines der Rätsel des Bitcoin-Ökosystems. Manche behaupten, sie handeln mit den Bitcoins, um die Gewinne zu erhöhen, während andere meinen, sie verkaufen sie an private Kunden und werfen sie einfach auf den Markt, also auf die Börsen. Um wirtschaftlich zu agieren, sollten die Firmen aber gezwungen sein, den kompletten Betrag – oder zumindest einen großen Teil davon – augenblicklich zu verkaufen. Damit erzeugt ein Kauf mit Bitcoins genau das Gegenteil von dem, was er sollte: Anstatt dass die Bitcoins weiter im Markt als Zahlungsmittel zirkulieren, werden sie einfach in die jeweilige Währung gewechselt. Für den Bitcoin-Preis bedeutet es somit dasselbe, einen Bitcoin zu verwenden, wie ihn zu verkaufen. Blöd, oder? Dann könnte man ja auch gleich mit Euro bezahlen. BitPays Angebot, Bitcoins zu akzeptieren und Dollar oder Euro zu liefern, hat bereits so viele Kunden gewonnen, dass der derzeitige Bärenmarkt vermutlich weniger etwas mit China oder Mt. Gox zu tun hat, sondern viel mehr mit dem Erfolg des Bitcoins als Zahlungsmittel. Dass es auch anders geht, zeigt das nächste Beispiel.

Irische Firma bezahlt Angestellte zum Teil in Bitcoin

Elminium / flickr.com

Elminium / flickr.com

GSM Solutions, ein in Dublin ansässiger Händler für Konsumentenelektronik, spielt ohnehin schon eine zentrale Rolle in der irischen Bitcoins-Szene (siehe unseren Artikel „Bitcoin in Irland“). Nun bezahlt die Firma künftig einige ihrer Angestellten zum Teil in Bitcoin. Das Gehalt von fünf Mitarbeiter in der Zentrale der Firma wird natürlich weiterhin in Euro berechnet – aber ein Teil davon wird zum aktuellen Kurs in der virtuellen Währung ausbezahlt. Die betreffenden Angestellten selbst arbeiten bereits täglich mit dem Bitcoin, weshalb sie wissen sollten, worauf sie sich da einlassen. Als ebenfalls zum Teil in Bitcoin bezahlter Bitcoinblogger kann ich Ihnen bestätigen, dass es möglich ist. Wenn der Preis steigt, ist es geil, wenn er, wie in den vergangenen Monaten, eher heruntertröpfelt, ist es etwas zäh. Man sollte eben aufpassen, dass man keinen zu großen Anteil des eigenen Vermögens in Bitcoin hält.

Wer an der weiteren Durchsetzung des Bitcoins als Zahlungsmittel ein Interesse hat, wird diese letzte Meldung aus Irland als die erfreulichste dieses Newsrückblicks betrachten. Denn ein Zahlungsmittel zu sein, bedeutet, diese Funktion auszufüllen, ohne gewechselt zu werden. Wenn GSM Bitcoins einnimmt, diese an Angestellte auszahlt und die Angestellten diese dann in einer Kneippe ausgeben und der Kneipier bei einem Lieferservice bestellt, der via BitPay die Bitcoins direkt wechselt – dann hat der Bitcoin schon mal mehrere Schritte als Zahlungsmittel gemacht, bevor er wieder zum Euro wurde.

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2 Comments on Schrödingers Geld

  1. Wenn diese Entwicklung so weiter geht, dann sehe ich bald niemanden mehr, der minen wird, da die Energiekosten angesichts der aktuellen Diff von 6,11 Milliarden und einem Stückpreis von rund 300 Euro pro Coin kaum noch rentabel ist. Da ist Abschalten schon fast rentabler. Leider ist die Mining Gemeinde so unterschiedlicher Auffassung, wie es Miner an der Zahl gibt. Ein kollektives Abschalten von 50 Prozent oder mehr zugunsten der Difficulty – denn der Besitzwechsel braucht nicht soviel Mining Power- ist kaum denkbar unter diesen Vorraussetzungen. Mal angenommen, es würder 12 Tage lang doppelt so lange benötigen – nämlich 20 Minunten statt 10 Minuten- um einen Block zu erzeugen, dann würde schon in der nächsten Anpassung die Difficulty um 50% nach unten korrigiert werden. Somit hätte man nach 2 Wochen “nur” noch 3,05 Milliarden, statt der 6,11 Mrd. derzeit. Bei 4,4Ths Rechenleistung würde man in dieser Zeit lediglich knapp 4 Coins nicht gemint haben. um in Anschluss mit der günstigeren Diff in 12 Tagen wieder das doppelte an geminten Coins zu erhalten. Einzig die Gier der Miner und Mining”Gesellschaften” wie GHash.io und ähnlichen treiben die Diff in unnötige Höhen. Wie bereits erwähnt, lohnt es kaum noch. Denn außer, dass die Geräte laufen und Strom fressen, muss man regelmäßig den Pool wechseln, wenn das “Glück” nicht equivalent 100% oder höher ist.

    Eine kollektive Aktion der Miner ist hier seit langem angesagt, zugunsten der Miner und der Erträge.

  2. Waterloo // 14. April 2014 at 1:06 // Reply

    Um ein Unternehmen zu veranlassen seine BTC nicht sofort via BitPay in Euro oder Dollar zu tauschen ist es erforderlich, dass dieses Unternehmen die Rechnungen seiner Lieferanten ebenfalls direkt in BTC begleichen kann. Davon sind wir noch meilenweit entfernt.
    Somit geht die auf dem ersten Blick erfreuliche wachsende Akzeptanz von BTC weiterhin vorerst ein Schuss, der nach hinten losgeht.
    Dienste wie BitPay müssen sich refinanzieren und dazu ihre BTC auf den Markt werfen selbst wenn der Kurs dadurch sinkt und sie dadurch auch sich selbst Schaden zufügen.
    Irgendwie ein Teufelskreis.

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