Der Bitcoin fordert die staatliche Kontrolle des Geldes heraus. Er ist kein unartiges Kind, sondern falsch geboren.

China: Zentralbank vs. Bitcoin-Börsen

(cc) Joan Vila / flickr.com. https://www.flickr.com/photos/joanetvila/ -- Creative Commons Lizent 2.0: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

China: Einige Tage vor dem Ablauf eines weiteren Ultimatums der Chinesischen Volksbank (PBOC) haben die fünf größten Bitcoin-Börsen gemeinsam die Initiative ergriffen: Sie haben angekündigt, sich selbst zu regulieren und eine Liste mit Maßnahmen präsentiert. Wird sie das retten können? Weiwu Zhang ist nicht sehr optimistisch. Er erklärt, was bisher passiert ist, was das für die aktuelle Situation bedeutet – und warum er meint, dass die Börsen die PBOC falsch verstanden haben.

In sehr alter Zeit marschierte das Reich Qi in das Land Lu ein. Qi war das mächtigste Königreich Chinas, und Lu war klein. Aber Lu hatte einen General, der dazu bestimmt war, zur Legende zu werden. General Wuqi war ein eifriger Schüler des Konfuzius und ein Meister der Kriegskunst, der zweite nach Sunbin, dem Autor von „Die Kunst des Krieges“. Doch der König von Lu zweifelte an der Loyalität seines Generals, da dessen Ehefrau in Qi geboren war. Also erschlug Wuqi seine Frau und servierte ihren Kopf auf einem Teller. So durfte der General die Armee von Lu aufs Schlachtfeld führen, wo er einen glorreichen Sieg gegen das übermächtige Qi errang. Danach wurde er ins Exil geschickt.

von Zhang Weiwu

Anfang Mai 2014 haben die fünf führenden Bitcoin-Börsen – OKCoin, Huobi, CHBTC, BTCChina und BtcTrade – bekanntgegeben, dass sie sich selbst regulieren werden. Sie wollen

  • Kunden die richtige Sicht auf das Investment lehren,
  • Margin Trading verbieten,
  • Gebühren auf High Frequency Trading erheben und
  • den Behörden regelmäßig Bericht erstatten.

Das ist seltsam. Denn von Börsen wird nicht erwartet, dass sie sich selbst regulieren – sie werden reguliert. Selbstregulierung verletzt das Prinzip der „Checks and Balances“. Also habe ich HUA Songxiu, den Geschäftsführer von CHBTC, angerufen und gefragt, ob er und die anderen Börsen einen Befehl von der PBOC bekommen haben. Er antwortete: „Wir handeln so, wie wir denken, dass es am besten ist. Wir haben keine Information von der PBOC.“ Dann habe ich XU Yiji angerufen. Der Leiter des Beijing 2014 Bitcoin Global Summit hatte die fünf Börsen gebeten, dem Gipfeltreffen fernzubleiben. Auch er sagte: „Wir haben nichts von der PBOC gehört. Es ist ein freiwilliger Zug.“ So, wie General Wuqi seine Frau erschlagen hat, ohne dass es ihm befohlen worden war.

Es heißt, die Welt sei eine Bühne. Wenn man in China lebt, sitzt man in der ersten Reihe. Die Dinge ändern sich schnell, und oft kann man nur raten, was in Wahrheit passiert. Ende des letzten Jahres sah es noch so aus, als sei der Markt der Bitcoin-Börsen eines der für unser Land typischen Überlebensspiele: Gebühren von 0 Prozent wurden zur Norm, was bedeutet, dass das Spiel einen Gewinner hervorbringt, der alles bekommt. Das ist schon oft passiert. Am bekanntesten ist Alibaba, das Ebay mit der 0-Prozent-Politik aus China vertrieben hat. Also haben wir erwartet, dass der Sieger des Surviver-Games zur größten Bitcoin-Börse der Welt werden wird.

Nun wird aber klar, dass die Politik das Spiel verdirbt. Am 10. Mai endet wieder ein Ultimatum der Chinesischen Volksbank (People’s Bank of China, PBOC). Der Vorschlag der Selbstregulierung der fünf großen Börsen erscheint mir wie ein Akt der Verzweiflung und, vielleicht noch wichtiger, wie ein fatales Missverständnis des Willens ihres Herrn.

Schauen wir uns etwa das folgende Versprechen der Börsen an:

„Wir werden den Behörden regelmäßig über die aktuellen Entwicklungen und Risiken Bericht erstatten.“

Das ist sowohl lustig als auch interessant, denn: Welche Behörde ist gemeint? Zuständig wäre eigentlich die China Banking Regulatory Commission (CBRC), eine frühere Abteilung der PBOC, die sowohl die Aufgabe als auch die Kompetenz hat, Geschäfte wie Bitcoin-Börsen zu regulieren. Die CBRC hat den Bitcoin bisher jedoch ignoriert. Sie wurde nicht beauftragt, die Bankkonten von Bitcoin-Börsen zu schließen, obwohl diese Aufgabe in ihren Bereich fallen sollte. Stattdessen kamen die Anweisungen bisher immer direkt von der PBOC, also von ganz oben. Wollen die Börsen nun also der PBOC direkt Bericht erstatten? Dafür sind sie zu klein und die PBOC zu groß.

Die Wahrheit ist, dass der Herr niemals gesagt hat, er wolle „regulieren“, auch wenn der Wunsch es gerne in die Befehle hineininterpretiert. Die Börsen haben sich einen Phantasie-Herren ausgedacht, dem man berichten kann. Tatsächlich hat die PBOC aber die klare Ansage geliefert, dass sie den Bitcoin aus dem Bild haben wollen. Ich habe die Botschaft in Wahrheit, Gerüchte und Gehorsam zum ersten Mal entziffert und in “Es ist kein Spiel der Überlebenden, sondern der Verlierer” nochmal erklärt.

→ Warum wird Yiya berühmt und Wuqi verbannt?

About Zhang Weiwu (7 Articles)
Ist unser Korrespondent aus China. Der IT-Unternehmer ist immer auf der Suche nach Geschäftspartnern und gibt unseren Lesern einen Blick hinter die Kulissen der chinesischen Bitcoin-Szene.

6 Comments on Der Bitcoin fordert die staatliche Kontrolle des Geldes heraus. Er ist kein unartiges Kind, sondern falsch geboren.

  1. Grimmelshausen // 11. May 2014 at 14:53 // Reply

    Kann mir bitte jemand die Hard Facts zusammenfassen damit ich das Gedönse nicht lesen muss? Danke.

  2. all das wird nicht helfen … BTC hat fertig ! short bis keiner mehr Interesse hat … damit shorte ich _____

  3. Der Meistäär lebt noch. Trollali und Trollala.

  4. Waterloo // 12. May 2014 at 16:18 // Reply

    AHA!! Nachdem die Börsen brav Bericht erstatten – wem auch immer – werden sie anschließend verbannt.
    Also wohl DOCH ein China ohne BTC ?!

  5. thomasfranken2013 // 12. May 2014 at 16:37 // Reply

    Hochinteressant, die chinesische Sicht der Dinge.
    Totalitärer als China geht es ja wohl nicht. (“Volks”-Republik China)
    BTC wird wohl in China keine Chance haben.
    Aber die Musik wird eh in den USA gespielt, China war nur ein erfolgloses Intermezzo.
    Kein Grund ,zu shorten

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