Kommerz, Karibik und ein Gerichtsprozess

Der Newsrückblick der Woche

"European Court of Justice - Grand courtoom" von Cédric Puisney via flickr.com. Lizenz: Creative Commons 2.0

Der Tod von Hal Finney hat eine ansonsten interessante Woche überschattet. Insbesondere von der Kommerz-Front gibt es einiges zu berichten: Newegg belohnt Bitcoin-Zahlungen mit einem Riesenrabatt, Budweiser kooperiert mit Coinbase, und eine große Fluggesellschaft Osteuropas nimmt den Bitcoin an. An anderer Stelle wird derweil geplant, Bitcoins über einer karibischen Insel auszuschütten, und ein schwedisches Unternehmen steht im Begriff, Rechtsgeschichte zur europaweiten Verumsatzsteuerung des Bitcoins zu schreiben. Das alles gibt es in den Bitcoin News der Woche.

Während die Tage der Woche vergingen und diese oder jene Nachricht mitgebracht haben, schwankte der Kurs auf stabilem Niveau. Rauf, runter, rauf, runter, alles zwischen 380 und 400 Euro, ohne dass ein Ausbruch zu sehen war. Die Tendenz ging abwärts, aber nur leicht.

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Warum auch? Mittlerweile ist bekannt, dass die Akzeptanz des Bitcoins, auch von großen Unternehmen, weder zwingend mit Preissteigerungen noch -fällen einhergehen muss. Jeder Coin, der ausgegeben wird, muss erst einmal gekauft werden, und jeder Coin, der ausgegeben wird, wird verkauft. Die schleichende Massenakzeptanz des Bitcoins ist ein langweiliger Prozess. Bekanntlich schlagen dabei die Händler, die durch Bitcoins nichts zu verlieren aber etwas zu gewinnen haben, ein ganz anderes Tempo an als die Konsumenten, für die es keinen richtigen Anreiz gibt, Bitcoins zu benutzen, sofern sie nicht ein Herz für virtuelle, dezentrale Währungen haben.

Newegg, Nordamerikas größter Onlineshop für Konsumenten-IT, gibt seinen Kunden nun einen ziemlich starken Anreiz, Bitcoins zu benutzen. Anlässlich der Bitcoin-Akzeptanz auf dem kanadischen Markt hat der Händler kurzerhand einen Rabatt verhängt, der es in sich hat: Wer mehr als 300 Dollar mit Bitcoins bezahlt, dem werden 75 Dollar erlassen, wer über 500 Dollar blecht, bekommt sogar einen Rabatt von 150 Dollar. Selber schuld, wer da noch analoge Währungen verwendet. Gültig war der Rabatt vom 26. bis zum 27. August und wird es vom 30. August bis zum 1. September sein.

Aber auch Europäer haben Anlass, sich zu freuen: Overstock, der Versandhändler mit dem Bitcoin-begeisterten Geschäftsführer Patrick Byrnes, hat die Bitcoin-Zahlungen auch für den europäischen Handel freigegeben. Auch wenn die hohen Versandgebühren sowie der anfallende Zoll es eher unpraktisch machen, bei dem US-Unternehmen zu bestellen, gibt es doch einige Perlen im Geiste des Bitcoins: zum Beispiel Overstocks Worldstock. Auf diesem Portal verkaufen Handwerker aus aller Welt ihre Ware – Metallfässer aus Indien, Schmuck aus Mexiko, Holzskulpturen aus Afrika, Windspiele aus Indonesien und vieles mehr. Der Ertrag geht soweit wie möglich an die Händler, die Gewinne von Overstock werden an die jeweiligen Länder gespendet.

"268ab - Air Nostrum Canadair CRJ200ER" von  Aero Icarus via flickr.com. Lizenz. Creatice Commons 2.0

“268ab – Air Nostrum Canadair CRJ200ER” von Aero Icarus via flickr.com. Lizenz. Creatice Commons 2.0

Wenn wir schon bei Europa sind, sollten wir in den Nordosten schauen: nach Litauen. Air Lituanica, die größte Fluggesellschaft des einzigen baltischen Staates, der noch nicht zur Eurozone gehört, akzeptiert nun Bitcoins.

Aber zurück in die Staaten und zu einer der bekanntesten Brauereien der Welt: Budweiser kooperiert mit Coinbase, um während eines zweitätigen Festivals in Phily, Kalifornien, Bitcoins zu akzeptieren. Damit tritt Budweiser in die Liste der großen Namen ein, die sich bisher an den Bitcoin herangewagt haben. Dell, Dish und Expedia, die schon seit einiger Zeit Bitcoins annehmen, haben Reuters erzählt, dass die Anzahl der Käufe in der virtuellen Währung weit über ihren Erwartungen liegen würden. Genauere Zahlen wollten sie aber nicht nennen.

Es handelt sich also um ein Zahlungsmittel.

Oder doch ein Carepaket? The Bit Drop plant Bitcoin-Abwurf über Dominica

Geht es nach The Bit Drop werden alle 70.000 Einwohner des karibischen Inselstaates Dominica im kommenden Jahr mit Bitcoins versorgt. Wieviele Bitcoins die Gruppe am 14. März jedoch abwerfen will, wird nicht verraten; vermutlich wird es auch davon abhängen, wie viele Spenden eingehen. Die Insel hat ein relativ geringes Bruttosozialprodukt, aber eine hohe Mobilfunkdurchdringung; bisher wurden jedoch nur 160 Bitcoin-QT-Wallet von Dominica aus heruntergeladen. Unbekannt bleibt, ob die Bevölkerung des karibischen Paradieses über die nötige IT-Hardware sowie  -kenntnis verfügt, um das Geschenk, das sie bekommen sollen, überhaupt zu benutzen. Aber letztlich ist es der Gedanke, der zählt, und das Ziel ist es, eine Bitcoin-Party in der Karibik zu schmeißen und die Bevölkerung zu beschenken. Warum nicht …

Entscheidender Prozess zur Umsatzsteuer bei Bitcoin-Verkäufen landet von Europäischem Gerichtshof

Die Frage, wie sich Bitcoins und die Umsatzsteuer miteinander verhalten, beschäftigt sowohl Finanzämter als auch die Bitcoinszene. Der “Högsta förvaltningsdomstolen”, Schwedens höchstes Verwaltungsgericht, hat nun vom Europäischen Gerichtshof eine Grundsatzentscheidung verlangt. Begonnen hatte alles damit, dass David Hedqvist von bitcoin.se bei einer Behörde angefragt hat, wie es mit der Umsatzsteuer ist, da er Bitcoins auf seiner Seite verkaufen wollte. Die Frage war nicht, ob man für einen Bitcoin an sich Umsatzsteuern verlangen soll, sondern ob die Gebühr für den Verkauf der Umsatzsteuerpflicht unterliegt. Die Sache ist eskaliert, und nun scheint Hedqvists Falls in einem Grundsatzurteil zu münden, das entscheidend für die ganze EU werden könnte.

Hedqvist hat im Internet die Bitcoin-Szene zum Crowdfunding aufgerufen. Innerhalb von fünf Tagen konnte er gute Neuigkeiten verkünden: Ein anonymer Spender übernimmt sämtliche Kosten für die Ausarbeitung des Antrags für das EU-Gericht. Dies machte es Hedqvist möglich, mit Mannheimer Swartling eine renommierte schwedische Kanzlei zu engagieren, die sowohl Kompetenzen in umsatzsteuerlichen als auch EU-weiten Themen mitbringt.

Welche Auswirkungen dieser Prozess auf die Verumsatzsteuerung von Bitcoins selbst hat, ist noch nicht zu sagen. Eventuell wird sein Ausgang aber wegweisend sein, um gegen die Idee des deutschen Finanzministeriums, auf jeden gewerblichen Verkauf von Bitcoins eine Umsatzsteuer zu erheben, vorzugehen.

 

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5 Comments on Kommerz, Karibik und ein Gerichtsprozess

  1. Pick a name // 29. August 2014 at 19:49 // Reply

    Ach Mensch Christoph, jetzt lass’ Deine Artikel doch bitte endlich ‘mal vor Veröffentlichung von einem fähigen Korrektor gegenlesen.
    Ich bin ja nun echt nicht der Erste, der die dauernden Rechtschreibfehler bemängelt.

    Budwiser – danach hatte ich kein Interesse mehr, weiterzulesen.
    Es geht halt auch um die Qualität und nicht nur um die Menge der Buchstaben. Sonst macht Lesen echt keinen Spaß. Außerdem geht es auch um Seriösität.

  2. Warum sind die Händler so großzügig mit Rabatten bei Bitcoin-Zahlungen?

    Sie schätzen das Zahlungsmittel “Bitcoin” ganz offensichtlich sehr, mehr sogar als die Gewinne. Und das will was heißen.

    Die Verwendung des Bitcoins als Zahlungsmittel gibt Bitcoin einen bestimmten Wert. Allerdings bestimmen die Anleger einzig und alleine, wie hoch der Wert ist. Wenn Anleger nichts reinstecken wollen, weil niemand damit bezahlt, wäre der Wert von Bitcoin gleich Null. Daran gibt es keinen Zweifel. Je höher aber der Wert des Bitcoins liegt, um so größere Geschäfte können mit Bitcoins getätigt werden.

    Also muss die Wirtschaft Anleger dazu bringen, in Bitcoin zu investieren und das tun sie nur, wenn Bitcoin als Zahlungsmittel genutzt wird. Je mehr, um so besser. Also muss man am besten selber möglichst viel mit Bitcoin bezahlen und möglichst viel Kunden zum Bezahlen mit Bitcoins bewegen. Ergo: Rabatte bis unter die Gewinngrenze.

    Die Welt-Wirtschaft und die Menschen wollen Bitcoin als Geld für die Welt. Der Umgang damit wird erlernt und Geräte zur Verfügung gestellt werden, falls nicht eh vorhanden. Der Technik wird mit allen Mitteln am Laufen gehalten werden und die Regulierungen der einzelnen Länder werden letzendlich das Zahlungsmittel Bitcoin maximal fördern, weil das den Wert des Bitcoins steigert. Eine Behinderung verringert den Wert. Das wäre dann quasi Betrug am Anleger. Und die Anleger sagen, ab einer bestimmten Größenordnung, schon mal gerne jeder Regierungen wo es lang geht.

  3. Rabatte sollte man nutzen, solange sie gegeben werden. Bei größerer Akzeptanz des Bitcoins kann niemand mehr durch die Annahme von BTC seinen Mitbewerbern Kunden “abjagen”. Dann stabilisieren sich die Preise sicher auch in diesem Marktsegment.

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  1. Europäischer Gerichtshof: Bitcoin-Tausch soll steuerfrei sein | BitcoinBlog.de – das Blog für Bitcoin und andere virtuelle Währungen

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