Ein Ire versucht, den Bitcoin über den Export nach Griechenland zu bringen

Akropolis, Athen. Bild von Gorjan Kulosman via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Danny O’Donovan hat die SpartanRoute mitbegründet. Sein Ziel ist es, Bitcoins nach Griechenland zu bringen, um dem Land in der Krise zu helfen. Er meint, der Bitcoin könnte dazu beitragen, das Verhältnis von Import und Export in Balance zu bringen.

Als wir skypen, sitzt Danny O’Donovan in einem Hotelzimmer. Er entschuldigt sich dafür, dass er nackt ist und lacht: „Hier in Athen hat es 35 Grad Celsius. Dafür sind wir Iren einfach nicht gemacht.“

Danny ist nach Athen gekommen, weil er dort, in der Krise, ein Problem sieht, auf das Bitcoin eine Antwort sein kann. Der irische Software-Unternehmer ist mit einem One-Way-Ticket am Wochenende vor dem „Agreement“ nach Athen geflogen, hat im Coworking-Haus „Cube“ einen Schreibtisch gemietet und beginnt nun, Kontakte zu knüpfen und sich einen Überblick über Griechenlands Wirtschaft zu machen.

“Das größte, das wirklich schmerzhafte Problem.”

„Das größte Problem, das die Kapitalkontrollen den Griechen bereiten, das wirklich schmerzhafte Problem, das die Leute aufregt, sind die Importe.“ Danny war an diesem Abend auf dem ersten offiziellen Bitcoin-Meetup in Athen. Dort hat ein Winzer erzählt, dass er keinen Alkohol mehr aus Deutschland kaufen kann, um seinen Wein zu machen.

Für einen Skype-Screenshot hat sich Danny noch ein T-Shirt übergeworfen

Für einen Skype-Screenshot hat sich Danny noch ein T-Shirt übergeworfen

Man könnte natürlich fragen, weshalb ein griechischer Winzer Alkohol aus Deutschland braucht, was vielleicht der Kern des Problems ist. Dennoch wäre es praktisch, wenn ein griechischer Unternehmer, der eine Destille gründen will, beispielsweise Stahl aus Italien importieren könnte. Da man Bitcoin-Transaktionen im Gegensatz zu Banküberweisungen nicht blockieren kann, wäre es möglich, mit der Kryptowährung Importe zu bezahlen. Das ist die Grundidee von Danny.

Sie führt aber zu einem zweiten Problem: In Griechenland gibt es zu wenig Bitcoins. Es gibt einen Bitcoin-Geldautomaten, im Cube, und es gibt eine Börse, deren Volumen aber recht gering ist. Es mangelt an Liquidität. Die SpartanRoute ist die Lösung, die Danny zusammen mit Peter und James Nagle entwickelt – die beiden Gründer von Bitcove, einem von der Bank of Ireland ausgezeichneten Bitcoin-Unternehmen – hat.

“Der Export ist die Lösung für das Import-Problem”

„Stell’ dir vor, jemand aus Griechenland exportiert Aluminium oder Wein. Wir rechnen dann beim Empfänger in Euro ab und tauschen etwa 80 Prozent davon in Bitcoin. Der Exporteur bekommt von uns Euro aufs Konto, um Steuern zu bezahlen, und den Rest in Bitcoin.“ Die importabhängige Wirtschaft würde, trotz Kapitalkontrollen, nicht ganz zusammenfallen.

Der „challenge“, wie es Danny nennt, ist, „den Leuten zu demonstrieren, dass der Export die Lösung für das Import-Problem ist. Erst mit dem Export kommt die Liquidität, mit der man Dinge importieren kann.“ Eigentlich logisch, aber in Griechenland mit seinem hohen Importüberschuss alles andere als selbstverständlich. So wie im Goldstandard bringt der Bitcoin das Export-Import-Verhältnis in Balance.

the cube. Bild von Facebook-Seite von the cube

the cube. Bild von Facebook-Seite von the cube

Besser gesagt: er könnte. Denn bisher hat Danny Firma nur bei kleineren Beträgen für Importe beraten und mit Liquidität ausgeholfen. „Dafür verlangen wir keine Gebühren, denn das ist nicht unser Business.“ Das eigentliche Business – der Invoice für Importe über die SpartanRoute – kam bisher nicht zum Zug. Danny lebt sich noch in Athen ein und sucht Kunden.

Ein Anwalt in Irland denkt derweil über die rechtlichen Gegebenheiten nach. „Es gibt viele Verträge und Geschäfte, und es gibt viele Gesetze, zum Beispiel zu Alkohol, mit denen wir klarkommen müssen. Wir haben ein Modell entwickelt, aber wir müssen noch die gesetzlichen Beschränkungen abklären.“

“Hey, es hat einen Grund, dass wir Kapitalkontrollen haben!”

Danny ist aufgeregt. Er weiß, dass die SpartanRoute ein Abenteuer ist, und er hat keine Ahnung, was passieren wird, wenn er einmal große Transaktionen ausführt. „Was, wenn die Regierung mit uns spricht und sagt: Hey, es hat einen Grund, dass wir Kapitalkontrollen haben?“

Was würde er darauf antworten? „Schwierig. Ich denke, dass in der Politik niemand einen Plan hat, was die richtige Strategie ist. Vielleicht sind Kapitalkontrollen richtig, denn das Kapital verlässt das Land. Vielleicht wären Kryptowährungen aber hilfreich, weil die Leute keine Angst mehr haben müssten, dass ihr Geld eingefroren wird, weil sie ja ihre eigene Wallet und ihre eigenen Coins haben. Ich würde sagen, dass es ein psychologischer Vorteil sein kann, wenn Griechenland Kryptowährungen Schritt für Schritt annimmt. Und ich denke, die blockchain-Technologie ist sehr nahe daran, als Vehikel für den internationalen Handel anerkannt zu werden.“

Die Atmosphäre in Athen findet er „interessant.“ Er möchte echt nicht sagen, dass er es genießt – aber „du fühlst, dass da etwas passiert, es ist ein großer Moment. Im Taxi, im Hotel, – überall laufen Nachrichten, rundumdieUhr.“ Es liegt etwas in der Luft. Er vermeidet es aber, über Politik und das „Agreement“ zu reden. „Das ist mir zu sensibel. Die Leute leiden von zwei Seiten. Die einen durch die Austerität, die anderen, weil Firmen kaputtgehen. Es gibt keine Sieger.“

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1 Comment on Ein Ire versucht, den Bitcoin über den Export nach Griechenland zu bringen

  1. Danke für die regelmäßigen Artikel, Christoph. Ich lese sie zur Zeit sehr gern. Trotz all der turbulenten Entwicklungen hast Du einen Schreibstil, der Ruhe ausstrahlt.

    Es wäre recht passend, wenn Griechenland als erster Staat die Kryptowährungen nennenswert adaptieren würde. (sei es nun mit oder ohne Segen der Regierungsnullen)

    Griechenland gilt nämlich schon als Wiege der (Basis)-Demokratie. Und die Kryptowährungen sind ebenfalls basisdemokratisch.

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