Neuer Hashrate-Rekord, eine ukrainische Bank, Kreditkarten

Die Bitcoin News der Woche

Der wichtige Scaling Bitcoin Workshop, der echte oder falsche Satoshi Nakamoto – die vergangene Bitcoin-Woche hat mit Unterhaltung nicht gespart. Abseits der großen News haben wir einige weitere Nachrichten, die es ebenfalls in sich haben: Die größe ukrainische Bank versucht sich als Bitcoin-Zahlungsdienstleister, bitwala bietet eine Bitcoin Kreditkarte, und nur ein winziger Prozentsatz der deutschen Finanzvorstände glaubt, Bitcoin würde in zehn Jahren verschwunden sein. Den Märkten scheinen die Nachrichten zu gefallen, der Preis steigt deutlich.

Wir beginnen mit den Zahlen. Die wichtigsten Kennziffern des Bitcoins sind der Preis, die Hash-Rate sowie die Anzahl von Transaktionen. Alle drei Zahlen haben in dieser Woche einen starken Aufwind. Schauen wir uns das mal im Detail an.

Die Kursentwicklung: der Bitcoin-Preis

Nachdem ich dafür kritisiert wurde, mich zu sehr auf die Euro-Preise zu fixieren, bringe ich in dieser Woche einen Chart von Huobi, einer chinesischen Börse, die wohl weltweit am meisten Volumen fährt. Mit mehr als 25 Millionen gehandelte Bitcoins im vergangenen Monat stellt Huobi beinah die Hälfte des weltweiten Bitcoin-Handels. Man muss dazu aber sagen, dass dank einer Handelsgebühr von 0 Prozent die Bots bei Huobi dieselben Bitcoins rauf und runter traden. Das Orderbook ist dementsprechend viel dünner als auf großen Dollar-Börsen wie Bitstamp oder der chinesischen Börse BTCChina. Aber schauen wir uns den Chart bei Huobi an:

7-Tages-Chart des Bitcoins-Preises auf der chinesischen Börse Huobi. Quelle: bitcoinwisdom.com

7-Tages-Chart des Bitcoins-Preises auf der chinesischen Börse Huobi. Quelle: bitcoinwisdom.com

Der Kurs stand vor 7 Tagen noch bei 2.300 CNY – sprich: Chinesische Yuan oder Renminbi – was etwa 325 Euro entspricht. Danach ging es ein, zwei Tage aufwärts, bis der Preis eine erste Spitze bei etwa 2.650 CNY – etwa 375 Euro – erreicht hat. Nachdem er dann bei leicht sinkendem Volumen auf etwa 2.600 CNY gefallen ist, ist er innerhalb kürzester Zeit auf etwa 2.750 CNY gestiegen. Heute Morgen hat der Kurs dann die 2.800 durchschritten und steht nun bei umgerechnet 396 Euro – also rund 10 Euro über dem Kurs auf bitcoin.de.

Entscheidend dürfte auch sein, dass der Preis mit rund 430 Dollar nun deutlich über der 400-Dollar-Marke liegt. Möglicherweise unternimmt er noch in dem kurzen Rest des Jahres 2015 einen zweiten Versuch, den 500-Dollar-Meilenstein dauerhaft zu knacken. Selbst wenn das nicht gelingt – sofern der Preis nicht drastisch fällt, wird der Bitcoin das Jahr 2015 mit Gewinn verlassen.

Hash-Rate

Die Hash-Rate ist die Gesamtzahl aller Hash-Operationen, welche die Miner generieren, um Blöcke zu finden. Sie ist die Kurve, die anzeigt, wie viel Computerpower das Bitcoin-Netzwerk schützt. Dass diese Power schon lange geradezu lächerlich hoch ist, sollte bekannt sein. Das Bitcoin-Netzwerk ist schon längst der stärkste Supercomputer der Welt. In dieser Woche hat die Hash-Rate aber einen weiteren Sprung nach oben gemacht:

Die Hashrate im 12-Monate-Verlauf. Quelle: blockchain.info

Die Hashrate im 12-Monate-Verlauf. Quelle: blockchain.info

Seht ihr diesen wilden Satz nach oben vor einigen Tagen? Die Hashrate hat damit beinah 800.000.000 Gigahases je Sekunde erreicht. Dies entspricht beinah 800.000.000.000.000.000 Hash-Operationen je Sekunde. Für alle noch verbleibenden Miner ist dies eine bittere Nachricht: Die Schwierigkeit des Minings wird damit noch weiter steigen.

Anzahl an Transaktionen

Der für mich wichtigste Wert ist die Anzahl an Transaktionen je Tag. Dieser Chart zeigt, wie oft der Bitcoin verwendet wird. Und die Tendenz ist ziemlich deutlich: der Bitcoin wird mehr und mehr verwendet. Während noch im November 2013 die Anzahl von 100.000 Transaktionen am Tag ein absoluter Rekord war, sah der November keinen einzigen Tag mit weniger als 100.000 Transaktionen. Im Dezember legt die Kurve noch einmal kräftig zu.: es gab an keinem Dezember-Tag bisher weniger als 150.000 Transaktionen. In den letzten drei Tagen waren es sogar stets mehr als 200.000.

Die tägliche Anzahl an Transaktionen im 1-Jahres-Chart. Quelle: blockchain.info

Die tägliche Anzahl an Transaktionen im 1-Jahres-Chart. Quelle: blockchain.info

Der Bitcoin wird, das ist offensichtlich, mehr und mehr verwendet. Wofür, kann ich euch nicht genau sagen. Für das Bitcoin-Netzwerk bedeutet dieses hohe Transaktionsvolumen aber auch eine gewisse Auslastung. Denn je mehr Transaktionen anfallen, desto höher ist die Konkurrenz um die mittlerweile knappen Blöcke. Nach drei Tagen mit sehr hohem Volumen warten derzeit mehr als 9.000 Transaktionen darauf, bestätigt zu werden. Kurz gesagt: Transaktionen dauern derzeit lange.

Gut, dass wir in dieser Woche noch Fortschritte von der Scaling Bitcoin Front haben.

Die Scaling Bitcoin Konferenz

Ich habe ja schon darüber geschrieben – am vergangenen Wochenende fand in Hongkong der zweite Scaling Bitcoin Workshop statt. Die Stimmung war gut, die westlichen Entwickler trafen mit den chinesischen Minern zusammen, und man begab sich auf die Suche nach dem lange ersehnten Konsens, der nun tatsächlich näherrückt. Die Idee, die sich langsam herausschält, ist es, die Blöcke vorsichtig zu erhöhen – zunächst auf 2 MB, eventuell in der Folge auch weiter – und währenddessen an nachhaltigen Lösungen der Skalierbarkeit zu arbeiten, wie etwa am Lightning-Netzwerk oder Stash.

Die größte Überraschung war jedoch Pieter Wuilles Vorschlag, “Segregated Witness” zu implementieren. Wuille schlug vor, die historischen Signaturen aus den Transaktionen zu entfernen, wodurch man 60-75% an Platz einsparen könnte. Anders ausgedrückt: in einen 1MB-Block passt mit Segregated Witness viermal so viel wie in die bisherigen 1MB-Blöcke. Dies allein würde das Skalierbarkeits-Problem deutlich entschärfen. Wenn man Segregated Witness dann noch mit einer Erhöhung der maximalen Blocksize auf 2 oder 4 MB kombiniert, sollte die Skalierbarkeit für einige Jahre gegeben sein, was den Entwicklern genügend Zeit gibt, um wirklich nachhaltige Lösungen zu entwickeln und in die Wallets zu implementieren.

Auch Gavin Andresen, der nicht zu Scaling Bitcoin kommen konnte, ist begeistert. Der Ex-Chef-Kernentwickler schreibt auf seinem Blog: “Segregated Witness is cool”. Andresen schwärmt: “Es ist eine großartige Idee und es sollte so schnell wie es sicher möglich ist, in Bitcoin eingebaut werden. Das ist die Art von fundamentaler Idee, die einen großen Nutzen für die Zukunft brint.”

Der vermeintliche falsche Satoshi Craig Wright

Und nun noch kurz zur zweiten Mega-News der Woche: Angeblich haben wir einen neuen Satoshi. Der australische Unternehmer Craig S. Wright ist laut Berichten von Wired und Gizmodo möglicherweise Satoshi Nakamoto. Ich habe schon ausführlich darüber geschrieben, daher will ich hier gar nicht so sehr ins Detail gehen, sondern nur noch ein paar Weiterentwicklungen dieser irren Story skizzieren. Angeblich wurden Craig S. Wright schon seit längerer Zeit erpresst. Der Australier hatte auch schon seit Jahren Probleme mit dem Finanzamt. Seit gestern löscht Wright seine Spuren im Web. Seine Bitcoin-Firmen – angeblich eine Börse, eine Wallet und eine Bank – sind nicht im Netz zu finden. Auch von seinem Supercomputer tulip gibt es kein Foto und keinen Beweis.

Die Geschichte wird damit immer merkwürdiger. Gibt es die Bitcoin-Unternehmen von Wright wirklich? Hat er überhaupt einen Supercomputer? Von wem und womit wurde er erpresst? Wenn er Satoshi ist – wo sind seine Bitcoins hin? Worum dreht sich der Streit mit der Steuerverwaltung genau? Und wohin ist er geflohen?

Die möglichen Interpretationen dieser Story schwanken um zwei Pole: Entweder ist Wright Satoshi, womit Satoshi ein Anti-Held wäre, etwas narzistisch, von finanziellen Problemen geplagt und auf der Flucht. Oder Wright ist ein Schwindler und Aufschneider, der sich selbst größer macht als er ist und alles selbst inszeniert hat, um der Welt vorzugaukeln, er sei Satoshi Nakamoto. Warum auch immer. Vielleicht liegt die Wahrheit aber auch irgendwo in der Mitte – Wright hatte etwas mit der Entwicklung von Bitcoin zu tun, vielleicht als Teil eines Kollektivs, oder er war ein früher Miner, und nun wurde er tatsächlich erpresst.

Vielleicht werden wir die Wahrheit irgendwann erfahren. Nun aber zu den weiteren News in dieser Woche.

PrivatBank aus der Ukraine prozessiert Bitcoin-Zahlungen

Die PrivatBank ist die größte Bank in der Ukraine. Sie hat in dieser Woche Tests abgeschlossen, um es Händlern zu ermöglichen, Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren und dafür Hryvnias – die ukrainischen Währungseinheiten – zu erhalten, wie Pay Space schreibt (hier mit google übersetzt). Die PrivatBank macht also einen auf BitPay. Christina Karmazin, Leiterin der Abteilung E-Commerce der Bank, kommentierte dies: “Wir haben die Tests abgeschlossen und sind nun auf der Suche nach Partnern, die Bitcoin in ihren Checkout integrieren wollen. Wir fokusieren uns nicht nur auf den ukrainischen Markt, sondern auf ganz Europa.” An sich ist diese Nachricht nichts neues – es gibt schon viele solcher Zahlungsdienstleister. Neu ist jedoch, dass eine große Bank diesen Job übernimmt.

Bitwa.la bietet Bitcoin-Kreditkarten an

Bitwa.la, ein Unternehmen aus der Bitcoins Berlin Gruppe, hat es sich zum Ziel gesetzt, es Menschen zu ermöglichen, ausschließlich von Bitcoins leben zu können – und damit vollkommen unabhängig von Banken zu sein. Das aus regulatorischen Gründen nach Großbritannien ausgewanderte Unternehmen bietet etwa an, gegen Bitcoins Rechnungen zu bezahlen oder Euro an PayPal-Konten zu überweisen. Mit dem jüngsten Streich geht Bitwa.la noch einen Schritt weiter: Seit neuestem können die Kunden mit Bitcoins eine Prepaid-Kreditkarte bestellen, die in Euro nominiert ist. Da Bitwa.la die Karte als Bonus für die Kunden ansehe, halten sie sich mit Gebühren zurück. “Wir gehen vom Bitcoin-Durchschnittspreis aus und berechnen 0,5 % Gebühren,” so Bitwa.la auf dem Blog.

Die Firma wird damit immer mehr zu einem echten und vollwertigen Ersatz für eine Bank.

Studie der Bitkom Finance: Kryptowährungen werden nicht verschwinden

Aber besteht wirklich ein Bedarf, nur von Bitcoins zu leben? Eine Studie der Bitkom Finance sagt: nicht wirklich. Der Branchenverband hat 100 Geschäftsführer und Vorstände von Finanzunternehmen zum Thema Bitcoin befragt. 95 Prozent der Teilnehmer sind der Ansicht, dass Kryptowährungen auch in 10 Jahren noch ein Nischendasein fristen werden. Weitere 3 Prozent glauben, dass Bitcoins in zehn Jahren vollständig verschwunden sein werden, während nur 2 Prozent meinen, dass Bitcoins eine akzeptierte Ergänzung zum Euro sein werden.  Also: Laut Meinung der Finanz-Chefs hat der Bitcoin schon jetzt seinen Höhepunkt erreicht. Er wird zwar bleiben, aber viel mehr wird nicht mehr passieren.

Ein wenig erinnert diese Haltung daran, wie die Hersteller von Pferdekutschen seinerzeit sagten, das Auto werde sich niemals durchsetzen. Zehn Jahre sind eine lange Zeit, und selbst wenn der Bitcoin es nicht von sich aus zur Massenwährung bringt, so ist es doch recht wahrscheinlich, dass das kriselnde Finanzsystem im Lauf des kommenden Jahrhzehnts den Menschen einen Anlass geben wird, Bitcoins anstatt Euro zu benutzen.

Aber das ist natürlich ebenfalls Spekulation. Zum Ende dieses Newsrückblicks lassen wir daher einfach die Aussage der Studie stehen: 95 Prozent der hohen Tiere in der Finanzbranche glauben nicht, dass sich der Bitcoins durchsetzen wird. Dass allerdings nur 3 Prozent glauben, dass der Bitcoin wieder verschwinden wird, dürfte mindestens ebenso viel aussagen.

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2 Comments on Neuer Hashrate-Rekord, eine ukrainische Bank, Kreditkarten

  1. Habe gestern die hashrate beobachten. Sie ereichte in der Spitze 825.000.000 !!!

  2. Name (required) // 11. December 2015 at 16:16 // Reply

    Die Bitwa.la Kredikarte erhält man leider nur nach Verifikation. Schade, ich suche nach einer Kredikarte welche nicht meine persönlichen Daten preisgibt.
    Wann kommt denn onepay aka onebit endlich in die Gänge….

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