BitcoinETI – Bitcoin-Zertifikat kommt auf Handelsplattform der Deutschen Börse

Die berühmten Äffchen findet man auf vielen Bildern von Gibraltar. Bild: Gibraltar, von Richard Tanguy via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Börse von Gibraltar nimmt einen Bitcoin ETI ins Programm auf und schreibt in ihrer Pressemitteilung, dass das Papier auch an die Deutsche Börse kommt. Das ist nicht vollständig korrekt, aber dennoch eine spannende Nachricht.

Die Börse von Gibraltar begrüßt, so die Pressemitteilung, den BitcoinETI, ein “asset-backed Exchange Traded Instrument”, zu deutsch etwa “ein auf ein Gut gestütztes, von der Börse gehandeltes Insrument”. Dieses investiert, so die Mitteilung, exklusiv in Bitcoin, wodurch es zum ersten europäischen regulierten Finanzprodukt auf Basis digitaler Währungen werde. Zugelassen wurde der ETI am 22. Juli auf der Börse von Gibraltar.

Es wäre keine allzu große Nachricht, dass die Börse von Gibraltar ein Bitcoin-Zertifikat aufnimmt. Gibraltar ist ein kleiner Felsbrocken im südlichen Spanien und wie so viele britische Überseegebiete dafür bekannt, dass es gerne Unternehmen der Finanz- und Glücksspielbranche aufnimmt, ohne einen allzu großen regulatorischen Firlefanz zu veranstalten. So mag die Börse von Gibraltar zwar experimentierfreudig sein; eine europaweite Bedeutung hat sie nicht wirklich.

Die große Nachricht kommt dementsprechend in einem Nebensatz der Pressemitteilung daher: Der ETI sei auch bei der Deutschen Börse in der Prüfung und werde voraussichtlich noch in dieser Woche freigegeben. Dass die Deutsche Börse offiziell ein Bitcoin Produkt listen wird – das ist eine News, die es in sich hat. Dementsprechend wurde die Nachricht von zahlreichen Publikationen direkt weiterveröffentlicht, während auf den Internetseiten der Deutschen Börse keine Info zu dem Bitcoin-Finanzprodukt zu finden ist.

Ein Pressesprecher der Deutschen Börse findet die Publicity nicht ganz so toll. Die Meldung der Börse von Gibraltar führe, so wie sie verfasst ist, etwas auf Irrwege. Denn das Produkt soll nicht an der Deutschen Börse gelistet werden, sondern an der Börse Frankfurt Zertifikate AG. Das ist eine Handelsplattform, die von der Deutschen Börse betrieben wird, wo im sogenannten Freiverkehr oder Open Market relativ unregulierte Finanzprodukte gehandelt werden. Die Transparenzbestimmungen sind relativ niedrig, möglich sind auch Zweitlistings. An sich steht der Freiverkehr sämtlichen Privatinvestoren offen, auch wenn diesen im Allgemeinen davon abgeraten wird und manche Broker und Banken den Freiverkehrshandel für Privatkunden einschränken.

Aber grundsätzlich bestätigt der Presesprecher: Der Bitcoin ETI wird für eine Handelsplattform der Deutschen Börse geprüft. Es handelt sich dabei um ein “Zweitlisting”, das schon woanders gehandelt wird und für das Interesse besteht. Genauere Informationen über das Produkt werden aber erst verfügbar sein, wenn es im Handel ist. Dies soll tatsächlich in den kommenden Tagen soweit sein.

Auf der Börse von Gibraltar findet man hingegen schon eine Art Prospekt zum Bitcoin ETI. Das Zertifikat wird von der in Malta ansässigen Argentarius Group herausgegeben. Es handelt sich um ein sogenanntes “asset backed exchange traded instrument”, das 250.000 Anteile über jeweils 1.000 Euro auf den Markt bringt. Investoren können im Primärmarkt erst ab einer Menge von 100 Einheiten einsteigen, während das Zertifikat auf dem Sekundärmarkt unbeschränkt handelbar ist. Die 1.000 Euro je Einheit beinhalten neben dem Investment auch diverse Gebühren, die aggregiert 50.000 je Jahr und volumenabhängig 5-6% betragen.

Die Kategorie des “asset backed exchange traded instrument” ist nicht offiziell definiert, weshalb sich dahinter relativ viel verschiedenes verbergen kann. Laut dem pdf auf der Börse von Gibraltar sind tatsächlich Bitcoins im Spiel, die auf einem Konto bei Coinbase gehalten werden. Genaueres ist aber nicht zu erfahren.

Insgesamt erinnert die Konstruktion an den US-amerikanischen Bitcoin Investment Trusts, dessen Anteile im Primärmarkt nur an akkreditierte Investoren verkauft, aber im Sekundärmarkt allgemein gehandelt werden dürfen. Wie schon beim Bitcoin ETN auf Tradegate und mehr noch beim vor kurzem vorgestellten Bitcoin-Finanzprodukt der Schweizer Bank Vontobel stellt man sich als Bitcoiner die Frage, was das alles soll – also warum die Investoren sich nicht einfach Bitcoins kaufen können. Tatsächlich scheuen aber viele Anleger noch den direkten Kontakt zu Bitcoin, weshalb Finanzprodukte wie der Bitcoin ETI trotz der offensichtlichen Nachteile durchaus einen Zweck erfüllen.

Mehr Infos zum Bitcoin ETI findet man übrigens auch auf der eigens für ihn eingerichteten Webseite. Laut dieser beträgt die Management-Gebühr nur 1,75%.

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4 Comments on BitcoinETI – Bitcoin-Zertifikat kommt auf Handelsplattform der Deutschen Börse

  1. coinling // 29. July 2016 at 13:24 // Reply

    wirklich fraglich warum Leute so etwas brauchen, aber sofern es eine Nachfrage deckt…

    • Benjamin Bitcoin // 3. August 2016 at 13:38 // Reply

      Der ETI ist für institutionelle Anleger interessant (z.B. Fonds). Die müssen sich an viele Regularien halten und können nicht einfach Bitcoins auf Börsen wie bitcoin.de oder Bitstamp kaufen und an eine Paperwallet senden. So ein Finanzkonstrukt nimmt viele Hürden und könnte riesige Kapitalmengen in den Bitcoinmarkt befördern.

  2. Denkt mal an die institutionellen Anleger… Eine Bitcoin-Wallet zu eröffnen und die Holdings dann noch Audit-compliant zu bewerten, dürfte ziemlich schwierig bis unmöglich sein für die allermeisten dieser big players. Aber ein Zertifikat (ETF, ETI, ETN, you-name-it…) mit einer ISIN und einer Depotstelle und einer Steuerbewertung zu kaufen, ist ganz einfach.

  3. 100k euro was für den ETI die mindest kaufbasis darstellt entspricht einer Banken Lizenz.

    in anderen worten gibraltar gibt banken lizenzen zum kauf frei. Mehr ist das unterm strich nämlich nicht.

    es hat damit wirklich seinen sinn. denn auf dieser Basis entstehen neue private investment banken. das liegt daran das das bitcoin netzwerk eben als netzwerk an sich konzipiert ist. in dem jeder seine private bank sein kann. ab 100k euro wirds allerdings the real deal und man mischt entsprechend in größerem ausmaß mit.

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