Weltpolizei triumphiert im Darknet

"Polizei Gegendemo zur Münchner Sicherheitskonferenz (msc) am 07.02.2015 in München". Bild von Metropolico.org via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Für die Polizei weltweit beginnt der November mit einer Serie von Jubelmeldungen. Rund um den Globus gibt es hunderte von Verhaftungen wegen Verbrechen im Darknet. Der entscheidende Faktor scheint dabei die globale Kooperation der Polizei zu sein.

Weder Darknet noch Bitcoin schützen vor Strafverfolgung. Viele Leute meinen, sie müssten lediglich den Tor-Browser anwerfen, die Bitcoins ein wenig mixen, und schon käme ihnen niemand auf die Schliche.

Das dem ganz und gar nicht so ist, hat die vergangene Woche eindringlich bewiesen. Zahlreiche internationale Behörden haben in den angeblich blickdichten Winkeln des Netzes massivst aufgeräumt. Zwar verschweigen die Pressemitteilungen der Polizei, wie genau man die echte Identität der Täter herausgefunden hat, aber klar ist, dass die internationale Zusammenarbeit der Ermittler eine große Rolle gespielt hat. Man könnte geradezu sagen, dass der internationale Charakter des Cybercrime als Motor bei der Gründung einer Weltpolizei dient.

In Berlin wurde am 31. Oktober ein “potentieller Waffenkäufer” festgenommen. Er hatte im Darknet eine Schusswaffe bestellt. Die Polizei beschagnahmte den Computer des 33-Jährigen sowie die bereits zuvor bestellte Munition für die 9mm-Pistole. Der Grund für den Waffenkauf ist bislang noch nicht erkennbar; Terrorismus scheint es aber nicht zu sein. Dem Mann droht eine Freiheitsstrafe, “die bereits bezahlten Bitcoins werden ihm”, wie die Polizei berichtet, “wohl nicht erstattet.”

Die Festnahme des Berliner Waffenfans fand in Kooperation mit internationalen Behörden statt. Möglicherweise war sie Teil der “Operation Hyperion“, in der, so die US-Regierung, “Ermittlungsbehörden der ganzen Welt kooperieren, um Darknet-Marktplätze zu verfolgen.” Am 28. Oktober gingen die US-Bundespolizei, die “fünf Augen Strafverfolgungsgruppe”, bestehend aus Australien, Kanada, Neuseeland, Großbritannien und den USA, sowie Mitglieder der Europäischen Polizeibehörde Europol in einer konzertierten Aktion gegen Verkäufer und Käufer auf den Darknet-Marktplätzen vor.

Neben dem Handel mit Drogen ermittelten die Behörden auch gegen den Handel mit gefälschten Waren, unter anderem Medikamenten, Giften, gestohlenen und gefälschten Identitätsdokumenten, gestohlenen Kreditkartendaten sowie Dienstleistungen wie Hacking, Mord und Geldwäsche. Laut dem FBI wurde Kontakt mit mehr als 150 Personen auf der ganzen Welt aufgenommen, die in Verdacht stehen, in Aktivitäten rund um die Darknet-Märkte verwickelt zu sein.

Anderen Ermittlungsbehörden zufolge ist die Anzahl der Verdächtigen deutlich höher. Laut PCWorld hat die schwedische Polizei mehr als 3.000 Personen im Verdacht, auf Darknetmarkets Drogen gekauft zu haben, nachdem sie im Lauf der vergangenen 12 Monate sechs der größten Online-Drogendealer des Landes verhaftet hat. In Neuseeland verdächtigt die Polizei mehr als 160 Personen, im Internet Drogen gekauft zu haben. Im Zuge der Operation Hyperion kam es zu 6 Festnahmen und 66 formalen Warnungen.

Die niederländische Polizei hat derweile eine warnende Seite ins Netz gestellt, die sowohl im durch den Tor-Browser zugänglichen Onion-Web wie auch im Klarnetz aufrufbar ist. Auf dieser Seite ist zu lesen: “Die Polizei und die Gerichtsbehörden der Niederlande sind nicht nur in der echten Welt aktiv, sondern auch in allen Winkeln des Internets. Wir verfolgen Personen, die auf Darknet-Märkten aktiv sind und die dort illegale Güter oder Dienstleistungen verkaufen. Bist du einer davon? Du hast unsere Aufmerksamkeit.” Es folgen drei Kolumnen mit Listen von Namen bzw. Pseudonymen: Aktive Verkäufer, verhaftete Verkäufer, identifizierte Käufer. Die Niederlande ergänzt die Verfolgung also durch Abschreckung.

Deepdotweb.com, die, sagen wir mal, “Branchenseite” des Darknets, ist derzeit voll mit Berichten von Festnahmen. Neben den bereits genannten finden wir Berichte über zwei verhaftene Waffenkäufer in Belgien, die Sprengung eines Drogenrings in Kiew sowie eines Kinderpornographie-Rings in Italien und Australien.

Wie die Polizei den Online-Gaunern auf die Schliche kam, geht aus den Berichten kaum hervor. Die PCWorld verweist auf ein Video, das US-Polizisten dabei zeigt, wie sie die Post durchwühlen. Cryptocoinsnews berichtet hingegen von einer US-Anwältin, die in einem Vortrag erzählt, dass die für das Verschleiern von Transaktionen benutzten Mixer und Tumbler “nicht so gut funktionieren” und es den Ermittlern in der Regel erlauben, die Transaktionen zu verfolgen. Vermutlich dürfte eine Kombination der guten alten Fußarbeit sowie Blockchain-/Webanalysen zum Erfolg geführt haben. Und, natürlich, die internationalen Kooperation.

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4 Comments on Weltpolizei triumphiert im Darknet

  1. Gut gemacht!

    Ich empfinde es immer noch als sehr störend, wenn dem BTC der Makel anhaftet, er würde nur für illegale Geschäfte genutzt.

    Dabei ist es doch das schönste Instrument der internationalen Finanzwelt zu zeigen, daß der Nutzer selbst Macht hat und sie nutzt!

  2. Auftragsmörder kann man leider anheuern. Sie verkaufen auch noch viel mehr wie Waffen usw. . Sie machen das ganze mit Bitcoin, eine anonyme Währungsform. Sie benutzen eine Seite von ,,Chechen Mob” und über escrow. Somit haben beide kein Risiko. Ihr könnt mehr über mein Blog darüber lesen hier darknet-moerder.blogspot. de Beachtet: Ich mache keine Werbung für so eine Art, ich möchte das die Seiten down gehen von denn Hitmans.

    • Haben Sie für diese Behauptung mehr Hinweise als ein Blog, das ohne Links in fünf Posts die identischen Aussagen (Tor, IP-Verschleierung, Darknet-Märkte, Escrow) in anderer Komposition liefert? Bisher sehe ich da nur eine Behauptung …

  3. the best one // 3. February 2017 at 14:49 // Reply

    hi,
    ich garantiere das mich niemand nachverfolgt im Darknet.Ebenso meine Real Adresse bzw Namen erfährt.Egal welche hochintelligenden User bei Der Polizei oder anderen Behörden sitzen… I am the greatest 1000%….U can testet me…..good Luck

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