BitPay erhöht wegen Fee-Market die Mindestzahlungen – ist aber mit der Situation zufrieden

Das Thema Blocksize, Scalability und Fee-Market ist bekanntlich umstritten. Da gut es gut, eine ausgleichende Stimme wie die von Stephen Pair, dem CEO von BitPay, dem größten Bitcoin-Zahlungsdienstleister der Welt, zu hören. Pair erzählt, was der Fee Market für BitPay bedeutet, wie seine Firma damit umgeht und wie er sich die Zukunft von Bitcoin vorstellt.

Wer des Englischen mächtig ist, sollte einfach den Beitrag von Stephen Pair auf Medium lesen. Sehr interessanter Artikel. Hier bringe ich nur eine Zusammenfassung davon, ein wenig kommentiert und erklärt.

Stephen Pair ist CEO von BitPay, dem größten Bitcoin-Zahlungsdienstleister der Welt. Wenn ihr schon mal mit Bitcoins online bezahlt habt, bei einem der vielen Shops, die mittlerweile Bitcoin akzeptieren, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass ihr schon mal eine Zahlungsaufforderung von BitPay gesehen habt. Keine Firma dieser Welt ist für so viele Bitcoin-Transaktionen verantwortlich, und keine Firma dürfte so sehr vom Fee Event betroffen sein.

Was also meint Pair dazu?

Pair erklärt, dass die zunehmende Beliebtheit von Bitcoin sowie die stagnierende Kapazität zu einem dramatischen Anstieg der Gebühren geführt haben. Um das zu illustrieren zeigt er ein Säulendiagramm mit den monatlichen Ausgaben von BitPay für Transaktionsgebühren. Lagen diese Anfang 2016 noch bei rund 1.000 Dollar, so haben sie im Februar mehr als 50.000 Dollar betragen. Laut Pair sind die Ausgaben in diesem Zeitraum um das 35-fache gestiegen – während sich die Anzahl der Transaktionen nur verdreifacht hat. Bleibt ein Anstieg um den Faktor 12 je Transaktion. “Die Gebühren steigen nicht nur, sie steigen exponentiell.”

Aus diesem Grund hat BitPay, in einem Post auf dem Firmenblog, erklärt, keine Zahlungsaufforderungen unter einem Dollar mehr zu bearbeiten. Vorher lag das Limit bei 4 cent. Pair betrachtet das aber nicht als direkte Einschränkung und die Gebühren nicht bloß als Kostenfaktor, sondern beides vielleicht als unvermeidlichen Abschnitt in der Entwicklung des Bitcoin-Ökosystems.

Bitcoin als Währung in B2B-Supply-Chains

“Ab einem gewissen Punkt werden wir einen Gleichgewichtszustand erreichen und entdecken, wieviel es wirklich wert ist, eine Transaktion durch das mächtigste Computer-Netzwerk zu sichern, das die Menschheit jemals errichtet hat.” Für Pair ist der Fee-Market weniger Hindernis, sondern Symptom des Wachstums des Netzwerkes. Denn es sind nicht nur die Gebühren, die steigen, sondern auch der durchschnittliche Wert einer Transaktion:

Viele der Unternehmen, die sich in den letzten Jahren angemeldet haben, haben begonnen, BitPay für Zahlungen in B2B supply chains zu nutzen. Wir sehen jeden Tag mehr Unternehmen, die sich anmelden, um Zahlungen für sehr große internationale Lieferungen zu machen. Für diese Kunden sind Gebühren von einigen Dollar irrelevant.

Das ist die Stelle von Pairs Post, bei der man vom Stuhl fallen darf. Echte Unternehmen benutzen Bitcoin, um internationale Lieferungen zu bezahlen? Passiert das wirklich? Ist es schon so weit? Wenn Pair hier nicht übertreibt, dann ist seine Bemerkung das optimistischste und bullischste Signal seit langem, das den ETF der Winklevii bei weitem in den Schatten stellt.

On-chain und off-chain

Aber zurück zum Fee-Market und zu dem, wie Pair ihn einschätzt: “Es scheint, als würden Transaktionen über hohe Werte eventuell kleinere Onchain-Zahlungen verdrängen, und kleinere Zahlungen werden auf offchain-Kanäle migrieren.”

Onchain-Zahlungen meint, dass eine Zahlung auf der Blockchain bestätigt wird. Sie läuft durch jeden Knoten im Netzwerk, die Miner stecken sie in einen Block. Offchain-Transaktionen hingegen kommen aus, ohne in die Bitcoin-Blockchain geschrieben zu werden. Offchain-Transaktionen laufen, im Idealfall, über Payment-Channels wie das Lighning-Netzwerk oder dezentrale Sidechains, wie sie Blockstream entwickelt. Beide Technologien stecken jedoch noch in den Kinderschuhen, weshalb derzeit vor allem die Blockchains von Altcoins oder die Datenbanken von Börsen und Wallets für Offchain-Transaktionen herhalten.

Pair meint nun, dass sich ein Markt formiert zwischen “on-chain, durch die Miner gesicherten Zahlungen, und off-chain, eher konventionell gesicherten Zahlungen”, womit er offenbar Systeme wie Coinbase oder Circle meint, die, nicht unähnlich der Banken, Bitcoin-Transaktionen in ihren eigenen Datenbanken verarbeiten. Altcoins sind zwar ebenfalls möglich, doch Pair hält sie für wegen der geringen Sicherheit und der erhöhten Volatilität für wenig attraktive Optionen. Mit der Vollendung des Lightning-Netzwerkes, meint Pair, werden offchain-Zahlungen sicherer. “Der wichtigste Wettbewerb findet nicht zwischen Bitcoin und einem Altcoin statt, sondern zwischen on-chain und offchain-Transaktionen.”

Das Blocksize-Limit als treibende Kraft für den Wandel

Dass das Blocksize-Limit bei 1 MB bleibt, hätte sich Pair 2011 niemals vorstellen können. “Doch auf eine gewisse Weise ist es eine gute Kraft, um Druck auszuüben, echte Alternativen zu on-chain Transaktionen zu entwickeln und es zu erlauben, dass sich ein Markt zwischen vollkommen vertrauenslosen und zu vertrauenden (oder teilweise zu vertrauenden) off-chain Transaktionen bildet.” Für den Chef von BitPay ist die Zukunft von Bitcoin nicht entweder on- oder offchain, sondern durch den Wettbewerb von beidem geprägt. “Wenn off-chain Transaktionen, in der einen oder anderen Form, zunehmend verwendet werden, wird der Marktanteil der Miner an den Gebühren zurückgehen.” Daher werden die Miner unter Druck geraten, den Durchfluss onchain zu erhöhen.

Am Ende, meint Pair, werden die Märkte und die Ökonomie über Ideologien siegen. Der gegenwärtigen Diskussion des Themas setzt er einen ausgleichenderen Standpunkt entgegen: “Beide Seiten der Debatte scheinen zu glauben, dass Bitcoin zerstört wird, wenn die andere Seite ihren Willen bekommt. Wir sind etwas weniger fatalistisch – wir glauben, dass sich eine Vielzahl von Scaling-Lösungen materialisieren wird.”

Genau genommen, so Pair, “glauben wir, dass Bitcoin perfekt funktioniert.”

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9 Comments on BitPay erhöht wegen Fee-Market die Mindestzahlungen – ist aber mit der Situation zufrieden

  1. ..”Wir sind alle nur Zwerge, die auf den Schultern von Riesen stehen.”

  2. Tony Ford // 9. March 2017 at 19:17 // Reply

    Also ich wäre mit einer On- und Offchain-Skalierung bereits zufrieden.

  3. Mir fällt immer wieder auf, dass die Leute, die richtig tief mit Geld oder Job in Bitcoin drinstecken – wie Miner oder Börsenbetreiber – mit der Situation eher cool umgehen und sehr optimistisch sind.

    • Tony Ford // 9. March 2017 at 19:43 // Reply

      Wer dick in Bitcoin drin steckt wird vermutlich eher vorsichtig gegen Bitcoin argumentieren. Was im Hintergrund abläuft erfährt man erst im Nachhinein.
      Auch BitPay wird die Gebührenthematik weiter beobachten und ggf. die Gebühren weiter anheben.
      Bereits jetzt gräbt man mit der unteren Limitierung von 1$ je Tx diverse Märkte im Bereich MicroPayment / Aboservice ab.
      Auch nicht zu verachten sind Tx in Schwellen- und Drittländern wo 1$ nicht selten einem Tagesverdienst entspricht. Für Jene wird der Bitcoin immer unattraktiver. Doch gerade in diesen Schwellen- und Drittländern ist die Nachfrage und Perspektive besonders gut, u.a. weil oftmals die vorhandene Bankeninfrastruktur deutlich unterentwickelt und die Wertstabilität der heimischen Währung gering ist.

    • Zumindest nach Außen ist er optimistisch, bei Minern sehe ich nicht so viel Optimismus…

      Off-Chain über zentralisierte Datenbanken von z.B. Coinbase und Circle sind wir zurück bei PayPal & Co., was wir eigentlich mit Bitcoin ersetzen wollten.

  4. Benjamin Bitcoin // 9. March 2017 at 19:41 // Reply

    Und mir fällt immer wieder auf dass die Leute die in Bitcoin keinen Wert und keine Zukunft sehen nicht in Bitcoin investieren.

  5. Es wird wohl früher oder später auch so kommen, dass die grossen Wallet- und Payment Anbieter einzelne Transaktionen untereinander Offchain ausgleichen werden, am Ende des Tages werden dann in je einer einzelnen Transaktion die Konten untereinander glatt gestellt und gut ist. Wenn sich die Gelegenheit ergibt und Anbieter wie Bitpay damit pro Monat $50.000 einsparen können, dann wären sie dumm nicht Wege und Möglichkeiten zu finden…

  6. Heinrich // 9. March 2017 at 21:19 // Reply

    “Beide Technologien stecken jedoch noch in den Kinderschuhen, weshalb derzeit vor allem die Blockchains von Altcoins oder die Datenbanken von Börsen und Wallets für Offchain-Transaktionen herhalten.”

    Welche Altcoins werden denn für Offchain-Transaktionen genutzt? Die wären dann ja weiter als Bitcoin. Mir ist nur das Raiden-Netzwerk bei Ethereum als Offchain-Lösung bekannt, und auch das existiert nur konzeptionell.

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