SegWit bei Litecoin: Steht die Aktivierung unmittelbar bevor?

Ob so oder so: Das Protokoll-Upgrade SegWit steht bei Litecoin kurz vor einem Durchbruch. Chefentwickler Charlie Lee kündigt an, es zur Not per UASF durchzuboxen. Doch womöglich ist das gar nicht nötig, da nun nach F2Pool auch BW.com die Bereitschaft zum Upgrade signalisiert. Damit erreicht die Pro-SegWit-Hashrate mehr als die notwendigen 75 Prozent.

Während das Protokoll-Upgrade SegWit bei Bitcoin weiterhin weit von einer Aktivierung entfernt ist, scheint es Charlie Lee nun so gut wie gelungen zu sein, SegWit bei Litecoin durchzuboxen. Der Durchbruch war es, dass F2Pool begonnen hat, für SegWit zu signalisieren. F2Pool stellt fast die Hälfte der Litecoin-Hashrate.

Als die Zustimmung für SegWit jedoch dennoch weiterhin ein gutes Stück unter der Schwelle von 75 Prozent bliebt, hat Charlie Lee angekündigt, eine User Activated Softfork (UASF) zu implementieren. Diese soll es den Usern erlauben, die Aktivierung einer Softfork wie SegWit auch dann und auf eigenes Risiko zu triggern, wenn nicht ausreichend Miner im Boot sind, und die Miner, die sich der von den Usern gewünschten Fork verwehren, damit zu bestrafen, dass ihre Blöcke abgelehnt werden.

Lees Zustimmung zur UASF stieß sowohl in der Litecoin- als auch Bitcoin-Szene auf große Begeisterung. Es wäre extrem spannend zu erfahren, ob eine solche Aktivierung einer Softfork möglich ist oder ob sie im Chaos endet. Während in der Bitcoin-Szene nun ebenfalls für eine UASF getrommelt wird und die ersten Firmen ihre Bereitschaft signalisieren, mitzumachen, deutet sich an, dass Litecoin doch nicht zum Labor für experimentelle Softforks werden wird.

Heute nacht hat BW.com, ein Pool, der gut 6 Prozent der Litecoin-Hashrate stellt, den ersten SegWit-Block veröffentlicht. Damit signalisieren – zumindest rein rechnerisch – mehr als 75 Prozent der Litecoin-Miner ihre Bereitschaft, SegWit zu aktivieren. Noch liegt die Rate der Zustimmung bei 72,9 Prozent. Doch es ist zu erwarten, dass sie im Lauf der kommenden 48 Stunden auf mehr als 75 Prozent springen wird. Sollte sie dort für ein bis zwei Wochen bleiben, wird SegWit auf Litecoin offiziell aktiviert.

Für Bitcoin dürfte dies extrem spannend werden. Auch wenn es für den neugierigen Beobachter etwas enttäuschend sein wird, nicht zu erleben, wie eine UASF abläuft, ist dennoch ein massiver Erkenntnisgewinn zu erwarten: Wird die Softfork glatt durchgehen (oder wie bei Syscoin in einer Hardfork münden)? Werden die User SegWit-Transaktionen benutzen? Wird SegWit die faktische Blocksize erweitern? Wird Litecoin demnächst zum Testbeet für das Lightning-Netzwerk, dessen Test auf dem Mainnet derzeit vor allem auf die Aktivierung von SegWit wartet? Das Ergebnis des Experiments auf Litecoin wird, je nach Ausgang, ein starker Grund für oder gegen SegWit auf Bitcoin sein.

Die folgenden Tage werden dementsprechend auch für diejenigen spannend werden, die nicht in Litecoin investiert haben. Nicht so spannend allerdings wie für die Litecoiner selbst. Unter diesen ist gerade eine Jubelstimmung ausgebrochen: Der Preis steigt wieder und sowohl Chefentwickler Charlie Lee als auch Chef-Miner Wang Chun feiern die kommende Aktivierung.

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4 Comments on SegWit bei Litecoin: Steht die Aktivierung unmittelbar bevor?

  1. Top!

  2. Ausschließlich die Jihan-Pools signalisieren kein SegWit.

  3. Möglich ist auch noch das F2Pool kurz vor der 75% Marke wieder abspringt. Wang Chun hat diesbezüglich jedenfalls zweideutig getwittert. Dem Clown traue ich es zu, das er seine 74.9% Drohung wahr macht. Bei dem Einfluss den er damit auf den Kurs nehmen kann, warum sollte er es nicht machen. Es bleibt aufjedenfall spannend um LTC und BTC.

  4. Tja, das war es dann wohl erst einmal mit der Segwit Aktivierung bei Litecoin, Bitmain hat wohl direkt seine Marktmacht demonstriert und schon liegt die Signalisierung wieder bei gerade einmal 70%:
    https://bitcoinwisdom.com/litecoin/difficulty
    IMHO ist das aber ein ganz üble Sache, die zeigt, wie gefährdet die Blockchain Dezentralisierung ist. Ein einzelner ASIC Hersteller und Grossminer kann es problemlos mit der ganzen Community aufnehmen und die Art, wie er das tut, zeigt, dass es irgendwie keine Moral gibt, wenn es um die Kohle geht, es passiert ganz offen:
    Bitmain bringt just jetzt den enorm leistungsfähigen L3+ Miner auf den Markt, lässt sich das per Preorder von den Kunden bezahlen, treibt dann “zum Test der Miner” die Hashrate 30% hoch, schöpft den Rahm ab und signalisiert gelich mal mit dem Pool gegen Segwit. Wer einen L3+ bestellt hat und diesen, wenn er ihn dann mal erhält, noch an den Antpool hängt, dem ist, meiner Meinung nach, einfach nicht mehr zu helfen. Es geht hier nicht mehr pro oder contra Segregated Witness, es geht darum, ob wir es zulassen wollen, dass Grossminer wie Bitmain problemlos die Blockchain kapern können…

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