Fidelity Investments macht Bitcoin: Coinbase-Integration, Mining und Mikropayments

Fidelity, einer der größten Vermögensverwalter der Welt, integriert die Watch-Only-Wallet von Coinbase, beginnt mit Mining und erforscht Bitcoin-Micropayments. Bitcoin wird mehr und mehr Teil des internationalen Finanzwesens.

Fidelity Investments liebäugelt schon länger mit Bitcoin. Die Firma hat bereits Ende 2015 zusammen mit Coinbase die Möglichkeit eingerichtet, mit Bitcoins für wohltätige Zwecke zu spenden. Nachdem dadurch rund 8 Millionen Dollar eingesammelt worden sind, geht Fidelity nun in Sachen Bitcoin noch einen Schritt weiter. Auf der Consensus2017 in New York hat die Geschäftsführerin Abigain Johnson ein Bündel aufregender Neuigkeiten verkündet.

Zum einen wird Fidelity für seine Kunden wie schon die norwegische Skandibank das Guthaben in Bitcoin und anderen Kryptowährungen anzeigen, das diese bei Coinbase halten. Ein direkter Kauf über die amerikanische Börse wird nicht möglich sein, jedoch können die Kunden von Fidelity in ihrem Account neben den klassischen Investmentprodukten bald auch Guthaben in Bitcoin, Ether und Litecoins abrufen. Dies ist einer jener kleinen Schritte, die nichts unmittelbar ändern, aber Bitcoin tröpfchenweise zur Normalität im Finanzwesen machen.

“Ich liebe dieses Zeug – Bitcoin, Ethereum, Blockchain-Technologie – und was es für die Zukunft bringt,” schwärmte Johnsin auf der Consensus. “Ich glaube daran.”

Schon kurz zuvor hat Fidelity in der Kantine der Firmenzentrale in Boston die Möglichkeit geschaffen, mit Bitcoins zu bezahlen. Laut Johnson wurde dies bisher von weniger als 100 Mitarbeitern genutzt, was die Geschäftsführerin scherzhaft mit der Vermutung kommentiert, dass viele ihrer Mitarbeiter “Holder” seien, also Bitcoins nicht zum Bezahlen, sondern als Investment benutzen. Was angesichts der Branchenzugehörigkeit auch naheliegend ist. Sie erzählt jedoch auch von einem Mitarbeiter, der versucht hat, in der Kantine zu bezahlen, allerdings aufgrund des hohen Transaktionsaufkommens und der knappen Blocksize daran gescheitert ist. Er habe dies, so Johnson, mit den folgenden Worten kommentiert: “Es ist wie die Matrix – man kann sie nicht wirklich im echten Leben verwenden.” Johnson schlussfolgert daraus, dass man nicht darauf hoffen braucht, dass Bitcoin Visa ersetzt – was aber nicht ihren Glauben an die Kryptowährung erschüttere.

Möglicherweise ist das zweite Engagement von Fidelity in Bitcoin ein Resultat dieser Erfahrungen. Das Research Lab der Investmentfirma erforscht derzeit Möglichkeiten, wie man Bitcoins fürs Micropayment nutzen kann. Hierfür habe man bereits mehrere Proof of Concepts, also Beweise, dass es möglich ist, ausgearbeitet.

Nahe damit zusammenliegen dürfte die Arbeit mit den Bitcoin Computern von 21.co sein, welchen ja auch die Idee zugrunde liegt, Bitcoin für Micropayments, etwa von Gerät zu Gerät, zu verwenden. Fidelity hat nun mit von 21.co gelieferten Computern eine Bitcoin-Mine aufgebaut. Die Mining-Kapazität ist klein und man mache dies nur, um zu lernen. Johnson erzählt, dass ihr Computer bereits 200.000 Satoshi gemined hat. Eventuell meint sie damit, dass sie den 21 Bitcoin Computer und keine echten Miner benutzt.

Bei aller Begeisterung für Bitcoin und Kryptowährungen ist die Fidelity-Geschäftsführerin sich jedoch der Herausforderungen bewusst, die Kryptowährungen noch zu meistern haben. So seien die vielen Hacks und der Mangel an Privacy auf der Blockchain noch ein Problem. Auch die Regulierung sei problematisch, da die Regulierer mit dem raschen technischen Fortschritt von Kryptowährungen nicht Schritt halten können. Schließlich fehlten für viele Menschen noch die Anwendungen von Bitcoin, die Use Cases, weshalb die meisten, die Bitcoins auf einer eigenen Wallet speichern, nicht wirklich wissen, was sie mit der Kryptowährung anfangen sollen.

Das System, so Johnson, müssen nicht nur technisch besser werden, sondern auch nutzerfreundlicher. Dennoch ist die Geschäftsführerin optimistisch, dass dies den Erfolg der Technologie nicht aufhalten wird. Ihre Hoffnung ist es, dass Bitcoin und Blockchain es für viele Menschen leichter machen werden, zu investieren und finanziell unabhängig zu bleiben in einer Welt, die mehr und mehr von künstlicher Intelligenz und vernetzten Geräten dominiert wird.

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3 Comments on Fidelity Investments macht Bitcoin: Coinbase-Integration, Mining und Mikropayments

  1. Herrlich, ein großer institutioneller Befürworter von Bitcoin bezeichnet Bitcoin als nicht nutzerfreundlich und als für den Alltag untauglich. Daraus würde ich glatt schließen, daß Durchblick hat, wäre da nicht die zusätzliche Aussage, daß er daran glaubt. Wenn ein Unternehmer einen Glauben hat statt einer vernünftigen Strategie, dann stimmt mich das bedenklich. Trotzdem, wenn ich so viel Geld übrig hätte, daß andere keine Anlagemöglichkeit mehr dafür sehen, dann würde ich auch Coins minen. Dafür würde ich dann noch in einen fähigen Mathematiker investieren, statt auf den Zufall zu vertrauen.
    Ranma

  2. Kantinenessen: 5$
    Transaktionskosten: 5$

    Bitcoin hat sich nie besser für Mikropayments geeignet.

    Bin gespannt, was IOTA in dem Bereich bewirken kann aber für Bitcoin ist der Zug abgefahren.

  3. Name required // 29. May 2017 at 17:23 // Reply

    Na ja, abgefahren wohl nicht. Aber Bitcoin hat einfach ein anderes Einsatzszenario.
    Deshalb ist es ja auch gut, dass es viel Altcoins gibt, die das Einsatzspektrum erweitern können.

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