Warte … Putins Internetberater will Russland zur Mining-Großmacht machen?

Wladimir Putin mit Sonnenbrille. Bild von Jedimentat44 via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Einem Bericht von Bloomberg zufolge will eine Firma, die dem Internetberater von Russlands Präsident Wladimir Putin himself gehört, ins Crypto-Mining investieren. Dank Mikrochips, die in russischen Satelliten genutzt werden, einer ICO und der geringen Energiepreis des Landes sieht die Firma das Potenzial, in Russland 30 Prozent der globalen Hashrate zu erzeugen.

Es gibt Meldungen, bei denen man nie genau weiß, ob es nicht ein genialer Aprilscherz ist. Die von Bloomberg veröffentlichte Meldung über die russischen Mining-Ambitionen ist eine davon. Es steckt einfach so viel drin, dass man die Nachricht auch für eine brillante Parodie des gegenwärtigen Cryptowährungs-Zirkus halten könnte.

Aber von vorne: Dimitrij Marinichew, Internetberater von Russlands Präsident Wladimir Putin, hat in einer Pressekonferenz die ICO von RMC (“Russian Mining Company”) angekündigt. Die Token von RMC können mit Bitcoin oder Ethereum gekauft werden, an ihre Besitzer werden 18 Prozent der Mining-Erlöse von RMC verteilt. Die ICO soll 100 Millionen Dollar in die Kasse der Firma spülen, mit denen die Entwicklung von Mining-Chips finanziert werden soll. Verwendet werden sollen dafür die Mining-Chips von BitFury sowie besonders sparsame Mikrochips, die für russische Satelliten entwickelt wurden.

Marinichew erklärte, dass Russland das Potential habe, 30 Prozent der globalen Mining-Hashrate zu stellen. Eine Präsentation von RMC weist darauf hin, dass Russland rund 20 Gigawatt überschüssige Energie erzeugt. Zugleich hat Russland weltweit mit die günstigsten Strompreise. Mit 1,3 cent je Kilowattstunde ist Strom in Russland deutlich billiger als in der Mining-Supermacht China. Dass dies von den Russen schon längst massiv fürs Kryptomining genutzt wird, zeigt unter anderem die das Angebot weit übersteigende Nachfrage nach Grafikkarten in Russland. RMC möchte diesen Standortvorteil weiter ausschlachten, indem die noch zu entwickelnde Mining-Hardware landesweit in privaten Haushalten aufgestellt wird.

Wenn die Meldung wahr ist – und es sieht aus, als sei sie es – dann kann mit RMC ein neuer mächtiger Akteur im Krypto-Mining entstehen. Die Voraussetzungen scheinen mit den extrem günstigen Energiepreisen und der Unterstützung durch die Regierung ideal zu sein. Die Meldung zeigt, dass Bitcoin Mining mittlerweile zum Teil bereits ein Staatsgeschäft geworden ist. Gerüchten zufolge wird das Mining in China durch die Kommunistische Partei unterstützt, und es ist ein halbwegs offenes Geheimnis, dass BitFury exzellente Verbindungen zur US- und anderen Nato-Regierungen hat und auch mit diesen zusammenarbeitet. Daneben plant John McAffee, extravaganter Software-Millionär und libertärer Politiker in den USA, das größte Mining-Center der Welt in Nordamerika aufzubauen. Ohnehin werden die USA und Kanada zu immer beliebteren Standorten für Bitcoin-Mining-Anlagen, da die Kosten gering, aber der Service gut ist.

Mit RMC mischt nun wohl auch Russland im Wettstreit um die Hoheit über das Geld der Zukunft mit. Man fragt sich an dieser Stelle, wo die EU bleibt …

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13 Comments on Warte … Putins Internetberater will Russland zur Mining-Großmacht machen?

  1. na da kommt ja nochmal richtig Schwung ins Mining… owei owei ^^

  2. Wieso kauft Russland nicht einfach ein paar Bitcoins, dann sparen Sie sich die Anschaffungskosten der Hardware …. 1 Mio. BTC kosten auch nicht die Welt 😀

  3. Die Frage ist: Gibt es ein Presale? 😉

  4. Hört sich gut an. Und wo die Europäer sind? DIE Mächtigen sind mit sich selbst beschäftigt und uns steht es ja frei wo und wie wir dabei sind. Coins sei Dank

  5. Auf die Idee, Grafikkarten zu bauen und zu verkaufen, kommt von den großen und reichen Akteuren aber niemand? Dafür fehlt wohl das Know-how?
    Ranma

    • Ich kann mir nicht ansatzweise vorstellen wie das funktioniert so eine komplexe Platine zu entwerfen.
      Im Elektropraktikum vor ein paar Jahren habe ich etwas mit einem Chip, Transistoren usw. insgesamt ca. 20 Bauteilen vom Entwurf bis zum fertigen Gerät gemacht und das hat schon Kopfschmerzen verursacht.

      • Das kann ich auch nicht. Aber irgendjemand produziert offensichtlich Grafikkarten. Dabei darf man getrost davon ausgehen, daß die maschinell hergestellt werden, weil sie sich beim aktuellen Stand der Miniaturisierung nicht mehr in Handarbeit zusammenpfriemeln lassen. Genau wie es bei den Hauptprozessoren der Fall ist, so werden sicherlich auch die Platinen der Grafikkarten längst von Computerprogrammen entworfen. Als Mensch kommt man einfach nicht mehr mit. Das muß man auch nicht, weil der Mensch keine Maschine ist, es Maschinen aber trotzdem gibt. Dafür kann die Maschine manche Dinge nicht, die der Mensch kann. Zum Beispiel Leute mit Know-how anwerben oder abwerben. Außerdem sind die Russen angeblich im mathematischen und informatischen Bereich sowieso viel besser.
        Ranma

  6. Dann gibt’s jetzt demnächst zum “CentralShi-BitCoin Cash” und “ShitWizz200x” auch noch den “Emergent Kreml-Consensus Coin” und einen dritten Satoshi Nakamoto?

  7. Das könnte sich aufschaukeln und zu einem Mining-Wettrüsten der Großmächte werden.

  8. Mining gehört dezentralisiert und das geht auch wenn jeder mit der entstehenden Wärme sein Badewasser und den Kaffe kocht… Es fehlen nur die Geräte. Wenn man sowieso mit Elektrizität Wärme erzeugt kann man das genau so gut mit der Abwärme von Mining-Hardware machen. Glühdraht raus und Asics rein… Bei Massenproduktion der Hardware dürften die Kosten < 1/10 werden. (Internet der Dinge)

  9. Das ist sehr kritisch zu sehen wenn eine Weltmacht nahezu 50% der Miningpower stellt. War aber abzusehen.

  10. Ja, ich hätte mich ehrlich gesagt gewundert, wenn sowas nicht passiert wäre. Ich frage mich jetzt nur, welche Großmacht nun dagegen halten mag. Es werden sicher nicht alle den Russen das Feld überlassen…

  11. Dimitri Scholz // 15. August 2017 at 14:10 // Reply

    Wenn ein Staat in eine Crypto-Währung einsteigt, hat man ja viel gekonnt.
    Sollte sich das irgendwie bewahrheiten, steige ich aus.

    Erinnert an das Proof-Of-Concept, in der eine US-Uni (oder doch der CIA ;-)) tausende Exit-Nodes bereitgestellt hat, und dadurch dann doch die “Privacy” untergraben konnte.

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