Stablecoins und Sammelgames

Ethereum baut das Web 3.0 auf. Wir zeigen euch, wie man mithilfe der Browser-Extension Metamask innerhalb weniger Minuten durch das Web3.0 surft: Wir kaufen auf einer dezentralen Börse DAI-Stablecoins, fangen Fische mit einem Dapp-Spiel und schauen uns weitere Dapps an. Das Handling ist toll – aber die Anwendungen zum Teil noch ernüchternd. Ein Streifzug in Screenshots.

Einerseits ist es wundervoll, was Ethereum in wenigen Jahren erreicht hat: Es gibt bereits ein Universum an Dezentralen Anwendungen (Dapps), und auch die Werkzeuge, um es spielerisch leicht zu verwenden. Das Web3.0, das dezentrale Internet, ist bereits im Aufbau. Wenn man allerdings beginnt, es auszuprobieren, wird man jedoch rasch bemerken, dass die meisten Dapps nicht übermäßig attraktiv sind. Wir stellen unseren Ausflug ins Web3.0 in einer Folge von kommentierten Screenshots vor.

Der Start

Die Browser-App Metamask ist das wichtigste Werkzeug, um ins Web3.0 zu gelangen. Die minimalisierte Ethereum-Wallet gibt es für die Browser Firefox, Chrome, Opera und Brave. Sie ist die benutzerfeundlichste, am intuitiv bedienbarste Kryptowährungs-Software die ich kenne, kann aber unter der Haube eine Menge Smart Contracts ausführen.

Nach dem Auswählen eines Passworts ist man in der minimialistischen Wallet. Es gibt eine Seed, die man notieren oder abspeichern sollte, und mit der man seine Wallet in jedem Browser wieder herstellen kann. Darüber hinaus kann man auch den privaten Schlüssel exportieren, um ihn in einer vollwertigen Ethereum-Wallet, etwa Parity, zu importieren. Metamask ist weder besonders sicher noch irgendwie privat. Aber es ist die einfachste Möglichkeit, mit dem Web 3.0 zu interagieren.

Per Klick auf die drei Pünktchen oben rechts kann man seine Ethereum-Adresse kopieren, um sie mit Ether zu füllen.

Auf Bitcoin.de kann man mit Euro Ether kaufen. Danach füge ich die Adresse von Metamask im Auszahlungsformular von Bitcoin.de ein und gebe Passwort und Yubikey-Einmalpasswort ein. Dann warte ich, bis die Ether ankommen.

Zwei Minuten später ist es soweit: Metamask zeigt 0,5 Ether oder 72 US-Dollar an. Zur Sicherheit schlage ich meinen Account bei Etherscan.io nach. Das geht ganz einfach, es gibt einen direkten Link, wenn man auf die drei Pünktchen rechts oben klickt. Damit ist meine Wallet bereit für das Web3.0. Gedauert hat es keine zehn Minuten.

Auf einer dezentralen Börse Stablecoins kaufen

Die erste Dapp, die ich benutzen möchte, ist eine dezentrale Börse. Auf 0xtracker.com schaue ich nach den derzeit beliebtesten Börsen auf Basis des 0x-Protokolls.

Das meisten Volumen verzeichnte Star Bit aus Asien. Aber da ich mit der Benutzeroberfläche nicht klarkomme, gehe ich auf die zweitgrößte Börse, DDEX.

Hier finde ich mich relativ rasch zurecht. Die Webseite interagiert automatisch mit Metamask und erkennt meine Wallet. Um sie zu benutzen, muss ich Metamask noch mit DDEX verbinden. Wie bei allen Börsen auf Basis des 0x-Protokolls fungiert meine Metamask-Adresse als Account. Ich brauche keinen Namen und keine Email, sondern lediglich meinen Metamask-Account, um Token auf Ethereum zu handeln. Das finde ich ein ziemlich revolutionäres Konzept.

Anschließend muss ich meine ETH in WETH umwandeln. Das sind Wrapped Ether. Wenn ich es richtig verstehe, versetze ich die Ether lediglich in einen tokenartigen Zustand, so dass sie in derselben Umgebung verarbeitet werden können wie die ganzen Token, die es auf DDEX zu handeln gibt. Das “wrappen” der Ether geschieht durch eine Transaktion, die ich mit Metamask signiere.

Nach einigen Sekunden ist die Transaktion bestätigt und DDEX zeigt mein Guthaben an, das jetzt aus etwa 0,15 ETH und 0,35 WETH besteht.

Auf dem DDEX-Marktplatz kann ich nun meine WETH gegen Dutzende von Token tauschen. Die meisten kenne ich nicht; ich nehme an, es sind die Abkömmlinge von ICOs. In Zukunft kann man auf solchen Marktplätzen vielleicht Aktien, ETFs und andere Wertpapiere kaufen. Möglich wäre es definitiv.

Bis es soweit ist, scheint mir der Stablecoin DAI die attraktivste Wahl zu sein. Hinter DAI steht eine DAO – eine dezentrale autonome Organisation – die durch ein Regelwerk von Smart Contracts dafür sorgt, dass ein DAI immer etwa ein Dollar wert ist. Das ist ziemlich brillant, ein Stablecoin ohne einen Mittelsmann, dem man vertrauen muss, und offenbar funktioniert es recht gut. Ich verkaufe also ein wenig WETH gegen einige DAI.

Um den Trade zu besiegeln, muss ich erneut mit Metamask eine Transaktion signieren. Ich warte einige Minuten, bis jemand mein Angebot annimmt. Dann bin ich Besitzer von gut 44 DAI-Token.

Nun würde ich gerne diese Token in Metamask sehen. Dafür muss ich auf Token klicken und dort ein neues Token hinzufügen. Ich suche bei Etherscan.io nach dem Smart Contract von DAI und gebe dessen Adresse dann bei Metamask ein. Und siehe da: Ich habe die DAI-Token in meiner Wallet.

Im Web 3.0 spielen

Nun möchte ich noch mehr erleben. Dezentrale Börsen sind klasse, aber nur ein kleiner Ausschnitt des Web3.0. Die Webseiten DappRadar, App.co, Dapp.com und StateoftheDapps.com zeigen eine Auswahl der beliebtesten Dapps, geordnet nach mehreren Kategorien. Neben den dezentralen Börsen scheinen Spiele und “Collectibles” die beliebtesten Anwendungen zu sein, wobei die beiden Kategorien gerne verschmelzen.

Das bekannteste Beispiel dafür ist CryptoKitties, die Dapp, bei der man Kitten züchtet und dann verkauft oder paart, um noch mehr Kitten zu züchten. Ähnliche Spiele gibt es in großer Menge. Während die Token, die auf den Börsen gehandelt oder für ICOs benutzt werden, üblicherweise auf dem ERC20-Standard für fungible Token basieren, verwenden die Sammelspiele den ERC-721-Standard für nicht-fungible Token. Dieser Standard hart zu einer Explosion an Sammelspielen für Ethereum geführt.

Zunächst probiere ich Gods Unchained aus. Das Spiel wirkt ein wenig wie Magic: The Gathering, das beliebte Kartenspiel. Ich habe das früher sehr selten, aber mit viel Spaß gespielt. Also logge ich mich auf die übliche Weise ein, indem ich eine kurze Nachricht mit Metamask signiere und schaue mich dann um. Für 0,012 ETH (etwa 2 Euro) kann ich ein einfaches Starterpäckchen mit Karten kaufen. Ich signiere eine Transaktion und bekomme ein Paket mit 5 einfachen Karten. Mehr und bessere Spielkarten müsste ich für mehr ETH kaufen.

Beim Support erfahre ich, dass bislang auf Gods Unchained nur die Karten verkauft werden, aber das Spielen noch nicht möglich ist. Aber in Zukunft soll Gods Unchained wohl wie ein Magic: The Gathering funktionieren, nur eben komplett durch Smart Contracts. Also versuche ich zunächst, die Karten in meiner Metamask-App anzeigen zu lassen.

Das funktioniert wieder auf die bekannte Weise: Klick auf Token und auf “Add new Token”, dann gebe ich die Adresse des Smart Contracts von Gods Unchained ein (die ich zuvor gegoogelt habe) und schon habe ich die fünf Token in der Wallet. Grandios.

Aber weil ich auch spielen will, schaue ich nach einem anderen Spiel. Dabei entdecke ich die Fishbank.

Um mich einzuloggen, gebe ich mein Passwort bei Metamask ein. Anschließend kann ich entweder Fische auf dem Markt kaufen oder die Angel auswerfen, um einen zufälligen Fisch zu fangen. Weil ich die Preise auf dem Marktplatz unerhört hoch finde (es gibt kaum einen Fisch für weniger als 5 Euro), versuche ich mein Glück: Ich signiere eine Transaktion, um den Fischen-Smart-Contract auszulösen. Beim ersten Versuch fange ich eine Qualle, beim zweiten einen Shrimp, und beim dritten habe ich Glück und erwische einen Speerfisch.

Die Fische haben verschiedene Werte: Stärke, Beweglichkeit, Schnelligkeit und das Gewicht in Unzen. Wenn man auf den Info-Button klickt, kann man die Fische entweder verkaufen, in den Kampf schicken oder verschmelzen.

Zuerst greife ich mit meiner Qualle einen Tintenfisch an. Die Qualle ist zwar viel langsamer, aber auch stärker als dieser. Wie üblich leite ich den Kampf mit einer Transaktion ein, die ein wenig Gebühren in ETH kostet. Leider verliere ich den Kampf. Die Folge ist, dass meine Qualle einige Unzen an Gewicht verliert und der Tintenfisch gewinnt.

Später lasse ich noch meinen Schwertfisch gegen einen Preussenfisch antreten. Mein Schwertfisch gewinnt, sein Gewicht erhöht sich. Was das Gewicht jedoch bringt, erschließt sich mir nicht ganz. Weil das Spiel rasch etwas langweilig wird, versuche ich, meine Fische zu verkaufen. Aber keiner nimmt das Angebot an, obwohl ich schon viel günstiger bin als die anderen. Schade.

Dutzende weitere Spiele …

Es gibt noch zahlreiche weitere Spiele. Wer sich dafür interessiert, kann sich auf Seiten wie DappRadar durch die Dapps klicken. Man kann Monster züchten, Baseballkarten sammeln, Parzellen in einer virtuellen Stadt kaufen, virtuelle Punks sammeln und so vieles mehr.

Die meisten haben mich aber nicht so sehr vom Hocker gehauen, und vor allem ist das meiste, das man kaufen kann, maßlos überteuert: Ein Punk ist nicht unter 0,1 ETH zu haben, eine Parzelle in der virtuellen Stadt kann man nur mit Mana-Token erwerben (die man vorher auf einer dezentralen Börse kaufen kann), wozu ich keine Lust habe. Da die Transaktionen oft nicht wenig Gebühren kosten – zwischen 10 cent und 2 Euro – wird das Spielen mit Dapps recht schnell ein teurer Spaß.

Es gibt noch einige andere Dapps, aber diese scheinen noch nicht so weit entwickelt zu sein wie die Spiele. Daher gehe ich darauf nicht ein. Hier bleibt nur festzuhalten, dass Ethereum ein Mittel gefunden hat, um individuelle Items für Spiele und Sammler kopiersicher zu digitalisieren. Das ist jetzt nicht die große Revolution, auf die die Welt gewartet hat, aber es ist ein interessanter Schritt, der vielleicht in den kommenden Jahren von den ernsthaften Spielefirmen aufgegriffen und ausgebaut werden wird.

Daneben könnten die beiden hier beschriebenen Methoden Blaupausen für die Zukunft sein: Auf dezentralen Marktplätzen werden Aktien und mehr gehandelt, während nicht-fungible Token Immobilien, Antiquitäten oder ein geistiges Eigentum repräsentieren. Das Potential ist auf jeden Fall riesig. Doch um es auszuschöpfen, muss Ethereum in jedem Fall noch daran arbeiten, das Problem mit der Skalierbarkeit zu lösen. Denn einen Full Node für Etheruem zu betreiben wird schon jetzt für normale User mehr und mehr zum Problem.

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9 Comments on Stablecoins und Sammelgames

  1. Es sollen doch keine Dapps mehr gepusht werden?

    Christoph, wie kannst du nur? 😛

  2. Zwei Minuten später ist es soweit: Metamask zeigt 0,5 Bitcoin oder 72 US-Dollar an.

    Komisch, dass MetaMask Bitcoin kann und 0,5 BTC 72 USD sein sollen… Wohl wieder in der Zeitmaschine stecken geblieben Christoph 😀

  3. > individuelle Items für Spiele und Sammler kopiersicher zu digitalisieren

    Nicht nur kopiersicher, sondern sogar der Spielehersteller könnte einem die Items nicht wegnehmen. Dadurch könnten Items vllt. zu einem echten Wert in Spielen kommen. Könnte ein tolles Element in Spielen werden.

  4. justaquestion // 22. September 2018 at 17:16 // Reply

    klingt gut werde mal probieren eine zu entwickeln kannst du einem noob wie mir links und Artikel oder pdfs schicken ?

  5. Es gibt eine deutschsprachige News-Seite zu Gaming DApps bzw. Crypto-Games:
    https://crypto-games.de/
    Es werden alle erwähnenswerte Blockchain-Games in der Tradition von CryptoKitties vorgestellt und Entwicklungs-News gepostet.
    Es tut sich einiges in der Entwicklung von Crypto-Collectibles und Crypto-Games – so hat die Major League Baseball ihr eigenes Crypto-Collectible auf den Markt gebracht….!

  6. Vielen Dank, mit diesem “Tutorial” werd ich das sicher auch irgendwann mal austesten 🙂

    Ich hab noch nicht verstanden, wie es möglich ist, dass zb Spieleentwickler von zb CryptoKitten sich dadurch eine goldene Nase verdienen (ist doch so, oder?). Ich meine der Code ist doch immer OpenSource und daher, selbst wenn im Smartcontract sowas drin steht “x% jeder Zahlung geht an Adresse sowieso” dann kann doch jeder einfach das ganze kopieren und etwas weniger “Gebühren” verlangen, solange bis es nahezu 0 bzw genau 0 ist?!

    Einerseits ist das erstrebenswert (Gebühren von 0), weil dies ja auch einer der Zwecke von dapps ist, dass eben keine Mittelsmänner mehr unnötig stinkreich werden, aber andererseits senkt das auch die Motivation von Entwicklern überhaupt etwas für smart contracts zu entwickeln.

    Kann mir das jemand erklären?

  7. Bis auf dezentrale Börsen sehe ich nichts interessantes.

    Und für absolute Anfänger wäre das ”Web 3.0” eine Qual.
    Da ist ja selbst das ”Darknet” einfacher zu erklären.

  8. Toller Beitrag, das ist mein Thema. Ich würde da gerne noch etwas ergänzen.

    Auf der Steem Blockchain passiert auch was interessantes und das nennt sich Steem Monsters.

    https://steemmonsters.com/

    Am 14. Oktober starten die Turniere, bei welchen es Steem zu gewinnen gibt, und das nicht wenig. Wöchentlich werden es Hunderte Steem sein.

    Die beiden Gründer (@aggroed und @yabapmatt) haben im Vorverkauf bereits 300.000 sogenannte Alpha Booster Packs für 600.000 USD verkauft. Außerdem wurden über 10.000 USD mit Starter Packs eingenommen und mittlerweile weit über 30.000 USD mit Beta Booster Packs. Bei den Beta Booster Packs habe ich dann aufgehört die Einnahmen zu “tracken” und das ganze als Erfolgreich finanziert verbucht. Steem Monsters läuft aktuell leider etwas unter dem Radar, sollte aber international damit bzgl. der Vorverkäufe ganz oben mitspielen. Einzelne und sehr seltene Karten wurden bereits für 1000-2000 USD gehandelt.

    Die zugehörige Kickstarter Kampagne wurde erfolgreich finanziert und hat nochmals 88.000 USD eingebracht:

    Die Steem Blockchain bietet im vergleich zur Ethereum Blockchain den Vorteil, das die Transaktionen nichts kosten. Außerdem verlaufen alle Transaktionen unglaublich schnell – ich will sagen: just in time. Wenn man sich das gesamte Transaktionsvolumen der Steem Blockchain genau ansieht und dazu die Auslastung, kommt man zum Schluss, das die Blockchain mitunter die meisten Transaktionen abwickelt (minus Exchanges) und noch nicht mal schnauft.

    Ähnliches passiert gerade auf EOS mit eosknights.io. Auch hier bitte das Volumen unter DappRadar betrachten. EOS bietet ähnliche Vorteile wie auch die Steem Blockchain: Keine Gebühren, schnelle Transfers. Beide Chains bieten auch eine erheblich komfortablere Nutzung, MetaMask ist zwar am Anfang nett gewesen, aber mittlerweile an die Grenzen geraten ist.

    EOS und Steem lösen gerade Ehereum ab beim Thema Crypto Gaming.

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