Monero: Gebühren sinken dank Bullet Proofs um 97 Prozent

Bullets. Bild von Madison Scott-Clary via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Privacy-Kryptowährung Monero hat mit einer Hard Fork “Bullet Proofs” eingeführt. Diese erste Implementierung einer neuen Kryptotechnologie ermöglicht es Monero, seine anonymen Transaktionen besser zu skalieren.

Am 18. Oktober hat die Kryptowährung Monero eine weitere reguläre Hardfork durchgeführt, um die Software zu aktualisieren. Das Upgrade zu Version 0.13.0.0., genannt “Beryllium Bullet“, war für die auf Privatsphäre konzentriere Währung ein Meilenstein, der demonstriert, welche Macht in einer Hardfork liegen kann.

Neben mehreren anderen Änderungen hat das Upgrade Bulletproofs eingeführt. Diese kryptographische Technologie gilt als wichtiger Schritt, um private Kryptowährungen zu skalieren. Es geht dabei um folgendes: Um die Privatsphäre der User zu schützen, verwendet Monero sogenannte “Confidential Transactions“. Dies ist eine Kryptotechnik, die den in einer Transaktion versendeten Betrag verschleiert, es den Knoten des Netzwerkes aber dennoch ermöglicht, zu prüfen, ob die Transaktion korrekt ist. Monero hat diese Technologie schon vor einiger Zeit implementiert, und gemeinsam mit den Ringsignaturen erreicht Monero damit einen sehr hohen, wenn nicht gar vollständigen Grad an Anonymität.

Das Problem ist aber: Confidential Transactions brauchen eine Form von Beweis, dass eine Transaktion nicht die Geldmenge manipuliert, indem sie etwa negative Beträge versendet. Logisch: Wenn man den Betrag einer Transaktion nicht kennt, ist dies schwierig, dies zu wissen. Bisher kamen hier sogenannte “Range Proofs” zum Einsatz. Mithilfe der Range Proofs kann man prüfen, ob der Inhalt einer Transaktion in einem bestimmten mathematischen Bereich liegt. Sie haben jedoch den Nachteil, dass sie recht groß sind und linear mit der Anzahl an Outputs und Bits des Bereichs skalieren.

Die Range Proofs machen eine einfache Monero-Transaktion etwa 13,2 Kilobyte groß. Dies erlaubt es in keinster Weise, die Kryptowährung auch nur im Ansatz zu skalieren. Eine Bitcoin-Transaktion ist nur 130-200 Byte groß; mit der derzeitigen Kapazität von Bitcoin könnte man kaum mehr als 85 Monero-Transaktionen in zehn Minuten prozessieren. Mehr als eine sehr kleine Nische lässt sich damit nicht bedienen.

Die Lösung für dieses Problem sind die sogennanten “Bullet Proofs“. Diese Technologie wurde von zwei Kryptographen der Universität Stanford gemeinsam mit Blockstream entwickelt. Dem Bullet-Proof-Algorithmus gelingt es, die Größe einer einfachen Monero-Transaktion auf 2,5 Kilobyte oder um 80 Prozent zu senken. Dies sollte, so die Erwartung, auch die mittlerweile drückenden Gebühren um 80 Prozent reduzieren.

Nachdem die Monero-Entwickler als erste eine Implementierung von Bullet Proofs begonnen und diese von externen Prüfern testen haben, hat Monero nun die neuen Proofs per Hardfork eingeführt – und damit ein wesentliches Hindernis für eine weitere Verbreitung von anonymen Krypto-Transaktionen deutlich reduziert. Der Erfolg übertrifft die Erwartungen sogar noch. Die durchschnittliche Transaktionsgröße fiel von 18,5 auf 3,7 Kilobyte, was tatsächlich einer Entlastung von 80 Prozent entspricht. Noch weiter fielen aber die Gebühren – nämlich von 60 auf 2 Cent, so zumindest ein Tweet von CoinMetrics.io.

Für Monero ist dies eine phantastische Nachricht. Zwar skaliert die Währung auch mit Bullet Proofs noch nicht richtig gut, aber immerhin würden in einen durchschnittlichen Bitcoin-Block von 1,5 Megabyte anstelle von etwa 85 nun 405 Transaktionen passen. Damit hat Monero die Menge seines speziellen Angebots – anonyme Transaktionen – mehr als vervierfacht.

Der Preis hat bisher aber kaum reagiert. So, als hätte es diese Meilenstein-Hardfork nie gegeben, bewegt sich der Monero-Preis weiterhin im Gleichschritt mit den anderen Coins. Eventuell zeigt dies einmal mehr, wie spekulativ die Kryptomärkte weiterhin sind.

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10 Comments on Monero: Gebühren sinken dank Bullet Proofs um 97 Prozent

  1. Wie groß sind denn Transaktionen und Durchsatz von anderen Kryptowährungen im Vergleich?

    • Die meisten etwa 200 Byte, je nachdem, was man damit macht. Bei IOTA sind sie 2-3 Kilobyte groß. Ethereum hat im Durchschnitt kleinere Transaktionen als Bitcoin und verarbeitet am Tag bis zu eine Million. Bitcoin Cash hat beim Stresstest demonstriert, dass 2 Mio Transaktionen am Tag auch möglich sind, läuft aber ansonsten eher bei 15k am Tag. Andere Kryptowährungen behaupten, dass noch mehr geht, aber die einzigen Langzeittests gibt es für BTC (~400-500k/tag) und ETH (1Mio/Tag).

    • Man kann das meistens in Block Explorern sehen. Wenn wir von Standardtransaktionen ausgehen, die einen Input und zwei Outputs haben:
      Bitcoin: 224 Byte
      Litecoin: 226 Byte
      Ethereum: ca. 150 Byte, unter Vorbehalt, denn die Blockchain ist nicht einfach zu verstehen
      Monero: knapp 1.900 Byte, die Optimierungen haben sie weiter als auf 2.3KB runtergeschraubt.
      Zcash Shielded: ~2.000 Byte (Transparente sind ähnlich groß wie bei Bitcoin)
      IOTA: ~2.500 Byte

      Entsprechende Forks von Bitcoin haben aus offensichtlichen Gründen ähnliche Werte wie Bitcoin selbst. Privatsphäre hat wie man auch bei Zcash Shielded Transactions sieht, einen Preis, den man in Moneros Fall mit ca. 8 Mal größeren Transaktionen bezahlt, allerdings gibt es auch keine fixe Blockgröße und sollte das Standard-Limit von 300KB alle zwei Minuten in einer bestimmten Anzahl von Blöcken hintereinander erreicht werden, dürfen Miner es jeweils im nächsten Block leicht anheben. Davon ist Monero allerdings noch weit entfernt und man muss sich keine Sorgen machen, dass eine Transaktion nicht in den nächsten Block kommt.

      Monero hat mit dem Update auch eine Verbesserung der Privacy erfahren, denn statt der bisherigen minimalen Ring Größe 7 sind es nun immer 11, was nicht nach einer großen Änderung aussieht, aber das Anonymitätsset für eine problematische Standardsituation Exchange->Alice->Bob->Exchange von 49 auf 121 anhebt. Selbst wenn beide die gleiche Exchange nutzen, kann die Exchange mit weniger als 1% Wahrscheinlichkeit sagen, dass Bobs Output von Alice kam. Mit jeder weiteren Transaktion dazwischen erhöht sich diese Privatsphäre entsprechend um den Faktor 11. Man hat damit vor auch Publikationen adressiert, die Moneros Privacy angezweifelt haben, sich allerdings noch auf Transaktionen bezogen, als man keine anderen Outputs hinzunehmen musste und seine Privatsphäre durch falsche Nutzung selbst kompromittiert hat.

  2. Ich hätte in dem Artikel noch den Grund erwähnt, warum die Gebühren mehr als 80% gefallen sind: Die Rechenleistung zum Verifizieren der Transaktionen wurde um 97% gesenkt! Das hatte nämlich zu einem großen Teil der Gebühren beigetragen.

    • Danke! Weshalb hat die Rechenleistung die Gebühren beeinflusst?

      • Indirekt. Die relativ hohe minimale Gebühr pro KB wurde damit begründet, dass man sonst mit relativ geringem finanziellen Aufwand relativ viele Nodes an ihre Belastungsgrenze zu bringen, denn die notwendige Rechenleistung zum Verifizieren einkommender Transaktionen wäre bei wachsenden Blöcken schnell über die Kapazitäten z.B. eines RasPi gegangen.
        Mit Bulletproofs konnte man die minimale Fee pro KB auch drastisch senken, da dieser Angriffsvektor wegfällt.

        Interessanterweise hat das jetzt dazu geführt, dass sogar die durchschnittlichen Transaktionskosten für eine Monero Transaktion mit aktuell ca. 1-2 Cent pro Transaktion sogar niedriger sind als bei Bitcoin, trotz weiterhin größerer Transaktionen.

      • Ah, das bedeutet, Bullet Proofs machen nicht nur die Blöcke in Relation zu Transaktionen kleiner, sondern reduzieren auch die notwendige Rechenleistung je Kilobyte Blocksize, womit es möglich wird, größere Blöcke zu bauen. Ich glaube, ich verstehe. Grandioses Upgrade. Dagegen ist das, was Bitcoin Cash derzeit macht, ein schlechter Witz.

  3. Ich überlege mir Monero zu kaufen ABER was spricht dagegen, wenn in ferner ferner Zukunft ich XMR wieder in FIAT wechseln will, aber den Exchange-Börsen wurde verboten (z.B. politisch), anonyme Coins anzubieten.

    Gibt es dazu schon Theorien, Meinungen, Studien… bezüglich Anonymous Cryptocurrencies in Zukunft?

    • Dezentrale Börsen sind definitiv im Kommen, das Tradingvolumen XMR/BTC bei Bisq ist z.B. das Höchste von den angebotenen Paaren, trotz der schweren Benutzbarkeit der Plattform. Man will dort XMR sogar als “Base-Currency” zusätzlich zu BTC anbieten: https://github.com/bisq-network/proposals/issues/51
      Auch eine localbitcoins ähnliche Plattform gibt es schon und selbst in Deutschland findet man immer einige Angebote, nicht ganz dezentral aber kann ich definitiv empfehlen: https://localmonero.co/
      Den Gründer mit Sitz in Hong Kong kenne ich persönlich und er hat mir zugesichert, dass er definitiv keine Länder sperren wird wie es bei localbitcoins teilweise der Fall ist. Zur Not hat er auch Backuplösungen, falls Hong Kong etwas gegen Crypto generell haben sollte, was aber eher unwahrscheinlich ist, da er ja noch nichtmal unter eine Exchange Regulierung fällt.

      Warum ich es für deutlich schwieriger halte, gute Privacy auf einer Transparenten Chain wie Bitcoin zu erreichen, habe ich letztens bei Wasabi ausgeführt: https://medium.com/@pauljanowitz/thanks-for-your-very-detailed-answer-and-your-effort-to-make-bitcoin-somehow-fungible-a10332a9ac98

      Das Monero Research Lab arbeitet schon seit Monaten daran, wie man Atomic Swaps mit Bitcoin und anderen darauf basierenden Cryptowährungen integrieren kann und wird die Arbeit daran sicherlich noch vertiefen, nachdem nun das Skalierbarkeitsproblem mehr oder weniger grundlegend “gelöst” ist, auch wenn man hier weiterhin nach Optimierungen forscht.

  4. Maik Richter // 22. October 2018 at 22:33 // Reply

    Es könnte dir je nach Land auch Krypto generell untersagt werden wie in China zBsp. Was machst du dann? Du kaufst auf der Strasse. Via Localbitcoins zbsp.

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