Ökonom aus Venezuela: „Bitcoin hat meine Familie gerettet“

Straße in Caracas. Bild von Zaprittsky via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

In der New York Times erzählt ein Ökonom aus Venezuela, welche Bedeutung Bitcoin für die Bürger seines Landes hat. Was er schreibt, bestätigt vieles, was wir schon vermutet haben: Bitcoin hilft Menschen in Venezuela, zu überleben.

Die New York Times stellt Carlos Hernández als einen Wirtschaftswissenschaftler aus Venezuela vor. Sein Bericht trägt den Titel „Bitcoin hat meine Familie gerettet.“ Er beginnt damit, dass Hernández loszieht, um Milch zu kaufen, und erwähnt, dass er keine Bolivar besitzt.

„Ich habe mein ganzes Geld in Bitcoin.“ Es in Bolivar zu halten, wäre „finanzieller Selbstmord.“ Die tägliche Inflation habe 2018 etwa 3,5 Prozent betragen, das sind 1,7 Millionen Prozent im Jahr. Dollar wären eine Alternative – aber es geht nicht. „Ich habe kein Bankkonto im Ausland, und mit den Währungskontrollen von Venezuela ist es schwierig, eine konventionelle ausländische Währung wie Dollar zu benutzen.“ Daher also Bitcoins.

Um nun Milch zu kaufen, muss Hernández aber die Bitcoins wieder in Bolivar wechseln. Dafür benutzt er LocalBitcoin.com. Dies sei die beliebteste Börse für Venezuelaner. Er schaut dabei nach Käufern, die dieselbe Bank benutzen wie er. Auf diese Weise dauert der Wechsel von Bitcoins gegen Bolivar gerade mal zehn Minuten. Eventuell ist es diese Gleichzeitigkeit von verfallender Wirtschaft und intaktem Banksystem, das in Venezuela einen enormen Handel über LocalBitcoins ausgelöst hat. Nach Russland ist Venezuela der zweitstärkste Markt auf der weltweiten Handelsplattform. Für ein Land mit einer so kleinen Wirtschaftskraft ist das enorm.

Die einzige Einschränkung ist, dass man nur kleine Mengen tauschen kann. Zwar beobachte die Regierung keine Bitcoin-Transaktionen, aber jede Banküberweisung von mehr als 50 Dollar führt dazu, dass die Bank automatisch das Konto einfriert, bis man beweist, woher die Bolivar kommen. Das klingt enorm wenig, ist in Venezuela aber relativ viel. Das zeigt eine kurze Geschichte seines Bruders Juan, die Hernández erzählt.

Juan hat eigentlich als Anwalt gearbeitet, aber „in Zeiten der Hyperinflation wird jeder ärmer, auch die Clienten von Anwälten.“ Juan habe schließlich so wenig verdient, dass er am Ende draufzahlte, um arbeiten zu können. Sogar sein Vater, ein Regierungsangestellter, verdiente mit 6 Dollar im Monat (!!) mehr. Juan gab auf und versuchte, online als Grafikdesigner und Übersetzer Geld zu verdienen. Die üblichen Zahlungsarten für Freelancer – etwa PayPal – sind nach Venezuela durch Währungskontrollen versperrt. Also blieb Juan keine andere Wahl, als sich mit Kryptowährungen bezahlen zu lassen.

Etwas später floh Juan aus dem Land. Die Militärpatroillen an den Grenzen sind berüchtigt dafür, den Flüchtigen ihr Geld wegzunehmen. „Aber Juans Geld, in Bitcoin gespeichert, war nur durch ein Passwort aufrufbar, das er sich ins Gedächtnis eingeprägt hatte.“ Grenzenloses Geld, so Hernández, „ist mehr als ein Modebegriff für diejenigen von uns, die in einer kollabierenden Wirtschaft und einer kollabierenden Diktatur leben.“ Von Kolumbien aus wollte Juan Geld an seine Familie zurückschicken. Mit Western Union und anderen Dienstleistern bekommt man nur die offizielle Wechselrate des Bolivars, die von der Regierung festgelegt wird, die in der Regel nur die Hälfte des Kurses auf Schwarzmärkten ausmacht. Bitcoin ist hier billiger, schneller und sicherer, als selbst die Schwarzmärkte zu benutzen.

Am Ende hat Juan aber in Venezuela keinen Job gefunden, weshalb Hernández ihn wiederum mit Geld versorgen musste. Möglich war dies, ihr ahnt es schon, durch Bitcoin-Transaktionen.

Die Geschichte zeigt, dass Bitcoin genau das macht, was er soll. Die Währung ist für die Leute da, die ein stabiles Geld brauchen, und denen es die Regierung schwer macht, in ökonomische Interaktion mit dem Ausland zu treten. Die Regierung kann Zahlungsdienstleistern und Banken ihren Willen und ihre Wechselkurse aufzwängen – Bitcoin nicht. Damit passiert genau das, was wir schon lange ahnen: Bitcoin spielt eine Rolle, wenn die Wirtschaft von Nationen zusammenbricht.

Venezuela ist hier das krasseste, aber längst nicht das einzige Beispiel. Auch Simbabwe, Nordkorea, Argentinien, der Suda, der Iran, Liberia, die Türkei, Angola, Ägypten und Nigeria leiden unter Inflationsraten von mehr als 10 und zum Teil mehr als 50 Prozent. In den meisten dieser Länder findet man wie in Venezuela starke Währungskontrollen, die es den unter der krisenden Wirtschaft leidenden Einwohnern schwer machen, Handel mit anderen Ländern zu betreiben. Wer dort in der Lage ist, Bitcoin zu verwenden, hat nicht nur einen weiteren möglichen Kundenkreis, sondern erhält auch ein Geld, das im Vergleich mit der lokalen Währung vermutlich an Wert gewinnt.

All die gelehrten und ideologischen Diskussionen, die die westlichen Bitcoiner führen, die sich über den Coin ihrer Wahl zanken, die einen Full Node auf einem Raspberry Pie betreiben wollen, die von Schnorr-Signaturen, Lightning oder dem Metanet träumen, die zwischen Ethereum, Bitcoin und Ripple Grabenkämpfe führen – all das wird relativ bedeutungslos, wenn man sich anschaut, wo Bitcoin wirklich passiert.

Über Christoph Bergmann (1506 Beiträge)
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19 Kommentare zu Ökonom aus Venezuela: „Bitcoin hat meine Familie gerettet“

  1. Danke für diesen Beitrag!

    … all das wird relativ bedeutungslos, wenn man sich anschaut, wo Bitcoin wirklich passiert.

    Genau deswegen kann Bitcoin (Core) auf Dauer keine Adoption bekommen. In einem Land, in dem $6 USD Lohn im Monat bereits viel sind, sind selbst $0,1 USD Transaktionsgebühren zu viel, auch wenn man 2nd Layer anpreist. Gerade in diesen Ländern, wo Bitcoin heute schon notwendig ist gibt es kaum stabile Internetverbindungen und die Offline-Möglichkeiten des Bitcoin sind dort essentiell. In einem gesunden Fee Market sind dabei auch (Multisig) Konstellationen möglich, die z.B. erstmal über lokale Mesh-Netzwerke laufen und nicht zentral zensierbar sind, da sie erst viel später propagiert werden können.

    Das trifft auch auf Nordkorea oder z.B. Kuba zu, in letzterem war ich vor einem Jahr und Internet gab es selbst in Havanna nur an wenigen öffentlichen WLANs, die von einer staatlichen „Firma“ bereitgestellt werden und der Zugang kostete $2-4 USD pro Stunde, für ein „Internet“, das sich nicht einmal für E-Mail Abruf nutzen ließ und damals ausschließlich über Venezuela geroutet war. In ländlicheren Gegenden (Städten ab 100.000 Einwohnern) gab es meist 1-2 solcher WIFI Punkte, Nutzung war aber unmöglich. Für privilegierte Bürger waren zumindest in Havanna 3G Netze vorhanden, als Ausländer bekommt man jedoch keine Sim Karte und ich habe in 4 Wochen niemanden mit einem (außerhalb der praktisch nicht-funktionierenden Hotspots) internetfähigen Smartphone kennengelernt und ich war Backpacking im ganzen Land, nicht in den üblichen Touri-Enklaven wo der durchschnittliche Bürger keinen Zutritt hat. Ich vermute, die Lage hat sich durch die Krise in Venezuela noch deutlich verschlechtert, da die Sanktionen und auch lokale Regelungen von VZ die Außenanbindung mit Sicherheit nicht verbessert haben.
    In Nordkorea dürfte die Lage noch deutlich schlimmer sein und „Internet“ nur ohnehin dem privilegiertestem 1 Promille über den Nachbar China mit der Great Firewall (womöglich mit zusätzlichen Filtern) zur Verfügung stehen. Über ihr eigenes Linux Derivat RedStar OS… Das ist übrigens nicht mehr Open Source, aber das kümmert dort niemanden oder die meisten kennen sich nicht aus.

    Beide Länder bräuchten lokale Lösungen über Sidechains, Mesh Netzwerke oder eben Multisig Gruppen, die eine lokale Community bilden und dadurch nicht mehr angewiesen sind, einem Einzelnen gegenüber vertrauen zu müssen.

    Auch private Transaktionen wären für gerade diese Länder wichtig, auch wenn Venezuela noch keinen Zugang zu Chainalysen hat oder diese bisher nicht angestrengt hat, weil es derzeit offensichtlich größere Probleme gibt. Falls allerdings Maduro sich doch halten sollte, könnte eine einfache Bankenanalyse von Menschen, die viele Banküberweisungen von Privat zu Privat aus verschiedenen Teilen des Landes hatten, zum Verhängnis werden. Auch die Nazis haben auf alte Aufzeichnungen von Geburts- und Sterbeurkunden, Grundbücher und Co. zurückgegriffen, heute gäbe es deutlich mehr Möglichkeiten für ein solches Regime. IP-Traffic wird in VZ wahrscheinlich noch nicht ausgewertet, da dies zumindest Zutun aus China benötigen würde (nicht ausgeschlossen, da China und Russland durchaus gute Beziehungen zu Maduro pflegen und ihn damit wohl auch an der Macht halten). End-zu-End verschlüsselte Transaktionen müssen so günstig sein, dass sie die Banken obsolet machen, dann hat auch ein Maduro deutlich weniger Einsicht in den einzelnen Untertan und dann kann vielleicht eine Revolution „von unten“ erfolgen.

    • Als Zusatz, ich tippe meine Kommentare „on the fly“ und lese sie leider nicht nochmal, obwohl ich das wahrscheinlich tun sollte, aber dann hätte die Welt weniger von meinem Shilling… 😉
      Viel mehr oder genauso sehr wie verschlüsselte Transaktionen brauchen die Menschen dort verschlüsselte Kommunikation an sich, denn auch wenn Facebook, Google und Co. derzeit vielleicht nicht mit diesen kooperieren würden, fallen wohl die meisten der zentralisierten Dienste unter US-Gerichtsbarkeit, die ich zwar aktuell über die venezolanische bevorzugen würde, aber nicht generell. Das selbe trifft auf offene Informationen zu, die man mit Berichterstattungen aus anderen Ländern abgleichen kann. Dazu sind I2P oder TOR notwendig und um In-Depth Packet Analysen vorzubeugen muss man den Traffic auch als „normalen“ verschleiern, dafür gibt es „einfache“ Bridges oder wirklich auf Steganographie basierende Pluggable Transports. Auch darüber sollte eine Kryptowährung nachdenken, falls sie zensurresistent sein möchte oder man gibt gleich von Vorne herein auf (um nicht zu sagen man wählt das Design explizit) und baut ein Ripple, Circle und Co., die sich von PayPal nicht fundamental unterscheiden.

      Ich behaupte, ein Bitcoin-„Aufstand“ wie durch (immer noch wenige) in Venezuela wäre heute in China oder auch den USA nicht möglich.

    • > „… all das wird relativ bedeutungslos, wenn man sich anschaut, wo Bitcoin wirklich passiert.“

      nein, es ist sehr *bedeutungsvoll*, weil wir wollen, dass es so bleibt, dass bitcoin in venezuela benutzt werden kann. ein transaktionssystem, das nur noch im datencenter läuft, ist ein schlechtes paypal 2.0, und damit genauso kontrollierbar.

      > sind selbst $0,1 USD Transaktionsgebühren zu viel,

      der begriff transaktion in bitcoin wird immer irreführender. onchain sind es settlements.

      > auch wenn man 2nd Layer anpreist.

      das ist doch das schöne an lightning, dass es sehr flexibel aufsetzbar ist, so dass jede region und jeder use case ein netzwerk mit eigenen parametern sein kann. wenn man mehr geduld mitbringt bei der channel-opening-transaktion (und optimierungen wie batching/aggregierung oder channel factories oder splicing benutzt), dann wird auch das aufsetzen sehr günstig sein. vielleicht sind die hubs größer, aber mit weniger kapital, die liquidität geringer, aber was macht das schon. (in der first world wird das pendel dann eher richtung schnelligkeit und bequemlichkeit gehen.)

      währenddessen sterben bei den big blockern die babies potenziell wirklich, weil trotz unsinniger behauptungen des gegenteils, und falls so ein coin denn auch wirklich benutzt werden würde (lol), auch dort die gebühren hochschießen würden trotz dem buzzword „unlimited“, weil es gibt eben nun mal physikalische bottlenecks, und die fortune 500 firmen würden diesen vermeintlich billigen so angepriesenen datenspeicher quasi als backup-lösung missbrauchen und mit ihren daten zumüllen und die gebühren in die höhe treiben. dann sind die auch bei 5$, und zwar immer und überall. (gut, vielleicht erbarmt man sich ja und implementiert am ende doch auch segwit und lightning.) aber wie auch immer und wie schon erwähnt wird das netzwerk dann nur noch von wenigen datencenter-knoten betrieben.

      manche meinen, wir haben nur eine chance, es richtig zu machen. roger ver hat mal gemeint er hätte nix gegen ein bitcoin als paypal 2.0. aber dann hätten wir verloren.

      • in transaktionssystem, das nur noch im datencenter läuft, ist ein schlechtes paypal 2.0, und damit genauso kontrollierbar.

        Eben nicht, solange es eine „einfache“ und sichere Methode gibt, einen Remote Node zu nutzen, ohne ihm zu vertrauen. Und das ist heute schon realisiert.

        der begriff transaktion in bitcoin wird immer irreführender. onchain sind es settlements.

        Das ist genau der Grund, warum ich in meinem „Eingangspost“ zu diesem Beitrag geschrieben habe, dass Bitcoin sich niemals als Währung durchsetzen werden kann. Ein Settlement-Layer mit Millionen von offenen Transaktionen ist das gefundene Fressen für jeden Angriff. Selbst die Lightning Maximalisten behaupten, dass sich das LN eben nur für „kleine“ Zahlungen eignet, „klein“ wird dabei nicht definiert, aber in Interviews ist herauszuhören, dass selbst $100 schon eine Zumutung für LN sind…

        das ist doch das schöne an lightning, dass es sehr flexibel aufsetzbar ist, so dass jede region und jeder use case ein netzwerk mit eigenen parametern sein kann.

        Jo, wenn man ständig online ist und selbst im „hochentwickelten“ Deutschland ist das noch eine Herausforderung.

        wenn man mehr geduld mitbringt bei der channel-opening-transaktion (und optimierungen wie batching/aggregierung oder channel factories oder splicing benutzt), dann wird auch das aufsetzen sehr günstig sein.

        Batching von Channel/Multisig TX bei Bitcoin wäre mir neu, aber bitte um Aufklärung.

        Datenspeicher kostet heute übrigens weniger als 2€ / TB / Monat, in Deutschland mit einer 1Gbit/s Anbindung: https://www.hetzner.de/dedicated-rootserver/matrix-sx
        Heruntergerechnet auf eine Transaktion ist wahrscheinlich ein Satoshi selbst bei heutigen Marktpreisen zu viel.

        Die letzten zwei Absätze sind inhaltlich so fern der Realität, dass ich diese nicht kommentieren werde. Und zum letzten Satz kann ich mich mit Sicherheit von Deinem „wir“ ausschließen (egal was ich von Roger Ver und anderen halte).

      • > nein, es ist sehr *bedeutungsvoll*, weil wir wollen, dass es so bleibt, dass bitcoin in venezuela benutzt werden kann. ein transaktionssystem, das nur noch im datencenter läuft, ist ein schlechtes paypal 2.0, und damit genauso kontrollierbar.

        Ach ja, die alte Geschichte. Big Blocks = PayPal 2.0. Glaube ich immer noch nicht. Oder ist man bei PayPal exklusiver Besitzer der privaten Schlüssel und hat ein offenes Ökosystem mit vielen verschiedenen Wallet-Anbietern und Settlement-Agenten?

        > das ist doch das schöne an lightning, dass es sehr flexibel aufsetzbar ist, so dass jede region und jeder use case ein netzwerk mit eigenen parametern sein kann. wenn man mehr geduld mitbringt bei der channel-opening-transaktion (und optimierungen wie batching/aggregierung oder channel factories oder splicing benutzt), dann wird auch das aufsetzen sehr günstig sein. vielleicht sind die hubs größer, aber mit weniger kapital, die liquidität geringer, aber was macht das schon. (in der first world wird das pendel dann eher richtung schnelligkeit und bequemlichkeit gehen.)

        Sollten Leute in Venezuela einmal Lightning benutzen – etwa weil die Onchain-Gebühren zu hoch sind – hast du PayPal 2.0. Es wird für sie dort vermutlich überhaupt nicht möglich sein, selbst Channels zu verwalten (zu unzuverlässig, zu aufwändig, zu riskant), sondern sie werden a la walletofsatoshi oder bluewallet Kunden bei einem Hub sein. Und dann haben sie tatsächlich nicht mehr ihre privaten Schlüssel …

        > und falls so ein coin denn auch wirklich benutzt werden würde (lol), auch dort die gebühren hochschießen würden trotz dem buzzword „unlimited“, weil es gibt eben nun mal physikalische bottlenecks

        Ach komm schon. Du scheinst dir ja recht sicher zu sein, dass niemand einen Big Block Coin benutzen wird, obwohl Bitcoin auch nach 1,2 Jahren Bärenmarkt weiter kaum über die 50 Prozent Marketcap hinausgekommen ist … und nein, die Gebühren werden nicht so schnell hochschießen, weil es eben „Big Blocks“ gibt. Ansonsten würde deine „PayPal 2.0“ Aussage überhaupt keinen Sinn mehr machen (warum sollten die Nodes zu Datencentern werden, wenn die physikalischen Limits die Blockchain weiterhin klein halten?).

        > Roger ver hat mal gemeint er hätte nix gegen ein bitcoin als paypal 2.0. aber dann hätten wir verloren.

        Jetzt kommst du aber in Fahrt. Eigentlich bin ich von dir ein höheres Niveau gewohnt. Kennst du den Kontext der Aussage?

      • herzmeister // 28. Februar 2019 um 23:17 //

        Zu Roger und PayPal 2.0: https://coinjournal.net/roger-ver-paypal-acceptable-risk-bitcoin/

        Und meine Güte, bei SV zelebriert man gerade, dass Videos in die Blockchain gespeichert werden. Parallel gerade das Debakel bei EOS. Meine Herren.

        Und *mir* wirft man „realitätsfern“ vor.

        Lightning braucht sicher noch viel Arbeit bezüglich UX, das bestreitet niemand.

      • > “If scaling bitcoin quickly means there is a risk of [Bitcoin] becoming Paypal 2.0, I think that risk is worth taking because we will always be able to make a Bitcoin 3.0 that …

        Er sagt, dass es besser ist, als zu stagnieren. Das bedeutet nicht, „roger ver hat mal gemeint er hätte nix gegen ein bitcoin als paypal 2.0.“. Ich finde den Unterschied wichtig, weil das Zitat eben in einem Social-Media-War ausgeschlachtet wurde.

        > Und meine Güte, bei SV zelebriert man gerade, dass Videos in die Blockchain gespeichert werden.

        Wenn schon Big Blocker, dann richtig 🙂 Ich finde die Idee gar nicht so schlecht, weil es für die Miner eine mögliche Einnahmequelle ist. Wohin es führt und wo man die Grenze setzt, wird vom freien Markt entschieden. Um Videos auf der Chain abzuspielen, braucht man Full Nodes (die den Service verkaufen können –> Anreiz für mehr und stabile Full Nodes).

        > Lightning braucht sicher noch viel Arbeit bezüglich UX, das bestreitet niemand.

        Das Problem ist, dass Leute meinen, man könnte die Probleme von Lightning durch pure Technik (UX) lösen, während es eher fundamentale (always on) / ökonomische (Liquidität) Probleme sind, und es schon eine einfache Lösung dafür gibt: Custodial Wallets zu benutzen.

        Ich denke mehr und mehr, dass das mit dem Problem verwandt ist, dass die meisten Ingenieure keine Kurse in Philosophie / Soziologie / Geschichte machen müssen (damit beschäftige ich mich schon seit 2008, als es mein Job war, Berufsreportagen in Massen zu schreiben und erfahren musste, wie anstrengend es für viele junge Ingenieure ist, einfache nicht-abstrakte Fragen zu beantworten).

        Das andere ist, wir haben nicht endlos Zeit. Die Halbierung des Rewards ist eine Art Zeitbombe auf Raten. Weniger Reward – weniger Einnahmen der Miner – mehr Mining-Geräte, die als Schrott verkauft werden – günstige Hashpower für unehrliche Miner. Und Lightning ist ein Paradies für einen unehrlichen Miner, der es schafft, für ein paar Stunden 51% zu haben. Das kann man nur verhindern, wenn der Preis steigt, und ich bin mittlerweile überzeugt, dass der Preis nur steigt, wenn es mehr Nutzung gibt.

        D.h.: Entweder Lightning beeilt sich sehr, eine gute UX zu gewährleisten, oder wir stehen zwischen 51%-Angriffen und Custodial Wallets.

      • herzmeister // 2. März 2019 um 17:28 //

        Miners mine, that’s what they do.

        SV wird also nicht nur ein schlechtes Paypal, sondern jetzt auch noch ein schlechter Cloud-Provider wa? Technologisch und ökonomisch vollkommen sinnfrei.

        Welchen Anreiz sollte ein Miner haben, Videos nicht rauszuschmeißen? Auch wenn er Extra-Gebühren für’s erstmalige aufnehmen dafür abgezockt hat?

      • Vielleicht werfen die Miner die Videos raus, vielleicht nicht, weil sie auch in Zukunft Geld mit dem Upload verdienen wollen. Ist ein Versuch, wir werden sehen, und immerhin ein Plan, um langfristig für Sicherheit zu zahlen. Du hast mir noch immer nicht gesagt, was der Plan bei Bitcoin ist …

      • herzmeister // 3. März 2019 um 17:14 //

        „vielleicht“, lol. bei eos war auch der plan, dass die block producers die daten nicht wegschmeißen, sie wollen ja schließlich wiedergewählt werden. nun ja, nur noch 5 von 21 halten das netzwerk am laufen anscheinend. nicht mal das hat geklappt also. und das bei der massiven überbewertung und all dem überflüssigen geld, das im spiel ist.

        k.a. auf was du dich mit „plan“ beziehst. ich möcht mich hier nicht in zu vielen einzelsträngen verheddern.

  2. Es gibt etliche Berichte aus dem Alltag der Bürger welche interessanterweise Dash als ihre Hauptwährung im Alltag nennen. Händler nehmen oft gleich ein ganzes Duzend an Kryptowährungen aber Dash scheint der Standard zu sein. Interessant.

    • Dash hat dort auch eine gezielte (teure) Kampagne gefahren und per Airdrop Dash an Leute verteilt, was ziemlich smart schien. Für die Bürger Venezuelas ist es wahrscheinlich auch besser, Dash zu nutzen als Bitcoin, da sich kaum ein Mensch mit Chain Analyse dafür beschäftigt hat und die Transaktionsgebühren aktuell deutlich niedriger sind.
      Allerdings kann ich trotz aller Berichte nicht nachvollziehen, ob Dash dort tatsächlich genutzt wird, da das Transaktionsaufkommen trotz der massiven Werbekampagne und angeblich explodierender Merchant Adoption in Venezuela nicht wirklich gestiegen ist.

    • Komisch, ich habe gehört BCH wär der Standard.

  3. Danke für den Artikel, Christoph (P.S. Juan hat in Kolumbien keinen Job gefunden und der Raspi ist kein Kuchen und schreibt sich daher „Raspberry Pi“, auch wenn man ihn so wie den Kuchen ausspricht 😉

  4. Toller Bericht zu einer krassen Lebensgeschichte in Venezuela. Man (zumindest ich) kann sich kaum bis gar nicht in so eine Lage hinein versetzen. Sicherlich spielt man es im Kopf mal durch. Es selbst nicht erleben zu müssen ist etwas, worüber ich dankbar bin.

  5. IDie tägliche Inflation habe 2018 etwa 3,5 Prozent betragen, das sind 1,7 Millionen Prozent im Jahr

    Das stimmt so nicht ganz:
    Eine jährliche Inflation von 1,7 Millionen Prozent entspricht einer täglichen von 2,7 Prozent (bei angenommenen 365 Tagen pro Jahr).
    Die beiden – im Artikel der NewYorkTimes von Carlos Hernández – zitierten Artikel beziehen sich aber auch auf unterschiedliche Zeitabschnitte, einmal auf das vergangene Jahr 2018 bzw. den Dezember 18 (141,75% Inflation, was 3,265 Mill % p.a. entspricht), das andere Mal auf den Januar 2019. Angegebene 191,6 % pro Monat Januar, d.h. in 31 Tagen, entsprechen tatsächlich gerundet 3,5% täglich. Die jährliche Inflationsrate hier würde – wenn es 2019 so weiterginge – 29,68 Millionen Prozent betragen.
    Was zunächst wie Pfennigfuchserei aussieht, offenbart aber eigentlich, dass die Situation sich momentan deutlich verschlimmert:

    2018 im Mittel 1,7 Mill. % p.a.
    Dez18 3,3 Mill % p.a.
    Jan19 29,7 Mill % p.a.

  6. Danke für den bedeutungsvollen Bericht! und das meine ich nicht ironisch. Dass sich so viele Leser hier immer nur um die Details kümmern, finde ich lustig.

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