China geht (mal wieder) gegen Krypto-Börsen vor, Shanghaier Büro von Binance angeblich von Polizei gestürmt

Definitiv beeindruckend: Die Skyline des Finanzbezirks von Shanghai. Bild von Daniel Cukier via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Für den Bitcoin-Kurs war das Wochenende bitter. Der Grund wird, einmal mehr, in China gesucht. Dort gehen die Behörden derzeit nämlich offensiv gegen Krypto-Börsen vor. Laut einem Bericht von The Block wurde das Shanghaier Büro von Binance, einer der größten Börsen überhaupt, von der Polizei gestürmt. Der CEO der Börse, Chengpeng Zhao, dementiert das heftig – Binance habe weder ein Büro in Shanghai gehabt noch sei dieses von der Polizei geschlossen worden. Nachdem The Block auf seiner Version der Geschichte beharrte, will Zhao nun das Magazin verklagen.

Der Markt gibt’s, der Markt nimmt’s. Der Kurs von Bitcoin und allen anderen Kryptowährungen ist am Wochenende kräftig eingesackt und auf ein Halbjahres-Tief von etwa 6.000 Euro gefallen. Wer die Kurse der vergangenen Monate und Jahre aufmerksam angeschaut hat, dürfte von diesem Fall nicht besonders überrascht gewesen sein. Die Kurse machen eben oft die Kurse. Vielen Menschen ist eine solche Erklärung aber zu irrational, weshalb sie nach kausalen Gründen dafür suchen, weshalb ein Bitcoin heute erheblich weniger wert ist als noch vor einer Woche.

Eine mögliche Erklärung liegt, wie so oft, in China. Denn China ging in jüngster Zeit massiv gegen Krypto-Börsen vor. Schon vor zwei Wochen wurden die Accounts der Börse Binance und der Kryptowährung Tron auf Chinas größtem sozialen Netzwerk, Weibo, gesperrt. Vergangene Woche knüpfte sich die Finanzverwaltung von Shenzhen, einer Stadt nahe Hongkongs, die als Sonderwirtschaftszone eigentlich besondere wirtschaftliche Freiheiten genießt, die Krypto-Ökonomie vor. Die Verwaltung identifizierte einem Bericht zufolge im Auftrag der chinesischen Zentralbank 39 illegale Krypto-Börsen in der Stadt, die zu schließen sind.

Auch in Shanghai erhöht sich der Druck auf die Krypto-Wirtschaft. Die Zentralbank hat einen Bericht veröffentlicht, demzufolge sie umfangreiche Inspektionen von Kryptobörsen in der Stadt ankündigt. Die Kontrolle und Regulierung solle gestärkt, gegen den Krypto-Handel solle streng vorgegangen werden. ICOs, IFOs, IEOs und STOs seien unerlaubte und illegale Methoden der Kapitalbeschaffung, stellten einen finanziellen Betrug dar und seien oft Pyramidenspiele und andere illegale Instrumente. Sie alle sind in China nicht länger erlaubt. Auch sollen Börsen, die sich im Ausland registriert haben, aber den Handel in China erlauben, strenger verfolgt werden.

Ein erstes Opfer dieses neuen Ehrgeizes der chinesischen Behörden ist wohl die Börse BISS. Die Beijinger Polizei hat den Betrieb der Börse zwangsweise abgestellt und dabei offenbar 10 Personen verhaftet, denen vorgeworfen wird, die illegale Börse betrieben zu haben. Die Börse war wohl in China relativ bekannt und aufstrebend.

Kontroverser ist die Berichterstattung zu einem anderen möglichen Opfer der chinesischen Behörden. Laut dem Magazin The Block wurde das Shanghaier Büro von Binance, einer der größten Krypto-Börsen überhaupt, von der Polizei gestürmt und geschlossen. Der Bericht berief sich auf eine nicht genannte, aber der Redaktion zufolge zuverlässige Quelle aus China. Chengpeng Zhao, der Chef von Binance, war über die Medienaufmerksamkeit alles andere als erfreut. Über Twitter erklärte er, dass Binance seit mehr als zwei Jahren kein Büro mehr in Shanghai habe. “Keine Polizei, kein Sturm, kein Büro. Ich hoffe, ihr bezahlt nicht, um den FUD Block zu lesen.”

FUD bedeutet im Internetslang “Fear, Uncertainty and Doubt”, also “Furcht, Unsicherheit und Zweifel”. Es meint das absichtliche Streuen von Furcht, um die Preise zu drücken oder den Konkurrenten schlecht zu machen. Laut Zhao haben chinesische Konkurrenten von Binance ganze Abteilungen, um FUD gegen andere Börsen zu streuen.

The Block reagierte mit einer öffentlichen Klarstellung. Zwar zieht das Magazin die Wendung “von der Polizei gestürmt” zurück, bleibt aber bei seiner Geschichte. In einem Artikel belegt es mit einer umfangreichen Liste von Quellen, Zitaten und Fotos, dass Binance sehr wohl ein Büro in Shanghai hatte, und erklärt, dass man von einem als zuverlässig bekannten Augenzeigen gehört habe, dass das Büro von der Polizei gestürmt worden war.

Zhao wurde durch diese Klarstellung nur noch mehr verstimmt. Eine Entschuldigung von The Block hätte ihm gereicht, aber stattdessen staple das Magazin mit seinen Fake News noch höher. Justin Sun, der mit der Tron-ICO stinkreich geworden ist (während der Kurs der Token derzeit auf den tiefsten Wert seit Dezember 2017 gefallen ist), stimmte ein, und schlug vor, einen Fonds einzurichten, um gerichtlich gegen Fud vorzugehen. Zhao stimmte zu und versprach 100 Bitcoin für einen solchen Fonds. Es könnte also für Journalisten schwieriger werden, kritisch über Daddelbuden-Börsen wie Binance oder Shitcoin-Token wie Tron zu berichten, ohne sich vor rechtlichem Ärger fürchten zu müssen.

Eigentlich ist Chenpeng Zhao kein Freund von Gerichtsprozessen. Als Craig Wright vor einigen Monaten mehrere Twitter-User dafür verklagte, ihn immer wieder einen Betrüger genannt zu haben, war Zhao so empört, dass er gleich die ganze Kryptowährung BSV von seiner Börse warf (während er weiterhin hunderte von Coins listet, von denen die meisten als Shitcoin gelten dürften). Aber wenn es um Binance selbst geht, ist es etwas anderes. Das erste Opfer seiner neu erwachten Lust an der Klage wird natürlich The Block sein. Nachdem das Magazin es versäumt hatte, sich für den FUD zu entschuldigen, kündigte Zhao auf Twitter an: “Wir werden sie verklagen.” Womit das vergangene Wochenende für die Pressefreiheit in der Kryptowelt noch finsterer wurde als für die Preise.

Über Christoph Bergmann (1644 Beiträge)
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Ein Kommentar zu China geht (mal wieder) gegen Krypto-Börsen vor, Shanghaier Büro von Binance angeblich von Polizei gestürmt

  1. Die Pressefreiheit in der Kryptowelt wird doch nicht von Binance eingeschränkt. The Block lügt höchstwahrscheinlich, ich würde mir das auch nicht bieten lassen und den Laden verklagen.

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