Krypto-Browser Brave verdient an heimlich platzierten Werbelinks

Der Löwe versucht, sich zu verstecken. Bild von jemartin03 via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Der beliebte Krypto-Browser Brave wurde dabei erwischt, wie er den Usern Affiliate-Links zu einer Krypto-Börse unterjubelt. Dies ist nicht der erste Vorfall dieser Art. Hat Brave die Grenze dessen überschritten, wie Browser Geld verdienen dürfen?

Was im Kryptoraum die Wallets sind, sind im Rest des Internets die Browser: Eine Kerninfrastruktur, ohne die alles nichts wäre, doch mit der sich extrem schwierig Geld verdienen lässt.

Wie man es nicht machen sollte, demonstriert derzeit Brave, jener Browser mit vorinstallliertem Werbeblocker und Krypto-Wallet. Wenn man im Browser die Url oder den Namen der Altcoin-Börse Binance eingibt, vervollständig der Browser diesen automatisch um den Affiliate-Link von Brave. Bei Neu-Anmeldungen erhält Brave dann Anteile am Verdienst der Börse mit dem User.

Nachdem dies öffentlich wurde, hat Brave CEO Brendan Eich eingeräumt, einen Fehler gemacht zu haben und diesen zu korrigieren.

Aber ist das wirklich so schlimm? Wenn ein User einen Affiliate-Link nutzt, verliert er nichts. Lediglich Brave gewinnt. Sollte Brave zudem die User an den Einnahmen beteiligen – wie es eigentlich der Plan war – dürften sogar beide Seiten gewinnen. Prinzipiell wäre eine solche Auto-Vervollständigung sogar für viele weitere Webseiten sinnvoll. Sie macht dasselbe wie Cashback-Seiten, jedoch auf für den User deutlich bequemere Weise.

Was jedoch einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt, ist die heimliche Weise, in der es geschieht. Weshalb wird der User nicht gefragt, ob er den Affiliate-Link benutzt? Weshalb geschieht dies ohne Ankündigung und ohne das Wissen der User?

Ebenfalls etwas übel stößt auf, dass dies nicht der erste Vorfall dieser Art ist. Erst am 20. März wurde beklagt, dass der Brave Browser auf seiner Startseite einen Link zur Börse eToro platziert, um dann von Affiliate-Einnahmen zu profitieren. Bereits Ende 2018 beschwerten sich Künstler, dass Brave an ihrer statt Spenden annahm, ohne dass sie es wussten. Erst wenn 100 Dollar zusammenkommen, bekommen die Künstler eine Nachricht. Sie können dann eventuell das Geld abholen – eventuell, weil man dazu etwas in den Quellcode der Webseite schreiben, sich anschließend bei einer Börse mit Ausweis registrieren und dann die BAT-Token gegen echtes Geld wechsel muss. Der Coinspondent hat einmal einen lesenswerten Bericht über die absolut unbefriedigende Nutzererfahrung von Brave aus Publizistensicht geschrieben, die gerne damit endet, dass die Publizisten frustriert aufgeben und Brave die Spenden halt für sich selbst verbucht.

Bei all dem sollte man meinen, dass gerade Brave es nicht nötig hat, mit solchen Maschen Geld zu verdienen. Das Unternehmen hat zunächst in einer ICO die BAT-Token verkauft und dabei rund 36 Millionen Dollar eingenommen, während es weiterhin einen großen Anteil der BAT-Token besitzt, die es bei Bedarf auf den Markt werfen kann. Zudem ist das generelle Geschäftsmodell von Brave geradezu unanständig lukrativ: Brave blockiert die Werbung, die auf Webseiten ausgestrahlt wird, und liefert dem User dafür auf Wunsch eigene Werbung aus. Die Erlöse gehen dann zum Teil an den User, zum Teil an die Webseite, die die Werbung ausstrahlt – und zu 30 Prozent an Brave. Das Ziel ist es also, die Werbeeinnahmen von Publizisten um etwa 70 Prozent zu reduzieren und 30 Prozent in die eigene Tasche abzuzwacken. Und irgendwie sollen Publizisten das auch noch toll finden.

Angesichts der Zentralierung von Werbung auf Google sowie der weiteren Verbreitung von Werbeblockern geht Brave an sich einen vielversprechenden Weg. Der Browser ist gut, eine integrierte Krypto-Wallet ist eine tolle Idee, und an sich ist das Modell, User dafür zu belohnen, dass sie Werbung nicht blockieren, auch hervorragend. Doch es scheint, dass Brave weniger am Konzept scheitert, sondern daran, dass die Firma zu gierig ist. Diesen Weg hat der Browser bereits mit einer ICO eingeschlagen, die ein Token eingeführt hat, das die Nutzererfahrung lediglich verkompliziert.

Über Christoph Bergmann (1847 Beiträge)
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