Die wachsende Geldmenge ist ein gigantischer Raubzug – kann Bitcoin ihn aufhalten?

Der große Zugraub. Bild von Breve Storia del Cinema via flickr.com. Lizenz: Öffentliche Domäne

Die Volkswirtschaft spielt verrückt: Die Geldmenge weitet sich aus, das Bruttoinlandsprodukt sinkt – und doch ist die Inflation auf dem tiefsten Stand seit langem. Wie ist das überhaupt möglich? Wir suchen nach Gründen – und finden eine Umverteilung von Unten nach Oben, die droht, die Gesellschaft zurück in feudalistische Vermögensverhältnisse zu werfen. Bitcoin und andere Kryptowährungen können helfen. Wenn sie endlich als Geld in der Masse ankommen.

Die Geldmenge in der Eurozone steigt derzeit rapide an. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist sie im April um 8,3 Prozent angestiegen; die Geldmenge M1, die grob gesagt das Bargeld sowie Geld auf Bankkonten meint, sogar um 11,9 Prozent. Das ist die höchste Steigerung seit 2008.

Gleichzeitig wird für das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland ein heftiger Einbruch um mehr als 6 Prozent erwartet. Und das ist noch vergleichsweise milde. Für Italien, Spanien und Frankreich schätzen Ökonomen sogar Rückgänge von 8-11 Prozent im Jahr 2020.

Es gibt mehr Geld, aber weniger Güter. Der gesunde Menschenverstand sagt, dass nun die Preise steigen müssen. Logisch, oder? Aber irgendwie passiert es nicht. Ganz im Gegenteil: Die Inflation in der Eurozone ist im vergangenen Monat auf 0,1 Prozent gefallen, einer der niedrigsten Werte seit einer Ewigkeit.

Die Wirtschaft verhält sich anti-intuitiv. Das ist so verwirrend, dass die meisten Experten nicht mehr weiterwissen. Gibt es eine Inflation oder eine Deflation? Oder bekommen wir beides, aber abwechselnd?

Wir versuchen, eine Erklärung für dieses merkwürdige Phänomen zu finden.

Der Warenkorb als Misinformation

Eine Erklärung wäre, dass die Inflation schlicht falsch berechnet wird. Die offizielle Berechnung basiert auf einem Warenkorb, der Güter zusammenstellt, von denen Experten meinen, sie spiegeln die Bedürfnisse des täglichen Lebens wieder.

Der offizielle Warenkorb nach destatis.de

Dass die Inflation derzeit so gering ist, liegt vor allem an den massiv eingestürzten Ölpreisen. Wer nicht mit Öl heizt und wenig Auto fährt, wird davon nicht viel mitbekommen.

Wirtschaftswissenschaftler der Uni Hohenheim meinen, dass der offizielle Warenkorb nicht die tatsächlichen Konsumgewohnheiten der Menschen repräsentiert. In einem Interview nennen sie ihn sogar eine „Fehlinformation der Bevölkerung„. Sie haben daher einen eigenen Warenkorb aufgestellt, den „Chilli-Con-Carne-Index„. Der erfasst rund 70 Lebensmittel und soll die erlebte Inflation der Normalverbraucher darstellen. Diese lag allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres bei 7,5 Prozent. Wenn es so weitergeht, wird sie zweistellig werden.

Preisentwicklung des Chilli-Index nach der Uni Hohenheim

Ein anderer alternativer Index ist die „Gold-Wiesnmaß-Ratio„. Sie misst den Preisanstieg der Wiesnmaß seit 1950. In Euro betrachtet liegt er zuverlässig über zwei Prozent und beträgt im Durchschnitt seit 70 Jahren 3,9 Prozent. Die Anzahl an Maßn, die man sich mit einer Unze Gold kaufen kann, schwankt seit 1950 zwar kräftig – minimal waren es 46, maximal 227 – bleibt allerdings langfristig sehr viel stabiler.

Entwicklung Bierpreis in Euro und Gold. Quelle: Incrementum AG.

Natürlich ergeben solche Zeitreihen nur Sinn, wenn man die Einkommensentwicklung mitberücksichtigt. Laut Wikipedia sind die durchschnittlichen Jahresentgelte seit 1950 um das 25fache gestiegen, seit 1970 dagegen nur um das Sechsfache. Damit wäre die reale Kaufkraft in Maß seit 1970 GESUNKEN. 50 Jahren Wirtschaftswachstum, aber vom üblichen Einkommen kann man sich weniger Bier kaufen. Das ist ein ziemlich frustrierender Befund.

Natürlich sind Einkommensstatistiken schwierig; man kann mit dem Durchschnitt oder dem Median rechnen, und es gibt sicherlich viele verschiedene Datenquellen, die zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Man könnte beispielsweise noch die steigende Ungleichheiten der Einkommen hinzurechnen, wie sie der Gini-Koeffizient nahelegt. Dann hätten die unteren Einkommensschichten einen erheblichen Verlust der Kaufkraft in Maß hinnehmen müssen.

Bier ist nicht alles, was man zum Leben braucht. Aber es ist eine Schande, dass man mit seinem Einkommen im Jahr 2020 weniger Bier kaufen kann als 1970. Die Gold-Wiesnmaß-Ration zeigt deutlich, warum man sein Geld in einer langfristig stabilen Währung wie Gold oder Bitcoin zurücklegen sollte.

Die große Umverteilung von Unten nach Oben

Die für mich interessanteste Erklärung liegt in der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Sie setzt an einer volkswirtschaftlichen Formel an, die „Quantitätsgleichung“ genannt wird. Sie geht so:

P * Y = M * V

Das sieht jetzt natürlich erstmal sehr kompliziert aus. Aber es ist ziemlich banal: Das Preisniveau (P) multipliziert mit dem Bruttoinlandsprodukt (Y) entspricht der Geldmenge (M) multipliziert mit ihrer Umlaufgeschwindigkeit (V).

Wenn die Geldmenge M steigt, aber sowohl Umlaufmenge (V) als auch Bruttoinlandsprodukt (Y) gleichbleiben, muss das Preisniveau steigen. Es gibt also eine Inflation. Wenn dagegen das Bruttoinlandsprodukt im selben Maß steigt, bleibt alles stabil. Wenn aber so wie derzeit eine Ausweitung der Geldmenge (M) mit einem Einbruch des Bruttoinlandsproduktes (Y) einhergeht, dürfte dies eine recht dramatische Teuerung auslösen. Den oben genannten Zahlen zufolge sollte sie deutlich zweistellig werden.

Es gibt nur eine Variable, die uns in diesem Szenario vor der Inflation retten kann: Die Umlaufgeschwindigkeit. Wenn sie sinkt, bleibt die rechte Seite der Formel stabil. Um eine Preissteigerung zu vermeiden, muss ein Sinken der Umlaufgeschwindigkeit sowohl das Wachstum der Geldmenge als auch das Sinken des BIP ausgleichen. Und genau das ist es, was seit Jahren passiert: Die Umlaufgeschwindigkeit sinkt, weshalb es trotz der Geldschwemmen durch die Zentralbanken zu keiner Inflation kommt.

Entwicklung der Umlaufgeschwindigkeit in der Eurozone. Statistik von Tagesgeldvergleich.de auf Daten der Deutschen Bundesbank.

Man könnte nun meinen, wir hätten Glück gehabt. Eine Variable federt die andere ab und verhindert, dass etwas Schlimmes passiert. Aber tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Das Sinken der Umlaufgeschwindigkeit ist ein schmutziger Skandal, der die Grundsäulen der modernen Gesellschaft ansägt. Vielleicht sehen wir die Folgen davon derzeit in den USA, wo der Prozess schon weiter fortgeschritten ist.

Aber zurück zur Umlaufgeschwindigkeit. Was bedeutet es, wenn sie sinkt? Es bedeutet, dass Geld weniger oft den Besitzer wechselt. Es wird gebunden. Seit der Finanzkrise 2008/2009 fluten die Notenbanken die Märkte mit Geld. Doch das frisch geschaffene Geld kommt nicht bei den Konsumgütern an, sondern versickert auf den Finanzmärkte. Das kann man in den Teuerungsraten von Investment-Gütern nachvollziehen:

  • Der Goldpreis hat sich seit 2008 etwa verdreifacht, was einer Teuerung von 10-15 Prozent im Jahr entspricht.
  • Die Punkte des Aktienindexes DAX haben sich seitdem etwa verdoppelt, im Vergleich zu den Tiefpunkten vor und nach 2008 sogar verdreifacht. Dies entspräche einer Teuerung von 5-10 Prozent.
  • Die Immobilienpreise z. B. in Bayern haben sich seit 2008 etwa verdoppelt. In manchen Regionen dürfte der Anstieg noch höher sein. Auch hier haben wir eine Teuerung von 5-10 Prozent im Jahr.

Während die offizielle Inflation der Verbrauchsgüter also bei 1-2 Prozent herumkrebst, verteuern sich Investmentprodukte mit 5-15 Prozent, unter Umständen auch deutlich mehr. Es ist leicht zu erkennen, dass dies die Ungleichheit dramatisch erhöht: Wer ab 2008 genügend Kapital hatte, um in Gold, Aktien, Immobilien (oder Bitcoins) zu investieren, konnte sein Vermögen verdoppeln – während diejenigen, für die es nur fürs Sparbuch reicht, nicht mal die geringe Inflationsrate ausgleichen konnten. Hinter dem Schleier der „Nicht-Inflation“ fand ein Raubzug statt, der rasend schnell Vermögen von Unten nach Oben schauffelt.

Mit der Corona-Krise kehrt dasselbe Programm zurück. Vielleicht sogar noch extremer. Die Geldmenge steigt rasant und das BIP sinkt dramatisch, während die Inflation minimal bleibt. Daher dürfte sich der Trend weiter verschärfen: Einkommenssteigerungen und Sparbücher werden die Inflation bei beispielsweise Lebensmitteln nicht ausgleichen können, während die Preise von Gold, Aktien und Immobilien spürbar steigen werden. Wer hat, dem wird gegeben, und wer nicht hat, dem wird genommen. Die Vermögensverteilung des Feudalismus kehrt zurück.

Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass in diesem Zuge auch die Kurse von Bitcoin und Kryptowährungen anziehen. Das hat aber nichts mit einer magischen Stock-to-Flow-Ratio zu tun, sondern einfach nur damit, dass Bitcoin ein Anlageprodukt ist, das Geld bindet, wenn die Notenpressen die Märkte mit Geld fluten, dieses aber nicht bei den Verbrauchsgütern ankommt.

Benutzt Bitcoin!

Derzeit spielen Bitcoin und andere Kryptowährungen also dieselbe unleidliche Rolle wie Gold, Immobilien und Aktien: Sie fangen das einsickernde Zentralbankgeld auf, halten die Inflation von den Konsummärkten fern und machen dabei die Reichen immer reicher. Aber das muss nicht so sein. Bitcoin könnte stattdessen das Instrument sein, das diese unheilvolle Dynamik durchbricht und die Rückkehr in feudalistischer Vermögensverhältnisse verhindert.

Die Lösung wäre ganz einfach: Benutzt Bitcoin und andere Kryptowährungen wie Geld. Akzeptiert es in eurem Online-Shop, akzeptiert es als Gehalt, oder wechselt eure Euro in Bitcoins, sobald sie auf dem Konto angekommen sind. Bezahlt wo immer es geht mit Bitcoin, und wo es nicht geht, wechselt kurzfristig Euro in Bitcoin. Spart keine Euro, sondern spart Bitcoin.

Und mit Bitcoin meine ich nicht nur die Kryptowährung BTC – ich meine auch andere Kryptowährungen: Ethereum, Bitcoin Cash, Bitcoin SV, Litecoin, Monero, Dogecoin – jede Kryptowährung mit einer begrenzten Menge an Token, keinem Premining und einer vernünftigen Verteilung der Coins.

Es war vermutlich noch nie so wichtig, dass Bitcoin und andere Kryptowährungen als Geld in der breiten Masse ankommen wie heute.

Über Christoph Bergmann (1845 Beiträge)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder. Christoph hat vor kurzem ein Buch geschrieben: Bitcoin: Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes. Das Buch stellt Bitcoin in seiner ganzen Pracht dar. Ihr könnt es direkt auf der Webseite Bitcoin-Buch.org bestellen - natürlich auch mit Bitcoin - oder auch per Amazon. Natürlich freuen wir uns auch über Spenden in Bitcoin, Bitcoin Cash oder Bitcoin SV an die folgende Adresse: 1BergmanNpFqZwALMRe8GHJqGhtEFD3xMw. Wer will, kann uns auch Hier mit Lightning spenden. Tipps für Stories sind an christoph.bergmann@mailbox.org immer erwünscht. Wer dies privat machen möchte, sollte meinen PGP-Schlüssel verwenden.

15 Kommentare zu Die wachsende Geldmenge ist ein gigantischer Raubzug – kann Bitcoin ihn aufhalten?

  1. ohne weiter Worte: TOP

  2. Ich schreibe selten Kommentare. Aber dieser Beitrag ist spitze! Danke.

  3. Peter Neuer // 16. Juni 2020 um 15:50 // Antworten

    Es gibt unendlich viele Shitcoins.

  4. Paul Janowitz // 16. Juni 2020 um 15:57 // Antworten

    Danke, Christoph, dass Du daran erinnerst, dass man Bitcoin bzw. Krypto nutzt und nicht nur spekulativ hält. Die Umlaufgeschwindigkeit dürfte bei Bitcoin noch niedriger sein als bei Fiat, insbesondere wenn man von der reinen Spekulation an Börsen absieht…

    Ich benutze wo ich nur kann Monero, notfalls über xmr.to wenn nur Bitcoin akzeptiert wird, letzteres mittlerweile sogar mit gemischten Gefühlen, da ich wie bei Zahlungen mit Fiat dazu beitrage, dass kein Druck seitens des Merchants entsteht, überhaupt andere Kryptowährungen zu akzeptieren. Das ist auch der Grund, warum ich mich noch sträube, mir eine Karte mit Kryptoanbindung zu besorgen, denn dann bekommt der Merchant gar nicht mit, dass ich mit Krypto bezahlt habe und ich würde VISA/MC weiterhin unterstützen und deren Position festigen.

    Warum ich auch Bitcoin nicht (mehr) unterstützen will? Weil sich selbst die meisten Entwickler darin einig sind, dass Bitcoin kein „P2P Cash System“ sein soll, sondern vielleicht ein Settlement Layer oder vielleicht Digitales Gold und das ist nicht das, was ich von Bitcoin erwartet habe und irgendwann muss ich mir eingestehen, dass ich diverse Fehlentscheidungen aus meiner Sicht nicht mehr mittragen möchte. Fees sind selbst wenn sie nicht gerade explodieren einfach nicht kalkulierbar und zu hoch für alltägliche Nutzung, die Akzeptanz von Lightning ist niedriger als die von BCH, BSV oder Monero, weil der Merchant sich nicht nur um die Implementierung kümmern muss, sondern auch noch Channel Management betreiben muss, damit er immer ausreichend eingehende Liquidität hat. Tokenisierte Bitcoin auf Liquid oder Ethereum ist für mich absurd, denn wenn man die Technologie an sich nicht nutzen kann, sondern nur auf einer anderen Technologie virtualisieren muss, dann ist sie gescheitert.

    Wir brauchen tatsächlich Nutzung und es freut mich, dass bei Monero langsam aber sicher die Transaktionszahl steigt und es bereits sogar Tage gab, an denen sie höher lag als bei BCH. BSV kann man nicht vergleichen, zum einen weil die meisten Transaktionen keine „finanziellen“ sind, sondern irgendwelche Metadaten, zum Anderen strebt Calvin Ayre nach Rekorden und generiert oft mal eben Millionen von Tx um einen Gigablock zu minen. Brauchbar als Proof of Concept, aber eben keine reale Adoption. Bei Monero wird derzeit ein großer Teil der Adoption (wahrscheinlich) auf das Darknet zurückzuführen sein, aber das war ja bei Bitcoin in den Anfängen nicht anders und ohne Silk Road hätte Bitcoin nie solche Aufmerksamkeit bekommen.

    Was für mich vielversprechend erscheint, ist die Einbindung in bestehende Payment Terminals, die ja bereits im Gange ist und ich sie kaum erwarten kann, denn online kann man zumindest bei Domains, Servern, VPNs fast überall mit Kryptowährungen bezahlen, offline siehts sehr schlecht aus, aber auch Versandhändler sträuben sich noch… Bei entsprechender Nutzung fiele auch die Volatilität langsam aber sicher, denn die Umlaufgeschwindigkeit würde deutlich steigen und wenige Akteure könnten die Märkte nicht mehr so stark beeinflussen (siehe Forex Märkte).

  5. Ein toller Artikel, finde ich auch. Ich habe noch einmal nachgerechnet und eine kleine Korrektur:
    „Der Goldpreis hat sich seit 2008 etwa verdoppelt“ wäre richtiger, – das wäre dann eine jährliche Teuerung von 6% und läge in der Nähe der anderen Vermögenswerte. Rechnet man die Lohnsteigerung genau nach, sind das seit 2008 jährlich im Durchschnitt 2,6%

    Klicke, um auf tabIII1.pdf zuzugreifen


    Das wäre also ein jährlicher Verlust von rund 3% gegenüber den Vermögenswerten.

  6. Die wachsende Geldmenge ist ein gigantischer Raubzug

    Nein, es stimmt so noch nicht automatisch, dass die Inflation vorangetrieben wird.
    In der – sicherlich sehr gut recherchierten – Darstellung fehlt nämlich ein Punkt: Die Banken, die mehr Geld verleihen können als ihr Eigenkapital ausmacht. Diesen Spielraum werden sie allerdings krisenbedingt jetzt selbst einschränken. Denn sie sind natürlich auf eine Solvenzprüfung angewiesen, weil nicht zurückgezahlte Kredite sonst zu ihren Lasten gehen würden. In der Krise wird also ihr wahrscheinlicher begründetes Misstrauen die Liquidität einschränken und die effektive Geldmenge verkleinern. Deshalb ist eine Geldmengenausweitung durch die Zentralbanken zur Kompensation in der Krise (2020 genauso wie 2008) notwendig und richtig und wird, fachgerecht eingesetzt und wieder zurückgefahren, auch nicht die Inflation antreiben. Insbesondere über jenen letzten Punkt kann man aber, nach der Erfahrung der vergangenen zwölf Jahre, berechtigte Zweifel hegen.

    Gibt es eine Inflation oder eine Deflation?

    Das Preisniveau richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Zunächst ist die Nachfrage eingebrochen, z.B. beim Erdöl. Die Trägheit der Fördermaschinerie und des Handels hat das Angebot aufrechterhalten, also folgte massive Deflation. Bei Lebensmitteln etwa ist es anders: die sind natürlich weiterhin gebraucht worden, ohne das sie wie gewohnt produziert werden konnten. Lagerbestände haben sich geleert, das Angebot wird bei konstanter Nachfrage sinken, eine Inflation ist zu erwarten. Allerdings wird auch hier vorübergehend der Transport billiger, aber nur bis die Treibstoffproduktion gedrosselt ist. Also wird man tatsächlich beides erwarten können: erst eine Deflation, dann eine Inflation. Es ist eine Welle, wie die eines Tsunamis: Erst zieht sich das Wasser zurück, dann steigt es umso höher.

    …die Inflation schlicht falsch berechnet…

    Ja, es wird völlig zu Recht, wie ich finde, die Inflationsmessung kritisch in Frage gestellt.
    Und ich möchte gern inhaltlich erkannte bzw. vermutete Methoden beisteuern:
    Die hedonische Bewertung der Inflationsmessung, in Deutschland seit 2002 d.h. für den Euro, folgt den Anpreisungen der Werbung in eigener Sache, und zwar folgendermaßen:
    Asymmetrisch wird die Verfolgung einer Preissteigerung bei erklärter Qualitätsverbesserung ausgeschlossen, Preissenkung wird ohne Betrachtung möglichen Qualitätsverlustes akzeptiert. Das ist statistisch als Methode eindeutig falsch.
    Außerdem ist mir nicht klar, welche Prävention Inflationsmessungen, seien es die des Statistischen Bundesamts oder auch die des IWF, vor Integration von Modeprodukten haben.
    Wie kann man eine Preisentwicklung an einem Konsumgut feststellen, das keinen „Wert an sich“ , wenigstens im stochastischen Mittel, darstellt?
    Denn Modeerzeugnisse werden systematisch erst teurer angeboten, um dann im Preis zu fallen, während sie unmodern werden. Sie suggerieren also immer eine Deflation. Als Bestandteil eines größeren Warenkorbes werden sie darum dessen Preisentwicklungsmessung verfälschen.

    Die große Umverteilung von Unten nach Oben

    Da sehe ich zunächst einen Widerspruch: Anlageobjekte der Reichen (Aktien und Gold) haben hier eine höhere Inflation, andererseits wird der „Warenkorb der Armen“ laut Statistik stärker entwertet als ein „mittlerer Warenkorb“, der sich aus allen Warenkörben zusammensetzt. Dann müsste ein „Warenkorb der Reichen“ eine noch niedrigere Inflation haben, jedenfalls keine höhere.
    Und dann versteh ich den Lösungsansatz nicht, um ehrlich zu sein. Die Inflation ist doch nicht kurzfristig bedeutungsvoll, sondern langfristig für Ersparnisse. Jede ad-hoc-Ausgabe kann einen also vor Inflation schützen, wenn sie vollständig ist. Das gilt für Kryptowährungen genauso, wie für jede noch so hoch inflationierte FIAT-Währung.
    Und wer ist denn schuld, wenn mir die Ersparnisse unterm Arsch weg entwertet werden: Derjenige, der sich seine Kaufkraft erhält? Oder vielleicht doch der, der ein Gütesiegel auf eine Mogelpackung geklebt hat? Ich würde die Mogelpackung, sprich den Euro, durch etwas wirklich Geeignetes ersetzen. Wenn also dafür plädiert würde in Bicoin zu sparen, könnte ich das als Vorsorgeargument durchaus einsehen. Und wäre es dann nicht sinnvoll, sich auf eine Kryptowährung zu konzentrieren? Nur so zur Inflationsvermeidung, weil wir ja gerade beim Thema sind? Ich würde Bitcoin vorschlagen; die gibt’s hier, bei bitcoin.de denkbar günstig, für 0,5% 🙂

    • Paul Janowitz // 17. Juni 2020 um 8:26 // Antworten

      Wenn also dafür plädiert würde in Bicoin zu sparen, könnte ich das als Vorsorgeargument durchaus einsehen. Und wäre es dann nicht sinnvoll, sich auf eine Kryptowährung zu konzentrieren? Nur so zur Inflationsvermeidung, weil wir ja gerade beim Thema sind? Ich würde Bitcoin vorschlagen; die gibt’s hier, bei bitcoin.de denkbar günstig, für 0,5% 🙂

      Generell gebe ich Dir Recht und würde das auch gerne in diesem Punkt tun, aber muss leider widersprechen.

      Wenn jeder Erwerbstätige alleine in Deutschland, knapp 50 Millionen Menschen auch nur einen Teil seines Gehalts in Bitcoin anlegen wollte, könnte das Bitcoin nicht mehr stemmen, denn es skaliert bis maximal 300-350k Transaktionen pro Tag, also 10 Mio. pro Monat, die aktuell auch ständig praktisch ausgelastet werden und Gebühren würden ins Unermessliche steigen, sodass z.B. eine monatliche Einlage von 100 Euro wahrscheinlich nicht einmal die Gebühren decken würde. Lightning ist dafür übrigens nicht praktikabel, da man eingehende Liquidität braucht, um etwas zu empfangen… Blieben noch tokenisierte Bitcoins auf anderen Blockchains, aber wozu dann überhaupt Bitcoin?

      Seit dem letzten Boom Ende 2017 hat sich Bitcoin genau 0 in Richtung Skalierbarkeit bewegt und die BCH / BSV Forks sind eine logische Schlussfolgerung, auch wenn ich behaupte, alleine eine Vergrößerung der Block Größe ist nicht ausreichend. Die meisten Bitcoin Maximalisten behaupten, Bitcoin soll kein Zahlungsnetzwerk werden, sondern "Digitales Gold", "Store of Value", aber was bringt ein Wertspeicher, den man irgendwann nur zu horrenden Gebühren verkaufen kann? Er wird an Wert verlieren, weil er nicht nutzbar ist…
      Es ist auch absurd, ein alternatives System zu Banken aufbauen zu wollen, wenn 90% der Menschheit sich die üblichen Gebühren (bereits ohne Exzesse) ohnehin nicht leisten kann… Bitcoin Core ist mittlerweile in etwa so flexibel wie die deutsche Automobilindustrie oder Banken.

    • In der – sicherlich sehr gut recherchierten – Darstellung fehlt nämlich ein Punkt: Die Banken, die mehr Geld verleihen können als ihr Eigenkapital ausmacht. Diesen Spielraum werden sie allerdings krisenbedingt jetzt selbst einschränken. Denn sie sind natürlich auf eine Solvenzprüfung angewiesen, weil nicht zurückgezahlte Kredite sonst zu ihren Lasten gehen würden. In der Krise wird also ihr wahrscheinlicher begründetes Misstrauen die Liquidität einschränken und die effektive Geldmenge verkleinern. Deshalb ist eine Geldmengenausweitung durch die Zentralbanken zur Kompensation in der Krise (2020 genauso wie 2008) notwendig und richtig und wird, fachgerecht eingesetzt und wieder zurückgefahren, auch nicht die Inflation antreiben. Insbesondere über jenen letzten Punkt kann man aber, nach der Erfahrung der vergangenen zwölf Jahre, berechtigte Zweifel hegen.

      Ja, ich hatte eigentlich noch eine dritte Erklärung: „Alles ist viel komplizierter“, in der es auch um die Geldschöpfung durch Kredite und andere wirtschaftliche Faktoren ging. Habe das aber rausgemacht, weil ich mir dachte, ich sollte zu meinem Argument stehen. Ich denke auch nicht, dass es das grundsätzlich relativiert.

      Da sehe ich zunächst einen Widerspruch: Anlageobjekte der Reichen (Aktien und Gold) haben hier eine höhere Inflation, andererseits wird der „Warenkorb der Armen“ laut Statistik stärker entwertet als ein „mittlerer Warenkorb“, der sich aus allen Warenkörben zusammensetzt. Dann müsste ein „Warenkorb der Reichen“ eine noch niedrigere Inflation haben, jedenfalls keine höhere.

      Das ist der Unterschied zwischen „Konsumgütern“ und „Investmentgütern“: Wenn es bei den Konsumgütern eine Inflation gibt, wird die Lebenshaltung einfach nur teuer; wenn es bei Investmentgütern eine Inflation gibt, wird man reicher —

      Und wäre es dann nicht sinnvoll, sich auf eine Kryptowährung zu konzentrieren? Nur so zur Inflationsvermeidung, weil wir ja gerade beim Thema sind? Ich würde Bitcoin vorschlagen; die gibt’s hier, bei bitcoin.de denkbar günstig, für 0,5%

      Ja, an sich schon. Aber es ist halt fraglich, ob Bitcoin wirklich (schon) in der Lage ist, als alltägliches Zahlungsmittel für Massen zu funktionieren. ICh würde sagen, nein, daher mein Vorschlag, verschiedene Coins mit einer anständigen Geldschöpfung zu kombinieren.

  7. JohnMKeynes // 17. Juni 2020 um 16:52 // Antworten

    Hört hört, „Leute benutzt Bitcoin“ ähnliches fordert Roger Ver, der Godfather von Bitcoin Cash schon seit längerem. Er vertritt eher das libertäre Lager (Hayek, Friedman, …), denen eine große Ungleichheit erstmal nicht so wichtig ist, weil ja „jeder seines Glückes Schmied und so“.
    Jetzt merken einige dieser reichen und klugen Leute aber, dass es gar nicht so schön ist in einer Welt zu leben wo andauernd irgendwelche Geschäfte brennen, die Kinder nur noch mit Personenschutz in ihre Schule können und die Mauern um das eingezäunte Wohngebiet regelmäßig verstärkt werden müssen, dass es vielleicht doch ok wäre, wenn es etwas gleicher in der Welt zuginge. In Christophs schönem Text sehe ich auch einige Marx’sche Analogien und – man soll den Teufel ja nicht an die Wand malen – aber wo endet das Ganze? Beibt die Hoffnung, dass die Gemengelage aus Corona, Wirtschaftskrise und Menschenrechtsdemos friedlich bleibt. Wenn dann noch das Geldsystem auf Bitcoin umgestellt wird nehm ich das gerne mit.

    • Paul Janowitz // 18. Juni 2020 um 17:31 // Antworten

      Leute, bitte! Hört auf Menschen wie Roger Ver anzugreifen, denn auch wenn ich kein Anhänger seiner BCH Fork bin, hat dieser Mensch mehr für Kryptowährungen getan als wir alle zusammen.

      Die Kritisierung der Geldmenge ist natürlich immer politisch, aber Christoph hat es geschafft, diese sehr neutral zu halten und nicht in die Bewertung hereinzuschlittern. Jedem klar denkenden Menschen sollte klar sein, dass wenn 90% des Wohlstands / Guthaben bei 1% der Menschen konzentriert sind, irgendwann ein radikaler Umschwung kommt, wahrscheinlich begleitet durch Gewalt und andere hässliche Ausläufer.

  8. Xanthopoulos // 21. Juni 2020 um 0:02 // Antworten

    Hi ich hab eine ganze Weile mit Eure Kommentar durchgelesen.viel wird geredet Inflation deflation aber Fakt ist!die ezb versucht mit gigantischen geldmassen eine Inflation zu erzeugen!und der königfehler ist bereits den Statt Geld dem kleinen Leuten zu geben.oder die Entschuldung kleiner Leute zu ermöglich!beispiel Firmeninhaber mit Gmbh macht pleite Geschichte Ruck zuck erledigt Einschränkung minimal privat geht jahrelang über die Bühne mit Auswringen jedes Cents!
    Die ezb pumpt Geld rein u.gibt das in ihre Dämlichkeit den reichen zum investieren die tu das nicht bzw.
    Stecken Kohle völlig woanders hin!das Ergebnis sieht Mann seit Jahren das funktioniert nicht.die kleinen Leute die wenn mehr hätten tatsächlich ausgeben würden bekommen im Gegenteil jede Minze die es gibt durch Banken Inkasso Gebühren!aufgefressen

  9. Xanthopoulos // 21. Juni 2020 um 0:14 // Antworten

    Dabei wäre es durchaus möglich Geld kleinen Leuten zu geben siehe jetzt z.b. Kinder extra Geld direkt auf Konto dieses wird ausgegeben.die Banken müssten das zusätzlich Geld in Markt pumpen tuen dies jedoch nicht wer mal wie verstanden hat wie Kredit innerhalb einer Bank Funktion verstehen auch endlich das bei uns das Wort schuld völlig falsch verstanden wird!mann nimmt niemandes erspartes Geld weg was viele denken!dadurch entstehen Flasche schuld vorwürfe!wenn jemand pleite geht!banken riskieren kaum was dabei!bei Kredit wird einfach Geld gedruckt! Unfassbare Beträgen können abgeschrieben werden aber wenn privat 10000€/20000€ Net zurückzahlen können wird derjenige gleich gekreuzigt!wärend neben Firmen Chefs pleite machen und fast alles behalten können ohne Stress hinzu in Wochen alles erledigt!
    Wenn alles nach runter dann wegen Börse und dem ganzen Mist meiner Meinung nach darf ohne Ware/Dienstleistung nicht gehandelt werden Börsen sind reine Luft blasen keine dieser Firmen Besitz soviel wie angeblich Kurs vermuten lasst dort werden unfassbare Summen vernichtet!nichts wird dort Effektiv hergestellt aber Unsummen verdienten

  10. Xanthopoulos // 21. Juni 2020 um 0:23 // Antworten

    Was Banken die funktioniert nicht wie sie sollten wenn Gewinn dann behalten die Dividende auszahlen!und wenn schief geht soll Allgemeinheit geradestehen!ergo allen Banken einstampfen Staatsbank wesentlich durchschaubarer kontrollierbar und die verarsche für Leute viel kleiner!zusätzlich redet jeder Umweltschutz würde reichen wenn die Sachen net gleich nach Ablauf Garantie Auseinanderfallen.garantie Verlängerung verbessert alles auch für die Umwelt!viele Banken werden nun sich fragen nach corona wozu haben wir diesen Sack teueren Bürotürm wenn Leute im homeoffice arbeiten!doch egal wie der kleine ist angeschmiert was dazu führt das es zu gewaltige Auseinandersetzungen kommen wird!absolut sich!viele gesetztes Änderung ohne das wir das mitbekommen!

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