Ripple CEO Brad Garliunghouse findet, dass die Finanzaufsicht XRP unfair behandelt

Wellenkreise (Ripple) um eine Rose. Bild von Bernard Spragg. NZ via flickr.com. Lizenz: Public Domain

Der Ripple-CEO Brad Garlinghaus lässt in einem Podcast seinem Frust freien Lauf: Die US-Finanzaufsicht behandle XRP weniger fair als andere Kryptowährungen, weshalb Ripple darüber nachdenkt, auszuwandern. Dass die Klage nicht ganz unbegründet ist, zeigt die Auswahl an Coins, die PayPal verkaufen wird.

In der wichtigsten Krypto-News des Jahres dürfte für XRP-Fans etwas gefehlt haben. PayPal hat angekündigt, sehr bald seinen Kunden anzubieten, Kryptowährungen zu kaufen. Und zwar Bitcoin, Ether, Bitcoin Cash und Litecoin.

Und was ist mit XRP, dem ehemals Ripple genannten nativen Token der „XRP-Ledger“, ehemals ebenfalls Ripple genannt? Schließlich ist XRP die viertstärkste Kryptowährung, nach Bitcoin, Ethereum und Tether. Die Marktkapitalisierung ist beinah drei Mal so hoch wie Litecoin und Bitcoin Cash, die Anzahl der täglichen Transaktionen sogar mehr als zehn mal so groß, und wenn es einen Coin gibt, der tatsächlich für internationale Überweisungen genutzt wird, dann ist das doch offensichtlich Ripple. Zumindest schwören Fans von XRP darauf und verweisen nicht ganz ohne Recht auf MoneyGramm und die Liquiditätsmärkte auf verschiedenen Börsen.

Warum also wird PayPal Litecoin und Bitcoin Cash anbieten, aber nicht Ripple bzw. XRP? Sind es ideologische Gründe, da PayPal etwas dagegen hat, dass Ripple Labs – die Firma – sich die gesamte Menge an XRP-Token gutgeschrieben hat, um sie nun als gnädige neue Zentralbank zu verteilen? Oder fürchtet PayPal die Konkurrenz von XRP, das, so zumindest die XRP-Fans, als einzige der genannten Währungen das Zeug hat, PayPal auf dem eigenen Gebiet überflüssig zu machen, während all die anderen Token eher digitale Sammlerobjekte und Wertspeicher sind?

Die Antwort ist viel trivialer. Es liegt an der Regulierung. In einem Podcast mit The Block zieht Ripple-CEO Brad Garlinghouse vom Leder. Er beklagt, dass die USA XRP nicht gleich behandelt wie andere Kryptowährungen. Die regulatorische Situation um XRP sei höchst verwirrend: Acht verschiedene Regulierer in den USA sagten acht verschiedene Sachen zu XRP. Die FinCEN hält die Token für eine Währung, die Steuerbehörde IRS für eine Sache. Dies halte, so Garlinghouse, nicht nur XRP zurück, sondern die gesamte Kryptowirtschaft.

In dieser Umgebung einer generell fehlenden Klarheit litten vor allem die Kryptowährungen, welche von den Regulierern nicht mit individueller Klarheit beschenkt werden. Etwa Ripple bzw. XRP.

Etwas deutlicher wird Charles Cascarilla, der Chef von Paxos, jener Kryptofirma, mit der PayPal kooperiert, um seinen Kunden Kryptowährungen anzubieten. Er erklärt, dass die beiden Unternehmen vor allem auf die Regulatorik schauen, bevor Entscheidungen gefällt werden. „Bitcoin, zum Beispiel, und Bitcoin Cash und Litecoin, die sich sehr ähnlich sind, wurden, wie auch Ethereum separat, mehr oder weniger, von der SEC genehmigt, Bitcoin explizit, und Ethereum explizit. Sobald man aber beginnt, sich von den ersten vier wegzubewegen, beginnt ein Stück Unsicherheit. Nicht nur für uns, sondern für die Branche im generellen.“

Zwar ist XRP generell ebenso wenig verboten wie andere Kryptowährungen. Aber je nachdem, was ein Unternehmen damit machen möchte, ist es auf spezielle Freigaben durch die Aufsicht angewiesen. Zumindest geht es mehr Risiken ein, etwas ohne diese Freigaben zu tun.

Ähnlich wie bei der SEC sieht es bei der New Yorker Aufsicht aus: Die NYDFS hat einige Kryptowährungen, darunter eben BTC, LTC, ETH und BCH, zum Handel freigegeben, aber XRP noch nicht. Zwar können Unternehmen in New York dennoch XRP-Token verwahren, doch der Status zum Handel und Verkauf ist unklar. Sollte sich dies nicht ändern, dürfte PayPal auch nicht bereit sein, XRP anzubieten.

Tatsächlich schwebt über Ripple weiterhin das Damoklesschwert, von den Behörden als „Security“ definiert zu werden. Eine „Security“ ist ein unübersetzbarer englischer Finanzbegriff; er meint sowohl Anleihen als auch Aktien und prinzipiell jedes Finanzinstrument, dessen Performance von der Performance eines herausgebenden Unternehmens abhängt. Da Ripple Labs die XRP-Token herausgibt und auch an vorderster Front mit immer neuen Produkten und Dienstleistungen und Investments versucht, die Nutzung von XRP bzw. Ripple voranzutreiben, liegt der Verdacht sehr nahe, dass es sich um eine Security handelt.

Die US-Finanzaufsicht hat in der Vergangenheit bereits Bitcoin und Ethereum davon freigesprochen, eine Security zu sein. Bei Ripple laufen noch mehrere Gerichtsverfahren, die bisher nicht entschieden sind; eine klare Einordnung durch die SEC bleibt noch aus. Selbst die Krypto-Wirtschaft schätzt die Chancen von XRP schlecht ein, keine Security zu sein: Der Crypto Rating Counsil, ein Verbund von Unternehmen zur Selbstregulierung, vergibt Werte, inwieweit ein digitales Asset in Verdacht steht, eine Security zu sein. Hat es wie Bitcoin die Note 1,0, ist es über jeden Verdacht erhaben; Token dagegen, die wie XRP die Note 4,0 bekommen, erreichen beinah den Höchstwert der Security-Artigkeit.

Schlechte Neuigkeiten für Ripple könnte in dieser Hinsicht auch die mittlerweile wohl schon unzweifelhafte Ernennung von Joe Biden zum Präsidenten sein. Die Biden-Harris-Regierung möchte den Regulierer Garry Gensler zum Teamleiter in der Finanzaufsicht machen; und Gensler hat sich in einer Rede an der Elite-Hochschule MIT schon 2018 ziemlich eindeutig geäußert: Sowohl Ether als auch Ripple – „ganz besonders Ripple“ – wiesen starke Anzeichen dafür auf, unerlaubt herausgegebene Securities zu sein.

Kein Wunder liebäugelt Ripple damit, an einen Ort auszuwandern, wo die rechtliche Situation berechenbarer ist. London etwa, wo die Aufsicht klargestellt hat, dass XRP kein Security ist. Garlinghouse zufolge wären aber auch die Schweiz, Singapur, Japan oder die Vereinigten Arabischen Emirate attraktive Standorte. Die USA dagegen habe sich, so der Ripple-Chef, von den anderen G20-Märkten und der Art, zu regulieren, desynchronisiert. Oder XRP ist einer Security einfach zu ähnlich, um einfach so keine zu sein.

Über Christoph Bergmann (1906 Beiträge)
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Ein Kommentar zu Ripple CEO Brad Garliunghouse findet, dass die Finanzaufsicht XRP unfair behandelt

  1. Ich verstehe den Vergleich nicht.
    Xrp kann man in sekundenschnelle rund um die Welt senden.. und sogar damit einkaufen.
    Eine Aktie liegt im Depot herum..

    Das sind zwei verschiedene Dinge..

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