Loopring: Die dezentrale Börse demonstriert, wie zkRollups Ethereum skalieren

Looping. Bild von Wolfgang via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Langsam tut sich was: Mit Loopring gelingt es der ersten Ethereum Dapp, User auf eine sogenannte „Layer 2“ zu bringen. Mit einem Tagesvolumen von gut 8 Millionen Dollar ist die dezentrale Börse (DEX) zwar noch ein kleiner Fisch. Aber es ist ein vielversprechender Anfang dafür, Ethereum offchain zu skalieren – und ermöglicht Tradern, sich die Mining-Gebühren zu sparen.

Dezentrale Börsen auf der Ethereum-Blockchain waren eine der großen Erfolgsgeschichten des vergangenen Jahres. Auf Börsen wie UniSwap oder SushiSwap kann man sämtliche Token auf der Ethereum-Blockchain gegeneinander handeln, direkt aus der Wallet und ohne dass ein zentraler Mittelsmann beteiligt ist. Die Webseite ist lediglich das Interface, durch das man mit dem Smart Contract interagiert.

Ein cleveres System von Anreizen und ein gutes Design machten UniSwap so erfolgreich, dass die Börse an guten Tagen ein Handelsvolumen hatte, das in derselben Liga spielt wie die Börse Stuttgart.

Das wäre alles wunderbar – wenn die Gebühren auf der Ethereum-Blockchain nicht jenseits von Gut und Böse wären. Heute beispielsweise ist einer dieser besonders teuren Tage: Eine schnöde Transaktion kostet neun, ein Wechsel auf UniSwap sogar mehr als 100 Dollar. Diese Gebührenexzesse machen alles, was auf Ethereum läuft, extrem unattraktiv, und sie zeigen, dass die Blockchain die Grenze ihrer Skalierbarkeit längst überschritten hat.

Klaro, wer zahlt nicht gerne mal 80 Dollar Mining-Gebühr?

Was also tun? Wie kann man die dezentralen Börsen vor den Schattenseiten ihres eigenen Erfolg retten?

Ein Teil der Ethereum-Community wartet sehnsüchtig auf ETH2. Die neue Version von Ethereum, mit Proof of Stake und Sharding, soll die Skalierungsprobleme lösen. Aber bis es soweit ist, dass man Smart Contracts auf ETH2 benutzen können wird, werden noch einige Jahren vergehen – und es ist noch längst nicht ausgemacht, wie weit ETH2 wirklich skalieren wird.

Daher führt jetzt und in Zukunft kein Weg an den sogenannten Second-Layer-Lösungen (L2) vorbei. Dieser Begriff meint Methoden, um Transaktionen „offchain“, also nicht auf der Blockchain selbst, zu verarbeiten. Bei Bitcoin meint Second Layer vor allem das Lightning Netzwerk, zum Teil auch Sidechains wie Liquid. Bei Ethereum bevorzugt man dagegen sogenannte Rollups. Worum es da genau geht, erkläre ich später. Hier genügt, dass Rollups nicht nur sehr viel günstigere Transaktionen, mit Ether und Token, erlauben, sondern auch Smart Contracts abwickeln können, wie sie die dezentralen Börsen (DEX) verwenden.

Den Beweis, dass es funktioniert, erbringt nun Loopring. Die dezentrale Börse wickelt den kompletten Handel durch ein „zkRollup“ ab: Offchain, zu minimalen Gebühren und fast genauso dezentral wie bei UniSwap. Das wäre als Demo schon spannend. Aber Loopring findet immer mehr User, die einen Weg um die exorbitanten Gebühren herum suchen, und wickelt ein zunehmendes Handelsvolumen ab. Damit beweist die dezentrale Börse, dass man Rollups auf eine userfreundliche und ansprechende Weise einsetzen kann.

Handelsvolumen auf Loopring nach OKLink

Im Vergleich zu UniSwap oder SushiSwap ist ein Volumen von 8 Millionen Dollar am Tag natürlich noch ein Klacks. Aber es ist ein vielversprechender Anfang.

Für Praktiker: So handelt ihr auf der dezentralen Layer-2-Börse

Für diejenigen unter euch, die einfach nur auf der dezentralen Börse handeln wollen, ohne sich allzu sehr mit dem technischen Schnickschnack zu beschäftigen, stelle ich euch zunächst vor, wie man Loopring benutzt.

Es handelt sich um eine typische DEX (dezentrale Börse): Ihr könnt darauf Token „swapen“, also sofort tauschen, und ihr könnt Liquidität bereitstellen. Wer schon einmal auf UniSwap gehandelt hat, wird sich rasch zurechtfinden. Der einzige fundamentale Unterschied ist, dass ihr zunächst eure Coins und Token auf die L2 bringen müsst. Dazu müsst ihr auf der Loopring-Seite eine Art „Deposit“, als eine Einzahlung durchführen, für die ihr wie gewohnt eure Wallet (etwa Metamask) mit der Webseite verbindet.

Anders als bei einer Einzahlung bei einer Börse behaltet ihr jedoch die Kontrolle über eure Coins. Der Smart Contract, an den ihr sie einzahlt, erlaubt euch – und erst einmal nur euch -, sie auch wieder auszuzahlen. Nachdem die Transaktion einige Bestätigungen gesammelt habt, könnt ihr in der Loopring-Wallet euer L2-Guthaben ansehen. Die Wallet wird auf Loopring.io gehostet, was aber an sich nicht notwendig wäre.

Nun könnt ihr auf Loopring handeln. Es gibt einen „Spot-Markt“, mit Charts und einem Orderbuch, der aber nur drei Währungspaare bedient und eine ziemlich geringe Liquidität aufweist. Praktischer ist der Swap, der auf dieselbe Weise funktioniert wie bei UniSwap: Ihr wählt ein Währungspaar aus, gebt euren Betrag ein, und bestätigt dann den Wechseln. Hier gibt es immerhin 14 Währungspaare, meist auf der Basis von Ethereum (ETH), Tether-Dollar (USDT) oder DAI-Dollar (DAI). Wenn man nicht Ether gegen ein Dollar-Token tauschen will, kann man andere Token wie die Loopring-Token (LRC), die Token der Börse 1Inch, das DeFi-Indextoken DPI, Link- und Uniswap-Token oder WBTC handeln. Es ist eine kleine, aber feine Auswahl, die mit Sicherheit in naher Zukunft wachsen wird.

Jeder Swap kostet eine Gebühr von 0,25 Prozent. Ausgeführt wird er augenblicklich, eine onchain-Gebühr ist, wie gesagt, nicht zu bezahlen. Angesichts der hohen Onchain-Gebühren ist es eigentlich Unsinn, nicht auf Loopring zu handeln, wenn man eine DEX benutzen will. Außer man möchte freiwillig zuviel bezahlen.

Wie bei UniSwap kann man als User auch Liquidität bereitstellen. Dazu braucht man ein Guthaben in zwei Währungen, beispielsweise ETH und WBTC. Dieses kann man dann in einen Pool geben, um einen Anteil an den Handelsgebühren zu bekommen. Auch hier muss man keine Onchain-Transaktion schreiben, sondern kann die Liquidität augenblicklich und kostenlos einzahlen oder abheben.

Neben dem Handel erlaubt Loopring auch den Transfer: Man kann jeden Coin und jedes Token, das man im Rollup hat, an andere Ethereum-Adressen oder ENS-Domains überweisen, sofern diese auch bei Loopring registriert sind. Diese Überweisungen kosten natürlich ebenfalls keine Gebühren und finden augenblicklich statt.

Die oben erwähnten LRC-Token funktionieren ähnlich wie die SushiSwap-Token: Man kann sie staken, um einen Anteil an den Handelsgebühren zu erhalten, sie erfüllen Funktionen der „Governance“ von Loopring, und schließlich kann man durch sie die Handelsgebühren senken.

Das Design und die Nutzeroberfläche hinkt gegenüber UniSwap noch etwas hinterher. Es sieht weniger schick aus, klickt sich nicht ganz so gut, und es ist schwieriger, die Übersicht zu wahren, etwa wie der Stand des eigenen Liquiditäts-Minings ist. Aber dafür könnt ihr dasselbe machen, ohne Gebühren zu bezahlen. Braucht es da wirklich noch ein bestechendes Design?

Die Loopring-Wallet

Wie alle DEX und Dapps ist die Loopring-Webseite nur ein Interface: Die Schlüssel für eure Coins und Token bleiben in eurer Wallet, und der Handel an sich wird mehr oder weniger ohne Mittelsmann abgewickelt. Prinzipiell könnte man Loopring auch direkt aus Metamask und jeder anderen Ethereum-Wallet heraus benutzen.

Da aber bisher noch keine Wallet Loopring und Rollups unterstützt, haben die Loopring-Entwickler eine eigene Wallet gebaut. Diese Wallet erlaubt es, direkt aus der Wallet heraus Loopring-Transfers durchzuführen und Token zu wechseln.

Die Wallet wirkt durchdacht und präsentiert mit dem System der „Guardians“ eine interessante Methode der Backups. Allerdings muss man sie mit einer Ethereum-Transaktion aktivieren, was mir etwas zu teuer war, um es zu testen. Ich habe ja bereits meine Metamask-Wallet mit Loopring auf der Webseite verbunden. Daher habe ich die Wallet leider noch nicht gestestet, werde es aber tun, sobald die Ethereum-Gebühren wieder auf ein vernünftigeres Niveau fallen. Sie macht einen vielversprechenden Eindruck.

An dieser Stelle verlassen wir den praktischen Teil und kommen zu der hinter Loopring stehenden Technologie.

Die Theorie dahinter: zkRollups

Rollups sind für Ethereum das, was Lightning für Bitcoin ist: Der Community liebste Layer-2-Lösung. Layer-2 meint hier eine Methode, Transaktionen von der „Layer-1“, also der Basis-Blockchain, wegzubringen, und diese damit gleichzeitig zu entlasten und zu skalieren.

Anders als das Lightning Netzwerk führen Rollups Transaktionen nicht komplett offchain durch. Sie bündeln lediglich zahlreiche Transaktionen in einer einzelnen Transaktion. Matthew Fineston von Loopring vergleicht es in einem Interview damit, dass die Bewohner einer Stadt nicht jeder ein eigenes Auto oder Taxi benutzen, sondern Hochgeschwindigkeitszüge auf Schienen über der Stadt. So bleiben die Straßen leer, während jeder dennoch rasch sein Ziel erreicht.

Technischer ausgedrückt: Die Aktivitäten der User – ihre Transaktionen, ihre Trades – finden nicht auf der Blockchain statt, sondern in einem Hashbaum oder Merkletree. Dieser wird von einem „Operateur“ geführt, an den die User ihre Transaktionen senden, welche sie wie gewohnt mit ihren Schlüsseln unterschreiben. Der Operateur fügt dann die durch die Transaktion ausgelösten Änderungen von Guthaben und State in den Merkletree ein. Nachdem er eine bestimmte Menge an Transaktionen gesammelt hat, veröffentlicht er die Root des Merkletrees nebst einem Beweis durch eine Blockchain-Transaktion. Im Falle der zkRollups ist der Beweis ein zkSNARK, ein Zero-Knowledge-Proof.

Solche Rollups führen zwar Mittelsmänner ein. Doch diese können keinen wirklichen Schaden anrichten. Das schlimmste, was sie machen können, erklärt Christoph Jentzsch in einem Interview, ist es, eine Zahlung zu ignorieren. Dank der Beweise können sie kein Geld stehlen.

Rollups sind etwas weniger dezentral als das Lightning-Netzwerk, haben aber im Vergleich mit diesem einige Vorteile: Man kann mit ihnen unbegrenzte Mengen an Coins und Token versenden, anstatt darauf angewiesen zu sein, dass die Menge durch einen Zahlungskanal passt. Darüber hinaus kann man mit Rollups auch Token transferieren und im Grunde beliebige Smart Contracts ausführen.

All dies macht die Rollups zu einer vielversprechenden Skalierungs-Option für Ethereum, lange bevor ETH2 zündet. Was sie können, beweist Loopring.

Über Christoph Bergmann (1940 Beiträge)
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5 Kommentare zu Loopring: Die dezentrale Börse demonstriert, wie zkRollups Ethereum skalieren

  1. Es ist ganz einfach. Ich werde es mit bitcoin heute 👻💎😃

  2. Ein sehr guter Artikel – alles drin!!

  3. Yep, wieder mal ein toller Artikel.

  4. >“Was also tun? Wie kann man die dezentralen Börsen vor den Schattenseiten ihres eigenen Erfolg retten?“

    Ganz einfach eine DEX nehmen, die auf einer skalierbaren Chain basiert und fast nichts kostet. Z.B. https://tdxp.app
    Es gibt kein Bedarf für umständliche und intransparente 2nd Layer Lösungen.

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