Die Macht der Definitionen: Ripple (XRP) verschwindet nach Einstufung als Security von immer mehr Börsen

Wellenkreise (Ripple) um eine Rose. Bild von Bernard Spragg. NZ via flickr.com. Lizenz: Public Domain

Nachdem die US-Börsenaufsicht SEC die Firma Ripple Labs anklagt hat, mit den XRP-Token ein unerlaubtes Security herauszugeben, trennen sich viele Börsen von XRP. Zeigt die SEC gerade, welche Macht sie hat? Könnte dasselbe auch mit Bitcoin geschehen? Und wird sich Ripple nun mal wieder neu erfinden müssen?

Wer in Ripple (XRP) investiert ist, braucht derzeit starke Nerven. Während die Besitzer der meisten anderen Kryptowährungen weiterhin in Jubelstimmung sein dürften, sieht es bei Ripple eher so lala aus. Vermutlich sogar eher noch schlechter.

Die US-Börsenaufsicht SEC hat das, was schon lange befürchtet wurde, wahr gemacht: Sie hat die XRP-Token als eine Security eingeordnet und die Firma Ripple angeklagt, sich an der unerlaubten Herausgabe eines solchen um mehr als eine Milliarde Dollar bereichert zu haben. Die Klage schwelt und ist noch längst nicht entschieden. Doch die SEC hat mit diesem Zug bereits regulatorische Fakten geschaffen – und XRP als etwas eingeordnet, das keine Kryptowährung sein möchte: Als ein Security.

Ein Security meint jede Art von Wertpapier, welches von einem Unternehmen herausgegeben wird, um die Operation zu finanzieren, und das die Käufer am Erfolg des Unternehmens beteiligt. Es können also sowohl Aktien als auch Anleihen sein – und auch die vielen bei einer ICO ausgeschütteten Token. Dass die Herausgeber von Token durch eine ICO von der SEC wegen unerlaubter Herausgebung von Securities angegangen werden, ist nicht neu. Mit Ripple trifft es jedoch eine der großen Kryptowährungen.

Die Folgen zeigen sich schon jetzt. Viele Börsen werfen die XRP-Token lieber präventiv vom Handelsplatz, um keinen Ärger mit der SEC zu riskieren. Denn der Handel mit Securities verlangt eine spezielle Lizenz, wie sie Aktienbörsen besitzen, nicht aber Krypto-Börsen.

Coinbase, Blockchain.com und OKCoin stellen den Handel mit XRP komplett ein. BitStamp, Kraken, Abra, eToro, Binance, Bittrex und Crypto.com nehmen das Token nur für den Handel in den USA vom Marktplatz. Simplex, eine Wallet mit Kaufoption, entfernt XRP komplett, Wirex dagegen nur für US-Kunden. Die Broker Genesis Trading, Bitwise und Bitcoin Suisse haben vorsorglich XRP ebenfalls aus dem Portfolio entfernt. Und das sind nur die bekanntesten Namen.

Während es für US-User bald so gut wie keine Möglichkeit mehr, gibt, direkt XRP Token zu kaufen, scheint der Handel in Europa weiterhin unproblematisch. Gatehub, eine auf XRP fokusierte Wallet aus Slowenien, kündigt in einem Blogpost an, dass man XRP weiterhin unterstützen wird – zumindest vorerst.

Insgesamt ist es beispiellos, wie rasch eine Top-Währung vom Handel ausgemerzt wird. Das Delisting von XRP stellt sogar das von Bitcoin SV in den Schatten, und geht wesentlich rapider als das regulatorisch bedingte sukzessive Delisting von Privacycoins wie Monero oder Zcash. Dies zeigt, welche Macht eine simple Definition durch ein Aufsichtsorgan haben kann – die SEC muss nur „Security“ sagen, und schon lassen die Börsen einen Coin fallen wie eine heiße Kartoffel.

Zeigt hier eine Behörde gerade ihre Muskeln? Demonstriert sie, dass ein Wort von ihr mehr wiegt als eine Top-Stellung im Ranking der Kryptowährungen? Dass jeder Coin nur auf ihrer Gnade gehandelt wird und dass sie, wenn ihr danach steht, die Party rasch beenden kann?

Die meisten Börsen zeigen sich in der Tat erstaunlich folgsam. Aber natürlich geht es auch „nur“ um XRP. Dass dieses Token nahe an einem Security ist, war schon lange bekannt; und es mag ein starker Coin sein, aber es ist kein Fundament der Kryptomärkte, wie es Bitcoin und Ethereum (und Tether) sind. Es lohnt sich nicht wirklich, darum zu kämpfen, und die ideologische Bindung an einen Coin, der vor allem Ripple Labs reich macht, dürfte wesentlich geringer sein, als die an Bitcoin. Sollte dasselbe mit Bitcoin geschehen, ist durchaus denkbar, dass die Börsen weniger artig sind – dass sie stärker protestieren, nicht folgen und es auf eine gemeinsame Klage ankommen lassen.

Zugleich wird XRP weiterhin auf zahlreichen Börsen gehandelt. Das können Börsen für Nicht-US-Kunden sein, oder Offshore-Börsen, die ohnehin um die Regulierung herum navigieren. Für US-Investoren dürfte es kein bemerkenswert großes Problem sein, sich bei den etablierten Börsen Bitcoin oder Dollar-Token zu kaufen, und diese dann bei anderen, Nicht-US-Bösen gegen XRP zu tauschen. Dementsprechend hat sich der Preis von XRP nach einem deutlichen Einsturz bei knapp 30 Dollar-Cent eingefangen.

Allerdings sollte man nicht unterschätzen, wie schwer der Schlag Ripple trifft. Die Kryptowährung hat seit langem den Anspruch, die saubere, weiße Währung zu sein, die eine sinnvolle Option für Banken ist. Das dürfte mit einem faktischen Verbot auf regulierten US-Börsen erstmal vom Tisch sein. Weiterhin versucht sich Ripple seit einigen Jahren als Remittance-Coin zu positionieren, also als Brückenwährung für Überweisungen von Gastarbeitern in ihre Heimat. Verschiedene Korridore, meist mit einem Dollar-Währungspaar, wurden hierfür getestet und wohl auch aktiv genutzt. Auch diese Anwendung hat nun ein sehr viel geringeres Potenzial.

Das Delisting auf US-Börsen schadet den legitimen Anwendungen einer Kryptowährung enorm. Sowohl für den Interbankentransfer als auch den Remittance wurde Ripple nun zu einer deutlich schlechteren Option als vergleichbare Blockchains. Daher wird sich Ripple vielleicht neu erfinden müssen, was, immerhin, nicht zum ersten Mal gelingen würde.

Über Christoph Bergmann (1971 Beiträge)
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